Kürbissuppe mit Sternanis und Zimtblüte oder auch: Tu doch mal den Ingwer...

weg.

Kürbissuppe mit Sternanis, Zimtbblüte und Berberitze - ohne Ingwer! | Arthurs Tochter Kocht by Astrid Paul


Nicht, dass wir uns falsch verstehen. Ich mag Ingwer. Sehr sogar. Was wären asiatische Küche und die nächste Erkältung ohne ihn? Eben. Nur halb so schön. Aber jedes Jahr im Herbst, wenn die Kürbisse wagenweise über mich hinwegrollen, geht er mir gehörig auf den Keks. Herr im Himmel!, möchte ich da ausrufen. Kann denn niemand mehr eine Kürbissuppe ohne Ingwer zubereiten? Das hat schon etwas Pawlowsches. Schon während die Hand im Supermarkt noch nach dem Hokkaido* greift, ruft das Kleinhirn geifernd "Ingwer, Ingwer! Greif ihn, greif ihn!" und steuert anschließend Fuß und Hand in den Gang mit der "ausländischen Feinkost" zur Kokosmilch. Denn auch die darf an einer deutschen Kürbissuppe natürlich nicht fehlen, wo kämen wir da hin? Am Ende hätten wir einen anderen Geschmack in der Schüssel, vielleicht einen, der das Kleinhirn verwirrt, so dass es fragend schaut und sagt: ähmmm... Lecker!

Und so kommt, was kommen musste: Es ist Herbst und hier im Blog gibt es eine Kürbissuppe. Wer in den Tiefen meiner Beiträge einen Satz findet, der ähnlich lautet wie: Du wirst hier in der Weihnachtsszeit keinen Spekulatius finden und im Herbst keinen Kürbis, darf diesen gerne behalten und in der Schublade unter "Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern" ablegen. 

Ich habe Jahre gebraucht, mich mit dem Kürbis zu versöhnen. Kannte ich ihn als Kind vorzugsweise sauer eingelegt habe ich mich ihm als Erwachsene kategorisch verweigert, sobald ich eine eigene kulinarische Meinung entwickelt und gelernt hatte, mich aus Protest gegen das dargebotene Essen mich nicht mehr in selbiges zu erbrechen sondern einfach zu sagen: "Nö! Tu das weg." Und dann verliebte ich mich in einen Rheinhessen und in Rheinhessen und alsbald fiel ich alljährlich im Herbst über Kürbisse, so rund und orange und kullernd und alle Welt aß sie als Suppe und als Gipfel der Exotik mit Ingwer. Und Kokosmilch. Und um dem letzten Fitzelchen Deutschland zu huldigen, rieben manche Köchinnen auch noch 2 Kartoffeln hinein. So gut, so langweilig. Ich aß die Suppen, weil die Kälte sie nach stundenlangem Ausharren am Ernte-Dank-Zug und bewundernden Blicken auf die blitzenden Zugmaschinen von John Deere, die die Wagenladungen voll von Kürbissen unter dem Jubel und Fahnenschwingen der Dorfbewohner über die festlich geschmückte Hauptstraße zogen, von ganz alleine hinein trieb. So mancher Bauer ließ seine Gemahlin noch Bockwürste hineinwerfen, in die dick' Supp, damit nur ja niemand verhungern würde und am Ende schmeckte alles zusammen nur noch wie ein Gläschen "ab 6 Monaten" eines bekannten Babynahrung-Herstellers. Der Kürbis wurde mir schnell wieder fad, ob Rheinhessen oder nicht und Herbst oder nicht und auch die Liebe half mir nicht weiter. Und so herrscht in der hiesigen Küche ein Kürbis-Ingwer-Kokos-Kombinationsverbot. Bei uns bekommt der Kürbis eine wohlverdiente Portion Orient und keine Kartoffeln, keine Kokosmilch, schon gar kein Ingwer und auch keine Sahne, nicht die Spur. 

