Family Business - Arthurs Enkeltochter reist zur Trüffelmesse nach Alba, besticht einen Hund, bekommt einen Kater und will ihre Mutter verkaufen

Trüffelkunde, Trüffellümmel, Trüffeltouristen. Und natürlich großer Hunger!

Arthurs Enkeltochter | Arthurs Tochter Kocht

Endlich! Die Trüffelmesse!

Ein sanftes Klopfen an der Hotelzimmertür weckt mich. Ich überlege kurz, es zu ignorieren, dann fällt mir aber ein, weshalb ich hier bin und ich stehe schlaftrunken auf. Kerstin steht vor der Tür und drückt mir liebenswerter Weise eine Tube Zahnpasta in die Hand. Ach ja. Die Flughaftenkontrolle hat mir ja jegliche Möglichkeit, mich zu waschen, abgenommen. Nach einem kurzen Frühstück werden wir schon vom Taxifahrer abgeholt, der unsere kleine Reisetruppe nach Alba zur Trüffelmesse bringen soll. Alle scheinen ein wenig erleichtert, dass ich mir die Zähne geputzt habe. 

Mittelaltermarkt in Alba | Miriam Zils by Arthurs Tochter Kocht

Zeitgleich mit der Trüffelmesse, die nur an den Wochenenden geöffnet hat, findet auch ein Mittelaltermarkt statt, der an das historische Leben dieser kleinen Stadt erinnern soll. Es gibt mit Liebe zum Detail errichtete Schaubuden, in denen man Weinflaschen angeln oder Dosen werfen kann. Die Straßen sind voller Menschen, die unter der brütenden Sonne schlendernd das Treiben um sich genießen. Chiara warnt uns vor Taschendieben, die Touristen beklauen und ich schnalle mir meinen Rucksack vorne auf den Bauch. Mir kommen allerdings Zweifel, wie effektiv diese Methode ist, weil ich mich dadurch ganz und gar als Tourist zu erkennen gebe, der im Zweifel der Polizei in seiner fremden Sprache den Sachverhalt gar nicht schildern könnte. Allerdings hat Mama das im Urlaub schon immer so gemacht und die weiß es schließlich immer am Besten. Wir laufen an Bottichen voller kochender Polenta vorbei und mir läuft das Wasser im Mund zusammen. Das Frühstück scheint Stunden her zu sein. Nachdem wir uns durch die Straßen gekämpft haben, ohne  dass jemand den Essensbuden auf dem Weg zum Opfer gefallen ist, erreichen wir schließlich das Ziel.

Sterneköchin Mariuccia Roggero | Miram Zils by Arthurs Tochter Kocht

Die Trüffelmesse ist klein und voll. Dieses Jahr war ich auf der Internorga in Hamburg und zum Vergleich für euch kann ich sagen, dass die Trüffelmesse in Alba in etwa halb so groß ist wie eine Ausstellungshalle dort. Allerdings ist alles bestens organisiert, denn in einer Showküche präsentiert jeden Tag ein Starkoch aus Italien eines seiner Trüffelrezepte. Natürlich hat Chiara Plätze für uns reserviert. Heute ist Sterneköchin Mariuccia Roggero an der Reihe, die mittels eines Übersetzers jeden ihrer Handgriffe erklärt. Was zum Schluss in unseren hungrigen Mägen landet, ist ein pochiertes Ei auf einem Bett von in Milch gekochtem Knoblauch und einer Knoblauch-Thunfisch Sauce. Schließlich geht noch eine Dame herum und reibt frische Trüffel über jedermanns Teller. Endlich bekomme ich einen Trüffel zu Gesicht! Es - schmeckt - fantastisch, ich kann aber noch nicht genau sagen, ob das am Trüffel liegt und bin unentschlossen, ob ich den Hype um dieses Lebensmittel nachvollziehen kann. Obwohl ich das Essen sehr genieße, ist die Probierportion viel zu klein, um das bodenlose Loch in meinem Bauch zu füllen und ich beginne ein wenig an Hungererscheinungen zu leiden.

