7 Mythen über Veganer und vegane Ernährung – ganz einfach und kurz erklärt




7 Mythen über Veganer und vegane Ernährung – ganz einfach und schnell erklärt

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Lasst uns mal kurz über Veganer und vegane Ernährung reden

In Medien und sozialen Netzwerken tobt eine beständige Debatte um Veganer im Allgemeinen und vegane Ernährung im Besonderen. Vieles davon erscheint mir erstens als in einem Ausmaß an den Haaren herbeigezogen und aus der sicheren Distanz des Halbwissens in die Welt getrötet, dass sich mir beständig die Zehennägel aufrollen. Zweitens schreit es lediglich und offensichtlich nach Klickbait, wenn sogar doch eigentlich der Seriosität des öffentlichen rechtlichen Rundfunks verpflichtete Sender mal wieder die ach so furchtbaren Inhalts- und Zusatzstoffe veganer Nahrungsmittel in kurzen Teasern vor halbgaren Artikeln proklamieren und mit der  zuverlässigen Entrüstung ihrer Leser*innen spielen – die ja ebenso zuverlässig die Artikel oder Videos selbst dann gar nicht mehr lesen oder ansehen. Wir sind schließlich ein Volk von Überschriftenleser*innen geworden.

Und wenn gar nichts mehr hilft, gibt es ja immer noch Udo Pollmer, der jetzt bei Herrn Tichy eine neue Heimstatt gefunden hat ... (bitte an dieser Stelle ein Augenrollen denken) und der vor Jahren tatsächlich mal ein ernstzunehmender Ernährungswissenschaftler war. Bis er seine Abneigung gegen Veganismus entdeckte und sich damit eine neue Einnahmequelle erschloss: Pollmenik, ein von mir gebrauchtes Kunstwort, das ich aus Pollmer und Polemik gebildet habe. Aber um den dicken und immer leicht schnaubenden Mann, von dem ich jedesmal denke, eine vegane und kalorienreduzierte Ernährung täte ihm und seinem Blutdruck wahrscheinlich ganz gut, soll es hier gar nicht gehen, nicht im Speziellen jedenfalls, er steht hier nur sinnbildlich für eine große Gruppe Krakehler; wobei ich Menschen wie Pollmer ankreide, dass sie um der geplanten Aufregung willen bewusst mit Halbwahrheiten spielen – viele andere, die in den Kommentarspalten sozialer Medien das Maul aufreißen, sind ja einfach nur ignorant. Oder ungebildet. Oder schlichtweg gehässig. Fatal ist immer die Mischung aus allem. ... Ich schweife ab ...

Warum ich diesen Artikel schreibe: 

Erstens stelle ich gerne Dinge klar. Isso. Das Verbreiten von Mist im Internet macht mich wahnsinnig! Zweitens bin ich pflanzenbasierte Fastallesesserin, wobei das Zauberwort pflanzenbasiert ist. Pflanzen, beziehungsweise pflanzliche Lebensmittel bilden schon lange das Fundament meiner Ernährung, ich habe euch in meinem Artikel "10 Fakten zu meiner Ernährung" bereits davon erzählt. Der darin genannte Anteil von rund 10 % , die Fisch und Fleisch in meiner Ernährung ausmachen, sinkt beständig.  Aus Gründen, die auch im heutigen Artikel eine Rolle spielen; aus gesundheitlicher Notwendigkeit, und aus Gründen der Ethik und ökologischen Verantwortung. Und vielleicht ist es auch einfach richtig, die Popularität, die dieser Blog auch und gerade bei Fleischliebhabern genießt, zu nutzen, um ein paar Mythen geradezurücken und mit ein paar Vorurteilen aufzuräumen. Here we go:

1. Wenn Veganer/Vegetarier doch kein Fleisch essen wollen, warum schaffen sie sich Ersatzprodukte, die aussehen wie Fleisch oder schmecken wie Fleisch? 

