Tim Mälzer Greenbox [Rezension]




Eines vorweg. Ich mag Tim Mälzer und seine offene und unprätentiöse Art sehr, ich mag das "Schnoddrige", und sein lässiges "man nehme...". Sein physischer und psychischer Zusammenbruch schien bei dem von ihm absolviertem Pensum und Tempo, in dem er immer neue Bücher puschte, sein Gesicht auf Zeitschriftencover hielt und im Fernsehen präsent war, nur eine Frage der Zeit. Erst als er mir im Baumarkt als lebensgroßes Papp-Testimonial für Farben und Tapeten unter der Dachmarke von "schöner wohnen" entgegenlächelte, dachte ich mir mal kurz, es könne jetzt auch mal genug sein.

Im Gegensatz zu vielen selbsternannten Internet-Spitzenköchinnen und -köchen glaube ich, dass er wirklich kochen kann. Selbst wenn die Rezepte in seinen Büchern von vielen anderen geschrieben werden – so what, glaubst Du im Ernst, das wäre bei anderen (großen) Köchen anders? Man kann seine Art zu kochen mögen oder nicht, dass er kochen kann, steht außer Frage. Ansonsten bitte ich die geneigte Foodbloggergemeinde, die sich auf ihn und (auch immer gerne genommen in diesem Zusammenhang) Jamie Oliver einschießt, gerne, ihr eigenes Können in einer Restaurantküche mit ca. 80 Plätzen im à la carte Geschäft unter Beweis zu stellen. Sich zuhause hingebungsvoll voll Begeisterung über die eigenen Inspirationen für 6 Personen zu beugen und zu glauben, man sei selbst der Stern, der über die ach so populären "Anderen" strahlt, ist nicht unbedingt so ganz großes Tennis.



Mindestens so populär wie Mälzer ist der Trend zur vegetarischen, wenn nicht  veganen Ernährung, insofern war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann beide zusammenkommen würden. Ich glaube fast, das Gros der Esser teilt sich in drei Lager auf. Da wären die intelligenten, jungen, urbanen Menschen, völlig gesellschaftskonform mit ihrem nur vordergründigen Schwimmen gegen irgendeinen Strom. Sie bepflanzen als grüne Stadtguerilla illegal Blumenbete, sind Mitglieder der ersten Stunde auf mundraub.org und können kaum noch laufen vor ökologischem Bewusstsein und Mülltrennungshingabe. Selbstverständlich kommt ihnen kein Fleisch auf den Tisch!

Als zweite Gruppe hätten wir die VIP-Fleisch-Esser. Schon richtig, da ist nicht der Esser VIP sondern das Vieh. Egal ob Rind, Schwein, Lamm oder Geflügel aller Art - es möge bitte bereits in rohem Zustand mit dem Vermerk "gourmet" versehen sein und von möglichst weit herkommen. USA, Irland, Spanien, Frankreich, Schottland etc. Da darf das Kilo Fleisch gerne € 80,00 und mehr kosten, wir können es uns ja leisten und besichtigen im Steakhaus vorab auch gerne die Reiferäume als Kathedralen unserer neuen Lust. 

Und dann die armen Dritten. Das Fleischprekariat sozusagen. Für sie bleiben Discounter und Dorfmetzger. Da liegt dann der Rest für die Massen, über den die beiden oberen Gruppen nur noch ihre Nasen rümpfen. Für die einen ihhbähh, für die anderen eh viel zu billig. Und gar kein Schimmel. Und was ist mit dem Gewichtsverlust durch Trockenreife, also wirklich! 

Für wen nun hat Mälzer dieses Buch geschrieben? Ehrlich, ich glaube, für keine der drei oben genannten Gruppen. "Green Box" ist ein Buch von Mälzer für Mälzer. Er ist so begeistert von sich selbst und seinem eigenen Geschmacksempfinden, dass er seine Leserinnen und Leser nicht mitnimmt. Was soll man in diesem Buch noch entdecken? Die "vielen Bauern, die sich abseits von Normgemüse spezialisiert haben"? Muss er mir zeigen. "Asia-Läden und türkische Gemüsehändler erweitern das heimische Angebot um die Spezialitäten ihrer Küchenkulturen"? Ach. Ich wusste gar nicht, dass das etwas Neues ist. Die Asialäden und türkischen Händler, die ich so kenne, machen seit vielen Jahren nichts anderes. Bei Tim Mälzer wird zielgruppengerecht (also für ihn selbst) alles zu einer Sensation. Die Zuckererbse genauso wie ein Brotsalat mit pochiertem Ei, dem gleich prophezeit wird, die "Leute flippen aus" vor Begeisterung. Da wird jedes Gemüse gefeiert, als hätte er es gerade selbst erfunden, als wäre die Welt um so vieles ärmer gewesen, bevor es dieses Buch gab. Mir sind das definitiv zu viele Ausrufezeichen. Alles an diesem Buch ist: "Und alle so: YEAH!".


