Vom Mist

Was passieren kann, wenn plötzlich ein Berg Mist vor der Haustür liegt, erbärmlich vor sich hinstinkt und ihr ihn schnellstmöglich wegschaffen wollt... 

Vom Mist... und wie man ihn wegschaffen kann – im Blog für food, wine, travel & love | Arthurs Tochter kocht  von Astrid Paul

So viel Mist am frühen Morgen!

Stellt euch vor, ihr tretet frühmorgens vor die Tür, gähnt, streckt euch, lasst die Rückenwirbel knacken und bei einem Blick in den Vorgarten stellt ihr voller Entsetzen fest: Über Nacht hat euch jemand eine Riesenfuhre Mist vor die Tür gekübelt. Es kann nur über Nacht passiert sein, ihr seid euch ganz sicher, dass der Mist gestern noch nicht da war. Das wäre euch doch aufgefallen, schließlich stinkt er buchstäblich zum Himmel und tatsächlich schwirren bereits ein paar Fliegen auf dem Haufen herum. Schöne Scheiße, was sollen denn bloß die Nachbarn denken? Das fehlt noch, dass der olle Stieglmeier von nebenan, der mit Rasenkanten einem scharfen Messer gleich gezogen, den Mist bemerkt. Den Gestank. Das ist ja widerlich! 

Ihr rennt in den Schuppen, wühlt euch am Rasenmäher vorbei, durch Sandkastenförmchen, Teichfolie und Holzbretter, die leise vor sich hinverrotten. Euch knallt der Stiel der Schaufel an den Kopf, ihr flucht, aber es muss schnell gehen. Da! Die große Harke! Mit der rast ihr zum Misthaufen und legt los. Aber wohin mit dem Zeug? Es hilft ja nix, nebenan scheint bereits das Licht durch die Rolläden, Stiglmeier steht auf, gleich wird er den Mist in eurem Vorgarten bemerken. Es bleibt nur ein Ausweg: Rein damit ins Haus. Ihr schaufelt, was das Zeug hält, immer schneller, immer ängstlicher, der Schweiß rinnt euch bereits in saftigen Bächen über den Rücken. Aber da: in der magischen Sekunde vor dem Rhmrhmrhmrhm der nach oben ziehenden Rolläden am Nachbarhaus spießt ihr den letzten stinkenden Halm auf und schleudert ihn samt Mistgabel in den Hausflur. Ihr lasst die Tür knallend in ihr Schloss fallen und sackt, den Körper übersät mit elendig stinkenden Misthalmen, voller Erschöpfung in euch zusammen.

Bildquelle: http://maxpixel.freegreatpicture.com/Tractor-Fertilize-Field-Crap-Dung-Agriculture-62416 | CCO Public Domain, Free for commercial use
Aber nun geht die Arbeit erst los. Der Mist kann schließlich nicht im Hausflur liegen bleiben, irgendwann wird euch doch mal wieder jemand besuchen wollen und auch die Fliegen nerven. Also fangt ihr an, den Mist in kleinen Portionen zu verstauen. In Müllsäcke. Wenn ihr jeden Tag eine Tüte Mist nach draußen tragt und mit Schwung in die große Tonne werft, dann seid ihr in ungefähr 3 Jahren damit fertig. Das muss schneller gehen! Also fangt ihr an, den Mist zu verteilen. Eine Schaufel in den Mülleimer unter der Spüle, eine halbe passt in den Kosmetikeimer im Badezimmer. Da, die alte Kommode – Schubladen auf, Mist rein, Schubladen zu. Ein wenig passt noch in den Schuhschrank und ja, bitte, ihr ekelt euch, aber es hilft ja nix, eine Ladung kommt in die Kiste unterm Bett. Die letzten Krümel und Halme steckt ihr euch in die Hosentaschen, feudelt kurz durch den Flur und fertig. Nichts mehr zu sehen.

Einige Wochen später...

Bildet ihr es euch nur ein, oder rümpfen die Kollegen in der letzten Zeit ein wenig die Nase in eurer Anwesenheit? In der Teeküche im Büro hängen jetzt diese gelben Klebestreifen von der Decke, die, die sie auch in Metzgereien haben. Es sind so viele Fliegen hier in der letzten Zeit, meint die Abteilungsleiterin kopfschüttelnd, während sie ein wenig frische Brise aus der Aerosolflasche verstäubt. Dabei vermeidet sie jeden Blickkontakt mit euch. Irgendwann redet überhaupt niemand mehr mit euch und in der Kantine sitzt ihr nun immer allein. Ihr bekommt erst ein Einzelbüro und wenig später die Kündigung. Die Vorgesetzte faselt etwas von unterschiedlichen Arbeitsauffassungen, nötigen Einsparungen, mangelnder Fortbildung undsoweiter. Ihr hört kaum noch hin. In einem Karton verstaut ihr die persönlichen Dinge aus euren Schreibtischschubladen, nur das Tütchen Mist, das ihr neulich dort versteckt habt, nehmt ihr nicht mit. Der Berg zuhause wird schon seit Wochen immer größer und die Scheiße quillt euch aus allen Schubladen...

...

Den Anstoß zu dieser kleinen Geschichte hat mir Miriam gegeben, die neulich zu mir sagte, Mama, stell Dir mal vor, Du wachst morgens auf und hast einen Misthaufen vor der Tür liegen, den Du ganz schnell beseitigen musst, bevor die Nachbarn etwas bemerken. Wir überlegten ein wenig, wie die Geschichte sich entwickeln könnte... einen möglichen Verlauf habe ich euch hier aufgeschrieben. Derzeit überlege ich mir folgende Variante: was passiert, wenn ihr jemanden dabei erwischt, während er euch gerade den Mist in den Vorgarten kübeln will? Wie kann man sich zur Wehr setzen, welche Mittel können dabei helfen? 

Und schließlich könnte es doch sein, dass Stieglmeier ebenfalls den Mist zuhause in den Schubladen verstaut hat. Er versteckt ihn nur ein bisschen besser als ihr. Vielleicht auch in eurem Vorgarten...



  Genießt euren Tag!



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Arthurs Tochter

Astrid Paul, die Autorin von Arthurs Tochter kocht., ist besessen vom Essen. Sie wacht manchmal nachts auf, weil ihr im Traum Essensdüfte durch die Nase ziehen. Dann steht sie auf und fängt an zu kochen. Oder zu schreiben. Vielleicht kocht sie auch nur, um darüber schreiben zu können, wer weiß das schon...

Kommentare :

  1. Ich glaube, so was löst man am besten offensiv. Indem man es zum Beispiel zum Trend erklärt. Also Misthaufen lassen wo er ist, rüber gehen zu Stieglmeier, klingeln, und wenn er verdutzt die Haustür öffnet: "Na, Stiegelmeier, alter Knochen, was sagen Sie zu meinem schönen Misthaufen? Traumhaft, was? Hab ich in Amerika gesehen, da haben das jetzt alle. Für schlechte Zeiten und so, man weiß ja nie, was kommt." Kumpehafter Schlag auf die Schulter, Abgang. Drei Tage später fährt ein Traktor bei Stiegelmeier vor und lädt einen Haufen Mist im Vorgarten ab, den der bestellt hat. Er winkt stolz über den Gartenzaun. Noch drei Tage später hat die halbe Nachbarschaft einen ... ;-)

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