Sonntagsfrühstück. Seid ihr Wurst oder Käse?

Wir sind 'ne Käsefamilie


Sonntagsfrühstückstisch | Arthurs Tochter Kocht von Astrid Paul


Wie wir frühstücken

Wir sind eine Käsefamilie, sagt Miriam immer. Selbst in den Zeiten, als bei uns sehr wohl sonntäglich noch etwas Schinken auf den Tisch kam, war das Käseangebot stets in der Überzahl, Wurst gar haben wir nie gegessen. Als ich den Liebsten kennenlernte, aß er regelmäßig Fleischwurst, das muss man so als Rheinhesse, eh klar, damit man(n) groß und stark bleibt. Ohne Fleischwurst, denken die Rheinhessen, gehen sie ein wie Primeln. Und Wurstsalat. Hiesige Metzger haben nicht nur hervorragend schmeckende Fleischwurst im Angebot sondern stets auch Wurstsalate. So aßen wir ein paar Jahre lang Fleischwurst und Wurstsalat, auch ich, norddeutsches Adventistenkind, das ebenfalls aus einer Käsefamilie mit kleineren Einschlägen von Rindswurst stammt. Und grober Kalbsleberwurst, die Arthur aß und die mir schon als kleines Mädchen ein Gräuel war. Die mit den Stücken darin, you know? Wir Adventisten ließen uns die Wurst von einer adventistischen Wurstfabrik schicken, vakuumverpackt, freitäglich, denn zu dieser Zeit gab es bei den Metzgern nur Wurst mit Schwein, selbst in der Kalbsleberwurst war Schweinefleisch und das ist btw. bis heute so. Irgendwann lernten meine Eltern die Wurstfabrikanten kennen und freundeten sich an und schwupps, war ich in den großen Ferien für eine Woche da, als meine Mutter mal wieder mit einer ihrer Migränen darniederlag, außerstande sich um ihr schwieriges Kind zu kümmern. Mir war es recht, verweigerte sie doch wechselnd den Umgang oder das Reden mit mir und so wusste ich irgendwann nicht mehr, ob ich mehr die Wurstfamilie liebte oder ihre Kübel voll von Cornedbeef, das wir als Kinder unter dem Geschimpfe des Produktionsleiters noch warm und flüssig aus den Kesseln löffelten. Jedenfalls wollte ich nie mehr weg aus diesem Paradies von Wurst und Liebe...

Aber ihr kennt das: Auf einmal ist man erwachsen, man kann kein Cornedbeef mehr aus Kesseln löffeln, ist am Ende gar selbst ein Produktionsleiter mit strengem Gesicht. Und doch habe ich die ganzen Jahre über, auch in denen des Auf- und Ausbruchs aus adventistischen Fesseln, nie mehr Wurst gegessen, jedenfalls nicht vom Schwein. Ich liebe bis heute Bündner Fleisch, das gibt es alljährlich zum Raclette, ich liebe Kochschinken, den ganz fetten, aber ich esse ihn kaum und wenn dann nur, vom Metzger des Vertrauens und von ehemals fetten, glücklichen Schweinen, mit den Rüsseln in der Erde wühlend. Ich kaufe Fleischwurst aus Liebe zum Liebsten, die gibt es dann mit Kartoffelpüree, genau. Nicht mit neumodischem Stampf, sondern mit Püree, so muss das, denn der Stampf gehört in die Restaurants, das Püree nachhause. 

Käseplatte mit Käse aus Bio-Heumilch der Käserebellen | Arthurs Tochter Kocht von Astrid Paul

Jeden Sonntag Urlaub

Die Woche über gibt es hier gar nicht so viel Confit vom Lurch und gefüllte Giraffenhälse, wie die Leute immer denken. Dass es hier sehr normal und manchmal geradezu bescheiden und matjesesk zugeht, weißt Du inzwischen. Aber am Wochenende, sonntags, da schlagen wir Hedonisten zu. Ich arbeite sonntags, wann immer es möglich ist, nicht. Und entweder wir sind beim Liebsten oder bei mir, das "Programm" ist fast immer das gleiche. Wir frühstücken spät und ausgiebig, verplempern den Tag auf hohem Niveau, denn es gehört eine Menge Können dazu, so einfach nichts zu tun und das mit voller Absicht und ohne Langeweile. Eigentlich verbringen wir die Sonntage stets so, als wären wir an Bord unseres Hausbootes, so als wäre Urlaub. Ja, eigentlich urlauben wir jeden Sonntag, ach, was geht es uns gut! Und auf dem Frühstückstisch steht dann stets eine Flasche Ladubay, nur selten unternehmen wir Ausflüge ins Solter-Rosé-Fach. Es gibt Orangen- oder Grapefruitsaft und nein, keinen Kaffee, den trinken wir vorher im Bett. Fast immer gibt es Lachs, geräuchert oder gebeizt oder als Tatar. Es gibt ein butterweich gekochtes Ei für mich und für den Liebsten, der kein Ei verträgt, gerne Rührei. Rheinhessen, die kein Ei vertragen, essen Rührei, das weiß doch jedes Kind! 