Da "explodiert die Fresse vor Freude", da wird Brokkoli zum "Weibergemüse", alles ist yeah und wow und wumms. Wumms ist wichtig, einfach nur schmecken, so nach sich selbst, darf hier gar nichts. Nichts in diesem Buch ist neu, kein Rezept und keine Erkenntnis. Und ich wage zu behaupten, dass Mälzer das weiß. Daher versucht er mit der ganzen Wummserei davon abzulenken.


Für die, die sich schon länger mit vegetarischer Küche beschäftigen bietet das Buch nichts Neues. Für die Anfänger ist es eine Tragödie, denn ihnen werden hier geschmackliche wow-Erlebnisse versprochen, die sich unmöglich realisieren lassen. Ein bekennender Fleischesser wird zu Beginn immer den Geschmacksträger tierischer Fette vermissen, diese Buch weckt um so größere Erwartungen. Die Rezepte für sich betrachtet sind durchaus stimmig in sich und sehr einfach nachzukochen. Wenn Du eine Erweiterung für Deine vegetarische Kochbuchsammlung suchst - bitte. Als Alltagsküche mag das alles taugen. Nur wenn Du alle Yeahs und explodierenden Fressen herausnimmst, und dann die viele heiße Luft herausdrückst, bleibt eigentlich nicht viel mehr übrig als ein Sonderheftchen "essen  & trinken für jeden Tag". Und von denen hat Mälzer doch bereits eine Menge gemacht. 

Tim Mälzer
"Greenbox"
Erschienen bei MOSAIK
Gebundene Ausgabe
272 Seiten, reich bebildert
Zwei(!) Lesebändchen
ISBN-13: 978-3442392438

Beim Buchhändler Deines Vertrauens und bei Amazon*

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Arthurs Tochter

Kommentare :

  1. Mal abgesehen davon, daß der Satz "Im Gegensatz zu vielen selbsternannten Internet-Spitzenköchinnen und -köchen......" mein absoluter Lieblingssatz in Deiner Rezension ist, hatte ich das Buch mal kurz in der Hand und war mir unsicher. In dem Moment fühlte ich mich so alt und Deine Meinung über dieses Buch bestätigt mich. :-)

    Aus sehr gut unterrichteten Kreisen weiß ich, daß Tim Mälzer kochen kann und zwar richtig gut. Diese Fähigkeit würde ich ihm auch niemals absprechen.

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  2. Sehr interessant. Vielen Dank für diese ehrliche Rezension. Ich fürchte, Mälzer hat zu schnell zu viel gewollt und dann sich bzw. seine Marke ausgebrannt. Wie schade. Jetzt bin ich gespannt auf die Rezension zu "Indien", weil dieses Kochbuch komplett anders ist als die "Greenbox"...

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  3. Hallo.
    Uiuiui. Hattest Du sehr schlechte Laune, als Du diesen Artikel schriebst?

    Ich fühle mit zwar in keinem Satz oder einzigem Wort angesprochen, muss mich aber schon sehr wundern.

    Regelrecht genervt wirkt er, der Artikel. Nicht nur was das Buch angeht.

    Ich für mich stelle immer wieder fest, dass Menschen, die begeistert sind und voller Begeisterung und Inbrunst Dinge tun, in der Lage sind Dinge zu verändern. Ich erlaube mir dabei kein Urteil. Überschätzung hot sich meist ein. Veränderung und Bewegung finde ich persönlich extrem wichtig.

    Viele Grüße
    Steffi



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  4. Ich mag diesen Blog sehr. Das Fleischprekariat aber undifferenziert dem Dorfmetzger zuzuordnen und den auch noch in einem Satz mit dem Discounter zu nennen, ist - gelinde gesagt - eine Frechheit.