Kürbissuppe mit Sternanis, Zimtbblüte und Berberitze - ohne Ingwer! | Arthurs Tochter Kocht by Astrid Paul

Kürbissuppe ohne Ingwer und Kokosmilch? So geht's:

Ich röste Sternanis, Zimtrinde, Zimtblüte, Mönchspfeffer und etwas weißen Sarawak sowie schwarzen Malabar ohne Fett an und mörsere alles zu einem feinen Pulver. Der in Stücke gehauene Kürbis schmilzt in etwas neutralem Pflanzenöl sanft an und bekommt anschließend einen Aufguss aus Geflügel- oder Gemüsebrühe (für die vegane Variante) samt der eigenen Gewürzmischung. Unter Zugabe von etwas Salz darf er ca. 30 Minuten leise vor sich hinsimmern. Wenn die Kürbisstücke weich sind, kommt alles in einen Blender, wird kräftig durchgemixt und dann nach Belieben durch ein Sieb gestrichen oder direkt wieder in einen Topf gegossen. Jetzt kannst Du die Suppe mit Brühe verlängern, (auch etwas frische Milch passt gut) wenn sie Dir noch nicht flüssig genug ist. Ich persönlich kann diese Pampen, die sich Crèmesuppen schimpfen, kaum ertragen. Eine Suppe muss flüssig sein, sonst ist sie eine Sauce, basta. Etwas nachjustieren mit Gewürzen, vielleicht noch eine Prise gemörserte Zimtblüte, ein Hauch Salz, etwas weißer Pfeffer. Wenn Duft und Geschmack dieser Suppe vom Bauch weiter hoch zu Deinem Herzen steigen und sich dort wohlig breit machen, dann ist sie richtig. 

Kürbissuppe mit Sternanis, Zimtbblüte und Berberitze - ohne Ingwer! | Arthurs Tochter Kocht by Astrid Paul

Und bitte auch kein Kürbiskernöl!

Selbstverständlich bekommt diese Suppe keinen Tropfen Kürbiskernöl. So gerne ich dieses auch mag, am (Feld)Salat ist es mir lieber und zu dieser Suppe passt es nicht. Hier passen Berberitzen, getrocknet, diese feinen süß-säuerlichen kleinen Früchtchen, die in ihrer Heilwirkung ebenso schweißtreibend wie atmungsanregend sind und der orientalischen Note der Suppe den nötigen sanften Säurekick geben. Alternativ passt wunderbar auch ein Apfelchutney, dessen Rezept Du HIER findest:


*Ich verwende gerne Hokkaido-Kürbis, weil ich 1. faul bin und ihn muss ich nicht schälen und 2. ist er meistens kleiner und handlicher als z. B. der Muskatkürbis, aus dem sich zugegebenermaßen ebenfalls köstliche Speisen zaubern lassen. 


Noch mehr Kürbis hier im Blog: (Bildunterschriften führen zum Rezept)

Kalbsbäckchen mit Hokkaido-Pastinaken-Stampf | Arthurs Tochter Kocht by Astrid Paul
Hokkaido-Pastinaken-Stampf zu Kalbsbäckchen

Sous vide gegarte Entenbrust mit den Croutons ihrer Haut, Kürbis aus dem Ofen mit ras el hanout und Honigmandeln | Arthurs Tochter Kocht by Astrid Paul
Hokkaido aus dem Ofen mit ras el hanout und Honigmandeln

Kürbissuppe nach Paul Bocuse - die wohl lustvollste Kürbissuppe der Welt | Arthurs Tochter Kocht by Astrid Paul
Kürbissuppe nach Paul Bocuse

Genieße Deinen Tag! 

