Von schnöder Vorratshaltung zum gepflegten Hedonismus: Confieren. Hier und heute eine entbeinte Entenkeule, die erst confiert und dann später im Backofen knusprig aufgebacken wird. Dabei erhält man die knusprigste Entenhaut aller Zeiten! Dazu gibt es Grünkohl und karamellisierte Kartoffeln.
Was bedeutet Confieren? Von schnöder Vorratshaltung …
Eine der traditionellsten Methoden zur Haltbarmachung von Fleisch ist Confieren, d. h. das Garen und Lagern von vorzugsweise Ente und Gans im eigenen Fett (Schmalz) Und ganz ehrlich - ist der Genuss eines Cassoulets, des traditionellen Eintopfes aus der Region Languedoc im Süden Frankreichs, ohne eine confierte Entenkeule überhaupt vorstellbar? Nicht wirklich. Losgelöst von praktischer Vorratshaltung erfreut sich auch das Confieren von Fisch und Meeresfrüchten immer größerer Beliebtheit. Diese Methode ist an Sanftheit kaum zu überbieten: schonend wird bei Niedrigtemperatur gegart.
… zum gepflegten Hedonismus
Gleichzeitig führt das anschließende Lagern im Schmalz zu einer Vertiefung des Eigengeschmacks von Enten- und Gänsekeulen, d. h., was in Zeiten ohne Kühlschränke zur Haltbarmachung und Vorratshaltung diente, kann heute ungehemmt aus rein kulinarischen Gründen eingesetzt werden und somit das Praktische dem Hedonistischen weichen. Beginne also ein bis zwei Tage vor dem geplanten Essen mit der Zubereitung der confierten Entenkeulen. (Wenn es dann aber doch mal schnell gehen soll, keine Bange: Sie schmecken bereits am ersten Tag schon ziemlich gut!)
Confierte Entenkeule mit Grünkohl und karamellisierten Kartoffeln: Rezept für 4 Personen
Zutaten Entenkeule
- 4 frische Barbarie-Entenkeulen (Die Keulen der weiblichen Tiere sind kleiner und völlig ausreichend)
- 2 EL grobes Meersalz
- 500 g Enten-, ersatzweise Gänseschmalz (mischen possible)
- 1 Handvoll frische Thymianzweige
Entenkeulen entbeinen und confieren: 1–2 Tage vorher
Entbeine die
Entenkeulen. Dazu legst Du sie mit der Hautseite auf ein Brett und ertastest Dir die beiden Längsknochen in Unter- und Oberkeule. Auf diesen setzt Du mit einem Ausbeinmesser einen langen Schnitt bis auf die Knochen und schiebst das Fleisch dort ein wenig zur Seite. Anschließend fährst Du mit dem Messer unter die Knochen und löst so auch auf der Oberseite der Keule das Fleisch ab. Entferne anschließend mit einem kräftigen Ruck die dicken weißen Sehnen aus dem Fleisch, dabei hilft eine Zange aus dem heimischen Werkzeugkasten. Lege die Keulen
in eine ofenfeste Form* und bestreue sie mit dem
Meersalz.
Erwärme das Entenschmalz auf dem Herd, bis es flüssig ist und gieße es anschließend über die Entenkeulen. Lege den Thymian obenauf und stelle die Form bei 90°C Unter-Oberhitze für 3 - 3,5 Stunden in den Ofen. Die Keulen sollten dabei vollständig vom Schmalz umschlossen sein.
Am Ende der Garzeit nimmst Du die Form aus dem Ofen und füllst die Keulen samt des flüssigen Schmalzes ggf. in ein entsprechendes (Steingut)Gefäß zur Lagerung um. Achte jetzt besonders darauf, dass die Keulen vollständig vom Schmalz bedeckt sind. Am besten lässt sich das im erkalteten Zustand kontrollieren. Gieße eventuell später noch etwas Schmalz an, wenn ein vorwitziger Zipfel Entenhaut heraussteht.
Lasse das Confit zügig abkühlen und lagere es abgedeckt im Kühlschrank bei höchstens 7 °C, besser bei 5 °C. Verbrauche die confierten Entenkeulen innerhalb von zwei bis drei Tagen nach der Zubereitung. Für eine längere Aufbewahrung frierst Du sie ein. Übrigens eignet sich ein Entenconfit hervorragend als Geschenk aus der Küche – dann aber durchgehend gekühlt transportieren und den Hinweis zum zeitnahen Verzehr mitgeben.
Confierte Entenkeulen knusprig aufbacken: am Tag des Essens
Erwärme das Entenconfit ganz sanft, bis der Schmalz sich verflüssigt. Hebe die Keulen sehr vorsichtig mit einem breiten Schöpflöffel heraus, sie sind so butterzart, dass sie schnell auseinander fallen. Tupfe sie sanft mit Küchenkrepp ab und entferne eventuelle Thymianzweige.
