Was ich esse, und wann ich esse. Und wann ich nicht esse, und was ich nicht esse. 10 Fakten zu meiner Ernährung

Was ich esse, und wann ich esse. Und wann ich nicht esse, und was ich nicht esse. 10 Fakten zu meiner Ernährung

Porridge-Bowl mit Obst | Arthurs Tochter kocht. Der Blog für Food, Wine, Travel & Love

Der Anfang meiner Ernährung

Dass es wahrscheinlich gutes Essen gibt und schlechtes – diese Vermutung hatte ich bereits als kleines Kind:
Es fing so schön an. Mit drei Jahren bestand mein werktägliches Frühstück aus zwei Scheiben Toast, bestreut mit Zucker. Wenn ich heutigen ernährungswissenschaftlichen Studien glauben darf, waren es wohl die darauf folgenden Insulinausschüttungen, die mich vor lauter Hyperaktivität mittags im Kindergarten nicht schlafen ließen, sondern mich zum Schaukeln an Schranktüren verleiteten. Das Bett war mir eine Qual, stilles Herumliegen mit dreißig anderen Kindern in einem großen Saal voller Klappbetten mit rot-weiß-karierter Tischdeckenbettwäsche blieb mir unmöglich. So zappelte ich mich durch die ersten Jahre meines Lebens, vom Zucker aufgeschaukelt, in ständiger Bewegung, jede einzelne Zuckerkalorie doppelt verbrennend. Und wurde dünner und dünner.

Mittlerweile ging ich zur Schule, den Bauch morgens voller Zuckertoast, mittags hoffend auf verlorene Eier in Senfsauce, Fischstäbchen mit Spinat oder Schweineöhrchen mit Kartoffelpüree. Das Mittagessen wollte ausgiebig genutzt werden, denn abends traktierten mich meine Eltern mit grober Kalbsleberwust und Haferbrei – beides war mir ein Graus. Die Abneigung gegen Kalbsleberwurst ließen sie mir durchgehen; Wurst war teuer und selber essen macht dick, wie Arthur stets zu sagen pflegte. Aber dieser Haferbrei! Da stand der Teller mit Pampe, und mir drehte sich der Magen um. Aufstehen verboten. Erst musste der Teller leer sein. Ich aß und würgte und konnte doch irgendwann nicht mehr. Der Machtkampf um meine kulinarische Ausrichtung ging in seine erste Runde. Man drohte mir, man schrie mich an, ich weinte und aß doch nicht. Wie ein Damoklesschwert über mir ruhte der Holzkochlöffel am Tisch, bereit, die Bestrafung zu übernehmen. Ich erbrach. Übergab mich vor Ekel, weinte, schämte mich, habe die Haue bis heute verdrängt. Aber den Haferbrei war ich los. ...
(Aus: "Arthurs Tochter Kocht. Mein B_Logbuch*")
Mehr als nur lustvoll in mich hineinzufuttern, habe ich quasi nicht gemacht, bis ich fünfundzwanzig wurde. Dann wurde Miriam geboren und schon vorher, während der Schwangerschaft, entwickelte ich einen persönlichen Leitfaden für die Ernährung meines Kindes – und auch für die meine. Leitfäden kann ich gut, ich bin die Frau für Masterpläne jeglicher Coleur und ich lege gerne Dinge fest. So wusste ich, ich stille sechs Monate und keinen Tag länger und ich hatte die Marken festgelegt, die ich an Baby-Breien kaufen würde und eine rote Liste, welche nicht. Ich weiß nicht, wie das heute ist, aber damals war fast jede Babynahrung vollgestopft mit Zucker bis obenhin. Also arbeitete ich mich relativ schnell in das Thema "Babynahrung selber machen" ein und ließ mir von Arthur meinen ersten Pürierstab schenken.

Mit Anfang Zwanzig begann ich regelmäßig zu fasten. Meine Mutter ist Heilpraktikerin und Yogalehrerin und gab bereits vor 30 Jahren die ersten Kurse für Heilfasten in der Gruppe. Mit dem Fasten setzte ich während meiner Schwangerschaft und Stillzeit aus, und auch in zwei, drei überaus turbulenten Jahren meines Lebens, aber über die Hälfte aller Jahre meines bisherigen Lebens habe ich regelmäßig gefastet und davon in hohem Maße gesundheitlich profitiert. Meistens faste ich ein- bis zweimal im Jahr für drei bis vier+ Wochen (bei der Anzahl der Tage habe ich gerne eine "3" vorne stehen). Alles rund um das Fasten habe ich Euch in den letzten Jahren in vielen Artikeln ausgiebig erklärt. Der lustigste ist sicher "Vom Übersäuern und Kacken", aber es gibt in diesem Blog auch viele ernsthafte Berichte rund ums Fasten, zum Beispiel hier.

