Reise durch's Bordeaux, Teil 3: Essen & Trinken (II)

Was Franzosen essen...


Dieser Beitrag enthält Werbung und Essen. Sehr viel Essen!
Außerdem wird explizit auf den Genuss von Alkohol hingewiesen
Brennend hat einige Leser interessiert, warum ich keine Froschschenkel esse und auch auf Oktopus gerne verzichte. Ihr müsst jetzt ganz stark sein, Austern esse ich nämlich auch nicht. Und ich bin auch kein so ganz großer Fan von Abalone und Seegurken, aber die fallen mir ja zum Glück nicht ständig vor die Füße. Ansonsten - lasst mich überlegen... Mein Ruf als "besessen vom Essen" ist mir schließlich nicht zugeflogen, den habe ich mir hart erarbeitet. Lassen wir alle Fragen zu Erzeugung/Haltung/Gewinnung von Lebensmitteln beiseite und konzentrieren wir uns hier und heute auf den Geschmack: Dann verzichte ich - ich sag nur großes, ganzganz großes Kindheitstrauma(!) - noch immer gerne auf Calenberger Pfannenschlag, mit dem mich meine Eltern traktierten. Ich mag keine Muscheln, außer St. Jaques, bzw. Kammmuscheln und auch von denen reichen mir 1 - 2 im Jahr. So. Und der Rest dessen, was ich nicht esse? Das hat alles mit Geschmack gar nichts zu tun und darunter fallen nun eben auch Froschschenkel. Ich kann nichts essen, was ich nicht mag. Ich finde Frösche als Nahrungsmittel widerlich, ebenso wie Schnecken oder Aale. Dabei habe ich Froschschenkel sogar schon gekocht. Gemeinsam mit Roland Trettl noch im Ikarus, während meiner Rezeptredaktion für den Jubiläumsband  der Kulinarischen Überflieger im Hangar7 und nach dem berühmten Haeberlin-Rezept, ganz behutsam modifiziert, noch behutsamer probiert. Ihr seht, ich hab's nicht so mit Glitschigkeit und dass Gott für Juden in seinen Speisevorschriften genau dieses kriechende, sich schlängelnde Zeug ausgeschlossen hat, findet meine volle Zustimmung. 

Ich esse kein Hirn. Das hat vielleicht damit zu tun, dass ich nicht die Seele von etwas ehemals Lebendigem essen möchte, ist nur so'ne Vermutung, weil ich mir nun auch nicht jede meiner Abneigungen erklären kann. Zum Glück habe ich keine Nahrungsmittelallergien, die mich einschränken würden; auf oben Genanntes zu verzichten, ist eben das nicht: Verzicht. Hält mir jemand eine Abalone hin, kann ich ganz lässig und ohne Trauer sagen, ach heute nicht

Ansonsten esse ich alles und auch zu jeder Tages- und Nachtzeit. Frag jemand Astrid, hast Du Hunger, antworte ich gerne Ich verstehe die Frage nicht. Ich habe einfach immer Hunger, is' so. Und ja, meine Schilddrüse ist gut eingestellt, danke der Nachfrage. Insofern habe ich mich durch Frankreich gefuttert, dass es eine wahre Lust war und am Ende habe ich nur ganz knapp für mich selbst kein Übergepäck zahlen müssen. 

Um es kurz zu machen: Franzosen lieben mich! Ein so verfressenes Volk hat auf jemanden wie mich ja nur gewartet. Auch wenn ich ihrem kulinarischen Nationalheiligtum, der foie gras, die sie 2006 zu einem Teil des kulinarischen und gastronomischen Erbes erklärt und somit ein Verbot der Stopfmast praktisch unmöglich gemacht haben, zutiefst beschämt gegenüberstehe. Und glaubt mal nicht, sie würde mir nicht schmecken. Natürlich tut sie das! Das ist das Komplizierte am Genuss, dass Essen auch immer mit Haltung zu tun hat... Aber davon mal abgesehen - könnt ihr euch eine deutsche Regierung vorstellen, die eines unserer typisch deutschen Erzeugnisse zum Teil unseres deutschen kulinarischen Erbes erklärt? Und noch dazu gefragt: Wäre das nicht ganz wunderbar? Aber wahrscheinlich fiele unseren Volksvertretern nicht viel anderes als ein als Tetrapak H-Milch. 

Arômes de Jeunesse (association of young winegrowers of Saint-Emilion)

Ich hatte ein formidables Mittagessen mit den jungen Winzern der Arômes de Jeunesse (association of young winegrowers of Saint-Emilion), leider jedoch auf der gegenüberliegenden Seite der Gironde, in Branne, so nah am Wasser, dass es fast um unsere Füße plätscherte, im Restaurant Caffe Cuisine. Leider hat das Restaurant keine Webseite, aber hier könnt ihr reservieren, falls ihr dort mal reservieren möchtet - was ihr unbedingt solltet! Sie sind jedoch lässig genug, dass wir dort selbst mitgebrachte Weine verkosten durften, längst nicht jedes Restaurant lässt das zu. Dieser Programmpunkt meiner Reise war auch der, der mir besonders am Herzen lag und so auch jener warum ich mich nun gerade für eine Reise mit Titel und Schwerpunkt (Re)discover the Bordeaux young wine growers entschieden hatte. Die Aufbruchstimmung, die Erneuerung und der - manchmal störrische - Elan, mit dem die jungen Winzerinnen und Winzer im Bordeaux ihre Leidenschaft vertreten, erinnert mich sehr an die Aufbruchstimmung vor einigen Jahren in Rheinhessen. Dort wie hier wurde mancher alte Zopf gestutzt, haben junge, perfekt ausgebildete Menschen, die Weingüter ihrer Eltern übernommen und tragen dennoch nicht schwer an der Last oft vieler Generationen von Weinmachern vor ihnen. 