Lege die Keulen auf ein grillgeeignetes Ofenblech oder in eine grillgeeignete Form und schiebe sie für ca. 15 Minuten bei 220 °C unter den Ofengrill. Behalte die Bräunung dabei im Blick. Jetzt brutzeln die Keulen auf, ihr Fleisch wird warm und die Haut bekommt einen Crunch, als würdest Du in frisch gebackenen Blätterteig beißen. Mit keinem anderen Verfahren gelingt eine solch crosse Entenhaut bei gleichzeitiger Zartheit und Saftigkeit des Fleisches, versprochen. Das überschüssige Fett landet dabei praktischerweise auf dem Blech und nicht auf Deiner Hüfte.
Tipps für Entenconfit und das übrige Schmalz
Hebe Dir das übrige Schmalz unbedingt auf. Es eignet sich hervorragend als Brotaufstrich oder Bratfett wie z. B. für den Grünkohl.
(Selbstverständlich funktioniert das Rezept mit kompletten Keulen ebenso. Aber feiner zu essen sind sie ohne Knochen)
Grünkohl zur confierten Entenkeule
- 1 kg frischer Grünkohl
- 2 EL des Schmalzes vom Entenconfit
- 1 Prise Haushaltsnatron
- 250 ml Geflügelbrühe
- Salz, Pfeffer aus der Mühle, frisch geriebene Muskatnuss
- etwas Dijonsenf
Entferne die dicken Rippen der Grünkohlblätter. Hacke den Grünkohl anschließend in nicht zu feine Stücke. Erwärme den Schmalz und dünste den Grünkohl darin rundherum an. Gebe das Natron hinzu, es sorgt dafür, dass der Grünkohl etwas schneller gart und die Farbe besser hält. Gieße die Brühe hinzu und köchle den Grünkohl sanft für ca. 60 Minuten. Er sollte am Ende noch etwas Biss haben. Schmecke ihn mit den Gewürzen ab, Verwegene schmuggeln zum Garen noch eine Kümmel-Mettwurst oder ein Stück Geselchtes hinein, beide können am nächsten Tag mit eventuellen Kohlresten gegessen werden.
Karamellisierte Kartoffeln mit Muscovadozucker
- 750 g kleine Kartoffeln, festkochend
- 1 EL heller Muscovadozucker*, ersatzweise brauner Rohrzucker oder Puderzucker
- 1,5 EL Butter (möglichst Süßrahm)
- Salz
Koche die Kartoffeln in der Schale, lasse sie ausdampfen und pelle sie, solange sie noch warm sind. (Die Schale löst sich dann leichter) Schmelze den Muscovadozucker mit der Butter in einer großen Pfanne und schwenke die Kartoffeln darin, bis sie eine goldgelbe Kruste bekommen, salze währenddessen.
Confierte Entenkeule mit Beilagen anrichten
Richte den Grünkohl auf den Tellern an, lege jeweils eine knusprige Entenkeule und Kartoffeln dazu. Lausche auf das Knusperkrachen der Haut, weitere Geräusche, außer vielleicht kleine Laute des Entzückens, wirst Du am Tisch nicht mehr hören. Nimm dann die nach dem Essen dargebotenen Dankesbezeugungen mit angemessener Geste entgegen.

Häufige Fragen zur confierten Entenkeule
Was ist eine confierte Entenkeule?
Bei diesem Rezept gart die Entenkeule sanft in Enten- oder Gänseschmalz. Anschließend wird sie im Backofen knusprig aufgebacken: butterzartes Fleisch, krachende Haut.
Bei welcher Temperatur werden die Entenkeulen confiert?
Meine entbeinten Entenkeulen garen bei 90 °C Ober-/Unterhitze für 3 bis 3,5 Stunden. Dabei sollen sie vollständig vom Schmalz umschlossen sein.
Muss ich die Entenkeulen vorher entbeinen?
Nein, das Rezept funktioniert auch mit kompletten Keulen. Ohne Knochen sind sie aber feiner zu essen. Die Anleitung findest Du weiter oben im Rezept.
Welche Beilagen passen dazu?
Hier serviere ich Grünkohl und kleine Kartoffeln, die mit Butter und Muscovadozucker karamellisiert werden. Beides findest Du mit Zutaten und Zubereitung in diesem Artikel.
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In diesem Jahr wird das mit der confierten Keule leider nix mehr, da steht noch zuviel aus, z. B. der Ochsenschwanz, aber im nächsten sollten sich die Enten hüten. ;-)
AntwortenLöschenIch wünsche dir entspannte und angenehme Weihnachtstage!