Diese Frage ist wie die Hydra. Jedesmal wenn ich glaube, nun wurde sie aber wirklich JEDEM beantwortet, ploppt sie in irgendeiner Kommantarspalte wieder fünfmal neu auf. Dabei ist die Antwort wirklich sehr einfach: Die meisten Vegetarier und Veganer wurden (noch) nicht als solche erzogen und geschmacklich konditioniert. Viele Menschen lieben den Geschmack von Fleisch, seinen Biss; den speckigen Rauchgeschmack von Grillgut, überhaupt Gegrilltes – ich bin überzeugt, dass Fleisch auf offenem Feuer, beziehungsweise der Geruch davon, unsere ältesten Instinkte weckt. 

Jemand, der sich aus ethischen (oder gesundheitlichen) Gründen gegen den Verzehr von Fleisch,  Wurstwaren und Milchprodukten entscheidet, (Hallo?, wer schafft es hier denn nicht, den täglichen Tropfen Milch im Kaffee durch ein pflanzliches Produkt zu ersetzen. Oder Käse, sprachen wir schon über Käse?) wird diesen gelernten Geschmack wahrscheinlich auf immer vermissen; ich kenne fast nur Veganer und Vegetarier, denen beim Geruch eines Steaks das Wasser im Mund zusammenläuft. Sich dann den aus ethischen Gründen gewollten Verzicht so leicht wie möglich zu machen, in dem Fleisch, Wurst und auch Milchprodukte aus pflanzlichen Lebensmitteln nachgebaut werden, erscheint mir als sehr verständlich.

Und zum Thema böse Zusatzstoffe: Habt ihr euch mal angesehen, was in einer handelsüblichen Mettwurst aus dem Kühlregal steckt? Übrigens benötigt kaum ein Lebensmittel so viele Zusatzstoffe wie Wurst. Nicht? Bitteschön, als Beispiel die "Luftgetrocknete Mettwurst" von Herta:

  • Schweinefleisch
  • jodiertes Tafelsalz (Tafelsalz, Kaliumjodat)
  • Dextrose (das ist übrigens Zucker!)
  • Gewürze
  • Gewürzextrakte 
  • Zucker (Zucker!)
  • Glukosesirup (das ist ebenfalls Zucker! Glukosesirup besteht aus den Einfachzuckern Glukose und zu etwa fünf Prozent aus Fruktose – dies sind die gleichen Komponenten, aus welchen auch der Zweifachzucker Saccharose, unser Haushaltszucker, besteht. Diese Saccharose wird beim Verdauungsprozess wiederum in die Einfachzucker Glukose und Fruktose gespalten. Sprich: es handelt sich chemisch gesehen um ähnliche Stoffe, die wir in unseren Stoffwechsel aufnehmen – egal ob wir Glukosesirup oder Zucker konsumieren.) 

    Glukose erfreut sich zunehmender Beliebtheit in der Industrie. Er ist billig und, und das halte ich für einen Skandal, lebensmittelrechtlich muss er nicht als Zucker ausgewiesen werden. Lebensmittelhersteller können also Produkte als zuckerfrei bewerben und dennoch Glukose hinzufügen!
  • Antioxidationsmittel: Natriumisoascorbat
  • Konservierungsstoff: Natriumnitrit
  • Starterkulturen
Komme mir also bitte keiner mit dem bösen Erbsenprotein im Beyond Meat Burger-Patty! Und natürlich handelt es sich bei veganen Fleisch- und Wurstersatzprodukten um hochverarbeitete, industriell produzierte Lebensmittel. Wie die tierischen eben auch. Aber über den gesundheitlichen Aspekt veganer Ernährung reden wir später. 

