Die Sache mit dem Beschiss - Schwäbische Maultäschle


Arme Margarete von Tirol. 1318 geboren und bereits 1330 verheiratet mit einem angeblich geradezu liderlichen Kerl, dem um vier Jahre jüngeren Johann Heinrich. Dieser kam bereits im Alter von 5 Jahren an den Tiroler Hof und konnte so über die Jahre hinweg eine stetig wachsende, auf Gegenseitigkeit beruhende Antipathie zu seiner späteren Frau pflegen. Mit der Hilfe ihrer Räte setzte diese ihren verhassten Ehemann 1341 am Allerseelentag vor die Burgmauern. Durch geschichtliche Irrungen und Wirrungen, sowie eine provozierte Liebesheirat Magaretes, ohne eine von der Kurie anerkannte Scheidung von ihrem Mann in der Tasche zu haben, traf Magarete der Kirchenbann, der sie aus ihrem geliebten Tirol vertrieb. Ihre letzen Jahre verbrachte sie in Wien, nach ihrem damaligen Sitz ist angeblich ein ganzer Stadtteil benannt worden - der Margaretengrund.

Angeblich hat der verstoßene Ehemann die wüstesten Geschichten über seine ehemalige Gattin erzählt, dazu gehörte, dass sie unglaublich hässlich sei, was von anderen Zeitzeugen vehement bestritten wurde. Ganz im Gegenteil galt Margarete als eine ausgesprochen  schöne Frau ihrer Zeit. Johann Heinrich mit der Kurie im Rücken benannte   der Legende nach erstmalig seine Ex als  "Maultasch", was damals so viel wie "Hure" bedeutete. Wie das so ist mit den Gerüchten, manches ändert sich eben nie, wurde daraus irgendwann die Geschichte, Margarete sei nicht nur hässlich, sondern habe vor allem einen schiefen Mund.  Die Legende besagt weiter, dass Margarete ihre Leibspeise - gefüllte Teigtaschen - von Österreich bis ins Schwabenland gebracht haben soll, eine Version, die ich persönlich stark bezweifel.

Mir gefällt die andere Geschichte besser...
Sie beginnt blutig - nach dem 2. Prager Fenstersturz am 23. Mai 1618, den die Hinabgestürzten überlebten, weil sie angeblich auf einen Misthaufen fielen, begann der Aufstand der böhmischen Protestanten gegen die katholischen Habsburger. Dieser Aufstand markiert den Beginn des 30jährigen Krieges.

Dieser Krieg, dem ein Drittel der süddeutschen Bevölkerung zum Opfer fiel, machte in seiner Gewalttätigkeit auch nicht vor einem kleinen Kloster in Maulbronn halt. Und als würde Krieg alleine nicht reichen um zu darben, war es ausgerechnet in der Fastenzeit, dass den schweigsamen Mönchen ein Stück Fleisch in den Kreuzgang fiel. In der Fastenzeit war diesen aber der Verzehr von Fleisch nicht gestattet. In schweigendem Einverständnis war bald klar, dass auch der folgsamste Mönch eine solche Gelegenheit in solch harten Zeiten nicht an sich vorbeigehen lassen konnte. In der folgenrichtigen Annahme, dass in kriegerischen Zeiten auch der liebe Gott nicht so genau hinschauen würde - der hatte ja nun auch anderes zu tun - wollten sie das Fleisch natürlich zubereiten, ihren obersten Herrn aber auch nicht übermäßig provozieren. So schnitten sie das Fleisch in winzig kleine Stücke, vermischten es mit Spinat und versteckten es in kleinen Teigtaschen. Das war der Beschiss. Weil aber meine heutige kleine Geschichte im "Ländle" spielt, muss natürlich noch das schwäbische "Schwänzle" drangehängt werden, und so wurde aus dem Beschiss das B´scheißerle, besser noch das "Herrgotts B`scheißerle". Und wie heißt es immer so schön - kleine Sünden straft der Herrgott sofort, größere etwas später. Die Schwaben straft er bis heute, daran kann man sehen, wie groß der Fehltritt war - denn richtig deutsch lernen ließ er sie bis heute nicht!

Schwäbische Maultaschen
oder auch 
Herrgotts B´scheißerle



Der Wein dazu

Glen Carlou
Pinot Noir 2004
South Africa

Der war auch ein kleiner B´scheißer!
Als darbende Einzelflasche, die dann endlich mal getrunken werden wollte,
machte er erst den Eindruck, als sei schon alles vorbei mit ihm. Göttliche Strafe?
Aber dann riss er sich nach ein paar Minuten noch einmal zusammen und hat alles gegeben, was er noch zu geben hatte. Tiefe Kirsche in der Nase, Fruchtbuquett am Gaumen. Die kleine Bitterness im Abgang konnte er leider nicht mehr vertuschen. Nach 30 Minuten war der Spuk  auch schon wieder vorbei. Er schmeckte dann so, wie er sich zu Anfang zeigte, etwas säuerlich und verbittert angesichts der eigenen verlorenen Jugend und Schönheit.