Liebe Grüße,
Eva
Meine Rede! Ich verpacke sie allerdings in Beutel und vakuumiere sie, damit habe ich flache Pakete, die gut zu stapeln sind ,) und die Sicherheit, dass nirgendwo mehr Luft zwischen Fett und Fleisch eingeschlossen ist. Eine Ladung grün angelaufener Keulen aus meinem Keramiktopf hat mich vor Jahren zum Heulen gebracht. - Ich liebe das Confit übrigens mit Spitzkraut oder sauren Navets.
AntwortenLöschenIch wünsch Dir eine wunderbare Weihnachtszeit und immer einen Hocker zum Hochlegen der Füße in Griffweite!!
Je länger ich darüber nachdenke, deste mehr mutmaße ich, dass es sich bei dem Thema Haltbarmachen eher um einen Vorwand handelte. Die wussten ja früher schon was gut ist. Nur wollte das niemand laut sagen ;-)
AntwortenLöschenUnd Du genieße Deinen auch!
Das wollte ich auch schon ewig mal machen, confierte Entenkeulen. Ich liebe Ente ja über alles...
AntwortenLöschenUnd nachdem ich jetzt noch gaanz langen Weihnachtsurlaub habe, werde ich dein Rezept ganz sicher demnächst ausprobieren :-)
Muss man nix zu sagen! Perfekt
AntwortenLöschenRandbemerkung:
AntwortenLöschenDie Zubereitung der Entenkeulen nach meiner Methode OFEN AUS bringt ähnlich Zartheit und Knusprigkeit auf den Teller.
Aber trotzdem ein grosses Kompliment für Dein Rezept.
Die Stille bei Tisch wird nur von leisen Seufzern begleitet.
Stimmt!
LG - Wolf
Wieder einmal ein perfektes Rezept. Bei uns gehen von wegen zickigem Turbohausmann leider kaum Geflügelgerichte, was immer weh tut, wenn ich so etwas Tolles wie hier sehe.
AntwortenLöschenLiebe AT, ich wünsch dir und deinen Lieben eine schöne Weihnachtszeit!
Etwas verspätet ein Danke an euch für die netten Kommentare und freundlichen Wünsche. :)
AntwortenLöschenIch wünsche euch ebenso von Herzen ein fulminantes 2015!
Lieber Gottfried, ich glaube, Du hast es glasklar erkannt. :) Immer diese Vorwände...
Übrigens habe ich bereits zwei Fotos von Arthur erhalten (ja, er fotografiert sein Essen für mich ;) ) von aufgeknusperten Entenkeulen. Er hat sich soooo darüber gefreut :)
Hallo, die Ente sieht wirklich fantastisch aus. Ich hab sie gestern vorbereitet und in ein Glas Gefäß gefüllt.
AntwortenLöschenJetzt hab ich unten jedoch 1-2cm Sülze bevor das Schmalz kommt. Macht das was?
Liebe Grüße
Isabell
Liebe Küchenmaus,
AntwortenLöschenwas meinst Du mit Sülze?
Hmm..also ich hab einfach mal auf Sülze getippt. Also gehärtet ist es wie Gele und ich denke das ist die Flüssigkeit, die aus der Ente getreten ist. Erkaltet hat sie sich jetzt am Boden abgesetzt. und darüber ist das Fett.
AntwortenLöschenWir haben die Ente mit den Rosenkohlblättchen gepaart (§%€&%§@@ Arbeit!) und waren vom Ergebnis absolut begeistert! Zum Glück war ein Zeitversatz zwischen Entenkeulen ausbeinen und Rosenkohl entblättern, ansosnsten hätte ich mich wohl Hemmungslos dem Alkohol hingegeben.
AntwortenLöschenMerci Astrid für die tolle Inspiration!
:)))
LöschenDiese confierten Entenkeulen waren in diesem Jahr den Ochsenbackenrezepten hier auf dem Blog dicht auf dern Fersen – jedenfalls wenn ich die vielen Mails, die ich mit Fragen dazu bekommen habe, als Maßstab nehme. An manchen Tagen dachte ich, es wird in diesem Jahr in Deutschland kaum etwas anderes an Weihnachten serviert. :))) Sehr schön, ich freue mich wie Bolle, dass es gut geklappt hat und Euch so gut geschmeckt hat. Und Chapeau für das meditative Entblättern des Rosenkohls und dass Du nicht aufgeben und Dich dem Alkohol nicht ERgeben musstest. Ich weiß ja zufällig ganz genau, von was Du sprichts ;)
Guten Rutsch ins Neue Jahr!