Vom Sinn und Unsinn des Fastens – Blick auf einen Trend aus 30 Jahren Fastenerfahrung

Fasten – eine Jahrtausende alte Tradition ist im Mainstream angekommen. Ich werfe aus dreißig Jahren Fastenerfahrung einen Blick auf Sinn und Unsinn des aktuellen Trends: Was passiert beim Fasten? Was ist Autophagie, wann tritt sie ein und wie isst man sich eigentlich selbst (auf)? Macht Fasten wirklich jünger, schöner und gesünder? Und wie spült man den ganzen Mist, den man gerne loswerden möchte, aus sich heraus?

Vom Sinn und Unsinn des Fastens. Ein Blick auf Heilfasten, Fasten und Intervallfasten (Intermittierendes Fasten) | Arthurs Tochter kocht. Der Blog für Food, Wine, Travel & Love von Astrid Paul

Was wichtig ist:

Dieser Beitrag ist keine Aufklärung im medizinischen Sinn. Ich bin keine Ärztin und jede Empfehlung entspringt meinem eigenen Erleben und meinem eigenen Horizont, ist somit zutiefst subjektiv. Meine Beiträge zum Fasten ersetzen ebenfalls keine ärztliche Aufklärung – sie sind im weitesten Sinne populärwissenschaftlich zu betrachten, ein leicht ironischer Abstand zum Thema ist dabei gewährleistet. Bei medizinischen Problemen und Fragen wendet Ihr Euch also bitte an einen Arzt Eures Vertrauens – und keinesfalls an Internetforen, Fastengruppen on- und offline und auch nicht an die Autorin dieses Blogs. Mir schreibt Ihr aber gerne bei allgemeinen Fragen zum Fasten, die nicht medizinischer Natur sind! Wenn ich ohne weitere Ergänzung vom Fasten spreche, meine ich stets das klassische Heilfasten, also der gänzliche Verzicht auf feste Nahrung. Intervallfasten, bzw. Intermittierendes Fasten (das ich ebenfalls praktiziere) ist hier nicht gemeint, findet aber Erwähnung. 

Einleitung

Als meine Mutter, Yogalehrerin und Heilpraktikerin, anfing regelmäßig zu fasten, war ich circa achtzehn Jahre alt. Mit einer Mischung aus Faszination und leichtem Grusel beobachtete ich sie zweimal im Jahr dabei, wie sie über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen auf einmal nichts mehr aß, Unmengen von Kräutertees in sich hinein schüttete, in den ersten Tagen kaum von der Toilette kam und von Tag zu Tag jünger aussah. Es gab kein Internet, das mir in dieser Zeit hätte erklären können, das sei alles Quatsch. Ich kaufte mir auch ganz bestimmt keine Bücher dazu, ich blätterte höchstens ein wenig durch die, die meine Mutter zu diesem Thema las. Weil ich aber von Natur aus ein neugieriger Mensch bin und Dinge ungern aus der sicheren Distanz des Halbwissen beurteile, blieb mir am Ende nur der Selbstversuch. Also besuchte ich ein paar Jahre später einen vierzehntägigen Fastenkurs. Ich hörte auf zu essen und traf mich zweimal wöchentlich mit den anderen Kursteilnehmern im Studio meiner Mutter zum Gedankenaustausch und zum Autogenen Training. 

Und seitdem faste ich nach Möglichkeit zweimal jährlich. Ich bin durch alle Höhen und Tiefen gegangen, die während des Fastens erlebbar sind. Ich habe Fastenkrisen gemeistert, einmal wegen zu großer Kreislaufprobleme abgebrochen und ganz allmählich meine Fastenzeit auf bis zu zweiunddreißig Tage gesteigert. Von diesen Erlebnissen und meinen Gedanken zum Sinn und Unsinn des Fastens im Allgemeinen und im Besonderen erzähle ich Euch heute. 