Und so bewege ich mich im Rahmen meiner Ernährung bis heute in verschiedenen Welten. Ich habe immer wieder Phasen des Verzichtes, die sich mit Tagen der Völlerei abwechseln – wichtig ist mir, dass das eine ganze Phasen sind und das andere nur Tage oder Stunden.

Fakt 1 zu meiner Ernährung:

Ich (heil)faste regelmäßig ein- bis zweimal jährlich zwischen drei und vier Wochen. Dabei trinke ich ausschließlich Kräuter- und Gewürztees und ab und an mal eine Gemüsebrühe. Wenn ich alle Fastentage im Jahr zusammenzähle, komme ich ungefähr auf drei bis vier von zwölf Monaten, in denen ich nichts esse. Das klingt krass, oder? Allerdings entspricht es ziemlich genau unserem genetischen Code.

Fakt 2 zu meiner Ernährung

Ich verzichte an bis zu drei Tagen in der Woche völlig auf Nahrung und trinke ausschließlich wie unter Punkt 1. Manchmal trinke ich an diesen Tagen noch etwas alkoholfreies Bier. So stringent wie hier beschrieben, ziehe ich dieses Intervallfasten/intermittierendes Fasten im Rahmen von 5:2 (Fünf Tage essen, zwei Tage fasten, wobei diese Tage nicht hintereinander liegen sollten) oder meistens MMF (Fastentage sind Montag, Mittwoch und Freitag, an den anderen Tagen esse ich im Rahmen meiner persönlichen Vorlieben ganz normal), erst seit Anfang Juli durch. Aber ich kann schon jetzt sagen, dass es mir unfassbar gut tut, mir bergeweise Energie schenkt und mein Mann mir alle paar Tage verblüfft sagt, wie sehr ich täglich jünger aussehen würde. Faszinierend! Als Ergänzung: Im Gegensatz zu vielen Personen, die intermittierend fasten, nehme ich an Fastentagen wirklich gar keine Nahrung auf. Viele essen an diesen Tagen bis zu 500 Kilokalorien, aber das taugt für mich nicht. Ich esse, oder ich esse nicht; dazwischen gibt es für mich nichts. Alles andere klingt für mich wie Diät. Mein Ziel ist Autophagie, nicht Gewichtsabnahme, das ist ein großer Unterschied in der Motivation des (Intervall)Fastens. Autophagie setzt aber nur bei völligem Kalorienverzicht ein. Was Autophagie ist, und wie sie funktioniert, habe ich Euch in meinem Artikel  Vom Sinn und Unsinn des Fastens – Blick auf einen Trend aus 30 Jahren Fastenerfahrung erklärt.

Fakt 3 zu meiner Ernährung

Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie eine Diät gemacht und würde das wohl auch nie tun! Nichts von dem oben genannten dient mir zur Gewichtsabnahme. Schwingt ein Kilo zuviel auf meinen Hüften und geht auf die Art und Weise verlustig, nehme ich das als Bonusprogramm zur Kenntnis. Ich habe in den letzten Jahren durch verschiedene Medikamente tatsächlich ungewollt einige Kilo zugenommen, was mich nicht freut – aber ich habe wahrlich ernstere Probleme und etwas wie Problemzonen kennt mein Körper eh nicht. Der ist himmlisch schön, so wie immer er wann auch immer ist.

Fakt 4 zu meiner Ernährung

Ich esse pflanzenbasiert. Da mag die eine oder der andere von Euch sich jetzt verwundert die Augen reiben, aber tatsächlich stellen Pflanzenprodukte die Basis meiner Ernährung dar. Geschätzt esse ich zu

  • 70 %: Pflanzen, Saaten, Hülsenfrüchte, Nüsse und Öle. Im Rahmen dieser 70 % esse ich übrigens sehr wenig Obst, sondern hauptsächlich Gemüse
  • 10 % Käse- und Quarkprodukte sowie Eier
  • 10 % Fleisch 
  • 10 % Fisch

