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08.07.11

Kunst Buch Essen


Zwei neue Kochbücher haben hier vor einiger Zeit Einzug gehalten. Das eine eher ein Kunst-Bild-Band; mit über 520 Seiten ein Buch wie ein Rausch:
Sven Elverfeld  aus der Collection Rolf Heyne. Mit diesem Buch sitze ich relativ ehrfürchtig abends auf dem Sofa, meine Familie muss derweil per gerichtlicher Verfügung 2 Meter Abstand halten. Nicht auszudenken, wenn mir jemand auf dieses Kunstwerk niesen, krümeln, kleckern oder auch nur etwas davon weggucken würde! Der Preis von € 75,00 verursacht im ersten Moment vielleicht Schnappatmung, aber je länger ich es bestaune, desto mehr denke ich darüber nach, wie bitte so ein Buch für den Betrag überhaupt möglich ist? Alle betriebswirtschaftlichen Kenntnisse zusammenraffend, Produktionskosten überschlagend, der Ausstattung gegenüberstellend - das Buch ist preiswert im Wortsinn. Mehr als das! Aber - es ist sicher kein Kochbuch. Für mich eher mit einem Besuch im Louvre zu vergleichen, für den Du ebenfalls Monate brauchst wenn Du die ausgestellten Kunstwerke sehen und vor allem verstehen willst. Und falls Du fragen wolltest: Nein, ich habe noch nichts daraus gekocht, schließlich bin ich allein mit dem ersten Durchblättern noch nicht zuende. Ich bin mal gespannt, was Chef Hansen dazu sagt. Ich weiß, dass er sich das Buch nach meinem ersten Begeisterungsschrei bei fb auch gekauft hat. Herr Spandl hat es zumindest schon in seinen Kochtopf Blog gestellt, ringt mit dem Kauf aber noch mit sich herum. :) Er wird fallen, da bin ich mir sicher! 

Dafür tobe ich mich gerade am zweiten Neuzugang aus - einem Buch nur über Tomaten! Vielleicht inhaltlich als monochrom zu bezeichnen- aber: Ein Kochbuch! :)
Dazu musst Du wissen, dass ich in diesem Jahr in zweierlei Hinsicht schwach geworden bin. Das erste mal, als ich mir 3 kleine Pflänzchen für gelbe Tomaten gekauft habe. Jahrelang habe ich mich dem Tomatenanbau in Kübeln auf der Terrasse verweigert. Erstens, weil diese nicht überdacht ist und Tomatenpflanzen bekanntlich regenempfindlich sind und zweitens: Ehrlich- schön sind sie nicht. Ich weiß nicht, was mich geritten hat, jedenfalls habe ich ein Plätzchen gefunden und jubeliere jetzt jeden Tag vor mich hin, wenn ich meine kleine zukünftige Tomatenernte bestaune. Und das zweite mal? Erst vor ein paar Tagen habe ich mir eine Chilipflanze gekauft! Entweder ich komme verfrüht in die Wechseljahre oder mit meinen Hormonen stimmt sonst irgendetwas nicht. Tomaten- und Chilipflanzen. Ich. Also bitte! 


Und dann ist in diesem Tomatenbuch auch tatsächlich noch eine Anleitung, wie ich selber in Zukunft Samen trocken und meine eigenen Tomaten vermehren kann. Da kommt was auf mich Dich zu! 

Aus dem Tomatenbuch habe ich letzte Woche 2 Rezepte nachgekocht. Der angekündigte Besuch wurde vorgewarnt, bei neuen Rezepten kann auch immer mal etwas schiefgehen und gerade beim Nachkochen aus Büchern habe ich schon viele böse Überraschungen erlebt. Konzentriert an diesem Abend habe ich mich auf die Komponenten Honig und Tomate und mit der Bienenwabe und dem Käse aus meinem letzten Post begonnen. 

Nach dem Motto "besser gut geklaut als selber schlecht ausgedacht" mit kleiner Abwandlung:
Bienenwabe | Ziegenfrischkäse | Schinken | Johannisbeere







Der Käse war ein Ziegenfrischkäse, der Schinken kam nicht aus dem Schwarzwald sondern vom Boeuf de Hohenlohe - zu Schinken verarbeitet in Ingelheim, und der Süße des Honigs habe ich die Johannisbeeren als Sparringpartner gegenüber gestellt. 