In einem weiteren Beitrag möchte ich gerne für Euch eine Liste mit FAQ erstellen, die ich immer wieder aktualisieren kann und die Euch in Zukunft als Nachschlagewerk dienen soll. Dazu habe ich in den vergangenen Wochen über Facebook Fragen meiner Leserinnen und Leser gesammelt. Mit diesem Beitrag habt Ihr alle jetzt noch einmal die Möglichkeit, Eure Fragen loszuwerden. Ich werde versuchen, im Rahmen der FAQ alle zu beantworten. Bitte schreibt mir dazu eine Mail an arthurstochter@gmail.com mit dem Betreff: Fasten. 

Fasten ist ganz einfach!

Ich weiß, das klingt erst einmal komisch. Wer kann sich schon vorstellen, einfach so mit essen aufzuhören? Und das ist auch meistens die erste Reaktion die ich erlebe. Oh Gott, das könnte ich nicht! Nun, ich lebe lieber nach der Devise, ich kann, was ich will. Und zu fasten gehört wirklich zu den einfachsten Dingen, zu denen ich mich bisher überwinden konnte. Es ist viel einfacher zu fasten, als zum Beispiel mit Rauchen aufzuhören! Es ist viel einfacher zu fasten, als weniger zu essen! (Es ist trotzdem keine Diät, aber dazu kommen wir noch) Es ist viel einfacher, einen Tag sehr konzentriert auf sich selbst zu erleben, als ständig um andere herumspringen zu müssen. Es kann allerdings auch Nachteile haben, so auf sich selbst zurückgeworfen zu werden; manchmal gefällt mir zum Beispiel nicht, wie ich bin. Fasten ist im Idealfall ein tiefes Erleben der eigenen Persönlichkeit. 

Dass Fasten so einfach ist, verrät nur kaum jemand. Wie sonst sollen sich kilometerlange Bücherregale voll von Fastenratgebern verkaufen? Wie sonst sollen Fastenkliniken wirtschaftlich arbeiten können. Wie sonst lebt eine ganze Industrie von Menschen, die auf alles verzichten? Verzicht ist volkswirtschaftlich schädlich – also muss um ihn herum so viel wie möglich mit Konsum-Kosten verbunden werden. Eine ganze Detox-Bewegung ist daraus entstanden, die mit zweifelhaften Pülverchen, unnötigen Säften, Tabletten, Mineralstoffen zweifelhafter Herkunft und mehr, den Fastenwilligen das Geld aus der Tasche zieht. Und wer gerne detoxt, der kauft vielleicht auch außerhalb der Detoxzeiten ein bei Mondschein linksgedrehtes, esoterisch aufgeladenes Wasser. Um sich selbst etwas Gutes zu tun und dem sich in den Schlaf lachenden Produzenten auch. 
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Medizin-Nobelpreis für die Erforschung der Autophagie

Dass Fasten boomt, hat unter anderem damit zu tun, dass die Wissenschaft seit einigen Jahren untersucht, welche Vorgänge sich im Körper fastender Menschen abspielen. Es gibt seit langer Zeit Untersuchungen dazu an Ratten, Mäusen und Fruchtfliegen(!), die aber alle eher auf das seit Jahren bekannte Dinner-Cancelling, dem Vorläufer des Intervallfastens zielten. Ratten, die im Dinner-Cancelling-Modus ernährt wurden, wurden im Laborversuch signifikant älter, als ihre normal ernährten Artgenossen. Mittlerweile hat Univ.-Prof. Dr. Frank Madeo vom Institut für Molekulare Biowissenschaften der Universität Graz im Laborversuch nachgewiesen, dass nicht allein die aufgenommene Kalorienmenge über Ab- und Zunahme entscheidet, sondern dass im Intervallmodus ernährte Mäuse sehr viel mehr tatsächliche Energie über die Nahrung aufnehmen können und dabei trotzdem nicht zunehmen, als eine Vergleichsgruppe mit Mäusen, die die gleiche Energiemenge am Tag aufnehmen, jedoch alle paar Stunden über den Tag verteilt regelmäßig fressen. Ergebnisse dieser Art machen das Intervallfasten für die breite Masse interessant, denn wer träumt nicht davon, nicht weniger essen zu müssen, sondern nur auf weniger Stunden verteilt und dabei sogar abnehmen zu können. 

