Tschüss Märpril ... ähhh ... Dingens ...


Tschüss Märpril ... ähhh ... Dingens ... So 'ne Art Rückblick



Monatsrückblick
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Tja. Da sind wir nun. Wisst ihr noch, als wir uns Anfang 2020 über ausgedruckte Kassenzettel echauffiert haben? Mittlerweile haben alle Bundestrainer auf Bundesvirologe umgeschult und letzte Woche wurden vom RKI erstmalig mehr Corona-Infizierte als Experten erfasst

Und einerseits:

Brauchte ich wirklich eine Pause. Also nicht, weil ich vordergründig besonders gestresst gewesen wäre, aber irgendwie dann wohl doch – und das, obwohl sich so direkt in meinem Alltag nicht besonders viel geändert hat. Weil ... wartet, erzähle ich gleich. Jedenfalls – ich schlafe wirklich schlecht und das seit Wochen. Meine Schlaf-App attestiert mir in Folge Nächte ganz ohne Tiefschlafphase; ich bin mittlerweile froh, wenn da morgens mal zwei Prozent stehen, was ungefähr drei Minuten in reeller Zeit bedeutet. Damit kann man konzentrationstechnisch am Tag keinen Blumentopf gewinnen. Der Rücken möppelt, ISG und Hüftbeuger ärgern auf diese BÄM, in your face-Art und Weise, das Yogastudio hat geschlossen, mir fehlt ganz oft die Motivation für meinen eigenen Flow, und ich humpel durch meine Tage, um abends ermattet und laut stöhnend in die Kunststoffspitzen meiner Shaktimat zu sinken. 

Miriam hatte Covid-19, wahrscheinlich mitgeschleppt von ihrer großen Korea- und Vietnamreise, von der sie zurückkehrte, zwei Tage bevor flugtechnisch nichts mehr ging. Bekomm mal Covid-19 in Berlin; sie wurde schon am Telefon von den Mitarbeiterinnen der Hausarztpraxis angeschrien, dass sie bloß weg bleiben solle, so als könne sich das Virus durch Funkwellen von der Zweizimmerstudentinnenwohnung in die Arztpraxis übertragen. Dann kam das Fieber, der trockene harte Husten, die Gliederschmerzen, die Schlappheit. Ich durfte sie nicht besuchen, weil  ich als immunsupressierte Person = Risikogruppe²; weil's darum viel zu gefährlich für mich gewesen wäre. Dennoch, so gesehen natürlich der oft beschriebene, leichte Verlauf bei jungen Menschen. Als Mama drehste trotzdem am Rad ... 

Und andererseits:

Der Blog läuft eh wie Schmitts Katze. Ich hätte dem RKI auch ohne Bewegungsdaten der Telekom sagen können, dass schon ab Anfang März, noch vor den offiziellen Ausgangsbeschränkungen, die Menschen zuhause geblieben sind. Sie kochen und kochen und kochen. Und weil sie Sorgen haben, kochen sie Soulfood, Schmorgerichte, selbst bei sommerlichen Temperaturen. Dass in diesem Blog Ende April/Anfang Mai noch Ochsenbäckchenrezepte unter der Top Ten sind, das hat es in den elf Jahren, die ich hier schreibe, noch nicht gegeben. Ihr braucht mich also gar nicht zur Zeit. Nun ja, irgendwie wohl dann doch, denn die Emails und Nachrichten bei Facebook und Insta stapeln sich – by the way, ich freue mich riesig, wenn ihr mir schreibt und das dann per Email macht. Bei den vielen Nachrichten in den Postfächern diverser sozialer Medien komme ich nämlich kaum hinterher. Das ist so ein bisschen, als würdet ihr einmal am Tag in fünf Straßen rennen müssen, um eure Briefkästen zu leeren. Irgendwann denkt ihr euch, och nee, der da hinten, da gucke ich nur noch mittwochs. Wo war ich? 

Ich betreibe seit Wochen eine immer strengere Nachrichtenhygiene. Lese nur noch zweimal täglich aktuelle Nachrichten in Bezug auf Corona, lösche bei Facebook ohne Ende Personen mit Verschwurbelungstheorien aus meiner Freundesliste, habe aufgehört, Dinge erklären oder graderücken zu wollen. Das Wesen der VeschwörungstheoretikerInnen liegt ja eben darin begründet, dass sie einem nicht glauben wollen, von Haus aus nicht. Täten sie es doch, würden sie sich von Wissenschaft und Logik überzeugen lassen, dann würde dies ihr mühsam über Monate oder Jahre aufgebautes Kartenhaus von "alle gegen mich" zusammenstürzen lassen. Und dann Bachblüten und Homöopathie gegen Corona. Seid ihr völlig irre? Und ehrlich, vertraut mir, Blogs, die Namen oder Domains haben wie "ichbindieallumfassendeliebe" sind keine wissenschaflichen Quellen zur angeblichen Harmlosigkeit der Corona-Pandemie. Aber ach, ich wollte mich ja nicht mehr aufregen, das macht mich alles so müde.