Fakt 5 zu meiner Ernährung

Ich verzichte fast gänzlich auf Milch. Erstens schenke ich den Studien Glauben, die im Ergebnis zeigen, dass Kuhmilch kein geeignetes Nahrungsmittel für erwachsene Menschen ist. Milch ist nun einmal Mittel zum Wachstum. Sie soll in relativ kurzer Zeit kleine Kälber zu sehr großen Kühen machen und viele Studien legen den Verdacht nahe, dass durch regelmäßigen Verzehr von Milch und der dadurch bedingten Aufnahme von Wachstumshormonen und Medikamentenrückständen auch Tumorwachstum begünstigt wird. Fermentierte Milchprodukte wie zum Beispiel Käse betrifft das interessanterweise nicht. Außerdem dreht sich mir der Magen um, wenn ich mir ansehe, wie Milch erzeugt wird. Industrielle Milcherzeugung ist in meinen Augen ein Verbrechen an den Kühen und ihren Kälbern. Und mit einem Naturprodukt hat Milch schon seit Jahrzehnten nichts mehr zu tun. Ganz im Gegenteil ist sie ein im Höchstmaß industrialisiert erzeugtes Lebensmittel, das für mich kein Mittel zum Leben darstellt. Daher kaufe ich extrem wenig Milch, die ich ausschließlich für meinen kleinen Schuss im Kaffee benötige. Dass ich dabei auf Milch von kleinen Bauern, Milchkooperativen und/oder kleinen Bio-Molkereien zurückgreife, versteht sich von selbst. 
Rumpsteak mit Hirse, Rucola und Granatapfelkernen | Arthurs Tochter kocht. Der Blog für Food, Wine, Travel & Love

Fakt 6 zu meiner Ernährung

Meine Lebensmittel sind so unverarbeitet wie möglich. Ich esse Fleisch, aber keine Wurst. (Ausgenommen die hausgemachte Wildschweinbratwurst im Spielweg ❤)  Sogar auf die geliebte heiße Fleischwurst vom Metzger d. V. beim Marktfrühstück verzichte ich mittlerweile, weil mein Körper in den letzten Monaten einige Male mit einem schweren Schmerzschub darauf reagiert hat. (Für Nicht-Mainzer: Das Mainzer Marktfrühstück werde ich bei Gelegenheit gesondert beschreiben) Mein Marktfrühstück ist mittlerweile das fantastische Pastrami-Sandwich, das die Metzgerei Harth anbietet, oder eine kleine Käseauswahl vom Käsewagen gegenüber. Ich esse keine Fertigprodukte! In meinem Tiefkühler findet sich noch nicht einmal die schnelle Fertigpizza.

Fakt 7 zu meiner Ernährung

Ich trinke keine Säfte. Manchmal ein Glas Karottensaft während des Fastens oder eine Apfelsaftschorle in Lokalen, die keine alkoholfreien Alternativen zu zuckerhaltigen Softdrinks anbieten. Letztere trinke ich nämlich auch nicht. Alkohol trinke ich in Maßen und fast nur am Wochenende. 

Fakt 8 zu meiner Ernährung

Brot esse ich, wenn es vom Dorfbäcker kommt und mit Natursauerteig hergestellt wurde. Bis auf seltene Ausnahmen verzichte ich völlig auf Weißmehlprodukte. Bei Teigwaren machen ich eine Ausnahme, die schmecken mir mit Vollkorn- oder Dinkelmehlen einfach nicht.  

Fakt 9 zu meiner Ernährung

Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit gesunder Ernährung und körperlichen Alterungsprozessen. Meine Ernährung ist wie eine Blaupause aller wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Jahre. Allerdings esse ich schon viel länger so, als die Wissenschaft nun das bestätigt, was ich eh gerne mag. Denn das ist das Tolle für mich: Ich esse einfach wahnsinnig gerne gesunde Dinge! Glück gehabt, oder? Ich liebe Gemüse! Ich liebe Salate und Rohkost! Ich liebe meinen morgendlichen Haferbrei mit Obst und selbstgemachter Mandelmilch, der so gar nichts mit dem Haferbrei zu tun hat, den meine Eltern jahrelang versucht haben, in mich hineinzudrohen. Ich brauche keine gezuckerten Produkte, gebe aber Lust auf Schokolade oder Eis mit Freuden nach! Ich esse keine Ersatzprodukte, siehe "Fakt 6". Vegetarier und Veganer, die auf Fleisch- und/oder Käseersatzprodukte zurückgreifen, haben dennoch mein tiefstes Verständnis. Die meisten von ihnen verzichten nicht aus gesundheitlichen oder geschmacklichen Gründen auf Fleisch, Fisch oder andere tierische Produkte. Sie handeln aus moralischen Erwägungen, vermissen aber oft den von Kindesbeinen an gelernten Geschmack und Hunger auf Fleisch und Ähnliches. Dass die Industrie absurde Tier-Ersatzprodukte auf dem Markt schmeißt, vollgestopft bis oben hin mit Aromen, ist in meinen Augen aber ein eher vernachlässigbarer Auswuchs. Die Veganer und Vegetarier, die ich kenne, essen den Mist nämlich auch nicht. Sie essen halt eben nur Pflanzen. Krasser Scheiß. 