2016 erhielt der Japaner Yoshinori Ohsumi den Nobelpreis für Medizin für seine Forschung zur Autophagie. Autophagie ist seit dem zum Schlagwort einer ganzen Bewegung geworden, jeder Fastende will in den Zustand der Autophagie gelangen; Autophagie ist quasi die neue Ketose. Ab wann die Autophagie einsetzt, ist bis heute nicht nachgewiesen, als sehr sicher gilt die Annahme: ab 16 Stunden Nahrungsverzicht. Im Zuge des Hypes um das Intervallfasten rückt auch das klassische Heilfasten wieder mehr in den  öffentlichen Fokus. Heilfasten ist praktisch ein Intervallfasten über einen sehr viel längeren Zeitraum im Zustand der Autophagie. 

Was passiert bei der Autophagie? Und wie war das noch gleich mit den Schlacken?

Autophagie bedeutet übersetzt sich selbst (auf)essen. Ich stelle mir die Autophagie wie die körpereigene Müllabfuhr vor. Meine Zellen dümpeln so vor sich hin, haben meine letzte Flasche Spätburgunder noch bis Oberkante Unterlippe stehen und so wie mittwochs die Müllabfuhr die Restmülltonnen leert, bringe ich in der Phase der Autophagie meine Zellen dazu, mal ordentlich durchzukehren und das Leergut vor die Tür zu stellen. Und jetzt passiert etwas  sehr Spannendes: 

Ihr kennt alle die ominösen Schlacken, die beim Fasten angeblich ausgeschieden werden. Ich predige ja schon seit Jahren wie jeder seriöse Mediziner es ebenfalls tut , dass es diese Schlacken nicht gibt. So ein Körper ist schließlich kein Hochofen auf Zeche 3 in Bochum. Seitdem man aber um den Prozess der Autophagie weiß, kommt die Schlacke quasi zur Hintertür wieder hinein. Mittlerweile erkennen Forscher an, dass die als nicht vorhanden gescholtenen Schlacken durchaus gleichgesetzt werden können mit den Abfallprodukten des Autophagieprozesses. Da guck. Ich starte also für meinen Körper ein Selbstreinigungsprogramm, in 4 Wochen Heilfasten sogar den Hauptwaschgang. Einmal große Kochwäsche sozusagen. Das Rahmenprogramm aus Yoga und Meditation ist dann noch der Weichspüler obendrauf. 

Prof. Dr. med. Andreas Michalsen, Chefarzt der Abteilung Naturheilkunde im Immanuel Krankenhaus Berlin und Inhaber der Stiftungsprofessur für klinische Naturheilkunde am Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité-Universitätsmedizin Berlin, forscht als Arzt für Innere Medizin seit Jahren zum Thema Fasten. Sinngemäß sagte er in einem Interview:
Mit dem Fasten ist es wie mit vielen anderen Dingen. Erst wird es von einem kleinen Kreis von als Spinnern bezeichneten Personen ausgeübt. Dann findet es seinen Weg in die Popularität und dann, viel später, springt die Wissenschaft auf und untersucht das Phänomen seriös. Und kommt dann wie im Fall des Fastens zu dem Schluss: Ist ja auch abseits aller Esoterik ganz schön viel Wahres dran. 
Die Forschung zur Autophagie widerlegt auch die von einigen Fastengegnern gebetsmühlenartig vorgetragenen Sätze wie: Ein gesunder Körper reinigt sich selbst, dafür sorgen schon Leber und Nieren. Ja, das stimmt. Aber wie man inzwischen weiß, eben nur zum Teil. Leber und Niere räumen nicht alle Stoffwechselprodukte auf, die in den Zellen entstehen. Das ist ein bisschen wie immer ums Sofa herumsaugen – einmal im Jahr von der Wand gerückt offenbart sich einiges an Staub, bei uns liebevoll Gespensterkotze genannt. Und diese Gespensterkotze behält der menschliche Körper in seinen Zellen, da macht auch die Leber nix. Gespensterkotze lässt aber die Zelle unter Umständen schneller altern. Oder kränker werden, je nachdem. 