Ansonsten geht's mir nämlich prima. Mein zurückgezogenes Leben, das immer mal ungläubig beäugt wurde, weil es vordergründig vielleicht nicht so passt zu meiner zweiten Seite als Rampensau, ist endlich sozial anerkannt, after all these years! Ich koche, lese, gärtnere, pflanze, liege dekorativ in der Sonne herum, schaue Serien (endlich als Hobby gesellschaftskonform geworden) und: repeat. Ich muss mich schützen, klar. Aber ich genieße die Zurückgezogenheit auch sehr, ich mag, dass alles einen Tacken langsamer geht als sonst.

Das schrieb ich vor zwei Wochen. 

Und dann habe ich mich wieder hingelegt. Und jetzt, heute, ist alles nicht mehr ganz so ruhig. Attila Hildmann ist mittlerweile in den bewaffneten Untergrund gegangen, mit Widerstand2020 haben sich Wohlstandsverwahrloste unter der gleichen Büroadresse wie eine AfD-Ortsgruppe zu einer Mitmachpartei zusammengeschlossen, für die sie anonyme Spenden erbitten, welche nach Parteiengesetz verboten sind. Ich weiß kaum noch, was ich zu diesem ganzen Scheiß sagen soll. In einem offenen Brief warnten kürzlich Ärztinnen und Virologinnen angesichts sich in sozialen Netzwerken stürmisch verbreitenden Falschnachrichten und Verschwörungsmythen vor einer Infodemie. Ich befürchte hingegen eher Idiotemie, aber was weiß ich schon. 

Drei gute Nachrichten, bitteschön! 

  1. Hanf ist eine der gesündesten und vielseitigsten  Pflanzen auf unserer Erde. Hanf braucht weniger Wasser zum Wachsen als Baumwolle, benötigt keine Düngemittel und wächst in nahezu jeder Klimazone, in der es überhaupt eine Vegetation gibt. Hanf ist (angeblich!) stärker als Stahl – weiß da jemand was zu? – und lässt sich trotzdem leichter dehnen und biegen, wenn es verarbeitet wird. Darüber hinaus kann es zur Entgiftung von verseuchten Böden herangezogen werden, wie Forscher an der Colorado State University in Fort Collins, USA herausgefunden haben wollen. (Würde man jetzt also Brücken aus Hanf und nicht aus Stahl-Beton bauen, dann könnte man sie, baufällig geworden, einfach wegrauchen. Ich finde, das klingt nach einem hervorragenden Plan, was meint ihr?)
  2. Familie Koto aus Yorkshire bewältigt die Einschränkungen der Corona-Pandemie durch den von Monty Python inspirierten Silly Walk. Vor ihrem Grundstück stellten sie ein Schild auf mit dem Text "Sie haben den Zuständigkeitsbereich des Ministeriums für albernes Gehen betreten. Beginnen Sie unverzüglich, albern zu gehen. Ihr Gang könnte gepostet werden!" Die Türkamera filmt, wie die Leute reagieren: Sie rudern mit den Armen, werfen ihre Beine in die Luft, tun, als seien sie Vögel. Manche tanzen mit ihren Kindern und Hunden. Ansehen könnt ihr euch das auf ihrem Instagram-Account.
  3. Fred Astaire konnte mit einem Garderobenständer tanzen. Und an nicht so guten Tagen hilft es mir schon mal, das zu wissen. Und noch einmal anzusehen 

Kultur

Bühne

Tja. Anfang März waren wir das letzte Mal auf einem Konzert, bei Christian Steiffen. Und ich natürlich textsicher und wie so ein Fangirl direkt an der Bühe. Göttlich. Was für ein großartiger Spaß das war; ich hatte jahrelang auf diese Gelegenheit gewartet. 

Und dann waren wir im März NICHT als VIP-Gäste auf Schalke und NICHT bei Marc Almond und im April NICHT bei Hazel Brugger. Und überhaupt werden wir in den nächsten Monaten zu einer Menge Konzerten NICHT gehen können und warten bei einigen noch ab, ob sie in 2021 verschoben werden oder ganz abgesagt. 

Streaming

Serien

  • Years and Years. Die Serie des Jahres, jetzt schon! 6 Teile. Dystopisch, böse, beängstigend, großartig gespielt. Starzplay-Channel über Amazon Prime*
  • Game of Thrones, Staffel 8 in der Wiederholung. Und dieses Mal hat sie mir schon sehr viel besser gefallen. Vielleicht, weil ich keinerlei Erwartungen mehr hatte? Über Sky Ticket, läuft auch bei Amazon Prime. 
  • The Capture. Überwachungs-Thriller-Serie in 6 Teilen. Solide Kost, die ganz okay ist, bis man Years and Years gesehen hat. Starzplay-Channel über Amazon Prime*

