Mairübchen mit Orangen und Kardamom und voll clean eating-detox-healthy-bowl-good to glow-schöner-schneller-weiter-vegan-superfood, Wahnsinn! [roh/raw]

Cleared-vegan-detoxed

Mairübchen mit Orangen und Kardamom | Arthurs Tochter kocht von Astrid Paul
Wenn ich an das Überschwappen der Rohkostwelle in den 80ern denke... – furchtbare Monate waren das. Wie aus dem Nichts erschienen in Zeitschriften sämtlicher Couleur auf einmal selbsternannte Gesundheitspäpste samt warnenden Zeigefingern, die sie in die offenen Wunden der fleischversessenen Nachkriegsgeneration bohrten. Und so war auch meine Mutter alsbald der Meinung: Gemüse ist gut, rohes Gemüse ist besser. Alsbald wurde gehobelt, geraspelt und zusammengerührt, was nicht immer zusammengehörte. Geschmack und Optik wurden dem möglichen Gesundheitsaspekt untergeordnet und was machte es schon, wenn das Essen nicht gut aussah – Hauptsache, die neuen Heilsversprechungen ließen auf ein verlängertes Leben hoffen. Böse Zungen dagegen behaupteten schon damals, Rohköstler würden nicht länger leben, es käme ihnen nur so vor. Da sich gleichzeitig auch die Mär „Salat schließe den Magen auf“ ihren Weg in die Welt brach^^, stand vor jedem genussvollen Essen alsbald ein gehobelter Karotten-Sellerie-Salat. Oder im Herbst ein Schälchen Rotkohl mit Apfel, mit wenig Glück der Abwechslung halber geraspelt. Aber der Mensch ist ein Gewohnheitstier und so verschwand auch dieser Trend bald wieder in den hintersten Vorratsschubladen der Republik. Meine Kindheit war in kulinarischer Hinsicht erst einmal gerettet. Dass Trends allenthalben mit Macht zurückkehren, wissen wir. Man munkelt von einem 7-Jahres-Zyklus, in dem Haare wachsen, Frisuren sich verändern, Beziehungen erodieren, sowie neue Trends geboren werden, während die alten unter Schmerzen versterben. 

Und auch wenn wir wissen, dass Rohkost gesund und in Maßen genossen für fast jeden menschlichen Verdauungstrakt geeignet ist, ist der aktuelle clean eating-detox-healthy-bowl-good to glow-schöner-schneller-weiter-vegan-religiös-Dogmatismus-Trend ziemlich - wie war das Wort? - ach ja, nervig! Irgendwann sehe ich uns schon alle im Auditing sitzen, scientology-like mit einer Urkarotte in jeder Hand, diese angeschlossen an ein E-Meter Vegano-Meter, immer die gleichen Fragen aus der Vergangenheit beantwortend, wann war Dein letztes Fleisch Astrid, sprich, wann hattest Du die letzte konventionelle Gurke?, so lange, bis wir mit dem Stempel cleared-vegan-detoxed wieder in die sonnendurchflutete Welt entlassen werden und wie kleine Lämmer glückselig über die Wiesen springen... 

Dennoch: Für das heutige Rezept haben wir gefühlt nur einen Wimpernschlag lang Zeit. Die Saison von Orangen und Mairübchen (Navette) überschneidet sich nur kurz, aber die Kombination ist so köstlich, dass ihr es ungeachtet dessen, dass es verdammt gesund ist und euch schöner, junger und strahlend machen wird, einfach schnell ein paar mal hintereinander esst, ok? Und von mir aus trinkt ihr einfach ein Bier hinterher, möglichst nicht ge-crafted, sonst ist die Hälfte des Scheiß auf clearing-Effektes wieder perdu... 

Mairübchen mit Orangen und Kardamomdressing

Als kleine Vorspeise pro Person:  

  • 1 kleine Mairübe 
  • 1 – 2 Orangen 
  • 2 Kapseln grüner Kardamom 
  • 3 EL Olivenöl, extra nativ 
  • 3 EL Orangensaft (frisch aufgefangen vom Filetieren der Orangen) 
  • Etwas Salz  und Pfeffer 
  • Ruccola und/oder Kresse zum Garnieren
Die Mairübe wird geschält und in dünne Scheiben gehobelt. Das geht perfekt mit einem Gemüseschneider (Mandoline). Die Orangen werden geschält und eine Hälfte wird anschließend in dünne Scheiben geschnitten, aus der anderen Hälfte entfernen ihr mit einem sehr scharfen Messer die einzelnen Filets aus den Zwischenhäutchen. Die Kardamomkapseln werden aufgebrochen und die Samen kommen mit Salz zusammen in einen Mörser.  Das Salz hilft euch beim Mahlen. Vermischt anschließend Öl und Saft mit dem Kardamom und gebt etwas frisch gemahlenen Pfeffer dazu. Auf einem Teller schichtet ihr ganz locker die Scheiben von Orange und Mairübchen, dekoriert mit den Orangenfilets und Kresse und/oder Ruccola und beträufelt alles mit dem Kardamomdressing.

Die Inspiration für das obige Rezept stammt aus dem Buch „ROH – Der pure Genuss“ von Gabriele Gugetzer, erschienen bei GU.

Serviceteil




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Arthurs Tochter

Kommentare :

  1. ... ich lächele mich in den Morgen! (auf den) Punkt (– as usual)!

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  2. Ich sage nur Rohkostplatte mit Kichererbsen. Puh, war ich froh, als meine Mutter wieder normal war....

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  3. Letztens erst wieder gehört, dass nur fünf Prozent aller Menschen Rohkost vertragen....

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  4. Überschrift ist einfach GEIL - DANKE für diesen Humor!

    Wobei in meiner Kindheit die einfache Karotten-Apfel-Rohkost einer der wenigen Salate aus Eigenanbau von Januar bis ca. April war... und uns immer gut gmundet hat und bekommen ist...

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