    Klar gibt es da genügend schlechte, viele von denen aber halten die Fahne ihres Handwerks hoch und produzieren hochwertige Ware aus regional aufgezogenen Tieren. Klar ist das nicht Gourmet, aber meilenweit von dem Schrott, den Lidl und Co. unter Märchennamen wie "Landjunker" und "Oldenhof" unters Volk schleudern.

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  5. Deine ehrliche Rezension fand ich super, ich hatte zuvor eigentlich nur gutes über das Buch gehört, bin aber seit vielen Jahren Vegetarier und dachte es wäre vielleicht ein Buch mit neuen Ideen, so dass man noch mal neu inspiriert wird. Nach deiner Beschreibung werde ich es wohl nicht kaufen - dann wird es sich für mich eher nicht lohnen, denn ein Alltags-Kochbuch brauche ich dann doch nicht.

    Liebe Grüße

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  6. Gnihihi, dein letzter Absatz erinnert mich daran, dass ich bei der Kichererbsensuppe aus dem Buch Sahne dran geben musste, damit sie besser schmeckt ;-)

    Nach anfänglicher Begeisterung über meinen Spontankauf ist es mittlerweile nur noch ein weiteres Buch in meiner Veggie-Kochbuchsammlung, anders als z.B. der vegetarische Ottolenghi.

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  7. hast schon recht... die gerichte sind hochgepuscht, wie wenn sie noch nie da gewesen wären. wenn man davon absieht, ists eigentlich ganz nett. ich habs geschenkt bekommen, gekauft hätte ich es wohl nicht.

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  8. Liebe Bushi, er kann ganz sicher kochen, gut sogar. Schade, dass es in diesem aktuellen Buch nicht so zur Geltung kommt.

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  9. Liebe Julia,
    Indien ist völlig anders, da hast Du Recht. Und ehrlich sind meine Rezensionen immer. Und völlig subjektiv natürlich auch. :)

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  10. Liebe Steffi,
    ich und schlechte Laune? Nö, den Tag wirst Du nicht erleben. Ich habe nur meine Meinung offen kundgetan. Das ist das, was von Rezensenten erwartet wird (im besten Fall). Unangebrachte Lobhudeleien sind hier per se ausgeschlossen. :)

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  11. Lieber Peter,
    vorweg danke für das Lob. Dass meine Ironie nicht deutlich genug bei Dir angekommen ist, tut mir sehr leid. Wenn Du hier regelmäßig mitliest, weißt Du, wie fremd mir Überheblichkeit ist. Ganz im Gegenteil mache ich mich laufend stark für die guten Handwerker, sprich Metzger, und auch und vor allem für die Menschen, die glauben sie sich nicht leisten zu können.

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  12. Liebe Samira,
    ich freue mich, wenn ich helfen konnte :)
    Allerdings muss sich immer jede_r sein eigenes Bild machen. Ich gebe nur (m)eine Richtung vor... :)

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  13. Liebe Tina,
    ja der Ottolenghi...
    Der war in jeder Beziehung spektakulärer als diese Buch und hat wirklich ein großes YEAH! verdient :)

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  14. Als bekennender Fleischesser und Anfänger für vegetarische Gerichte muss ich widersprechen! Die geschmacklichen wow-Erlebnisse hatten wir bisher bei jedem Gericht, tierische Fette bei keinem Gericht vermisst.

    Für uns war und ist das Buch eine willkommene Bereicherung.

    P.S. ich habe das Buch nicht gebunden, sondern als "caramelized" e-Book gekauft. da kommen die Yeahs und explodierenden Fressen irgendwie nicht so rüber ;)

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  15. Ohne das Buch gelesen zu haben... könnte es nicht doch sein, dass Tim Mälzer dieses Buch für Neueinsteiger in Sachen vegetarische Küche geschrieben hat? Leute die nur dann bereit sind sich auf das "Abenteuer" vegetarische Küche einzulassen, wenn ihnen jemand den sie kennen und mögen, wie Tim Mälzer, dabei die Hand hält. Leute wie zum Beispiel meine Assistentin und deren Freund, deren bisheriges Motto "Fleisch ist mein Gemüse" lautete, die sich aber nun ganz behutsam an Gemüse und rein vegetarische Gerichte rantasten und dabei sowohl Höhen als auch Tiefen erleben. Denen man mit etlichen Yeahs und Ausrufezeichen neue Geschmackserlebnisse suggerieren muss, damit sie überhaupt den ersten Schritt weg von "Mit 500 Gramm Hackfleisch schmeckt alles besser!" machen. Genussvoll vegetarisch von Ottolenghi wäre da in etwa so, als ob man Erstklässlern Goethes Faust vorsetzen würde.

