Photo Workshop [Pressereise]



Also eines gleich vorweg: Du glaubst nicht im Ernst, dass Du hier. Bei Mir. Ein Workshop. Für Photos! dingens... Gut, dann hätten wir das geklärt! :) Wahrscheinlich macht mindestens die Hälfte meiner Leser_innen bessere Photos als ich. Und es ist ja nicht so, als sei ich mir dieser Tatsache nicht seit sehr langer langer Zeit bewusst. Nichtsdestotrotz habe ich mich fototechnisch seit den Anfängen dieses Blogs ein kleinen Schritten weiter entwickelt. Wir erinnern uns:
Das war das erste Photo hier im Blog! Ein gelbe Bete-Eis auf Wildschweinschinken und Salatgedöns. Dass ich es damals als Sorbet bezeichnete, obwohl es keines war - geschenkt. Es ging danach aber auch noch schlimmer:
Die Schweinebäckchen mit Frühlingszwiebeln und Meerrettichspänen hatten diese fotografische Katastrophe zu keinem Zeitpunkt verdient. Ich weiß schon gar nicht mehr, mit welcher Kamera ich damals fotografiert habe, vielleicht war es noch die Kodak-Pocket mit den Blitzwürfeln, die ich zum 10. Geburtstag bekommen habe... Irgendwann hatte ich dann eine kleine Canon Ixus 80 und kam vor Stolz kaum noch durch die Tür. Es entstanden so berauschende Bildkompositionen zur Maultaschenherstellung wie diese hier:
Die Zeiten änderten sich, ich wurde immer nöliger und irgendwann kam P. mit einer Canon 500D nachhause. Ich war für ein oder zwei Jahre ganz zufrieden und knipste unbefangen, manche nennen es auch ahnungslos, im Automatikmodus vor mich hin. Die geliebte Festbrennweite rettete die Photos über vieles hinweg und ich kam mal wieder vor Stolz auf meine Bilder kaum durch die Tür. Dann kamen ein paar Dinge zusammen: P. wollte auf einmal auch fotografieren. So Menschen. Und Landschaften, ächz... Mit meiner(!) unserer Kamera. Ergebnis: Die Kamera war nie da, wenn ich sie brauchte. Dann nahmen wir uns eine Zweitwohnung auf dem Land und die Kamera war nie dort, wo ich sie brauchte. Ein paar Monate später traf ich Uwe von highfoodality, samt seiner Kamera und dieses Monsterobjektives und stürzte in eine tiefe Depression.


Es war also klar, ich brauchte eine Neue. Meine finanziellen Mittel ließen obiges Monsterteil nicht zu, es sollte kleiner und vor allem günstiger werden. Gerne auch gebraucht, ich bin ja so bescheiden. So schaute ich in Kleinanzeigen, stöberte auf virtuellen Marktplätzen, fragte bei Foto-Fachhändlern und auch bei facebook. Die Tips waren Legion und führten zu einem der erheiternsten Threats, die ich dort je erlebt habe. Am Ende aber, nach all meinem Wehklagen, bekam ich von TECHNIKdirekt eine Kamera geschenkt, einfach so, weil sie meinen Blog dort so gerne lesen; eine Canon 700D, fiel erst vor Freude fast in Ohnmacht und kam dann vor Stolz kaum noch durch die Tür. Und so knipste ich weiter unbefangen ahnungslos im Automatikkmodus vor mich hin. Ich arbeitete mich in winzigen Schritten in die Bildbearbeitung von Gimp ein, einem Photobearbeitungsprogramm, das so ziemlich alles kann, was Photoshop auch bietet, aber freeware ist. Am Ende hatte ich dann Bilder wie dieses
und kam vor Stolz... Du ahnst es bereits.

Aber so ganz im Stillen, tief in mir drin, ahnte ich immer, dass diese tolle neue Kamera mehr kann, als Festbrennweite und Automatikmodus. Ich wälzte das Kursangebot der hiesigen Vhs, schaute mal wieder in Kleinanzeigen und fand Fotokurse für Menschen und Landschaften. Prima Weihnachtsgeschenke für P., aber ich wollte nur wissen, wie ich mein Essen einigermaßen nett in Szene setzen kann. Und während ich kurz davor war, mal wieder nölig zu werden, erhielt ich eine ganz reizende Einladung von Kikkoman zu einem Food-Photography-Workshop in Düsseldorf. Und so packte ich die D700 samt Festbrennweite und diesem Standartkit mit 18-55 mm ein und fuhr los. Um von meiner totalen Ahnungslosigkeit abzulenken, steckte ich sogar noch ein Stativ ein, das macht sich immer gut, und frau wirkt auch gleich viel professioneller.

