Ein Teller geht auf Reisen...

Ottilienkuchen nach Dr. Oetkers "Backen macht Freude!

Von Reisen, Kindheitserinnerungen 
und der Wichtigkeit der Zeichensetzung!

Bekanntlich liebe ich es, selbst auf Reisen zu sein. Gegenstände auf Reisen zu schicken, um dass sie uns hinterher in Bildern von ihren Erlebnissen berichten mögen, begeistert mich und viele andere Menschen nicht zuletzt seit "Amelie", aber spätestens mit deren reisendem Zwerg wurde die Idee salonfähig und hat mich sicher unbewusst ebenfalls dazu inspiriert, 2011 einen kleinen Holzlöffel rund um die Welt zu schicken. Petra vom Blog FoodFreak, selbst Gernreisende, hatte nun die wunderschöne Idee, einen Teller auf die Reise zu schicken. Quer durch foodblogger-Land und wieder zurück. Bis zum 31. Mai 2014 ist die erste Runde geplant, und die Formulierung lässt auf weitere hoffen. Nachdem das gute Stück in Wiesbaden war, sollte es eigentlich zu mir, nahm aus Termingründen aber eine vorherige Ehrenrunde über München und kam in Rheinhessen an, während ich selbst auf Reisen war. So ruhte der Teller noch ein paar Tage aus, bis er anfing zu zappeln vor Ungeduld und keine Rücksicht nahm, dass ich bereits wieder auf gepackten Koffern saß...ungeduldiger kleiner Kerl...

Inspiriert vom schönen altertümlichen Dekor wollte ich den Teller gerne ebenso altmodisch bestücken. Noch dazu ist er in meinen Augen ganz klar ein Kuchenteller, auch wenn er vielleicht eigentlich mal eine Fleischplatte war, was die Angelegenheit für mich nicht einfacher machte, denn wie Du weißt, backe ich nur unter Zwang. So grub ich ein altes "Backen macht Freude" aus, dem Buch, mit dem Dr. Oetker meiner Mutter die Grundzüge des Backens beigebracht hat. In meiner vor Jahren auf einem Flohmarkt erstandenen Ausgabe war mein Wunschrezept noch gar nicht aufgeführt, sie war dazu wohl zu alt, in der Neuauflage der 1960er Ausgabe, genau der, die meine Mutter hatte, ist es vorhanden. Es handelt sich um ein Rezept für Ottilienkuchen, der erstens neben Marmorkuchen und Kalter Schnauze der Lieblingskuchen meiner Kindheit war und zweitens passt der Name Ottilie ganz wunderbar zum alten Teller. 



Das Rezept im Wortlaut, kursiv meine Abweichungen:

Ottilienkuchen


  • 250 g Butter oder Margarine (Gutebutter, das ist ein Wort, ganz klar!)
  • 200 g Zucker
  • 1 Päckchen Dr. Oetker Vanillezucker (selbstgemachter, auch klar! *g*)
  • 4 Eier, etwas Salz
  • 1/2 Fläschchen Dr. Oetker Rum Aroma (hast Du mal nachgesehen, was da drin ist? Öl und Aroma! Na danke! Schon meine Mutter hat damals auf diese Aromen geschimpft und immer einen ordentlichen Schluck "Guter Pott" in den Teig geschüttet. Same here!)
  • 200 g Weizenmehl
  • 50 g Dr. Oetker Gustin (stinknormale Speisestärke, no name)
  • 3 g Dr. Oetker Backin (stinknormales Backpulver, no name)
  • 100 g Mandeln, abgezogen und gemahlen
  • 75 g Schokolade, kleingeschnitten (70 % Kakaoanteil)
  • 50 g Zitronat (Sukkade), in Würfel geschnitten (die vorhandenen Würfel noch etwas kleiner gehackt)

Das Fett schaumig rühren und nach und nach Zucker, Vanillezucker, Eier und Gewürze hinzugeben. Das mit Gustin und Backin gemischte und gesiebte Mehl esslöffelweise unterrühren. Mandeln, Schokolade und Zitronat zum Schluß unter den Teig heben und ihn in eine gefettete, mit Papier ausgelegte Kastenform füllen.
Von mir wurde die Form lediglich ausgefettet und mit Panierbröseln ausgestreut. Halt wie von Mama gelernt :). Und schon das Sieben des Mehles hat meine Mutter als verzichtbar betrachtet. Die für heutige Zeiten kryptischen Backanleitungen im Buch lauten:

  • Gas: Knapp 1/3 große Flamme; Regler 1 ½-3
  • Strom: O 0 - U 3; Regler 165 - 175
  • Backzeit: 65 - 85 Minuten
Gebacken habe ich 70 Minuten bei Umluft 160° C und dann den Kuchen bei ausgeschaltetem Ofen mit offener Tür 10 Minuten stehen lassen. Nach dem Abkühlen flutschte er aus der Form und war wunderbar saftig. Geschmeckt hat er wie in meiner Kindheit und ich überlege allen Ernstes, in der nächsten Zeit mal einen Mamorkuchen zu backen, man stelle sich vor!

Arthurs Tochter backt; unglaublich! Und jetzt lass mal das Semikolon weg, mach Dir den Spaß! :) Der Teller darf jetzt weiter reisen, er wird in Genießerhänden landen, aber ich garantiere für gar nichts. Eigentlich hoffe ich im Stillen nur darauf, dass er dort in einem Stück bleibt. Eine Liste aller bisherigen Teilnehmer findest Du bei FoodFreak, die dem Teller auch ein Pinterestboard eingerichtet hat


Print Friendly Version of this page Print Get a PDF version of this webpage PDF

Arthurs Tochter

Kommentare :

  1. Vielen Dank für's Mitspielen, das ist ein würdiger Besucher auf dem reisenden Teller :)

    AntwortenLöschen
  2. Unglaublich! DU HAST GEBACKEN!

    Und schön ist er geworden, der Kuchen :) Ich würde gerne mal probieren, liebe ja alles in dieser Richtung...

    Das mit dem Teller ist einfach nur genial, verfolge immer mal zwischendurch, wo er gerade ist :D

    AntwortenLöschen
  3. Ottilie passt ganz wunderbar zu dem Teller.

    AntwortenLöschen
  4. Hihi...diese tollen Zutatenvorgaben sind der Grund, weswegen ich die Bücher vom Doktor verweigert habe:-)
    Aber ich kann nicht weiterschreiben, ich muss zum DVD-Regal eilen, und dann guck ich Amelie und den Grartenzwerg.

    AntwortenLöschen
  5. Das der Teller um dich keinen Bogen macht, war ja klar. Aber das du dein Gugelhupf-Back-Trauma (ich sage nur Hamburg und Möhrchen) damit überwunden hast hätte ich ja nicht gedacht.
    Sag bescheid, wenn der Marmorkuchen fertig ist. Dann komm ich auf ein Stück und mindestens einen Kaffee vorbei

    AntwortenLöschen
  6. Zu den Backangaben: meine Mutter hat mir letztens erklärt, dass früher viele oder alle Backöfen nur Unterhitze hatten - bei meiner Schwester ist das trotz neuwertiger Küche sogar jetzt noch so.

    Wird Zeit, dass ich meine Mini-Gugelhupfförmchen einweihe. ;)

    AntwortenLöschen

Danke für Deinen Kommentar, der schnell freigeschaltet wird, so er höflich und respektvoll ist und nicht anonym abgegeben wurde. Mein Blog ist kein Diskussionsforum für anonyme Netz-Misanthropen, sondern ein Geschenk an meine Leserinnen und Leser.

Instagram