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  16. Liebe Nysa,
    nett ist es, keine Frage. Wenn man nett will...
    ;)

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  17. Sven,
    *rofl*

    Ich habe übrigens den kommerziellen link in Deinem Kommentar entfernt. Schau bei Gelegenheit dazu mal in mein Impressum ;)

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  18. Aaaallllsoooooo, ich lese echt immer gern hier, aaaabbberrr (!!!!) auf meinen Dorfmetzger laß ich nie und nimmer nix kommen! Der schlachtet selber und ich kann immer nachfragen, wo die Viecher vorher auf der Weide standen.... nur so am Rande!
    Und ich hatte das Buch erst letzte Woche in der Hand und hab es schnell wieder weggelegt. Nicht so meine Welt.... jetzt bin ich allerdings echt am Grübeln, welches Veggiebuch ich mir wohl mal anschaffen werde.
    Liebe Grüße
    Trudi (bekennende Teilzeit-Vegitarieren, gibt es zwar nicht, mach ich aber trotzdem)

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  19. Liebe Trudi,
    ich lasse auf meinen Dorfmetzger doch auch nix kommen, ganz im Gegenteil. Mir gehts doch eher um die VIPFleisch-Esser, die genau auf diesen herabsehen.

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  20. Stimme dem Fazit voll und ganz zu. Der Junge wird doch völlig überschätzt.

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  21. Lieber Uli, ich glaube er wird beides. Von den einen unter- von den anderen überschätzt. Und er kann sehr viel mehr, als dieses Buch vermuten lässt.

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  22. Lieber Marc, gerade das halte ich ja für so verwerflich. Ein Neuling in Sachen vegetarische Küche muss nach der Lektüre des Buches ja glaube, ihm fliege ständig der Kopf weg, vor lauter Geschmacksexplosionen. Und dann bleibt er am Ende vor den leeren Versprechungen sitzen und isst lieber wieder ein Stück Fleisch. Vegetarische Küche kann sehr vieles. Sie kann atemberaubend spannend sein, abwechslungsreich und tiefgründig. Aber man sollte nicht Erwartungen wecken, die nicht zu halten sind. Gerade nicht bei denen, die sich damit nicht auskennen.

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  23. Ich hab das Mälzersche über drüber Wow noch nie gemocht. Punkt. Nicht seine Kochkunst, seinen Werdegang, oder was auch immer. Nur das was du an seinem neuen Buch bekritelst, ist mir schon bei den ersten Sendungen aufgefallen, die ich gesehen hab.
    Alles toll umschrieben, mit Wortschwall und Trarar präsentiert und das bei Rezepten die weder besonders neu noch sonswie besonders sind...
    Ich muss zugeben, ich war fast enttäuscht, das Buch als erstes hier zu sehen, aber deine Rezension ist dann ja ganz anders ausgefallen als erwartet.
    Lustig zu lesen waren die schon fast empörten Kommentare, vielleicht solltest du ab jetzt ein 'Vorsicht Ironie' Schildchen verwenden, oder macht es dir vielleicht sogar Spass, wenn deine Leser ins Schwitzen kommen? ;)

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  24. ich seh das als eine ehrliche, eben subjektive meinung und nicht als verriss, mit einem schönen schuß ironie. wenn ich das buch hätte kaufen wollen, hätte mich das nicht abgehalten. das einzige was mich wahrscheinlich abgeschreckt hätte ist die bezeichnung weiberpasta. das finde ich genauso doof, wie brokkoli ein weibergemüse sein soll. ich bin ein weib und esse lieber fleisch als brokkoli und rate mal, wo ich das kaufe ;)

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    1. Liebe pe.,
      ich hab ja nur drauf gewartet, dass da endlich mal jemand (eine Frau) drauf anspringt :)

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  25. Ich habe das Buch nun auch schon mehrfach in der Hand gehabt. Irgendwie hat es mich nicht überzeugt...nur vom durchblättern her. Ich glaube, dass ich einfach nicht die wirkliche Zielgruppe, bzw. das Zielalter bin.
    Ich werde es wohl weiter im Laden stehen lassen.
    Danke für deine ehrliche Rezension.

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    1. Liebe Frau Kampi,
      ehrlich muss sein, ich bin hier nur mir selbst und euch verpflichtet.