Eeeek! Darmentleerung! 

Schon aus journalistischem Interesse bin ich viel in Fastenforen unterwegs. Einer meiner beliebtesten Artikel, der vom Entsäuern und Kacken, ist 2016 daraus entstanden. In diesem Artikel mache ich mich ein bisschen lustig über den Hang zum permanenten Ausscheiden wollen, wobei das natürlich das Wesen des Fastens ist: Raus mit dem Mist. Nur mit der Analfixierung, die viele Anhänger der ständigen Darmspülungen damit offenbaren, gehe ich nicht konform. Eine Colon-Therapie ist in meinen Augen eher für den Arsch^^. Aber: Das ist Halbwissen, ich habe sie tatsächlich noch nicht ausprobiert. Mich schreckt erstens die Verletzungsgefahr ab und zweitens die von allen Anhängern mir immer wieder bestätigte, damit einhergehende erhöhte Sensibilität und Verletzlichkeit. Bitte, noch sensibler möchte ich gar nicht sein, auch nicht über ein paar Stunden oder Tage. Und viele Anhänger von Darmspülungen machen durchaus den Eindruck von Süchtigen. Kopfweh? Zack, Darmspülung. Du bist heute etwas niedergeschlagen? Zack, Darmspülung. Es gibt Leute, die durchspülen ihren Darm dreimal täglich und öfter. Ich vermute, manche Fastende leben für vierzehn Tage und länger mit einem Schlauch im Hintern in ihren Badewannen. Einmal zwei Liter Wasser rein und mitsamt Darminhalt wieder raus. Eeeek. Das muss man wollen, ich will das eher nicht. Und wenn Ihr tiefer in das Thema eintaucht, dann begegnen Euch Darmspülungen mit vielen anderen Dingen außer lauwarmem Wasser. Kaffee und Kräutertees sind da noch das Harmloseste. Nun, es gibt ja auch Anal-Alkoholiker, die überstehen ihre Tage im Büro nur mit Wodka-Tampons im Hintern ...

Dennoch: Je schneller der Darm leer ist, desto eher hört das Hungergefühl auf, Tatsache! Also ist eine schnelle Darmentleerung zum Fastenbeginn förderlich. Ich selbst exe 0,5 Liter Wasser weg, in dem ich 1,5 Esslöffel Glaubersalz (Bittersalz) aufgelöst habe. Und das ist nicht(!) lecker! Dann bleibe ich die nächsten Stunden tunlichst zuhause. Je nach Tagesform benötigt mein Darm mal zwei, mal drei, mal vier Stunden, um alles raus zu schicken, was keine Miete zahlt. Und die vier Liter Tee, die ich an so einem Tag trinke, tun ihr übriges. Ansonsten lasse ich meinen Körper ziemlich in Ruhe sein Werk tun. Was raus muss, kommt raus. Ich habe selbst schon erlebt, dass eine Darmspülung zuhause mithilfe eines Irrigators bei schlimmen Fastenkrisen (Hungerattacken) helfen kann. Aber auch hier kann ich für mich persönlich aus dem Selbstversuch konstatieren: Ob mit Darmspülung oder ohne, auf den Fastenverlauf hatte das bisher für mich keinen messbaren/fühlbaren Einfluss. 