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Arthurs Tochter

Kommentare :

  1. Lecker!!
    In meine (flüssige) Kürbissuppe kommt gern ein wenig frischer Orangensaft, aber Kokosmilch und Ingwer sucht man auch bei mir eher vergeblich.
    Aber es gibt sie halt, diese eigenartigen Reflexe....
    Liebe Grüße
    Trudi

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  2. Mein Kleinhirn meldet auch grad "Boah, lecker"... und wieder hinreißend geschrieben.
    Wollte ja eigentlich nach anderem hier schauen und bin hier hängengeblieben. Jetzt weiß ich nicht mehr, wonach ich eigentlich schauen wollte.
    Busserl

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  3. Die erste Kürbissuppe der Saison wird bei mir immer mit Ingwer, Kokosmilch und Orangensaft gekocht. Einfach, weil ich es mag. Das ist aber in diesem Jahr schon ein paar Tage Geschichte. Jetzt kann ich mich voll und ganz deiner und vieler anderer Versionen widmen. Und du hast recht, dieser Pamps, der vielerorts serviert wird, hat mit einer Cremesuppe nichts zu tun.

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  4. Danke, danke, danke! (Besonders für das Ingwer-Statement :-))

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  5. ..tu doch mal den kürbis...weg ! von den teller mit den bäckchen !
    ne, ehrlich...kürbis ist so´n ding, was ich nicht wirklich brauche, aber nachdem ich das rezept oben gelesen habe, beschloss ich, ihm eine letzte chance zu geben :)

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  6. Öhhhm ... dann habe ich wohl am Freitag einen Fehler gemacht? Und das heute im Blog auch noch zugegeben? ;-)
    Mitnichten! Uns und den Gästen hat es bestens geschmeckt, aber ich habe diese asiatische Variante ja auch das erstemal gemacht!
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

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  7. Liebe Trudi,
    etwas Orangensaft hat noch keiner Kürbissuppe geschadet :)

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  8. Liebe Claudia,
    "es schaut ein Mensch im Lexikone..."

    eines meiner liebsten Gedichte :)

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  9. LIebe Frau Kampi,
    na gut. Die erste im Jahr. Aber dann ist Schluss, gell? :)

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  10. Lieber Thomas,
    Kürbis geht auch in lecker, word! Und so in der Kombination mit Pastinake kannst Du Dich vielleicht ganz langsam an ihn gewöhnen? :)

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  11. Lieber Andy,
    das erste mal zählt natürlich nicht! ;)

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  12. Musste beim lesen die ganze Zeit schmunzeln...wie du hatte ich eine ähnliche Aversion zu Kürbis "örks" ;) Ingwer oder Kokosmilch kommt mir auch nicht in die (Kürbis)Suppe!
    Liebe Grüße
    Emma

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  13. Ich krieg bei den üblichen Kürbis-Ingwer-Kokossuppen auch jedes Mal die Krise, hehe! Obwohl ich sowohl Kokos als auch Ingwer liebe.
    Und bis letztes Jahr mochte ich gar keinen Kürbis, bis ich bei meiner Freundin die Kürbissuppe von Lea Linster gegessen habe - die war nämlich so wundervoll pur und lebte durch ihre samtige Konsistenz und Schlichtheit, ein Traum.
    Diese hier gefällt mir auch sehr gut, dass Berberitzen schweißtreibend sind, wusste ich auch gar nicht ;-)

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  14. Gut, dass Du nicht den (bei uns) obligatorischen Apfel erwähnt hast. ;)

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  15. ...und natürlich geröstete Weißbrotwürfel dürfen nicht fehlen!

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  16. Oh ja, Kürbissuppe OHNE Ingwer, das kann sich kaum noch jemand vorstellen! Ich kaufte auf dem Viktualienmarkt einen kleinen Kürbis – und was fragt die Standlfrau: "Ham's an Ingwer?" Das scheint ein Reflex geworden zu sein – dem man ja nicht sklavisch folgen muss, wie du zeigst. Herzliche Grüße Petra

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Danke für Deinen Kommentar, der schnell freigeschaltet wird, so er höflich und respektvoll ist und nicht anonym abgegeben wurde. Mein Blog ist kein Diskussionsforum für anonyme Netz-Misanthropen, sondern ein Geschenk an meine Leserinnen und Leser.

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