Pochiertes Ei auf einem Bett von in Milch gekochtem Knoblauch und einer Knoblauch-Thunfisch Sauce | Miriam Zils by Arthurs Tochter Kocht

Trüffelkunde

Nach ein wenig Freizeit geht es weiter mit Unterricht in Trüffelkunde! Ich bin gespannt, mache mir aber absichtlich keine Notizen. Das, was für euch als Leser wirklich interessant ist, ist das, was ich mir merken kann. Und das ist Folgendes: Die Trüffel ist ein Pilz und lebt in Symbiose mit dem Baum, unter dem sie wächst, wie Pilze das eben so tun. Sie wachsen am Besten nach schlechten, verregneten Sommern und reifen dann Ende September/Anfang Oktober heran. Den typischen Trüffelgeruch entwickeln sie erst wenn sie reif sind, innerhalb kürzester Zeit. Es kann passieren, dass ein Trüffelhund Funde an Plätzen macht, an denen er eine halbe Stunde zuvor noch nichts erschnüffelt hat. Abhängig von der Art des Baumes und der Erde, in der der Trüffel sich wohl fühlt, entwickelt sich sein Geschmack. Für den Kenner schmeckt kein Trüffel wie der andere.
Miriam mit Trüffelhündin Lila | Fotografiert von Kerstin Getto für Arthurs Tochter Kocht by Astrid Paul
Miriam mit Trüffelhündin Lila | Fotografiert von Kerstin Getto (my cooking love affair)

Selber schnüffeln

Schließlich dürfen wir selber Geruchssinn anlegen. Unsere Aufgabe ist es, unter drei weißen Trüffeln, den guten, den mittelguten und den besonders furchtbaren heraus zu riechen. Solltet ihr Trüffel kaufen wollen, habe ich folgende Tips für euch herausgefiltert: Wenn ein Trüffel zu reif ist, stinkt er bestialisch und fühlt sich beim Drücken morsch an. Kauft den nicht. Ich würde mich auch wundern, sollte jemand auf die Idee kommen, einen solchen stinkenden Haufen Elend aus der Erde zu buddeln und ihn allen Ernstes in den Mund zu nehmen, anstatt ihn mit tränenden Augen so weit weg zu werfen, wie es geht. Besonders gewitzte Trüffellümmel stecken zerbrochene Trüffel mit Zahnstochern wieder zusammen, um sie ahnungslosen Trüffeltouristen noch verkaufen zu können. Da dürft ihr nicht mitspielen! Ein guter Trüffel stinkt leicht bis mitteldoll und ist in der Konsistenz fest und gummiartig. Seid ihr auf Reisen und plant den Trüffel später zu verarbeiten, greift zu den leicht stinkenden, festen. Diese werden nach ein oder zwei Tagen bereit zum Essen sein, denn sie reifen und verderben sehr schnell, die teuren kleinen Scheißerchen. Nachdem ich an mehreren halb vergammelten Trüffeln gerochen habe, bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich mich noch mit ihnen anfreunden kann - aber das soll sich am Abend noch ändern.

