...Nussbutter (Beurre noisette)
Heute mal wieder ein Beitrag aus der allseits beliebten Rubrik "Hä?"
Ich gehöre zwar nicht zu den Menschen, die mit altklugen Wörtern um sich werfen, aber es gibt doch in jedem Fachbereich eine Sprache, in der die dazugehörigen Menschen sich verständigen. Und wie das Medizinerlatein für die Ärzte, gibt es dergleichen auch für die Küche, bzw. die darin Werkelnden. Die Küchensprache selbst orientiert sich stark an der französischen, viele Begriffe wurden aus ihr übernommen und abgeleitet. Da ich viel MIT anderen Menschen koche, noch viel mehr, als einfach nur FÜR sie, fällt mir vielleicht schneller auf, wie viele scheinbar einfache und der ambitionierten Küchenhandwerkerin geläufige Begriffe doch gar nicht so alltäglich sind, wie sie scheinen. Zum Glück tritt meistens eine Person aus der Gruppe hervor und sagt "Ich frag jetzt mal. Was ist eigentlich...?" Und jedesmal, wenn ich in Zukunft so etwas gefragt werde, werde ich es hier veröffentlichen. Was den einen interessiert, interessiert vielleicht auch die anderen.
Heute also die Nussbutter. Nun ist natürlich grundsätzlich eine Nussbutter eine Butter mit (Hasel)Nuss. (Beurre d’avelines) Soweit, so einfach. Genauso wie die unsägliche Mandelbutter, die in Ausflugslokalen auf die Brokkoliröschen geschüttet wird (immer noch!), trägt die Nussbutter ihre Definition im Namen. Aber eben nicht nur. Die in der Küche verwendete Nussbutter ist eben keine Butter mit Nüssen, sondern eine Butter, mit der bei hoher Hitze Fleisch oder Gemüse angebraten werden können. Oder man genießt sie zur Zeit zum Spargel. Oder auf Blumenkohl. Und von mir aus auch zum Brokkoli. Ohne die Mandeln. Und das geht so:
Butter verbrennt bei ca. 80°C. Das kennt wohl jeder. Mal kurz nicht hingeschaut, einen Wimpernaufschlag zu lang mit dem Liebsten geflirtet – es raucht, riecht und die Butter ist verbrannt. Wegschütten, Topf auswischen und neu. Wir lassen heute die Butter sozusagen kontrolliert verkohlen. Was bei Butter anbrennt und ihr die braune bis schwarze (im Ernstfall) Farbe gibt, sind Molke (Eiweiß) und der karamellisierende Milchzucker. Ist die Molke raus, kann die Butter heiß werden wie sie will. Sie behält die braune Farbe (Karamell) und den dadurch entstehenden nussigen Geschmack. Aber sie brennt nicht mehr an, bzw. raucht Dir nicht mehr die Bude voll. Du kannst jetzt in ihr die schönsten Steaks anbraten, das feinste Gemüse sautieren (noch so'n Wort!) und hast lediglich nussigen Buttergeschmack.
Dazu lässt Du die Butter kontrolliert aufschäumen. D. h., Du bleibst am Herd und nimmst die Pfanne rechtzeitig von der Hitze, bevor die Butter anfängt zu verbrennen. Der richtige Zeitpunkt ist goldbraun!
Wenn sie so ist ↑↑↑, dann ist sie richtig. Jetzt gießt Du sie ab. Damit Du die Molke auch wirklich herausbekommst, durch ein möglichst feines (Passier)Tuch. Diese Passiertücher sind feiner als normale Siebe, und doch durchlässiger als ein Küchenhandtuch. Kaufe Dir am besten gleich 3, eines für Fisch, eines für Fleisch und eines ist dann eh immer gerade in der Wäsche. Du siehst auf dem folgenden Bild, was alles zurückbleibt.
Abgegossen sieht die Butter so aus:
Der Schaum ist Molke, die sich durch das Tuch geschlichen hat. Also ein weiteres mal passieren:
Jetzt ist sie richtig. Wie normal geklärte Butter auch (bei dieser nimmst Du den Schaum einfach vor dem Bräunen ab, z. B. für Sauce Hollandaise), hält sie sich im Kühlschrank ziemlich ewig. Theoretisch. Du wirst ihren feinen Nussgeschmack zum Anbraten so lieben, dass Du sie innerhalb einer sehr überschaubaren Zeitspanne verbrauchen wirst. Und schließlich kannst Du in ihr Deine Steaks arosieren.
Hä?
:) Wir lesen uns...