Es folgten aus dem Tomatenbuch als zweiter Gang:


Für 4 Personen:
  • 24 Kirschtomaten
  • 125 g Kristallzucker
  • 1 EL Pfeffer, grob geschrotet
Jede Tomate auf einen Zahnstocher spießen. Den Zucker mit 200 ml Wasser in einem kleinen Topf aufkochen und dann bei geringer Hitze so lange weiterköcheln, bis ein hellbrauner Karamell entsteht.

Das dauert! Nicht die Geduld verlieren! 


Den Topf vom Herd nehmen, die Tomaten einzeln hineintauchen, mit dem Pfeffer bestreuen und zum Trocken auf Backpapier legen.

Zucchinicarpaccio
  • 4 feste kleine Zucchin
  • 8 EL Olivenöl
  • 4 EL weißer Aceto Balsamico
  • 1 EL fein gehackte Blattpetersilie (von mir durch rotes Basilikum ersetzt!)
  • Einige grob geriebene Chiliflocken
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer
  • Frisch gehobelter Parmesan (während ich das schreibe fällt mir ein, dass ich den Parmesan vergessen hatte)
  • Frische Oreganoblättchen
Die Zucchini mit dem Sparschäler oder auf der Maschine längs in sehr dünne Scheiben schneiden. Auf einem Teller anrichten. Das Olivenöl mit dem Essig und der Petersilie (dem Basilikum) verrühren. Mit den Chiliflocken, Salz und Pfeffer abschmecken. Das Dressing über die Zucchinischeiben geben und nach Belieben mit gehobeltem Parmesan bestreuen. 

Spektakulär einfach und spektakulär lecker! Die karamellisierten Tomaten sind der Hit! Sie sehen zwar ein bisschen aus wie die Liebesäpfel auf der Kirmes - aber die haben wir doch alle mal gemocht, oder? Wenn Du so eine Tomate in den Mund nimmst, hast Du erst den Eindruck von Süße, dann knackt der Karamell, von innen läuft Dir die leichte Säure der Tomate an den Gaumen und dann kommt von hinten um die Ecke der Pfeffer hinterher. Toll! Am Wochenende wird das in lauter kleinen Einzelportionen in Elchgläsern wiederholt.

Übrigens sieht es so aus, wenn es professionell fotografiert wird: Freundlicherweise hat der Verlag mir extra hierfür ein Rezeptbild zu Verfügung gestellt. 
Und jetzt habe ich eine Bitte an Dich: 




In näherer Zukunft würde ich lieber 


<------- solche Bilder machen können.

Wenn Du also einen Kameratip für mich hast, der berücksichtigen sollte, dass ich keine Filmfunktion benötige, dann freue ich mich sehr über Ratschläge zum Kamera- und vor allem Objektivkauf. 

Gestern erst habe ich den weltbesten Panzanella gemacht. Zum Reinsetzen lecker, leider sah er auch auf dem Bild so aus, als hätte genau das schon jemand gemacht. 




Lavendelhonig zu bekommen ist nicht so ganz einfach. Jedenfalls war er in ganz Ingelheim nicht aufzutreiben. Bei Karstadt in Wiesbaden bin ich dann fündig geworden. 

Der Gewürzlavendel auf dem Küchenbalkon blüht sich schon seit Wochen fast um den Verstand und schuf so den Ausgleich zur CO2-belasteten Honigbeschaffung. 

Die Tomaten kamen von einem französischen Strauch und waren wunderbar geschmacksintensiv.

Für die Gewürzmischung:
  • 1 EL Fenchelsamen
  • 1 TL Koriandersamen
  • 3 Gewürznelken
  • 4 Pimentkörner
  • 5 Pfefferkörner (bei mir Tasmanischer Pfeffer)
  • 1 Getrocknetes Lorbeerblatt
  • 1 TL Paprikapulver
  • 1 EL getrockneter Thymian