Rührei und Lachs auf der Étagère | Arthurs Tochter Kocht von Astrid Paul

Und natürlich gibt es Käse. Ich bin in der letzten Zeit sehr verliebt in die Bio-Heumilchkäse der Käserebellen aus dem Bregenzerwald und kaufe fast jede Woche Bio-Holunderblütenkäse, von dem die Käserebellen sagen, dass Holunderblütensirup, Blumenwiese und Honig diesen ungemein floral-würzigen Käse kennzeichnen. "Wunderbar cremig schmiegt er sich an den Gaumen. Dazu öffnen sich Aromen von Dörrobst, Maracuja, Holunder und dunklem Karamell – aufgefrischt von dezenten Zitrusnoten." Versprochen, davon stimmt jedes Wort! Dazu kaufe ich meistens Brie aus Heumilch, mal mit und mal ohne Rotschmiere und zusätzlich gibt es Felsenkellerkäse, ein Tiroler Hartkäse aus silofreier Heurohmilch, 6 Monate in Naturfelsenkellern gereift. 

Honig aus der Berliner Schweiz und Gelee aus Brandenburg | Arthurs Tochter Kocht von Astrid Paul

Für den süßen Zahn mögen wir Honig, der hervorragend zum Käse passt oder auch über diesen hinüber geträufelt. Einmal im Jahr kaufe ich eine größere Menge von Honig aus der Berliner Schweiz, den ein ehemaliger WG-Mitbewohner von P. produziert und dessen Pollen in der Mehrzahl von Vergissmeinnicht stammen, wer könnte solch einem Honig widerstehen! Das Himbeer-Birnen-Gelee auf dem Foto haben wir auf dem Weg von Berlin nach Fürstenberg gekauft, auf dem Weg zum alljährlichen Hausbooturlaub, direkt von der Straße weg, € 2,00 in die Box und ein Gläschen mitgenommen. Das machen wir jedes Jahr, Honig, Marmelade, Gelees usw. und damit kommen wir dann ein Jahr lang bis zum nächsten Urlaub. 

Lieblingsdinge

Auf den Fotos siehst Du eine Menge Dinge, die mir wichtig sind. Dazu gehört die Vase mit den Federchrhysanthemen, die ich auf dem Wiesbadener Antikmarkt bei meinem Lieblingsvasenverkäufer erworben habe. Dort kaufe ich mir einige Male im Jahr alte Vasen, Milchkannen und Terrinen von denen ich dann noch kaum weiß, wohin mit ihnen. Etwas versteckt steht eine Jugendstil-Butterglocke aus Glas, die ich 1998 bei Ebay ersteigert habe, das war die Zeit, als Ebay noch so richtig Spaß gemacht hat. Die wunderschönen kleinen Messer mit Perlmuttgriff auf dem Käsebrett, die eigentlich Obst- bzw. Dessertmesser sind, habe ich 2013 auf dem Nachtflohmarkt in Osnabrück entdeckt und aufpoliert, die kleine Étagère stammt aus Domburg/Niederlande und der Honiglöffel aus Poznan/Polen vom Festival des Guten Geschmacks. 

Ich bin Jäger und Sammler. Aber: Ich bin auch Weggeber ohne Wenn und Aber. Das muss ich sein, denn nur wer weggibt, kann ständig Neues bringen und nur das wird mehr, was Du mit ganzem Herzen verschenkst! 

Federchrysantheme | Arthurs Tochter Kocht von Astrid Paul

Serviceteil


Hab die schönste Woche und wenn Du magst, erzähle mir, wie Du frühstückst. Und mit wem! :) 




Print Friendly Version of this page Print Get a PDF version of this webpage PDF

Arthurs Tochter

Kommentare :

  1. KÄSEREBELLEN! Unsere neue Haus- und Hofkäserei, (beim Kerl) fast direkt ums Eck! Die, die sogar Monsieur zu "echtem", also leicht stinkigen Käse bekehrt hat (zumindest manchmal)! Überhaupt: Ja zum Käse, ja zum Frühstück, ja zu Sonntagen aus dem Bilderbuch.
    Ich erweitere unsere To-Do-List feierlich um ein gemeinsames Morgenmahl.