Trüffeljagt mit Trüffelhund Lila

Zuerst geht es jedoch auf Trüffeljagd, mit Trüffeljäger und Trüffelhund. Es ist der Programmpunkt, auf den ich mich am aller-allermeisten gefreut habe und jetzt nehme ich euch mit, passt auf: Wissenschaftlich erwiesen ist, dass in und um Alba die besten Haselnüsse der Welt wachsen. Zumindest habe ich mir das so sagen lassen. Die ganzen Haselnussbäume sind für die Trüffeljäger ganz besonders praktisch, weil gerade unter ihnen gerne Trüffel wachsen. Am Rand eines Haselnussbaumhains treffen wir Gianni Monchiero und seine Trüffelhündin Lila, eine uralte und sehr freundliche Hundedame, mit der ich mich direkt anfreunde. Ich bin ein wenig stolz, dass sie mich so mag, bis mir einfällt, dass ich ja Trüffelpasta in meinem Frontladerrucksack trage. Aber das erzähle ich keinem. Gianni fällt auf, wie ausgezeichnet ich mich mit Lila verstehe, hahaha, und ich darf die erste Trüffel ausbuddeln. Die Hunde sind so trainiert, dass sie ihrer feinen Nase zielstrebig zur nächsten Trüffel folgen und an der richtigen Stelle anfangen zu scharren. Den Rest erledigt der erfahrene, lizensierte Trüffeljäger, der es tatsächlich schafft, die schwarze Trüffel von all dem Dreck zu unterscheiden. Hut ab! Die trainierten Hunde kosten je nach ihrer Erfahrung 500 bis 3000 Euro. Gianni erzählt von einem guten Freund, der einmal einen so guten Trüffelhund besaß, dass jemand kam, ihm einen unterschriebenen Scheck in die Hand drückte und ihn aufforderte für den Hund jede beliebige Summe einzutragen. Man merkt jedoch sofort, dass die Hunde für ihre Jäger nicht nur Gelddruckmaschinen sind, sondern sie ein sehr inniges Verhältnis haben, das es ausschließt, ein Familienmitglied für ganz egal wie viel Geld zu verkaufen. Das ist mir sehr sympathisch, obwohl ich meine Mama ganz vielleicht für einen lebenslangen Vorrat an Mousse au Chocolat verkaufen würde. Aber nur wenn sie so gut ist wie ihre. Und da die ja zum Glück sonst keiner machen kann, ist sie aus dem Schneider.

Zu Besuch bei Giannis Mama

Die Italiener sind alle sehr gastfreundlich, weswegen wir herzlich dazu eingeladen sind, am gleichen Abend noch Giannis Mama zu besuchen. Die ist klein und runzelig und lebt in der Nähe der Trüffelhundeschule. Sie führt uns in einen Raum, der über und über mit Zeitungsausschnitten tapeziert ist, die beweisen, dass das Trüffeljagen schon seit Generationen in ihrer Familie liegt. Nach einer kurzen Unterhaltung und Einführung in den weit verzweigten Stammbaum wird es Zeit für meine Lieblingsbeschäftigung: Essen. Dazu hat Chiara diesmal ein Restaurant in der Nähe der Hundeschule ausgesucht. Im Restaurant wartet die Tochter der Besitzer auf uns, die etwa in meinem Alter ist. Sie zeigt uns den hauseigenen Weinkeller, natürlich nicht ohne eine Flasche zu öffnen und Proschutto und mundgerechte Brocken Parmesan für ihre Gäste bereit zu stellen. Ich muss mich ernsthaft zusammen reißen, mich nicht schon satt zu essen. Eigentlich mag ich keinen Schinken, aber ich habe mir vorgenommen, zu keiner angebotenen Speise „Nein“ zu sagen auf dieser Reise und das hat sich allemal gelohnt. Kurze Zeit später nehmen wir im Restaurant Platz und der erste Gang wird serviert. Dieser besteht aus zwei gebackenen Blätterteiglagen, die mit Sardellen, Knoblauch und Paprika gefüllt sind - „Peperoni in sfoglia con bagna cauda" ist ganz traditionelle italienische Küche.

Peperoni in sfoglia con bagna cauda | Miriam Zils für Arthurs Tochter Kocht by Astrid Paul

Trüffel und Wein

An diesem Abend sind wir in spannender Gesellschaft: Eine Freundin von Chiara ist eine ausgesprochen gute Weinkennerin und lädt uns ein, uns mit ihr durch die Weinkarte des Restaurants durchzuprobieren. Da sie die Auswahl trifft, schmeckt jede Flasche ganz vorzüglich. Noch bevor der Hauptgang serviert wird, bringt der Kellner eine kleine Schüssel mit zwei weißen Trüffel an den Tisch. Das ist wohl so üblich, damit die Gäste sich von der Qualität von jenem Lebensmittel überzeugen können, für das sie an einem Abend meinen Wochenlohn ausgeben. Zum Glück haben wir zuvor einiges über die Qualität von Trüffel gelernt und befinden die Knollen einvernehmlich für gut. Trüffel schmeckt besonders gut mit einfachen Speisen, die ihren zarten Geschmack nicht überlagern.