Für das glasierte Huhn:
  • 1 Freilandhuhn von ca. 1,3 Kg (meines hatte 1,9 kg und so wurden alle Mengen entsprechend angepasst
  • Salz
  • 4 EL Armagnac
  • 800 g Tomaten
  • 50 g gesalzene Butter
  • 250 g Lavendelhonig
  • 2 EL Sherryessig
  • Frischer Lavendel zum Bestreuen
  1. Für die Gewürzmischung alle Gewürze im Mörser grob zerstoßen oder in der Küchenmaschine mahlen. Ich habe bis auf den Thymian und das Paprikapulver alles vorher angeröstet und anschließend fein zermahlen.
  2. Das Huhn in 8 Stücke zerteilen. Diese in eine Auflaufform lege, leicht salzen, mit 2/3 der Gewürzmischung einreiben (was natürlich in der Praxis Quatsch ist- also ERST die Fleischteile einreiben und DANN in die Auflaufform legen!) und mit dem Armagnac übergießen. Abdecken und mindestens 6 - 8 Stunden (am besten über Nacht) im Kühlschrank ziehen lassen. (Ich habe ca. 8 Stunden mariniert, dabei immer wieder den Armagnac abgegossen und wieder obenauf laufen lassen) Das Huhn 30 Minuten vor der Zubereitung aus dem Kühlschrank nehmen.
  3. Die marinierten Hühnerteile in eine Fettpfanne legen.
  4. Die Tomaten waschen und im Ganzen dazulegen. Das Huhn mit den Butterflocken belegen (habe ich vergessen) und im auf 160°C vorgeheiztem Backofen etwa 40 Minuten braten.
  5. Den Honig mit dem Essig in einem kleinen Topf erwärmen bis der Honig dünnflüssig wird. Dann die restliche Gewürzmischung hineinrühren.
  6. Die Ofentemperatur auf 180°C erhöhen. Die Hühnerteile mit der Honigglasur bestreichen und weitere 6 - 7 Minuten braten. Wichtig: Der Honig soll nur leicht karamellisieren, keine Kruste bilden! Ich habe in 3 Etappen glasiert, das macht den Karamell schöner!
  7. Den Backofen ausschalten, leicht öffnen und das glasierte Huhn etwa 5 Minuten ruhen lassen.
  8. Mit dem abgeschmeckten Bratensaft anrichten und mit Lavendelblüten bestreuen.
Die Weinbegleitung zu diesem Essen war nicht einfach. Die Säure der Tomaten, die Honigsüße des Lavendels- wohl dem, der dann den früheren Sommelier der "Ente im Nassauer Hof" zu Gast hat und ihm die Weinbegleitung überlässt. Mit schlafwandlerischer Sicherheit (wie auch sonst, wusste er doch vorher gar nicht, was es gibt *gg) wählte er für den Abend:


Peter Jakob Kühn
Riesling Sekt Brut
2007


Peter Jakob Kühn
Hallgarten Hendelberg
Riesling trocken
2010


Peter Jakob Kühn
Erstes Gewächs
Oestrich Doosberg
2008

Ich persönlich gehöre nicht zu den Menschen, die P. J. Kühn fast wie eine Gottheit verehren - ganz im Gegenteil halte ich ihn für ziemlich durchgeknallt. Nicht falsch verstehen, ich mag durchgeknallte und verrückte Menschen, aber ich falle nicht vor ihnen auf die Knie. Die Weine von Kühn sind gut, viele sogar sehr gut und ich hatte auch schon den ein oder anderen sensationellen Tropfen von ihm im Glas, nur diese untertänige Ergebenheit die manche Weintrinker ihm gegenüber an den Tag legen kann ich nicht nachvollziehen. Aber das nur so am Rande. Diese drei waren die perfekten Begleiter eines guten Essens an einem launigen Sommerabend! Danke Jan, ich kenne sonst niemanden, der die perfekten Weine zu einem Essen aussucht, das er noch gar nicht kennt! :)










06.07.11

Ohmmmmmmm........


Nach der Aufregung im (vor)letzten Post mache ich es mir heute wieder gemütlich, schließlich soll weder das Bloggen noch das Lesen hier zur tour de force werden. Du erinnerst Dich sicher noch, dass P. und ich neulich zu Besuch auf dem Weingut Kiefer waren. Dort beendeten wir den schönen Aufenthalt am Sonntagvormittag bei "Dicke-Backen-Musik" und Schmankerln aus Eichstetten mit begleitenden Weinen. Nachdem ich noch einmal etwas in meinen Unterlagen gekramt habe, habe ich den Zettel mit den Kombinationen wieder gefunden. Es gab:

Eichstetter Erdbeere 2010 Schmetterlinge im Bauch / Rosécuvée Feinherb

Schinken Schwarzwälder Art von der Metzgerei Feißt
2008 Spätburgunder Rotwein / QbA Trocken

Eichstetter „Schabziger“ der Käserei Sebastian Groos
2010 Rivaner / QbA Feinherb

Eichstetter Chutney von Wolfgang Hees
2010 Muskateller / Kabinett Halbtrocken

Ingwer-Curry Praline der Eichstetter Trachtengruppe
2010 Gewürztraminer / Spätlese

Für ein kleines Frühstück gar nicht schlecht, oder? Und ICH war nicht mit Autofahren dran! *hehe
Nochmal vielen Dank für die 2 schönen Tage bei Euch!!! Das nächste Essen jederzeit bei mir!