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  26. Dann lieber AT's Zeilen, um innerlich "WoW" zu denken und nicht das laute "YEAH, zum Weibergemüsse"... das ist ja gruselig...

    Beste Grüße aus dem Schwabenländle,
    Deine Tanja

    PS. Deine Blog-Nachrichten als Mail-Zustellungen klappen jetzt einwandfrei - Vielen Dank.

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  27. Eine Kritik kann nur subjektiv sein, weil sie aus dem Erfahrungs- und Erwartungshorizont des Rezensenten heraus entsteht. Und so kann ich die Kritik, wenn ich mich ein wenig mit dem Rezensenten befasse, gut einordnen und entscheiden, ob ich die Sache auch so sehen würde. Insofern ist es auch völlig ok, wenn man den Mälzer und seine wows und yeahs (und die inflationäre Verwendung des Begriffs "sensationell") mag. Mälzer ist Pop, aber grundehrlicher Pop ohne Overdub und Playback. Und Mälzer hat vielleicht mehr Leute an den Kochtopf gebracht, die sonst die Pizza vom Doktor und die vorgewürzten Kloakenscampi für den Inbegriff kulinarischer Highlights halten, als Dollase und Siebeck zusammen (denen ich jetzt gerne die Rolle von Statler und Waldorf geben würde). Er ist quasi die Selbstkochpubertät, in der man sich ausprobiert. Irgendwann ist man reif für weiteres und wenn nicht, dann ist es nicht schlimm.
    Ich finde die Rezension erfrischend ehrlich. Und ich hätte mir das Buch auch ohne diese nicht gekauft.

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    1. Liebe Susa, Du bist die Beste! :D
      Mal wieder treffend erkannt und beschrieben :)

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  28. Also ich war auch erst total angetan von dem Kochbuch, bis ich es geschenkt bekam. Und ja, was soll ich sagen, es hat mich enttäuscht. Ich bin seit 10 Jahren Vegetarier und freue mich über Kochbücher, die mir neue Inspirationen, Ideen, neue Aromen-Kompositionen vermitteln. Aber das, was Herr Mälzer da fabriziert hat, ist entweder so geschmacksneutral oder so was von "auf die Fresse", dass ich es nicht mehr zur Hand nehme. Schade eigentlich.
    Viele Grüße!
    Julia

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  29. Ich hatte die "Greenbox" für sechs Wochen im Haus und habe verzweifelt ein Rezept gesucht, das mich zum Nachkochen anregt. Keins gefunden. Buch in die Bücherhalle zurück getragen. Die Begeisterung allerorten verwundert zur Kenntnis genommen und mich sehr über deinen Artikel gefreut!

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  30. Danke für die Rezension, ich hab auch schon überlegt, ob ich mir es mal ansehe oder evtl. kaufe.
    Aber nachdem ich den Mälzer eh nicht mag, hält mich dieser Artikel nun endgültig davon ab.

    Und ich freu mich auf die nächste Buchbesprechung und hoffe immer noch sehr auf Thai food :-)

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    1. Liebe Britta,
      die kommt, nur halt nicht als nächste :)

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  31. Haha da kommt man sich ja beinahe blöd vor, dass man das Buch gar nich so übel fand ;)

    Nee aber erfrischend ehrlich deine Rezension. Find ich immer gut :)

    Ich persönlich finde das Buch okay. Habe das ein oder andere daraus gekocht, was durchaus schmackhaft war. Ich glaube die Rezepte entsprechen in etwa meinen Fähigkeiten ^^ Ottolenghi hab ich auch, aber der überfordert mich (noch).



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  32. In welche deiner Esser-Kategorien fällst du selbst?

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  33. Liebe Turbohausfrau, ich dachte diese Frage käme viel früher. :)
    Mit all meinen Stärken und Schwächen finde ich mich tagesformabhängig in allen drei wieder. Sympathisiere aber am meisten mit der dritten.

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  34. Das Buch steht seit dem Erscheinungstermin in meinem Bücherregal und mich zieht es irgendwie gar nicht, es auch nur aufzuschlagen. Ob es nur am Winterwetter und der damit wenigen Auswahl liegt?

    Allerdings gefällt mir Mälzer mittlerweile besser als Jamie, wobei ich glaube meine das beide kochen können.