Eiernudeln und weiße Trüffel | Miriam Zils für Arthurs Tochter Kocht by Astrid Paul

Ein sehr traditionelles Gericht sind hausgemachte Eiernudeln mit Butter. Darüber werden dann die Trüffel vom Kellner am Tisch in feinen Scheiben zerrieben. Trüffel und Ei schmecken in gemeinsam sehr gut, weswegen ich sie auf der Reise immer nur in dieser Kombination gegessen habe - unsere Begleitung zum Beispiel aß zwei Spiegeleier mit Trüffelscheiben. Der Abend wird lustiger und lustiger, während wir die Weinkarte rauf und runter bestellen. Das absolute Highlight ist aber der Wein, den wir zum Nachtisch - warmer Haselnuss- und Birnenkuchen mit Zabaione - bestellen: Barolo Chinato, ein Gewürzwein, der in früheren Zeiten als Medizin verabreicht wurde. Ich denke das ist er auch, weil es mir tatsächlich nach diesem Glas ganz besonders gut geht. Ein Tipp also von mir: Trinkt. Diesen. Wein. Er ist unvergesslich. Die gesamte Runde hat nach der dritten Flasche Wein aufgehört, auf die Uhrzeit zu achten, weswegen der Taxifahrer hinein kommt und freundlich darauf hinweist, dass er schon eine halbe Stunde seit der vereinbarten Zeit auf uns wartet. Ein wenig traurig nehme ich Abschied von diesem Restaurant, das mir einige schöne Stunden und einen gewaltigen Kater beschert hat. Aber den werde ich erst am nächsten Morgen gemeinsam mit diesen Dingen erleben:

Wein auf dem Mittelaltermarkt - Die Anselm Kiefer Ausstellung in einer barocken Kirche in Alba und die Heimreise.


Disclosure:
Miriam wurde von der italienischen Zentrale für Tourismus - ENIT - zur Reise eingeladen. Es gab keine Aufforderung oder Vereinbarung zur Berichterstattung. 

Herzlichen Dank an Kerstin Getto von http://mycookingloveaffair.de/ für das schöne Bild von Miriam und Lila!



Print Friendly Version of this page Print Get a PDF version of this webpage PDF

Arthurs Tochter

Kommentare :

  1. Schön zu lesen, dass der Trüffelmarkt immer noch so klein ist.
    Eine feine Übersicht zum Thema Trüffel (nebst empfehlenswerten Seminar) gibt´s übrigens bei Angelo Pellegrini in Freiburg: http://www.trueffel-seminar.de/kunde.html

    AntwortenLöschen
  2. Miriam hat gut berichtet, sie darf das gerne wieder einmal tun :-)
    Und lieber einen Kater von gutem Wein, als einen (Trüffel-)Hund, der die Trüffel nicht bei mir abgibt!
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

    AntwortenLöschen
  3. Das ultimative Trüffelerlebnis:
    Tagesfrischer Trüffel mit Rührei - zum Niederknien.
    Wo? In Roussillon. Unvergessen...

    AntwortenLöschen
  4. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm :)

    Liebe Grüße Ulrike

    AntwortenLöschen
  5. Hallo Julia,
    Du magst das so sehen, auch wenn ich nicht so genau weiß, für was oder für wen Du meinst. Aber weißt Du, was Dir u. U. hilft? Einfach nicht mehr hier lesen. :-)

    AntwortenLöschen
  6. Jetzt habe ich diesen wunderschönen Artikel schon fünfmal gelesen, und immer noch schaue ich sehnsuchtsvoll auf die frischen Freilaufeier von Heikes Hühnern, aber etwas fehlt mir...
    LG - Wolf

    AntwortenLöschen
  7. Chapeau, Miriam! Du schreibst mit der gleichen Leichtigkeit wie die Tochter vom Arthur :-) Jetzt habe ich deswegen mal wieder vermehrt Lust auf Trüffel. Obwohl.... vielleicht hätte ich das sonst auch...

    LG, Alexander Koch

    AntwortenLöschen

Danke für Deinen Kommentar, der schnell freigeschaltet wird, so er höflich und respektvoll ist und nicht anonym abgegeben wurde. Mein Blog ist kein Diskussionsforum für anonyme Netz-Misanthropen, sondern ein Geschenk an meine Leserinnen und Leser.

Instagram