    AntwortenLöschen
  2. Obwohl ich mehr der Wurst Esser bin, hab ich mir jetzt mal das Buch bestellt. Für 1,29€ kann man das ja mal machen. Danke für den Tipp. ;)

    AntwortenLöschen
  3. KÄSE!!! Wir waren diesen Sommer auf einem Bauernhof im Allgäu urlauben, die haben ihre Milch an die Rebellen geliefert. Schön war es da, den Kühen ging es sehr gut und ich liebte es in Sennereien zu gehen und Käse zu bestaunen und zu kaufen und zu essen....Liebe Grüße, Ronja

    AntwortenLöschen
  4. Liebes Milchmädchen,
    wir sollten einfach demnächst mal ein ganzes Wochenende einplanen, das bekommen wir sonst nie abgearbeitet :)

    AntwortenLöschen
  5. Lieber Jens, gell? Schnäppchen :) Ich habe damals noch sehr viel mehr bezahlt, ich glaube so um die DM(!) 25,00, was damals sehr viel Geld für mich war. Probiere mal das Käsefondue daraus, Knaller!

    AntwortenLöschen
  6. Liebe Ronja,
    jetzt machst Du mich ein bisschen neidisch, ich war noch nie in einer Sennerei. To do-List für dieses Leben um einen Punkt reicher :)
    Hab einen sonnigen Tag!

    AntwortenLöschen
  7. Das ist ja ein herrlicher Frühstückstisch! Wir essen viel Wurst, vor allem sonntags, die Kinder bestehen darauf.
    Grüße von Ann-Kathrin

    AntwortenLöschen
  8. KÄSE, eindeutig! Wurst nur noch, wenn wir Besuch haben, und dann auch nur Bioaufschnitt vom Hof unseres Vertrauens, von dem wir auch einen Großteil des Käses beziehen. Honig kommt aus der Gegend und Marmeladen (Fruchtaufstriche, um genau zu sein) machen wir inzwischen eigentlich vollständig selbst, da bietet der Garten so eine große Auswahl an Früchten, dass wir uns da selbst versorgen können.

    AntwortenLöschen
  9. Na toll, jetzt hab ich das Buch DOCH bestellt, aber nicht für 77 Euro, zvab.com war da doch günstiger ;-) Und meine Frau wird sich freuen, dass ich noch ein weiteres (Koch-)Buch habe!

    AntwortenLöschen
  10. Lieber Sir Vivor, schau mal weiter oben bei Jens, er hat es heute Morgen noch für € 1,29 ergattert. :-)

    AntwortenLöschen
  11. Liebe Ann-Kathrin,
    einmal konditioniert, fällt eine Umstellung schwer.

    AntwortenLöschen
  12. Bon, dann gleich ein Wochenende! Gib mir noch zwei, drei zum Sortieren, aber dann...

    AntwortenLöschen
  13. Hallo Arthurs Tochter, wenn ich im Moment auf den Link zum Buch gehe, den Du angegeben hast, wird das Buch genau noch zweimal angeboten, einmal neu für 134,65€ und einmal gebraucht für 77€, ich finde, da bin ich mit 5€ plus Versand noch gut weggekommen ;-)

    AntwortenLöschen
  14. Vielleicht gibt es jetzt 'nen run auf das Buch und die Preise gehen in die Höhe *chrchrchr*
    Ich habe es noch für € 0,99 gesehen, als ich den Artikel geschrieben habe. Ich will ja hier wirklich empfehlen und mich nicht über Verkaufsprovisionen schnöde bereichern :)))

    Aber gut, dass Du es hast, egal woher, ich bin gespannt, wie es Dir gefällt. Sag mal Bescheid, ja?
    Sonnige Grüße aus den Weinbergen

    AntwortenLöschen
  15. Das ist Lesegenuss vom feinsten!Da brauch ich gar kein Fruehstueck mehr! Danke

    AntwortenLöschen
  16. Astrid, das Käse Fondue Rezept aus dem Buch kann ich leider nicht ausprobieren.