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2. Der Mensch ist ein Allesesser

Tatsächlich jein. Der Mensch kann alles essen, er muss es aber nicht! Und er hat auch keine Reißzähne mehr! (erst neulich las ich das als Argument pro fleischreicher Ernährung)

direkt dazu gehört der nächste Mythos:

3. Nur durch Fleischverzehr konnte sich das menschliche Gehirn so entwickeln

Nun, dieses Argument gilt wohl nur für die Zeit vor rund fünf Millionen Jahren und betrifft die sogenannte Übergangszeit; also den Zeitraum, in denen sich der Mensch durch die erhöhte, fleischbedingte Proteinzufuhr vom vegetarischen Affen zum fleischfressenden Menschen entwickelt hat. Diese Phase brauchte unser Gehirn zum Wachsen, heute ist es auf die Körpermasse bezogen etwa dreimal so groß, wie das eines Gorillas. Angeblich. Sicher fallen euch beim Lesen dieser Zeilen reihenweise Situationen mit Mitmenschen ein, die euch an dieser Aussage zweifeln lassen. Außerdem gibt es einen nachgewiesenen Rückgang des Flynn-Effektes. Sprich: Der durchschnittliche Intelligenzquotient sinkt seit einigen Jahren. Die Menschen werden wieder blöder. Wobei meines Wissens nur Männer für diese Studien untersucht wurden. Ähem ... (Flynn-Effekt)

Kurz gesagt: Für körperliche und geistige (Hoch)leistungserfolge benötigt der Mensch schon sehr lange kein tierisches Protein mehr. Und das ist halt Fakt, kein Gefühl. 

4. Veganer müssen immer jedem erzählen, dass sie Veganer sind

Ist das so? Ich freue mich an dieser Stelle sehr über wahre Erlebnisse, in denen euch Veganer mit ihrem Vegansein sprachlich penetriert haben. Mir ist das noch niemals passiert. Klar hat mir schon jemand gesagt, er ernähre sich vegan. Das war dann auch gut so, weil ich ihr/ihm ansonsten unter Umständen etwas falsches gekocht hätte. Was bitte stört daran? Ich erzähle ja anderen auch, dass mein Mann eine Nussallergie hat und darauf bitte geachtet werden muss. Oder dass ich kein Schweinefleisch esse. Oder dass ich keine Cola trinke. 

Meine persönliche Theorie: So mancher Fleischesser fühlt sich vielleicht getroffen – weil er WEISS, dass er zu viel Fleisch isst. Weil er WEISS, dass seine Wurst nicht vom Biobauern nebenan stammt. Weil er WEISS, dass das Schwein für sein Schnitzel nicht per sanfter Hand lächelnd in den Tod gestreichelt wurde. Und getroffene Hunde bellen. Und dann ist der Veganer schuld, der es einem mal wieder so unfair und deutlich und an_dau_ernd unter die Nase gerieben hat. Alles andere halte ich für eine urbane Legende. 

5. Durch Landwirtschaft werden viele Insekten und Kleintiere getötet, also lebt auch ein Veganer niemals vegan. Und was ist überhaupt mit den Fliegen an der Windschutzscheibe. Jeder Veganer tötet Tiere schon beim Autofahren

Sorry, wo waren wir? Ich war kurz eingenickt ...
Wie kann man eigentlich mit einem solch beknackten Argument^^ um die Ecke kommen und damit ernsthaft das im Wesen Gute versuchen schlechtzureden, das ein vegan lebender Mensch versucht, so gut wie möglich in seinem Alltag umzusetzen. Wie kann man es verwerflich finden, wenn jemand versucht, so gut es eben in seinem Alltag für ihn möglich ist, Tierleid zu vermeiden? Sollen Veganer in Höhlen kriechen und dort leben oder was? Die Veganer, die ich kenne, versuchen ganz einfach vermeidbares Leid zu vermeiden. Das ist doch toll und man müsste ihnen jeden Tag auf Knien danken dafür! Echt jetzt, Insekten beim Autofahren ... Übrigens gibt es ja in alarmierenden Ausmaß immer weniger von ihnen; einen großen Anteil daran haben die industrielle Massentierhaltung mit Vergiftung von Böden und Grundwasser, die intensive Landwirtschaft und der Einsatz von Düngern und Pestiziden. (Link: https://sydney.edu.au/news-opinion/news/2019/02/12/insect-population-faces--catastrophic--collapse--sydney-research.html)

6. Würde wir alle auf einmal vegan leben, würden alle Nutztiere aussterben – oder sollen wir sie gar vorher töten? 

Ernsthaft? Jemand, der wissentlich in Kauf nimmt, dass Tiere für seinen persönlichen Genuss getötet werden, sorgt sich darum, dass es dann vielleicht eben diese Tiere irgendwann nicht mehr geben könnte? Und dass "wir alle", wer auch immer das sein mag, auf einmal vegan leben werden, dieser Zeitpunkt steht nun nicht zu befürchten. Meldet euch einfach kurz, wenn es so weit ist, dann können wir ernsthaft darüber diskutieren. 