Ich mag tatsächlich gerne Fleisch, wobei sich dieses "Mögen" zum größten Teil auf Steaks bezieht. Oder Ochsenbäckchen, eh klar. Ich esse auswärts kaum Fleisch, weil ich oft nicht weiß, woher es kommt und auch nicht immer fragen möchte. Mich zicken Speisekarten in Restaurants immer stärker an, wenn keine guten vegetarischen oder gar veganen Gerichte angeboten werden. Ich halte übrigens Fertig-Tortellini mit Spinatfüllung nicht für ein gutes vegetarisches Gericht, das auf Speisekarten stehen sollte, sondern eher für einen Gedanken wie "na gut, lass uns halt IRGENDWAS Vegetarisches anbieten, damit sich niemand beschwert". Getoppt wird das nur noch von Vorschlägen im Service wie "dann lassen wir Ihnen das Fleisch einfach weg". "Und die Sauce dabei? Ist die denn vegetarisch?" "Ach so ... neee. Hm... dann weiß ich auch nicht. Ein Beilagensalat vielleicht?" Glücklicherweise lande ich in solchen Restaurants nur aus Versehen oder aufgrund widriger, nicht veränderbarer Umstände. Aber diese Restaurants werden aussterben. Wie die Dinosaurier, ich bin mir da sehr sicher. 

Fakt 10 zu meiner Ernährung

Ich bin der verfressenste Mensch der Welt. Ja okeee, außer Miriam. Ich esse gerne, ich esse gerne gut und ich verzichte auf nichts, was ich mag. Bis auf die oben genannte Fleischwurst und das auch mit einer Träne im Knopfloch. Essen ist in meinen Augen etwas ausgesprochen Sinnliches. Von mir aus könnten wir alle nackt essen und uns die Saucen gegenseitig aus dem Bauchnabel lutschen! Und: Essen ist für mich ein verbindenes Element – über diesen Blog verbindet es Euch mit mir, und über den Blog hinaus auch Euch untereinander. Ist das nicht wunderbar? Ich mag alles, was ich esse. Nichts davon esse ich, weil es gesund ist oder irgendwelche Heilsversprechungen liefert. Ich höre stets auf meinen Körper und wenn er sagt "her mit der Schokolade, Astrid, marsch marsch!", wer bin ich, dass ich ihm widersprechen wollte? Für mich ist Essen keine Religion und ich verabscheue alle Versuche von Medien, Bloggern, Journalisten und anderen, es dazu zu machen. Schließlich wissen wir: Religionen spalten, wo sie versöhnen sollten. Wenn jemand das dem Essen antut, werde ich richtig sauer. 

Ich möchte, dass die Menschen, die meine Nahrung erzeugen, dafür anständig bezahlt werden und ich bin bereit, die dafür wiederum nötigen Preise zu bezahlen. Ich möchte nicht, dass jemand für meine Nahrung unnötig leiden muss, kein sklavengleich schuftender afrikanischer Landarbeiter; kein Kalb, das nach seiner Mutter schreit; und kein Schwein, das sich im Koben nicht um sich selbst drehen kann und dem im Ferkelalter ohne Betäubung die Hoden entrissen werden. All das führt dazu, dass mein Essen immer minimalistischer wird, weil es mir immer schwerer fällt, den eben genannten ekelhaften Auswüchsen unserer Nahrungsmittelproduktion zu entgehen. Ich bin eine Nahrungsmittel-Minimalistin. Doch das ist vielleicht eine weitere Geschichte ...


  Genießt euren Tag!                                                                                                                                            

*Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen. Dies hat keine Auswirkung auf den Preis der Ware!
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Arthurs Tochter

Astrid Paul, die Autorin von Arthurs Tochter kocht., ist besessen vom Essen. Sie wacht manchmal nachts auf, weil ihr im Traum Essensdüfte durch die Nase ziehen. Dann steht sie auf und fängt an zu kochen. Oder zu schreiben. Vielleicht kocht sie auch nur, um darüber schreiben zu können, wer weiß das schon...