Die nose to tail-Respektphilosophie...
Nose to tail geht mir auf den Ochsenschwanz
Eigentlich ist es gar nicht so sehr das Postulat, nur ja jeden Fitzel Fleisch eines geschlachteten Tieres zu verwerten, sondern vielmehr die große Portion Heuchelei, die oft damit einher geht. Ist ja eh klar, dass wir alle nur das Fleisch der Tiere vom Biohof direkt hinter unserem Haus essen. Keine Transportwege, im Mondschein handgestreichelt, fröhlich wie junge Geißlein über die Weiden springend, glücklich bis zum letzten Atemzug. Und dann. Peng. Tot. Also tot im Sinne von eben noch da und plötzlich tot. Ohne Schmerz. Ohne Angst. Ohne die schrecklichen Minuten vor dem Bolzenschuss. Die gibt es nicht. Nicht bei Bio. Nicht bei dem Fleisch, das wir alle essen. Wir Lippenbekenntnisprahler.
Weg von dem Gedanken an Aufzucht, qualvolle Tiertransporte und Schlachtungen im Akkord, wird vermehrt darüber nachgedacht, dass wir doch bitte gefälligst alles vom Tier verzehren sollen – wenn es schon für uns gestorben ist. Aus Respekt. Also das Tier stirbt. Durch unsere Hand. Und aus Respekt sollen wir [wenigstens] alles verzehren. Ich frage mich, ob in den Köpfen dieser Leute noch alles rund läuft.
Probleme der (Massen)tierhaltung für den menschlichen Verzehr gibt es zuhauf. Dass von einem geschlachteten Tier nicht alles verwertet würde, gehört nicht dazu. Und ganz sicher auch nicht, dass alle immer nur Filet oder andere Edelteile essen würden, die Mehrzahl der Menschen hat dazu nämlich gar nicht das nötige Kleingeld, auch nicht für das Supermarktjungbullenfilet im Angebot für € 39,90/kg.
Insgesamt werden hierzulande im Jahr rund 750 Millionen Tiere geschlachtet:¹
- ca. 630 Millionen Hühner
- ca. 60 Millionen Schweine
- ca. 40 Millionen Puten
- ca. 25 Millionen Enten
- über drei Millionen Rinder
Deutschland hat sich in den letzten Jahren beim Schweinefleisch vom Importeur zum Exporteur gewandelt. Die Lohnkosten in der Schlachtbranche sind in Deutschland so niedrig, dass mittlerweile Fleischkonzerne aus den Nachbarländern ihre Tiere zur Schlachtung nach Deutschland bringen.
2010:
Dänemarks größte Schlachterei Danish Crown will bis zu 600 Jobs aus der Heimat nach Deutschland verlagern. Konzernchef Kjeld Johannesen begründete das [...]mit den hohen Stundenlöhnen seiner dänischen Mitarbeiter. Die Löhne im Werk im niedersächsischen Oldenburg seien nur halb so hoch. (dpa)
Tote Tiere am Kettenzug
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| Grafik: Creative Commons (CC-BY-SA) - Heinrich-Böll-Stiftung, BUND |
Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass Veganer vielen Menschen den letzten Nerv rauben, aber dankenswerterweise geht der Fleischkonsum in Deutschland zurück. Langsam. Sehr langsam sogar. Aber er geht zurück. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir das Elend in der Tierhaltung und -schlachtung nur weiter verringern können, wenn alle wieder zum Sonntagsbraten zurückkehren. Und diese ganze Wurst weglassen. Die mit Gesichtern zuerst und dann den Rest. Wobei - da kann wiederum vortrefflich eine Menge hinein von dem, was wir aus Respekt alles essen sollen. Denn dem geschlachteten Tier ist es allemal egal, in was es hinterher steckt. Ob in einem Wurstdarm, in einer Dose Katzenfutter oder in Präparaten der Humanmedizin. Es ist egal, ob ich die Zunge esse und jemand anderes den Euter. Mir muss nicht alles schmecken, ich muss nicht alles essen wollen, nur weil ich grundsätzlich Fleisch esse. Ich glaube auch nicht, dass ich Tiere selbst töten können müsste, weil ich Fleisch esse. Ich muss auch nicht mein Dach decken können und brauche trotzdem eines über dem Kopf. Was wahr ist: Wahrscheinlich würde ich kein Fleisch essen, wenn ich das Tier selbst schlachten müsste. Das ist aber ein anderer Punkt. Ich denke intensiv über meinen Fleischkonsum nach, überhaupt über den Konsum tierischer Produkte; ebenso über das ethische Dilemma, zwischen Haus- und Schlachttieren zu unterscheiden. Persönlich habe ich nichts gegen die Nutzung von Tieren, im Gegensatz zu manchen Tierrechtlern glaube ich nicht, dass sie dem Menschen gleichgestellt sind. In meinen Augen ist nichts Verwerfliches an dem Nutzen von Hilfs- und Arbeitstieren, an dem Verzehr von Eiern, von Milchprodukten oder Honig. Verwerflich ist nur der Weg, wie das allenthalben geschieht.