7. Vegane Ernährung ist nicht gesund!

Das kann tatsächlich sein. So wie normale Mischkost nicht gesund sein kann. Ich kann mich in beiden Ernährungsstilen unglaublich gesund und unglaublich ungesund ernähren. Ich glaube auch, dass Gesundheit und Ethik in der Debatte um vegane Ernährung viel zu oft miteinander vermischt werden. Jemand, der sich pflanzenbasiert mit kleinen Mengen Fisch und Fleisch ernährt, kann unglaublich gesund leben. Jemand, der völlig auf tierische Produkte verzichtet, unfassbar ungesund – Kartoffelchips sind auch vegan. Jede Ernährungsgesellschaft der Welt empfiehlt mittlerweile pflanzenbasierte Ernährung, sogar die schwerfällige DGE! Die amerikanische und die kanadischen Gesellschaften sehen sogar keine Gefahr für die vegane Ernährung von Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen. Und ja, Veganer gehören zu den Bevölkerungsgruppen, die sich (meistens) ganz besonders mit ihrer Ernährung beschäftigen und für eine ausgewogene Zufuhr aller nötigen Nährstoffe sorgen. In dem Zusammenhang möchte ich noch kurz das immer wieder ins Feld geführte Vitamin B12 erwähnen. Ja, das müssen Vegetarier und Veganer supplementieren, denn Vitamin B12 wird ausschließlich in Mikroorganismen synthetisiert. Da aber auch Rindern und Schweinen Vitamin B 12 zugefüttert wird (Nur Rinder können das ihnen zugeführte B 12 selbst verwerten, Schweine müssen vorher erst noch ihren Kot fressen), nehmen Fleischesser ihren Großteil an benötigtem Vitamin B 12 über den Umweg Tier zu sich – Veganer und Vegetarier machen es eben über eine Tablette. 

Empfehlenswerte Lektüre und Links zum Thema:




  • Retten Veganer die Umwelt? maiLab stellt da mal was klar: Bei you tube
  • Gut, besser, vegan? Arte Doku, leider mit ausgeprägtem Schwerpunkt auf Ersatzprodukten, dennoch sehenswert und informativ: Bei you tube
  • Armes Schwein, fettes Geschäft. Der wahre Preis des Billigfleischs. Arte Doku: Bei you tube
  • Brüllend komisch geschriebener Blog rund um veganes Leben und Umweltschutz: Der Graslutscher aus Wiesbaden
  • Vegane und vegetarische Rezepte hier im Blog: Bitteschön.

(Diese Liste werde ich nach und nach ergänzen, gerne auch mit Tips von euch!) 



  Genießt euren Tag!                                                                                                                                            

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Arthurs Tochter

Astrid Paul, die Autorin von Arthurs Tochter kocht., ist besessen vom Essen. Sie wacht manchmal nachts auf, weil ihr im Traum Essensdüfte durch die Nase ziehen. Dann steht sie auf und fängt an zu kochen. Oder zu schreiben. Vielleicht kocht sie auch nur, um darüber schreiben zu können, wer weiß das schon...

Kommentare :

  1. Liebe Astrid, Du hast mir tatsächlich einige Denkanstöße mit diesem Artikel gegeben. Danke dafür, dass ivh jetzt liebgewordene Vorurteile überdenken "muss".

