Violette Süßkartoffelgnocchi mit Salbeibutter und Ochsenschwanzragout

Es heißt ja immer, Lila sei der letzte Versuch. Kann man so sehen, jedenfalls im Falle von Süßkartoffelgnocchi, die mir in der orangefarbigen Variante noch nie geglückt sind. In Violett sind sie wunderbar luftig geworden und nach den Gnocchi mit Ricotta meine neuen Fluff-Fluff-Lieblinge. Noch dazu ist das Farbspiel von sattgrünem Salbei und violetten Gnocchi ein Traum für die Augen – und die essen bekanntlich mit!

Wirklich Mut zu einem erneuten Versuch hat mir kürzlich Micha mit ihren Süßkartoffelgnocchi mit Rucola und Radiccio gemacht. In einem Kommentar habe ich ihr versprochen, mich noch einmal dranzuwagen – an diese Geschichte voller Missverständnisse zwischen Gnocchi und mir. Sie gelingen mir perfekt in der Variante mit Ricotta (fluff fluff) und so einigermaßen auch aus Kartoffeln (fluff) und aus Kürbis schüttel ich sie mittlerweile aus dem Handgelenk, selbst wenn mir dabei noch ein Arm auf dem Rücken gebunden ist. Aber aus Süßkartoffeln? Grande Katastroff! 

Eine Süßkartoffel, die zu Gnocchi werden soll, braucht nicht viel

Nun ist aber seit Oktober 2009 meine Kocherfahrung exponentiell gewachsen und wie sagte Micha so tröstend: Lag sicher am Rezept. Klar, das war so. Heute würde ich schon anhand der Zutaten erkennen, dass das nicht funktionieren kann, ob von Cornelia Poletto oder nicht. Eine Süßkartoffel, die zu Gnocchi werden soll, braucht nämlich nicht viel. Eigelb und ein ganz klein wenig Mehl. Und Grieß. Wie bei der Zubereitung von Nudeln auch, wälze ich nichts in Mehl, was nicht auch in Grieß gewälzt werden kann – letzter fällt beim Kochen im Wasser dann nämlich einfach ab. Mehl hingegen klebt und verschmiert ganz gerne. Aber vielleicht ist es auch einfach nur für Fortgeschrittene... wer weiß. Vielleicht wälze ich mich und die Nudeln und Gnocchi in ein paar Jahren auch in Mehl und lächle dann über meine heutigen Zeilen... Bis dahin aber hier das heutige Rezept für Süßkartoffelgnocchi

  • 1 Süßkartoffel (hier: in Violett. Vielleicht hat die Farbe Auswirkungen auf den Stärkegehalt und somit auf das Kleben oder Nichtkleben des Teiges? Ich weiß es nicht)
  • Ungeschältes Gesamtgewicht 630 g
  • 1 Eigelb
  • 55 g Weizenmehl Typ 405
  • Salz, Muskat, Melange Blanc*

Die Kartoffel längs teilen, den Ofen auf 200° (Umluft!) heizen und die Kartoffelhälften mit der Schnittfläche nach oben 30 Minuten backen. Herausnehmen, etwas abkühlen lassen, schälen, durch eine Kartoffelpresse* geben und mit Ei, Mehl und Gewürzen zügig zu einem geschmeidigen Teig kneten.

Aus Magenta wird Violett!



Interessant finde ich die Farbveränderung von einem leuchtenden Magenta in dunkles Violett während des Backens. 

Aus dem Teig formt ihr Schlangen, schneidet aus diesen Gnocchi in eurer bevorzugten Größe und kocht sie in siedendem Salzwasser. Wenn die kleinen Flufffluffs an die Oberfläche steigen, sind sie gar.

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Meine Tips zur Zubereitung von Süßkartoffelgnocchi

  • Ich ziehe Umluft zum Austrocknen der Süßkartoffeln grundsätzlich der Ober-/Unterhitze vor
  • Weniger Mehl ist mehr Geschmack! Also tastet euch an die Mehlmenge behutsam heran, ich bin mit sehr viel weniger als im Ursprungsrezept angegeben ausgekommen. Je mehr Mehl, desto knatschiger wird der Teig und umso eher erhalten die späteren Gnocchi einen Biss wie Reifen von Continental
  • Gönnt dem Teig eine Stunde Ruhezeit im Kühlschrank, unterstes, weil kältestes Fach. Er lässt sich anschließend, stark abgekühlt und etwas fester geworden, viel leichter verarbeiten
  • Verwendet zum Ausrollen der Teigstränge unbedingt Hartweizengrieß, kein Mehl Gebt ein wenig Grieß auf ein großes Holzbrett, stecht euch eine handballengroße Menge des Teiges ab und rollt sie auf dem Grieß zur Teigschlange aus. Gries hat den Vorteil, dass er beim Kochen im Wasser zum größten Teil einfach abfällt und ihr so auch keine weiteren Mehlmengen in den Teig einarbeitet! 
  • Schneidet kleine Kissen von der Teigschlange herunter und rollt diese einmal vor und zurück über ein Gnocchi-Brett*. Die Rillen sind wichtig, um dass die Sauce oder flüssige Butter später besser aufgenommen werden kann, sie kriecht dort nämlich förmlich hinein. Außerdem sehen die Gnocchi dann hübscher aus. Eine Gabel kann ersatzweise verwendet werden, funktioniert aber nur halb so gut. Bis ihr vergleichbare Rillen von den Gabelzinken im Gnoccho habt, ist dieser schon halb platt gedrückt 
  • Bratet die sehr gut abgetropften Süßkartoffelgnocchi nach dem Kochen z. B. in Salbeibutter, Nussbutter oder in einer Mischung aus Butter und Olivenöl an. Sie direkt nach dem Kochen zu servieren ist eine ziemlich geschmacklose Angelegenheit. Ja, auch wenn ihr sie eh in Sauce tunken wollt. Wenn sie in einer Sauce landen, bratet ihr sie weniger, wenn ihr sie pur serviert, stärker, d. h. etwas knuspriger an


Serviceteil


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  Genießt euren Tag!



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Arthurs Tochter

Astrid Paul, die Autorin von Arthurs Tochter kocht., ist besessen vom Essen. Sie wacht manchmal nachts auf, weil ihr im Traum Essensdüfte durch die Nase ziehen. Dann steht sie auf und fängt an zu kochen. Oder zu schreiben. Vielleicht kocht sie auch nur, um darüber schreiben zu können, wer weiß das schon...

Kommentare :

  1. ...weniger Mehl im Gnocchi-Teig bedeutet auch immer *fluffiger*. Ich liebe diese Wasserschweber! Und es freut mich, dass sie nun auch deinen schönen Teller zieren. Und zum nächsten Namenstag (oder so) wünsche ich mir dann endlich ein Gnocchi-Brett!

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  2. Liebe Astrid,
    lila Gnocchi müssen jetzt auch bei mir auf den Tisch. Ich könnte mir vorstellen, dass sich ein paar essbare, darüber gestreute Blüten farblich ganz gut machen würden. Ein eyecatcher sind die Gnocchi so oder so. Solltest du bei Gelegenheit einen Hinweis dazu bekommen, ob die Farbe tatsächlich Auswirkungen auf die Konsistenz des Teiges hat, wäre das sehr interessant zu wissen. Meine Gnocchi tendierten bislang eher zur Auflösung.
    Liebe Grüße
    Dani

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