Beim Workshop angekommen traf ich auf viele nette Blogger, die alle alle viel besser fotografieren als ich. Im Stillen habe ich überlegt, warum die überhaupt alle da sind. Allen voran Juliane von Schöner Tag noch, sie ist die Cousine vom o. g. Uwe und trägt das gleiche Könner-Gen sowie tolle Kamera samt Monsterobjektiven mit sich herum. Allerdings kannten wir uns bereits und so schämte ich mich ein kleines bisschen weniger. Unterstütz wurden wir alle an diesem Tag von den Fotografen Anne Rogge & Jan Jankovic (www.janjankovic.de), sowie von Food Stylist Christoph Maurer (www.christophmaurer.de). Die betreuende Agentur hatte in Zusammenarbeit mit Kikkoman ein beeindruckendes Zutatenbuffet aufgebaut, es gab dazu Teller und Schälchen, Bestecke in alt und neu und gold und chrom, Tücher, Decken, Holzscheite und -planken, kurz das ganze Material, wenn Du Profi-Food-Bilder machen möchtest. Wir begannen gemeinsam, was toll ist, dann fällt Deine eigene totale Ahnungslosigkeit nämlich nicht so auf, die Gruppe arbeitet praktisch für Dich mit.


Unsere erste Aufgabe: Christoph kochte Glasnudeln mit Fleischspießen, Limette und Chilis. Wir sollten uns überlegen, wie dieses Gericht am schönsten in Szene zu setzen wäre. Angefangen bei der Geschirrauswahl, dem Besteck, der Anrichtweise etc. Schnell einigten wir uns alle auf das graue Steingut, das Du oben siehst. Und hey - dabei konnte ich mitarbeiten! Über eine Stunde richteten wir an, immer wieder neu, namen hier ein bisschen Grünzeugs wieder weg, legten es an anderer Stelle wieder dazu, schoben Stäbchen und Spieße, spielten mit roten Chili-Klecksen, tröpfelten Sauce und wischten sie wieder beiseite, kurz: Wir waren alle unter die Stylisten gegangen. Und hey - auch dabei konnte ich mitarbeiten!


Anschließend ging es an den praktischen Teil. Wir durften gemeinsam kochen und unsere eigenen Gerichte fotografieren. Für mich war allerdings noch interessanter, was mit dem Bild gemacht werden kann, wenn es denn mal da ist. Sprich: die lebensnahe Unterstützung für mich und diesen Blog im Sinne von "wie hole  ich aus meinen Fotografien am Ende das Beste heraus." So nervte ich  den unendlich geduldigen Jan einfach weiter, während die meisten anderen bereits brutzelten und anrichteten und fotografierten. Kurz: Es sah alles hochgradig professionell aus; fast so, als würde ein Kochbuch entstehen. Juliane war so nett und geduldig und hat mir erklärt, wie ich an meiner neuen Kamera die Blende und andere Dinge verstellen kann. Nicht, dass ich das bei der alten schon gewusst hätte. 


Juliane, Maja und ich wollten dann aber auch mal etwas machen. In unserer ganz groben Vorstellung sollte es rustikal sein, den Anschein von Draußen haben, von Kernigkeit, Holzfällerhemd, Männer in Latzhosen, you know? Essen für Einsenbahnarbeiter. Wilder Westen. Sowas. Also gab es Steak auf Holz. Pur.


Und auch hier lässt sich wieder erkennen, wie das Bild gewachsen ist. Fleisch vor und zurück. Mit Knoblauch oder ohne. Kein Salz aufs Fleisch streuen, das macht stumpf. Neues Stück, ohne Salz. Fleisch auf Holz auf Holz ist in der Vorstellung schöner, als in der Realität. Christoph hilft. Er setzt Fleisch auf Blech auf Holz auf Holz. Lässt Kräuterbutter glänzen. Und arrangiert so mit wenigen Griffen das Bild, das wir zuvor nur in unseren Köpfen hatten.

Was ich an diesem Tag gelernt habe?

  1. Foodstyling ist toll. Aber eher für andere. Ich glaube, wenn ich hier im Blog auf einmal mit Deckchen, Holzplanken, alten Bestecken und Kochbuch-Arrangements ankomme, fragen mich meine Leser_innen, was ich seit neustem so rauche. Oder?
  2. Ich will das, was ich fotografiere, auch essen. Und zwar nach Möglichkeit warm.
  3. Aber schön will ich ja auch. Also rase ich in Zukunft  mit meinem Teller von der Küche ins Wohnzimmer. Stelle das Essen direkt vor das bodentiefe Fenster, damit ich auch im Herbst noch gutes Licht habe. Ich kaufe mir ein Mörderstativ, denn wider Erwarten wirkte ich mit dem kleinen Teil, das ich dabei hatte, kein bisschen professionell. Ich spare auf ein Objektiv. Auf dieses Monsterteil von Uwe und Juliane. Oder eine sauteure Festbrennweite. Vielleicht lege ich auch mal ein altes Besteck daneben. Ach nein, das wohl eher nicht. 
  4. Fotografieren macht mir großen Spaß und meine Kamera kann viel mehr als den Automatikmodus, yeah! und ich jetzt auch, Doppelyeah!
Danke an Kikkoman und Zeron als betreuende Agentur. Es war ein großartiger Tag mit Euch! Danke an alle anderen Blogger, die mir mit Rat und Tat zur Seite gestanden und auf meine Fragen nur ganz leise mit den Augen gerollt haben. 