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    1. Das freut mich sehr! Und mehr wollt ich ja mit diesem Artikel gar nicht. Nur anregen :)

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    2. 1. Hm, Du kommst hier vom Steak-Geruch auf Wurstzusatzstoffe im Vergleich zu veganen Industrieprodukten. Das finde ich ein bisschen kreuz und quer gemsicht. Denn: im einfachen Stück Fleisch gegessen, nimmt man erst einmal keine Zuckervarianten, Palmöl oder sonstigen Mist zu sich. Und auch Wurst – da gibt es solche und solche. Also der Veganer, der sich im Kühlregal mit abgepackter Ware eindecken muss im Zweifelsfall, ist nicht zwangsläufig mit einem Fleischesser gleichzusetzen, der seine Produkte beim Metzger seines Vertrauens einkauft – wie von Dir hier suggeriert. Der aufgeklärte besonnene Fleischesser hat hier die Alternative. Hat die der Veganer – will er auf solche Produkte zurück greifen?

      Ich habe übrigens durchaus verstanden, warum der Veganer sein Schnitzel und seine Wurst dennoch will. Ich verstehe allerdings immer noch nicht, warum sich die Szene nicht viel schönere Namen für ihre Nahrung dabei ausgedacht hat, sondern an der Variante aus der Fleischindustrie so vehement festhält.

      2. Jein. Solange der Mensch Abwesenheit von Fleisch in seinem Stoffwechsel substituieren muss aus der chem. Produktion (Bayer und Consorten), weil diese nicht aus der Nahrung generiert werden können, isses so einfach eben auch nicht.

      3. Sehe ich auch so. Erwiesen: übermäßiger Fleischverkehr (insbesondere da wir heutzutage Fleisch nur selten rein auf den Teller bekommen) macht nicht schlau. Aber natürlich spielen in die menschliche Intelligenz sehr viel mehr Faktoren hinein als nur die Ernährung.

      4. Nein. Also Veganer haben ein überdurchschnittliches großes Bedürfnis anderen Menschen sehr sehr früh auf die Stulle zu schmieren, dass sie sich vegan ernähren. Vegetarier übrigens längst nicht so. Veganer sind in dem Punkt sehr speziell und leider ganz oft anstrengend. Mein Problem ist dabei gar nicht, dass mich jemand darüber informiert, dass er sich so ernährt – wie er informiert, es tonal als Besonderheit, persönliche Auszeichnung zu kommunizieren. Der Ton macht dabei die Musik. Sollte man, wenn man es schon thematisiert nicht unter den Tisch fallen lassen.

      Die vegane Ernährung scheint meinem Erleben nach für sehr viele dieser Menschen ihr Happening zu sein. Mag sein, dass Berlin davon aber auch überproportionale viele Vertreter dieser Art hat.

      5. Ja. Nervt mich auch. Andererseits wundere mich dennoch immer über den naiven Glauben, es könne veganen Wein geben. So wie ich Weinproduktion kenne: eher nein – und zwar unabhängig von der Kelterung.

      6. Naja. Szenario: In einer Welt in der kein Fleisch mehr gegessen würde und das pflanzliche Essen aufgrund von sonstigen äußeren Störungen knapp würde, würde der Pflanzenfresser seinen ratzfatz Fressfeind ausrotten. Ist so.

      Ist aber natürlich noch sehr weit her gedacht.

      7. Pest und Cholera. Punkt ist vorrangig, dass eben die Tablette notwendig ist, um gesund zu bleiben. Nicht darum, dass es längst (ökologisch durchaus auch bedenkliche) Alternativen gibt. Brauchste Chemie bei diätischer Ernährung – ist sie eben nicht gesund für Deinen Organismus. Punkt.

      Dennoch: Jedermanns eigene Entscheidung.