Und was macht der moderne Mensch sonst noch an einem sonnigen Vormittag am Kaiserstuhl? Er teilt der Welt seinen Freunden mit, wo er gerade is(s)t. Die Smartphones und ähnliche technische Errungenschaften machen die ständige Weitergabe des eigenen Standortes so unnötig wie möglich. Vor allem aber macht´s Spaß. Und so wusste eine handvoll ausgewählter Menschen, dass wir uns am frühen Sonntagvormittag bereits wieder dem Genuß ergaben. Und während wir noch tranken und bereits etwas wehmütig an die bevorstehende Rückfahrt dachten, machte es "Pling" und das Display zeigte einen Text, der in etwa lautete:
"Erwarte Blitzbesuch zur Wildschweinbratwurst"

Der Absender war Karl-Josef Fuchs, der mit seiner Frau Sabine Inhaber des  Romantikhotel "Spielweg" ist. Karl-Josef habe ich genau wie Christian Mittermeier irgendwie über das Bloggen kennengelernt; beide gehören zu den 3 teilweise besternten Köchen, die für den Blog "Nachgesalzen" der Zeit schreiben, welchen ich sehr gerne lese. Austausch mit Profis ist dort garantiert, polemische Kommentatoren gänzlich unausgeschlossen.

Kurze Rücksprache mit P., der aufgrund meines vorausgegangenen Weinprobenkonsums immerhin zum Fahren verdonnert war. Eine Wildscheinbratwurst stand gegen 48 km weiter in den Süden, rückfahrtverlängernde 96 km. Männer sind so..... äh..rechnerisch-pragmatisch. ;) Aber ich hatte unschlagbare Argumente. Das Wildschwein in der Wurst aus eigener Spielweg-Jagd. Strahlend blauer Himmel, sommerliche Temperaturen wie gemacht für eine entspannt cruisende Fahrt mit offenem Verdeck. Und natürlich die Überlegung, wann wir wohl das nächste mal so sehr in der Nähe des Südschwarzwaldes sein werden. Und so fuhren wir ins Paradies!
Ein Juwel, seit 150 Jahren in Familienbesitz. Mit eigener Käserei und Sabines Blumen- und Kräutergarten.
Unfassbare Glückseligkeit! Im Minutentakt von Seele und Leib herabpurzelnde Anspannung.
Überlegungen, ob die Kühe am steilen Hang bis zu uns auf den Teller purzeln könnten und was passiert, wenn eine Kuh schläft und schlecht träumt. Kann sie dann herunterrollen? Bienenwabe mit Frischkäse und Schwarzwälder Schinken. Wildschweinbratwurst mit Spitzkohl, Spätzle und den niedlichsten kleinen Pfifferlingen der Welt.
Besuch in Karl-Josefs Käserei. Unser nächstes Gastgeschenk steht schon! ;)
Das erste mal, dass meine Hände mit Molke eingecremt worden sind. Ein bisschen habe ich mich wie Kleopatra gefühlt mit meiner butterzarten Haut.

Ich will hier nicht mehr weg! Wir überlegen, morgen beide "blau" zu machen und über Nacht zu bleiben. Die Vernunft siegt. Leider.
Jetzt wälzen wir Terminkalender und Kontoauszüge, planen einen längeren Aufenthalt im Paradies, aus dem die Vertreibung ausgeschlossen scheint. Wenn Du also einmal einen unfassbar schönen Ort zum seelischen Entknittern suchst, einen Ort, der Dich warm gefangen nimmt in seiner Schönheit und Ruhe- dann fahre in den Südschwarzwald ins "Spielweg". Auch auf die Gefahr hin, dass Dir ein roter Bollen am rheinhessischen Strohhut wächst. Das ist es wert!


Artikel frei Haus