    Ich hab doch ne Schweizer Freundin, da ist bei solchen Heiligtümern kein Platz für Experimente. Da ist sie streng mit mir. :D

    AntwortenLöschen
  17. Nochmal ich.
    Das Buch gibts für 1€nowas bei rebuy.de @SirVivor

    AntwortenLöschen
  18. Am Sonntag lass ich mich von meinem Liebsten befrühstücken.
    Punkt 11:30Uhr steht es auf dem Sofatisch, damit wir zur Sendung mit der Maus anfangen und es irgendwann beenden können. Die Kinder sind zwar schon ewig aus dem Haus, aber diese Tradition mit der Maus ist geblieben. Erweitert wurde das Sonntags-Frühstücks-Repertoire um ausgefallenere Dinge wie den Weißwurstburger, Käsetoast mit Krone (nach Jamie Oliver), NY Club Sandwich, Eierwolken in knusprigen Baconkörbchen, Egg Benedict, Porridge (ganz neu, ich bin grade süchtig danach), edle Gurkensandwiches, Waffeln mit Kirschen, Croque Monsieur, gebeizter Lachs auf Bagels und und und
    Es gibt einfach viel zu wenige Sonntage auf dieser Welt!
    Liebe Grüße von Bastel

    AntwortenLöschen
  19. Es ist gerade sehr schön hier zu lesen, ich weiß ich wiederhole mich :D
    Aber warum um Himmels willen nur Sonntags??
    Bei uns wird nicht nur Sonntags, sondern auch Samstags schon aufgefahren, als ob es kein morgen gäbe... immer frisches Gemüse und Früchte, ein bisschen Wurst, ein bisschen Käse, Wabenhonig vom Imker, Rührei mit Trüffelbutter oder auch mal profan mit Ketchup, Nusscremes, Konfitüren, Säfte, Hafermilch, Schokomilch, Salzkaramell, Pesto, Brathering, Oliven, Gürkchen...

    Frühstück ist TOLL. Und auch da lebe ich meinen Hang zur Vielfalt (öhm, nur kulinarisch) gerne voll aus.

    AntwortenLöschen
  20. Lieber Jens,
    zeig ihr das Rezept doch einfach mal, vielleicht stimmt es sie gnädig :)

    AntwortenLöschen
  21. Lieber Bastel,
    Du machst mich echt neidisch, das ist ja der Hammer! Wahnsinn! Ich probiere das mal nächsten Sonntag aus: Ich gehe einfach Punkt 11:30 ins Wohnzimmer und schaue, ob da auch so ein Fest serviert wird :) Alternativ zur Sendung mit der Maus würde ich auch Pumuckl nehmen :)

    AntwortenLöschen
  22. @anonym:
    Klingt auch bei Dir ganz köstlich! Leider arbeite ich samstags meistens, so dass uns an diesem Tag die Ruhe für solch Völlerei fehlt. Wir bemühen uns jedoch aus Leibeskräften, dies am Sonntag wieder wettzumachen :)
    Vielleicht magst Du beim nächsten mal Kommentieren (D)einen Namen dazu schreiben? Ich finde das viel schöner als wenn ich immer @anonym schreiben muss ;)
    LG

    AntwortenLöschen
  23. @Jens: Die Seite ist mir irgendwie nie so richtig geläufig, inzwischen ist das Buch auch schon da, mal schauen, ob ich mich an die Seite erinnere, wenn ich das nächste Mal ein Schnäppchen suche ;-)

    AntwortenLöschen
  24. Jens und SirVivor - gefällt euch das Buch?

    AntwortenLöschen
  25. Hallo AT,

    ich bin leider noch nicht ENDLICH dazu gekommen, mich in Ruhe (oder überhaupt!) mit dem Buch zu beschäftigen, das wurde per Hermes geliefert, allerdings hat Hermes das erst innerhalb einer guten Woche geschafft, das Buch auch wirklich abzuliefern, nachdem ich am Tag nach der Bestellung schon die Mail von Hermes hatte, dass das Buch auf dem Weg war. Und NEIN, es kam NICHT von Übersee...
    Das Fondue wird es unbedingt gemacht, jetzt kommt ja auch die richtige Jahreszeit dafür, aber es gab auch diverse andere Rezepte, die mich sehr angesprochen haben ;-)

    Vielen Dank für den Tipp!!!

    AntwortenLöschen
  26. Sehr gerne, ich freue mich sehr, dass es Dir gefällt!

    AntwortenLöschen

Danke für Deinen Kommentar, der schnell freigeschaltet wird, so er höflich und respektvoll ist und nicht anonym abgegeben wurde. Mein Blog ist kein Diskussionsforum für anonyme Netz-Misanthropen, sondern ein Geschenk an meine Leserinnen und Leser.

Instagram