Dennoch haben mir Audrey Lauret (Château Pindefleurs) und Sophie Dulong (Vignobles Dulong) bestätigt, dass sie als junge Frauen viele Kämpfe ausfechten müssen, Kämpfe aufgrund der Tatsache, dass sie Frauen sind und trotzdem Wein machen und eher nicht die repräsentativen Aufgaben ihrer Châteaus wahrnehmen. Audrey berichtete, wie sie zu oft nicht ernst genommen wird, wie ihr abgesprochen wird, die körperlich harte Arbeit einer Weinmacherin leisten zu können und wie sehr sie noch leben muss mit Sprüchen der Freunde ihres Vaters. Na kleine Audry, Dich kannte ich ja schon, da warst Du noch sooo ein kleines Mädchen... In den Augen dieser alten Weinmacher im Bordeaux bleiben diese Frauen immer Mädchen, da könnten sie wahrscheinlich irgendwann mit Rollator über ihre Weinberge spazieren. Dabei machen Audrey und Sophie Weine mit Kraft und Eleganz, saftig und satt gleichermaßen. Die Weine ihrer Chateâus und die ihrer Kollegen der Arômes de Jeunesse begleiteten dann auch unser Essen: 

Restaurant Le Caffe Cuisine 

Nicolas Prince vom Château Prince Larquey hält die Tafel | Arthurs Tochter Kocht von Astrid Paul
Nicolas Prince vom Château Prince Larquey hält die Tafel

Eiskalter Shot mit saurer Sahne und blanchierten grünen Bohnen | Arthurs Tochter Kocht von Astrid Paul
Eiskalter Shot mit saurer Sahne und blanchierten grünen Bohnen und Olivenöl
Karottensuppe mit Kichererbsen und etwa pochierter Hühnerbrust, eine Idee von Ratatouille | Arthurs Tochter Kocht von Astrid Paul
Karottensuppe mit Kichererbsen und etwas pochierter Hühnerbrust, eine Idee von Ratatouille

Kürbispüree und darauf Lammfleisch, so roh, dass ich das Gefühl hatte, dem Lamm auf der Weide in den Hintern zu beißen. Nach dem Foto habe ich es in die Küche zum Nachbraten zurückgehen lassen. Überhaupt stehen sie im Le Caffee Cuisine auf rohes Fleisch, man muss sich nur mal die vielen Besucherbilder bei TripAdvisor ansehen | Arthurs Tochter Kocht von Astrid Paul
Kürbispüree und darauf Lammfleisch, so roh, dass ich das Gefühl hatte, dem Lamm auf der Weide in den Hintern zu beißen. Nach dem Foto habe ich es in die Küche zum Nachbraten zurückgehen lassen. Überhaupt stehen sie im Le Caffee Cuisine auf rohes Fleisch, man muss sich nur mal die vielen Besucherbilder bei TripAdvisor ansehen.
Sophie Dulong, Audrey Lauret, Paul ô Saurue und Nicolas Prince von den Arômes de Jeunesse (association of young winegrowers of Saint-Emilion)

Erdbeere, Mascarpone, sehr süßer Pumpernickel

Austern am Atlantik

Am nächsten Tag reisten wir an den Atlantik, nach Check in im Hotel Domaine du Ferret (tolltolltoll!) ging es abends zum Empfang mit trockenen weißen Bordeauxweinen. Auf einer Austernfarm. Mit jeder Menge Austern. Ihr wisst noch, was ich eingangs schrieb? Genau. Deswegen aß ich halt alle Crevettes Rosé auf. Wirklich alle. Die an den anderen Tischen auch. 






Daher war ich leicht gesättigt, aber wirklich nur leicht, als wir gegenüber in ein Restaurant wechselten und ich das Gefühl hatte, zu träumen. Dort hingen Schinken an der Decke. Ü_ber_all. Ich überlege derzeit, das für meine Bibliothek umzusetzen - jetzt, wo ich doch sowieso gerade renoviere. Mal sehen, wie Schinken sich mit Cromarty von Farrow & Ball verträgt...


Zum Glück gab es etwas zu essen, sonst wäre ich vor lauter Speichelfluss sicher tot umgefallen. 









Serviceteil

Informationen zu allen Weingütern und Winzern, sowie viele Reisetips, Rezepte und - natürlich(!) - Weinempfehlungen für jeden Anlass, findet ihr auf der schönen Seite http://www.bordeaux.com/de

Restaurant La Caffe Cuisine
7 Place du March
33420 Branne
+33 5 57 24 19 67
Keine Webseite!

Hotel Domaine du Ferret - Balnéo & Spa
Claouey - 40
Avenue de Caperan
33950 Lège-Cap Ferret
05 57 177 177
contact@domaineduferret.com
http://www.domaineduferret.com/

Arômes De Jeunesse
Facebookseite

Disclosure

Diese Berichterstattung erfolgte im Auftrag von Vin de Bordeaux. Eine inhaltliche Vorgabe fand nicht statt. Ich bedanke mich sehr für die Einladung zur umfangreichen und ausgesprochen köstlichen Reise durch das Bordeaux und für die vertrauensvolle Zusammenarbeit. 


  Restez à l'écoute!


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Arthurs Tochter

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