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  2. Liebe Astrid, ich bin bei fast allen Punkten bei dir, jedoch nicht bei den Nachbauten von tierischen Produkten. Wie du weißt, kann ich schlecht kauen und noch schlechter schlucken, Dysphagie nennt sich das in der Fachsprache. Das bedeutet auch Verzicht auf die meisten Fleischgerichte. Kein Schnitzel, kein Henderl, kein Steak, kein Speck usw. nichts was man eben beißen müsste. Ich habe damit kein großes Problem, und wenn ich wirklich unbändige Lust auf Fleisch habe, dann gibt es ein Tartar von einem Rind vom Bauern meines Vertrauens. Es gibt natürlich für Dysphagie Patienten nachgebaute Speisen. Da wird das Fleisch zermatschkert und in Silikonformen nachgeformt. Henderlhaxerl, Hühnerkeulen, zum Beispiel. Nein danke kann ich da nur sagen. Wenn ich keine Henderlhaxerl mehr essen kann, dann bitte auch nix, das so aussieht. Das mag für Patienten mit neurologischen Defiziten, wie etwa Demenz, Sinn machen, da geht es um die Erinnerung, aber ich möchte so etwas nicht. Darum kann ich auch ganz schwer nachvollziehen, warum man gerade als Veganer, der auf tierische Produkte verzichten will , solche optischen Täuschungen möchte. Liebste Grüße aus Salzburg, Claudia, ungewollte Teilzeitveganerin ;-)

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    1. Liebe Claudia,

      ich verstehe Deinen Punkt. Aber ich verstehe wiederum nicht, warum Du nicht einfach denen, die nun diesen Geschmack möchten oder brauchen, nicht gönnst. Für mich sind diese Produkte auch nichts, ich esse tatsächlich ja eh so gerne Gemüse in allen Formen und Zubereitungsarten, dass mich diese Sachen nicht anmachen. Aber ich verstehe sehr wohl, dass man sie mögen KANN. Und Du hast die Möglichkeit, Tatar zu essen. Ohne respektlos Deiner schweren Krankheit gegenüber zu scheinen, klingt das für mich ein wenig nach Nölerei. Einen ähnlichen Kommentar habe ich eben auf der Facebookseite beantwortet, schau mal hier, wenn Du magst: Facebookdiskussion

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  3. Liebe Astrid, meine Frau und ich, beide vegan essend, feiern dich gerade sehr!

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  4. argument 4 gibts übrigens auch in homo! müssen wir auch immer und ständig mit hausieren gehen!

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    1. Echt? Verrückte Welt. Sollt ihr es nicht zeigen dürfen in der Öffentlichkeit, zielt das darauf ab? Ich hoffe ja immer, diese Denkweisen sterben endlich mal aus, aber das dauert wohl noch, wenn es überhaupt jemals so weit ist ...

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  5. Intelligente Sprache ist ein scharfes Schwert. Und Du weißt es wohl zu führen.

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    1. Feines Kompliment, danke sehr!

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    2. "Du nimmst mir das Miauen aus dem Mund" 😊 es ist mir immer ein Vergnügen, die temperamentvolle, engagierte und lebensfrohe Person hinter den Texten zu hören. Astrid, du hast immer noch Hoffnung, dass die Menschheit gelegentlich ein Hirn zwischen den Ohren herumträgt 😃

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  6. Witzig UND lehrreich geschrieben, das kann ja auch nicht jeder. Danke für ein paar Denkanstösse, Grüße von Annelie, 28, Gernefleischesserin :)

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  7. Ich kenne so viele nette Veganer (für die ich auch immer, wenn sie zu Besuchen kommen, wirklich vegan koche und backe), aber auch zwei, die - na ja, anstrengend sein können. Der einen steigen beim Gedanken an Fleisch, Eier, Milch etc. wortwörtlich die Tränen in die Augen, weil sie es wirklich nicht ertragen kann, das Lebewesen leiden müssen. Die andere bricht immer wieder in heftige Tiraden aus, dass es heute absolut nicht mehr nötig ist, sich von tierischen Produkten zu ernähren, es keinen Grund für den Konsum tierischer Produkte gebe und es absolut amoralisch wäre. Weil ich gerne Skyr esse, also isländischen "Quark/Joghurt", obwohl ich doch um das Leid der Milch wissen müsse, bekam ich dann erklärt, dass sie "im Strahl kotzen könne". Allerdings muss ich zugeben, die Dame finde ich auch sonst anstrengend! :-)

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    1. Es gibt halt nette und weniger nette und anstrengende und weniger anstrengende Menschen, so ist das. Wie sagte Adenauer so schön (sinngemäß) "So sinds, die Menschen, es gibt halt keine anderen."