Anhänger der Darmspültheorie sagen dann gerne, ja aber da kommt doch auch nach wochenlangem Nahrungsverzicht immer noch was rausgespült. Ein Beweis dafür, was sich alles an schrecklichem Zeug im Darm ablagert. Nun. Unser Körper funktioniert ziemlich wunderbar, dazu gehört auch das permanente nach Draußen schaffen des Darminhaltes, trust me. Allerdings ist unser Darm kein Edelstahlrohr. Egal, ob Ihr da jetzt von oben was reinschafft oder nicht, innen ist dennoch ganz schön was los. Da gibt es zum Beispiel die Darmzotten. Die könnt Ihr jetzt mögen oder nicht, aber die habt Ihr auch. Stellt sie Euch als kleine Erhebungen auf der Darmschleimhaut vor, die die Nährstoffe aus der Nahrung absorbieren. Kluge kleine Dinger das! Aber nicht sehr langlebig. Darmzotten sterben am laufenden Meter^^ ab (Der gesamte Darmbereich des Menschen ist circa 5,5 - 7,5 Meter lang. METER!) Und die abgestorbenen Darmzotten werden laufend ausgeschieden, Gott sei Dank! Und darum: Egal, wie lange Ihr fastet, wundert Euch nicht: Aus Eurem Darm kommt immer Zeugs. Aber das sind keine Schlacken^^ oder ominöse Abfälle, das sind tote Zotten. Einfach, oder? Man muss es nur wissen, dann verliert das ganze Thema "Ausscheidung" während des Fastens viel von seinem despektierlich wirkenden Habitus. 

Ich bin dazu übergegangen, während des Fastens alle zwei Tage einen halben Liter Sauerkrautsaft zu trinken, der rauscht bei mir nur so durch und nimmt alle Zotten mit, die nicht bickelfest auf der Schleimhaut sitzen. Mir ist das angenehmer als ein Schlauch im Hintern. Aber Ihr wisst ja, immer bitte jeder so wie er möchte. 

Macht Fasten denn nun jünger, schöner und gesunder? Und warum ist Fasten keine Diät?

Ich kann die mögliche Heilkraft des Fastens aus zwei Blickwinkeln betrachten: Erstens aus dem eines knackgesunden Menschen. Als ich mit Anfang 20 das erste Mal fastete, quälte mich kein einziges Zipperlein. Ich war mit meinen circa 48 Kilo auf 1,68 Meter Körpergröße lediglich immer spindeldürr und während des Fastens nahm ich weitere drei bis vier Kilogramm ab, die aber auch ruckzuck wieder drauf waren. Insofern, auch für wirklich dünne Menschen ist Fasten geeignet; es ist ein Bisschen so, als würde der Körper in diesem Modus in den ersten Wochen nur das hergeben, was er auch hergeben kann. So sind wir seit Urzeiten programmiert und darum entspricht das Fasten auch so sehr dem normalen und gesunden Rhythmus des Menschen: Es gibt Phasen der Völlerei (Mensch jagt Mammut und isst tagelang bis er platzt) und es gibt Phasen der Entsagung (kein Mammut in Sicht). Die Jagd auf einen gefüllten Kühlschrank oder den nächsten Supermarkt ist nicht wirklich das, was unser genetischer Code unter Jagd versteht.  

Übrigens spielen in diesem Zusammenhang auch die von Fastenden immer wieder beschriebenen Glücksgefühle eine Rolle. Hungern löst eine ganze Welle von Hormonen aus, vor allem werden wir während des Fastens mit dem Glückshormon Endorphin überschüttet. Aus Sicht unserer Vorfahren war das überlebenswichtig! Wer geht schon hungrig UND deprimiert auf die Jagd? Bei mir äußert sich das in meiner allumfassenden Albernheit, die spätestens am siebten Tag von mir Besitz ergreift. Und wahrscheinlich resultiert daraus auch mein "Watte-Kokon" von dem ich Euch weiter unten erzähle. 

Wir leben also seit locker über 60 Jahren gegen unsere Programmierung. Und das ist auch die Erklärung dafür, warum Fasten nicht mit einer Diät zu vergleichen ist. Fasten ist für abnehmwillige Diätanhänger quasi die Eintrittskarte in den Jo-Jo-Effekt. Aber: Wer abnehmen will oder muss, für den kann Fasten der ideale Einstieg in eine gewollte Ernährungs- oder Lebensumstellung sein. Fasten ist bis heute für mich so etwas wie ein Reset-Knopf. Oder auch: Einmal Hauptwaschgang bitte. 