Filme

  • Systemsprenger. Herzzerreißend, aber zu lang. Dennoch ein beachtliches Erstlingswerk. Netflix. 
  • Midsommar. Neuester Film von Hereditary-Regiesseur Ari Aster. Kinder des Zorns (die Älteren erinnern sich) trifft auf schwedisches Verschwurbelungsblumenkranzflechten mit blödem Sexismus. Das Beste am Film war, dass ich ihn mit Julia gesehen habe, beide gleichzeitig gestreamt, getrennt nur durch den Fluß mit WhatsApp im Anschlag. Netflix.
  • Betonrausch. Jedes Wort zuviel. Nicht gucken, nein auch nicht wegen Frederick Lau! Netflix. 
  • Sieben Leben. Wiederholung. Sanft und traurig zugleich. Netflix.
  • Meg. Nach 30 Minuten ausgeschaltet, trotz Jason Stratham, echt jetzt. Wie überaus bedauerlich! Netflix.
  • Spenser Confidetial. Gähn. Nach 30 Minuten ausgeschaltet. Netflix.
  • Der Schacht. Wow! Krasser, kleiner, böser Film! So eine Art klaustrophobische Göttliche Komödie mit Holzhammer-Methode, die, lässt man den ganzen kapitalismuskritschen Überbau weg, unanständig viel Spaß macht. Netflix.
  • I'm Legend in der Wiederholung. Netflix
  • Contaigion in der Wiederholung. Amazon Prime, kostenpflichtig
  • Molly's Game. Illegale Pokerwettbewerbe unter der Elite Hollywoods. Filmbiografie von Aron "West Wing" Sorkin. Mehr muss man eigentlich gar nicht wissen. Ach doch, mit Idris Elba (schmacht) und Jessica Chastain (schmachtschmacht)
  • Hell or High Water. Neo-Western über zwei verzweifelte Brüder, die ebenso verzweifelte Maßnahmen ergreifen, um die familieneigene Farm von den Schulden zu befreien. Sehenswert! Netflix.
  • Blow The Man Down. Schwarzhumoriges Indie-Kino um zwei Schwestern, die bei der Verdeckung einer Mordtat auf die Abgründe ihrers Heimatortes stoßen. Für Fans von Fargo und Ein einfacher Plan. Amazon Prime*

Im Blog

Hahahaha. Was? 





Und das muss für heute reichen!




  Bleibt mir bitte gesund!                                                                                                                                          

  *Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen. Dies hat keine Auswirkung auf den Preis der Ware!
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Arthurs Tochter

Astrid Paul, die Autorin von Arthurs Tochter kocht., ist besessen vom Essen. Sie wacht manchmal nachts auf, weil ihr im Traum Essensdüfte durch die Nase ziehen. Dann steht sie auf und fängt an zu kochen. Oder zu schreiben. Vielleicht kocht sie auch nur, um darüber schreiben zu können, wer weiß das schon...

Kommentare :

  1. Hach, ich lese Deine Rückblicke von Herzen gerne. Und danke für diese wunderschöne Szene mit Fred Astaire. Ich habe mal mit einer Ballerina (was ich für Leute kenne, gell?) darüber gesprochen, dass ich eigentlich eher Team Gene Kelly bin. Aber dann hat sie mir von der Eleganz von Fred Astaire erzählt und die sieht man in dieser Szene wieder ganz deutlich. Gene Kelly - bei aller Liebe - ist dann eher der Athlet unter den Tänzern. Danke für den schönen Reminder. Ich suche mal einen Gaderobenständer...

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    1. Ich habe im Flur ein schönes Leinwandbild mit Fred Astaire hängen, da sieht man wunderbar, wie er schwebt. Ich stehe fast jeden Tag davor und schwwärme ihn ein bisschen an :)

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  2. hallo Astrid, schoen zu hoeren, dass bei dir alles OK ist. Hab schon befuerchtet, dass du zum bloggen aufhoerst, was schade waere, denn ich koche viele deiner Rezepte nach. Zu Corona kann ich dir nur beipflichten und will davon alles nicht mehr hoeren. Sich Auszeit in dieser C-Zeit zu nehmen finde ich auch besonders wichtig. Weiterhin alles Gute und bleib gesund.

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    1. Mir fehlt echt ganz viel Antrieb derzeit, das merke ich immer mehr. Aber aufhören ist natürlich keine Option! :)

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  3. Was für ein Spaß, diesen Rückblick zu lesen! Ich liebe Deine Texte! Und Deinen Humor! Aber da schwimmen wir ja eh auf der gleichen Wellenlänge. Und seit ich weiß, wie man sich als Blogger über Kommentare im Blog freut, hab ich mir vorgenommen, das öfter mal zu tun! Also: bitte schön! 💝

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    1. Vielen Dank meine liebe Odette! <3
      Du hättest mal noch 2009 und 2010 als Bloggerin erleben müssen. Da wurde kommentiert, dass die Blogs rauchten :) Das haben wir alle in der Zeit gemacht, die wir jetzt auf Insta und Facebook verdaddeln :)

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  4. Meg ist wirklich phantastisch schlecht, selbst für einen Freund von Hai-Filmen wie mich. Und GoT ist natürlich super, hab ich ja gleich gesagt. Ich sag's ja nur … ;-)

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