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Arthurs Tochter

Kommentare :

  1. Danke! Danke, dass Du auf Schleiferl und Holzplanken künftig verzichten willst. Danke, dass Du Dein Essen auch ISST und nicht nur fotografierst. Oder gar etwas nur für den Fotoshoot kochst und dann womöglich wegwirfst, weil es eh kalt und mit Haarspray auf Glanzlack getrimmt wurde. Danke, dass es bei Dir immer noch ums Kochen und Essen und Genießen geht. Und danke dafür, dass ich mich jetzt ein klein wenig weniger schlecht finde beim Betrachten meiner Fotos. Die entstehen nämlich, während das Essen noch dampft, der bEdW auf mich wartet, die Tageslichtlampe das einzige Licht ist und die Kamera auf Automatikmodus steht ;-) DANKE!

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  2. Also erst einmal sind Deine Eingangsfotos jetzt nicht sooo schlecht, wie Du tust. Man fängt halt irgendwann an. Als nächstes, vielen Dank für den schönen Bericht.

    Und ja, erst einmal ein Stativ kaufen. Das ist bei Food die halbe Miete. Dann kommt man auch eine Weile auch ohne die superduper-Linse klar. ,-)

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  3. Ich brenne zukünftig auch keine Grillstreifen in Steaks, bepinsel meine Gerichte mit Öl oder drapiere einzelne Blättchen mit der Pinzette. Aber es war trotzdem sehr schön und sehr spannend mal hinter die Kulissen zu gucken! Der erste Teller war gar nichts meins, aber unsere Steaks fand ich dann wieder prima!
    Schleifchen findet man bei mir genauso wenig wie Treibholz - ich gehe dann lieber normal spazieren anstatt Sperrmüll nach Hause zu schleppen. Aber mein altes Besteck, die Spanplatten im "Vintagelook" (hip!) und mein ganzes schönes buntes Geschirr gebe ich nicht mehr her! Dafür verspreche ich nie die Wörter "Zuckerschnuten" und "Easy-peasy" in meine Beiträge einzubauen.
    Es war wirklich ein toller, spannender Nachmittag und ich entschuldige mich noch vielmals, dass du so oft "Maja, bitte nimm deine Finger aus dem Bild" sagen musstest ;-)

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  4. Also ich mag deine Fotos, Astrid, und diese sind wirklich sichtbar besser geworden. Warum besser als besser machen wollen?
    Hauptsache, dir bleibt die Lust, dein Essen VOR dem Essen zu Fotographieren :)

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  5. Danke für den schönen Bericht und die Erkenntnisse, die Du daraus gezogen hast! Ich bin wirklich sehr erleichtert, dass Entwicklung in Sachen Foto möglich ist - das gibt mir Hoffnung. Trotzdem: Man muss nicht alles gleich gut können. Wer hierher kommt, der kommt wegen der Rezepte und der Geschichten. Oder?

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  6. Boah, kannst Du's gut haben! Davon, eine anständige Kamera für den Blog geschenkt zu bekommen, träume ich schon lange. Wird wohl nie passieren.... Da die Möglichkeiten für Erst- bzw. Zeitk-SLR zu beschränkt sind, werde ich weiter mit meiner 10 Jahre alten, Hosentaschen-Digi-Knipse, die in keine Hosentasche passt, hantieren. ;-)
    Mir geht es da wie dir. Bloß nicht das Essen kalt werden lassen!

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  7. Ja, ich will mein Essen auch immer Essen. Mehr wie 2 oder 3 Minuten ist da nicht drin. Mich würde es zu Tode aufregen wenn am Ende mein Steak kalt wäre, die Sauce eingetrocknet oder das Eis geschmolzen. Dann hab ich lieber keine Deko auf dem Foto. Hauptsache das Foto ist vom fotografischen Standpunkt i.O. Aber da hast du ja jetzt Ahnung. Wenn man weiß was die Blende macht kann man nämlich auch in den 2 bis 3 Minuten verschiedene Effekte erzielen ;)

    Gruß Tom

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  8. Wir emanzipieren uns. Immer mehr...

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  9. Ach ich bin so neidisch, dass du so eine tolle Kamera Geschenk bekommen hast. Und das du an diesen super Foodphotography-Workshop teilnehmen durftest.
    Bin auch nicht mehr so ganz zufrieden mit meinen Fotos und bin auf der Suche nach einer neuen Kamera. Das ist aber gar nicht so einfach. Ich hoffe ich finde meine bald.
    LG
    Diana

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