Für den Nudelteig
  • 100 g Hartweizengrieß
  • 5 Eier und 3 Eigelbe
  • 1 Prise Salz
  • 1 EL Olivenöl
  • 400 g Mehl und weiteres Mehl zum Ausrollen und eventuellem Nachbearbeiten des Teiges
  • 2 Eier zum Bestreichen
 Für die Füllung
  • eine dicke Scheibe Weißbrot, in lauwarmer Milch eingeweicht und gut ausgepreßt
  • 1 Zwiebel, in Butter gläsig gedünstet
  • Petersilie, fein gehackt
  • 4 EL blanchierter Spinat, feingehackt
  • 4 EL Quark 40 %
  • Salz, Pfeffer, Muskat
  • 500 g Hackfleisch vom Rind
  •  Zum Garen der Teigtaschen Rinderfond 
Den Grieß mit den Eiern und Eigelben, Salz und Öl zu einer sehr cremigen Masse rühren und 60 Minuten quellen lassen. Dann das Mehl unterkneten und den Teig 30 Minuten bei Zimmertemperatur ruhen lassen.

Für die Füllung alle Zutaten zu einer geschmeidigen Masse rühren und kräftig abschmecken.

Falls der Teig noch klebt, weiteres Mehl unterarbeiten. Dünne Teigbahnen ausrollen und kleine Häufchen mit der Masse darauf setzen. Die freie Seite des Teigstranges mit den verquirlen Eiern bestreichen und umklappen. Mit dem Teigrad in Stücke schneiden, so dass einzelne Taschen entstehen.

Die Maultaschen ca. 5 - 7 Minuten in Rinderfond garziehen lassen.

Ich habe sie auf ein Bett aus gerösteten Champignons mit einem Hauch Zitrone, Zwiebeln und Schnittlauch gelegt und mit der Brühe umgossen.
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Arthurs Tochter

Kommentare :

  1. Trotz deiner schönen Geschichten rund um Margarethe und Hergottsbscheisserle kann ich mit Maultaschen nicht warm werden. Dieses Gericht kann sich nicht entscheiden, ob es elegante Spinatravioli oder deftige Fleischknödeln werden soll. Die Mischung aus beidem und auch die Grösse empfinde ich immer ein bisschen gar deftig.Aber können x tausende (Millionen?) Schwaben irren?

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  2. "Mir kennet älles - ausser hochdeitsch." Für unsere Maultaschen nehme ich diese Strafe gerne in Kauf.

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  3. mir gefällt die blutrünstige geschichte natürlich besser. netter hintergrund zu einer netten speise.

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  4. Wie schön, ich habe einen Blog gefunden, in dem sich jemand auch für die Geschichte eines Gerichts interessiert. Da bin ich ja doch nicht so ganz allein auf weiter Flur ;) Ich könnte jetzt zur wahren Herkunft der Maultaschen etwas sagen, denn (natürlich) stimmt auch die hübsche Klostergeschichte nicht, aber die Maultaschen sind ein Kapitel in meinem Buch und da will ich natürlich nicht alles verraten.

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  5. Wie schade, Petra, wo doch die Geschichte soooo schön ist ;)
    Aber das ist Deine ja auch, gell?!

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  6. jaaa natürlich ;)(würde sonst jemand noch das Buch lesen wollen?)

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  7. Maulbronn liegt in Württemberg? DAS ist mir in der Tat neu.

    cu, w0lf.

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  8. @ wolf,
    sorry, habe Deinen Kommentar eben erst entdeckt. Wo dachtest Du denn?

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  9. Gerade erst entdeckt. Wir machen zweimal im Jahr mit Freunden einen Maultaschen-Contest.... Fotos hier : http://chezuli.wordpress.com/2009/04/13/maultaschen-contest-ostern/)

    Vielleicht als Anregung....

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  10. Tja was soll ich da sagen, liebe Arthurs Tochter?
    Deine Maultaschen auf Arthurs Tochter Art mögen ja schmecken, nur eine echte Schwäbin würde angesichts Deines Rezepts in Ohnmacht fallen, weil absolut unverzichtbare Bestandtteile der schwäbischen Maultaschen fehlen:

    ...außer Hackfleisch gehören unbedingt Bratwurstbrät, gekochtes Siedfleisch, gerauchter Bauch oder geräucherte Schinkenwurst und etwas Majoran in die echten schwäbischen Maultaschen. Aber doch kein in Milch eingeweichtes Weißbrot oder gar Quark...

    Zur Herkunft der Maultaschen, die meine amerikanische Freundin "giant raviolis" nennt;-) - kannst Du hier noch mehr nachlesen. Da steht auch ein schwäbisches Originalrezept..

    http://www.suite101.de/content/die-maultasche-bleibt-schwaebisch-a69652

    Gruß

    Margit Kunzke

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  11. Schwaben? Sorry, das verortest du grade falsch. Württemberg ist richtig. Und Baden ist auch nicht weit weg (Pforzheim markiert angeblich die Grenze zu Ba und Wü).

    Ich bin nämlich auch kein halber Schwabe, sondern halber Württemberger :P

    cu, w0lf.

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