Der zweite Blickwinkel, den ich auf das Fasten habe, ist der eines kranken Menschen. Seit über 25 Jahren leide ich an einigen ziemlich fiesen Stoffwechselerkrankungen; die schmerzhafteste, mein Leben am stärksten einschränkende, ist meine chronische rheumatoide Arthritis. Ich habe mittlerweile einiges an Operationen hinter mir, und kann die ganze Klaviatur von Schmerzmitteln und Entzündungshemmern im Schlaf rauf und runter spielen. In den ersten Jahren halt mir das Fasten signifikant gegen die Schmerzen, und zwar über die Dauer von bis zu vier Monaten hinweg. Ich konnte also bereits während des Fastens und noch Wochen und Monate danach meine Schmerzmittel absetzen oder zumindest deutlich reduzieren. Mittlerweile ist meine Krankheit so weit fortgeschritten, dass das Fasten nicht mehr diesen durchschlagenden direkten Effekt auf meine Krankheit hat. Aber es hat bis heute einen indirekten Effekt, dessen Durchschlagskraft sich permanent steigert: Fasten macht mich unglaublich ruhig und gelassen. Es schafft einen Kokon um mich herum, den ich gerne mit einer Wattierung vergleiche. Alle Belastungen, Sorgen, Schmerzen; jeder Disput, jede Unfreundlicheit landet in der Wattierung meiner Seele, wird dort aus ihrem Schwung und ihrer Wucht herausgenommen und schweift in harmonischem Bogen zurück zu ihrem Absender. Oder verschweift sich im Nirvana, mag sein, ich schaue ihr nicht nach. 

Fasten macht also meine Seele gesund, jedesmal aufs Neue. Und eine gesunde Seele hält den Körper fit und Angreifer jedweder Art in Schach. Dass mir dann nach jedem Fasten die Menschen um mich herum sagen, Boah, siehst Du toll aus! (seitdem ich die Vierzig überschritten habe auch mal verbunden mit der Frage, hast Du was machen lassen?) ist dann schon fast egal. 

Hier habe ich zwei tolle Videos für Euch, die die Themen Heilfasten, Fasten und Intervallfasten zum Inhalt haben. Und keine Angst vor der Vorlesung von Professor Madeo, sie ist witzig, unterhaltsam und lehrreich zugleich!

Fasten und Heilen. Arte Doku vom 06.03.2015



Vortrag von Univ.-Prof. Dr. Frank Madeo, Institut für Molekulare Biowissenschaften, Universität Graz 

In seinem Vortag geht Professor Madeo auf die grundlegenden Theorien des Alterns ein und erklärt diese sowohl an einfachen biologischen Modellen als auch am Menschen. Außerdem nennt er die rasantesten Altersbeschleuniger, hinterfragt die bekanntesten Anti-Aging Märchen und geht schließlich auf wissenschaftlich fundierte Strategien ein, die das Altern eventuell verzögern. In diesem Zusammenhang werden unterschiedliche Nahrungsmittel und Diäten und deren Einfluss auf Gesundheit und Fitness wissenschaftlich geprüft. Ich habe Euch das Video so eingestellt, dass es gleich mit dem Vortrag beginnt. Wer auch die über vier Minuten Einführung will, muss zurückspulen.




  Genießt euren Tag!






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Arthurs Tochter

Astrid Paul, die Autorin von Arthurs Tochter kocht., ist besessen vom Essen. Sie wacht manchmal nachts auf, weil ihr im Traum Essensdüfte durch die Nase ziehen. Dann steht sie auf und fängt an zu kochen. Oder zu schreiben. Vielleicht kocht sie auch nur, um darüber schreiben zu können, wer weiß das schon...