Bücher


Ich besitze zwischen 800 und 1000 Kochbüchern, gezählt habe ich schon lange nicht mehr und ein großer Teil lagert wohlverpackt in Kisten und wartet auf die Fahrt zu Oxfam. Die mir wichtigen stehen eng an eng in zwei hohen Billy-Regalen und noch beim Einzug vor 3 Jahren habe ich gedacht: Das wird eng und der Platz reicht nicht über das nächste Jahr hinaus. Allein - es kommen kaum noch Bücher hinzu.

Seit einigen Jahren sind die Neuerscheinungen auf dem Kochbuchmarkt geprägt durch Variationen des ewig Gleichen. Es ist für mich bedeutungslos, ob z. B. Jamie Oliver (der hier lediglich sinnbildlich für einen ganzen Tross seiner Kollegen steht) nun in 60, 30 oder 15 Minuten angebliches Superhealthycleanetingfood kocht. Eines Tages, da wette ich drauf, wird ein Buch mit Rezepten erscheinen, die so schnell gekocht sind, dass sie gar nicht mehr redaktionell erfasst werden können. Ein Buch, für das man eine Gravitationswelle bräuchte, um es überhaupt noch lesen zu können.

Ich benötige kein Buch, um mir mein Abendbrot zu belegen, einen Smoothie zu mixen oder gar einen Salat in ein mäßig hübsches Schraubverschlussglas zu packen. Die mir wichtigen, sich mit Essen und Geschmack beschäftigenden Bücher, kann ich daher an einer Hand abzählen, es sind nämlich nur fünf. Dies sind die Bücher, die ich mit auf die berühmte Insel nehmen würde und von denen ich glaube, es müssten eben diese sein, wenn es auf der Welt nur 5 Kochbücher gäbe. 


Heston Blumenthal at home

Heston erscheint mir wie der verrückte Hutmacher. Unberechenbar und voller Überraschungen steckend. Immer wenn ich etwas Alltägliches verrückter gestalten möchte, greife ich auf dieses Buch zurück. Manchmal hilft dieses Buch mir sogar dabei, mein Leben grundsätzlich verrückter zu gestalten, völlig abseits kulinarischer Pfade. Welches Kochbuch kann das schon?
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Wolfram Siebeck. Alle meine Rezepte

Mit diesem Buch habe ich kochen gelernt. Wahrscheinlich hat jeder von uns diesen einen Menschen, der ihn kulinarisch geprägt hat. Bei Arthur war es Alfred Biolek, bei mir Wolfram Siebeck mit seiner gelassenen und gleichzeitig unnachgiebigen Art.  Nach dem Lesen seiner Bücher und Kolumnen in der Zeit und im Feinschmecker habe ich mich gar nicht mehr getraut, auch nur einen Zentimeter von seinen Ansichten abzurücken! Mittlerweile bin ich mit Erfolg selbst gelassen und unnachgiebig, die Siebecksche Schule hat mir nicht geschadet.
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Niki Segnit. Der Geschmacksthesaurus

Jedesmal denke ich, zu diesem Buch habe ich doch schon alles geschrieben. Dass ich keines so oft in die Hand nehme. Dass es das einzige kulinarische Buch ist, dass sich ständig auf meinem Nachttisch wiederfindet. Dass ich den Geschmacksthesaurus lese wie einen Roman. Und dann auch noch kreuz und quer. Dass kein anderes Buch mir bisher solch eine kulinarische Offenbarung war. Dass ich nicht Ruhe gebe, bis er in jedem Bücherregal der Republik steht!
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Gero von Randow. Genießen - Eine Ausschweifung

"Pfannkuchen ist stärker." Nothing more to say!
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Henriette Davidis. Praktisches Kochbuch

Das ist eine Ausgabe der neunten Auflage aus dem Jahr 1877. Nicht erworben in einem Antiquariat, sondern ein echtes Familienerbstück, von einer Urgroßschwippschwägerinmutter an meine Tantenmutter, von dieser an meine Lieblingstante vererbt. Von der besten Lieblingstante der Welt wurden seine zerfallenden Überreste noch zu Lebzeiten sorgsam in Folie gehüllt und an Arthur zur Weitergabe an mich übergeben. Vom geliebten P. in stundenlanger, sich in die Buchbindekunst und -restauration einarbeitend, in Eigenarbeit komplett neu gebunden, geleimt und wieder so wunderschön wie zum Erscheinungstag, mir an einem meiner letzten Geburtstage erneut überreicht. *hach*

Ergänzungen hierzu gibt es selbstverständlich, sie sind nur von Jahr zu Jahr schwieriger zu finden. Die Bücher, die mich packen, von denen ich denke genau dieses Buch musste noch geschrieben werden, stelle ich gerne vor.
Eine Auswahl bisheriger Rezensionen findet ihr unter diesem Link, und eine Übersicht meiner aktuell liebsten Kochbücher in meinen Jahresrückblicken.






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