      Mir ist ja jemand,Tränen in die Augen bekommt beim Gedanken an Tierleid lieber, als jemand, der wie ein Arschloch durch die Gegend läuft und seine Mitmenschen nicht achtet. Und die gibt es sicher als Veganer und als Allesesser :)

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  8. Kurz und knapp und ziemlich gut. Danke!

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  9. Danke für den tollen Start ins Wochenende, super Arrikel!

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  10. ich kann mich deiner Meinung nur anschliessen. Meiner Meinung nach ist Fleischessen fuer
    den menschl. Organismus ebenso notwendig wie Gemuese etc Persoenlich war und bin ich fuer
    eine ausgewogene Ernaehrung. Also mehr Gemuese und Fisch und Fleisch als Leckerli hie und da.
    Allerdings Wurst kommt mir auch nicht auf den Teller.

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  11. "So mancher Fleischesser fühlt sich vielleicht getroffen – weil er WEISS, dass er zu viel Fleisch isst. ..." THIS!

    Super Artikel, liebe Astrid.

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  12. Liebe Astrid,
    als bekennende Alles-Esserin (nur nicht alles zu jeder Zeit), bin ich in ganz vielen Punkten bei dir.

    Finde aber gleichwohl, dass gerade aus dem Essen in den letzten Jahren dermaßen angestrengt eine Religion gemacht wird, dass ich mir wünschte, jeder bliebe etwas mehr bei sich. Essen und essen lassen.

    Ich glaube, unter schlauen, bewussten Menschen hat sich längst herum gesprochen, dass eine vorwiegend pflanzenlastige Ernährung besser für Mensch und Umwelt ist, als Billiggrillfackeln aus dem Discounter. Und dass man sich IMMER schlecht und ungesund ernähren kann, mit Mischkost genauso wie als Veganer. Von mir aus darf auch rote Bete Saft den Beyond Meat Patty beim Anschnitt rot färben, couldn´t care less.

    Im Detail glaube ich, dass es sich immer lohnt, genauer hinzuschauen. Ist es wirklich verwerflich, Honig (für den die Bienen geschändet wurden) zu essen und gleichzeitig veganen Käse aus Cashews zu essen (für die Cashew Ernte werden zugegebenermaßen keine Bienen geschändet, dafür tut der den Menschen aber so gar nicht gut, weil bei der Aufbereitung der Kerne die Arbeiter den toxischen Dämpfen des Schalenöls ausgesetzt sind)?

    Natürlich ist es hochgradig irre, die Meere weiterhin leer zu fischen. Gleichwohl sind Schätzungen zufolge rund 120 Millionen Menschen weltweit wirtschaftlich abhängig von der Fischerei. Ist da wirklich "Kein Fisch mehr" die Lösung? Oder müssten wir es schaffen, den Anteil an nachhaltiger Fischerei weiter zu erhöhen? Wie weit geht das überhaupt? Wie kann man die local Communities stärken, die noch nachhaltig fischen? Und die Übermacht der Fischerei-Nationen und der industrialisierten Fischproduktion schwächen?

    Wie ist das mit dem Soja? Darf man das jetzt? Oder ist das doch aus vielerlei Gründen keine empfehlenswerte Option? Es gibt halt nicht immer nur schwarz und weiß und eine differenzierte Auseinandersetzung fehlt mir an vielen Ecken. Mit den Fleischessern genauso wie mit den Veganern.

    Ich kenne nette Veganer genauso wie anstrengende. Ich kenne nette Fleischesser genauso wie anstrengende. Und ich kenne nette Vegetarier genauso wie anstrengende. Für die netten koch ich gern. Auch vegan. Die anstrengenden dürfen gern einen weiten Bogen um mich machen. Ich versuch dasselbe.

    Und jetzt verabschiede ich mich für heute mit meiner Lieblingsanekdote aus den Salzfeldern der Camargue.... da fragte einer doch tatsächlich, ob Fleur de Sel vegan sei. Weil: Da könnt ja schon mal ein Tierchen drin sein.

    Fröhliche Grüße
    Conny

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