Flammendes Inferno

Der Versuch eines Flammkuchens mit Dinkelteig und andere Dilemma

Der Versuch eines Flammkuchens mit Dinkelteig und andere Dilemma | Arthurs Tochter Kocht von Astrid Paul

Flammendes Inferno

Es erschien so einfach. Heißt es nicht immer, man könne Dinkelmehl 1:1 wie Weizenmehl Typ 405 in Rezepten ersetzen? Ha! Lachnummer. Also der Teig war schon eine einzige Katastrophe und ich hätte gewarnt sein müssen, dieses Ding, das sich nicht ausrollen ließ ohne dabei in sich selbst Löcher zu fetzen, überhaupt zu belegen und in den glühenden Ofen zu schieben. Es mag der Paulsche Sturkopf im Spiel gewesen sein, wir werden es nie erfahren. Jedenfalls fand ich für den Bruchteil eines Vormittages die Idee zu einem Flammkuchen aus Dinkelteig, den ich aufgrund seines sanft an Nüsse erinnernden Geschmacks sehr schätze, ziemlich gut. Und hatten mir nicht ein paar Kommentatoren zum Burn Baby, burn!-Beitrag den Vorschlag mit Dinkelteig gemacht? Ja okeee, Dinkel-Sauerteig. Is klar. Als käme mir so etwas aus der Küchenmaschine. Jemals. Sie scherzen, oder? Susanna schreibt auch noch, es sei eine prima Resteverwertung für Sauerteig.  Witzig. Ich gehöre ja eher nicht zu den Personen, die mal eben einen alten gereiften Sauerteig im Kühlschrank haben, einen Rest vom letzten Brotbackmarathon oder so, der in einem Dinkel-Sauerteig-Flammkuchen bestens angelegt wäre. Also kaufe ich Dinkel-Vollkornmehl. So voller Korn, es war wohl etwas zu voll, zu grob. Der Teig war jedenfalls vollkornkrümelig. Egal, ich wollte das da jetzt machen. 
Flammkuchen mit Dinkelteig, Tomaten, Auberginen, Mozzarella, Pimientos | Arthurs Tochter Kocht von Astrid Paul

Flammkuchen mit Dinkelteig, Tomaten, Auberginen, Mozzarella, Pimientos | Arthurs Tochter Kocht von Astrid Paul

Hinzu kam - ich hatte mich im Mozzarellakarton des hiesigen Supermarktes vergriffen. Zuhause sah ich beim Auspacken der Taschen erschrockenen Blickes: Mozzarella low fat. Es gibt ja Produkte, die gehören verboten. Könnte bitte mal jemand einen großen Sack aufmachen und da hinein schmeißen wir alle low fat-Produkte aus Käsetheken, Wursttheken, Drogeriemärkten (ich bin mir sicher, irgendwo auf der Welt gibt es fettreduzierte Shampoos, die nicht mit angeblich fettreduzierenden Duschgelen verwechselt werden sollen. Die können aber auch gleich mit weg). Dann knoten wir den Sack zu und schießen ihn in die Umluftbahn und nein, wir versenken ihn nicht im Meer, mit etwas Glück fällt er irgendwann mit viel Effet dem Vorstandsvorsitzenden von Nestlé auf den Kopf. Was weg muss, muss weg, wie auch die Handvoll Pimientos de Padrón, die im Gemüsefach des Kühlschranks vor sich hindämmerte. Es fanden sich 2 Tomaten, etwas Schmand und fertig war mein Wasauchimmer-Gesund-Flammkuchen aus Dinkelteig. 

Macht das nicht!

Um es kurz zu machen: Tut das nicht! Macht das auf keinen Fall nach! Der Dinkelteig verbrannte am Rand, die Pimientos zerfielen in der Hitze zu Asche und selbst die dünnen Scheiben einer Rest-Aubergine überlebten das flammende Inferno nicht. Nur in der Mitte des Bleches gab es ein Viereck, das ich mir herausgeschnitten und gegessen habe. Dazu muss ich sagen - geschmacklich war das gar nicht so verkehrt. Wäre der Teig knusprig und aus Weizenmehl  und der Mozzarella fett gewesen, die Pimientos einfach nicht da und die Aubergine vorher vielleicht bereits angebraten, also wäre einfach alles ganz anders gewesen, dann hätte das ein richtig toller Flammkuchen werden können. 

Serviceteil

Wenn ihr einen richtigen Dinkel(Sauerteig) für Flammkuchen verwenden wollt, bitteschön, hier entlang. Das sieht über alle Maßen köstlich aus und schmeckt sicher auch so!

Und wenn nix mehr hilft: Die Kunst, gelassen zu bleiben* Hilft auch bei verbrannten Flammkuchen 
Die Kunst, gelassen zu bleiben [Buchtip]



  Genießt euren Tag!


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Arthurs Tochter

Kommentare :

  1. Dass das mit der Austauschbarkeit von Dinkel- und Weizenmehl wegen der verschiedenen Klebereigenschaften nicht so weit her ist, hatte ich mal irgendwo gelesen... ich such' gerade, wo... Moment... da. Ich mache inzwischen auch sehr gute Erfahrungen mit der Sauerteig-Querverwertung in Kuchen, Keksen, Nudeln & Co. Was nicht bedeutet, dass ich zu Beginn dieser Karriere nicht einmal ein sehr saures Anstellgut in großer Menge in einen Ich-weiß-schon-gar-nicht-mehr-welchen-Teig gekippt hätte und ein knietschiges, quietschsaures, angekokeltes Etwas aus dem Ofen gezogen hätte. Es wurde nicht gegessen.

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    1. Danke für den Link! Wenn ich das lese, wird mir alles klar...

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  2. Dinkel ist knetempfindlich (also ein Sensibelchen) und neigt zum Trockenwerden. Ich verwende ihn trotzdem gern. Dinkel 630 geht gut; Vollkorn nehme ich eigentlich nur zum Brotbacken, und da auch nur anteilig.

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    1. Sensibelchen, pah! Was soll ich denn dann sagen?

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    2. Astrid, glaube mir, der Herr Dinkel ist viiiiiiiel empfindlicher als Du 💜.

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  3. Ich nehme für Pizza und Flammkuchen oder anderes gerne Rezepte von Hefe und mehr. Stefanie hat viele gelingsichere Dinkel Rezepte in ihrem Blog. Nicht aufgeben.
    Grüße Christine

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  4. Könnten Sie bitte noch alle Lebenmittel, die mit dem Attribut "mild" versehen sind mitentsorgen?
    Achja, Gratulation zum Diätflammkuchen. Backe ich auch öfters.

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    1. Klar, sehr gerne. Der Müllsack steht bereit.

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  5. Liebe Astrid,
    mein schlechtes Gewissen plagt mich schon so lang und heute komm ich/denk ich/mach ich es einfach - kommentieren und lieb' danke sagen für's Verlinken. Was für ein Dinkelinferno! Ich hab in jeder Zeile mitgelitten und mitgefühlt, denn mit dem Dinkel komm' ich übrigens auch nicht klar (psst: für mich überbewertet, sei ja soooo gesund - ein tick überknetet und alles wird ar***trocken - kann von mir aus mit in die Low-Fat und Mild Tüte). Mein Roggensauerteig landet auch nur gemischt mit Weizen als Flammkuchen auf dem Blech, also genug Kleber für einen schönen, glatten Teig.
    Liebste Grüße,
    Susanna

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