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  35. Liebe Friederike, wie gesagt - die Rezepte sind stimmig. Insofern koch Dich einfach durch den Mälzer und spätestens dann bist Du reif für Ottolenghi. Der ist übrigens auch ganz einfach - da wird an nur auf den ersten Blick kirre aufgrund der Zutatenvielfalt.

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  36. Liebe Kochpoetin, ich will ja keine bestehenden Urteile zementieren, allerdings geht es wohl sehr vielen so wie Dir und mir.

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  37. Liebe Tina, also wenn Du es eh hast: Dann schlag es auf, lese, koche und bilde Dir Dein eigenes Urteil. Wenn Du magst, lass mich dieses gerne wissen.

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  38. Ach, ich weiß auch nicht, was die Leute immer auf dem Tim und seinem britischen Kollegen herumhacken. Du hast recht, nur weil sie den Leuten zeigen, wie man Pasta mit Broccoli zubereitet, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht kochen können. Was das Kochbuch betrifft... ich habe es mir auch nicht gekauft. Aber nicht deswegen, weil ich mir Neues erwartet hätte. Nein... jede Generation pflegt ihren eigenen Lifestyle und braucht ihre eigenen Kochbücher. Es gibt eine Menge von kochinteressierten, ganz jungen Leuten, die keine Ahnung habe, wie Pasta mit Brokkoli gekocht wird und die klassische Rezepte oder Basics halt einfach in ihre Zeit transferiert wissen wollen. Die ehemalige Studentin, die langsam beginnt Restaurantluft zu schnuppern und sich zu Hause gesund ernähren will, die Mama ihr aber nie beigebracht hat, wie gute Pasta gekocht wird. Der junge Mann von nebenan, der soeben aus dem elterlichen Schnitzel- und Gulaschhaushalt entlassen wurde und draufkommt, dass es auch Gemüse gibt. Die brauchen halt alle ihre Kochbücher, trendig und zeitgemäß aufbereitet, oder? Und das Noma-Kochbuch wird denen sicher nicht weiterhelfen. Auch wenn es für uns vielleicht deja vu ist... Brokkolipasta, Brotsalat und pochierte Eier sind keine Selbstverständlichkeit und für den Großteil der Leute, die dieses Buch kaufen, etwas völlig Neues und Unerwartetes. Ich selbst, brauch das Kochbuch freilich nicht... bin halt eine andere Generation... leider :-))
    Deine Texte lese ich jedenfalls immer gern, auch ohne yeah und wow!
    Lieben Gruß aus Wien von Frau Ziii

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  39. Liebe Frau Ziii,
    vorweg danke fürs Kompliment! :)
    Weißt Du, ich sage ja nicht, dass ein pochiertes Ei schlecht wäre. Und ein Rezept dazu für Leute, die das noch nie zubereitet haben schon einmal gar nicht. Ich finde sowieso Alltagsküche yeah! :)
    Aber: Mälzer tut in diesem Buch, als hätte er das Rad neu erfunden. Und wenn ich verspreche, dass die Esser bei einem pochierten Ei bereits ausflippen vor Begeisterung, dann weiß ich nicht, was er ihnen noch versprechen will, wenn sie einmal etwas wirklich Großes auf dem Teller haben werden. Nach Lektüre dieses Buches gibt es keine Steigerungmöglichkeiten mehr im Begeisterungstaumel.

    Dazu kommt noch, und Dollase hat das viel böser als ich, aber gut beschrieben: Er kleistert alles zu. Die Geschmacksnerven und meine Nerven auch.

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  40. Ich finde es amüsant, wieviel über ein Kochbuch geschrieben werden kann. Mälzer ruft anscheinend konträre Emotionen hervor.

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  41. gell? Hätte ich auch nie mit gerechnet. :)

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  42. Früher fand ich Tim Mälzer ziemlich cool und habe regelmässig seine Kochsendung geguckt...der Name ist mir aber entfallen! Ich habe mir vor einer Woche auch das "Greenbox" besorgt und muss sagen, dass der Eindruck bisher recht zwiespältig ist! Die Optik finde ich eigentlich ganz gut, wenn auch ein wenig unübersichtlich. Einige Rezepte finde ich richtig gut (u.a. eben die Weiberpasta :-) ), vieles ist tatsächlich nur "Naja...geht so". Mal sehen, wie sich mein Eindruck ändert, wenn ich mich intensiver mit "Greenbxo" auseinander gesetzt haben. LG, die Karin

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Danke für Deinen Kommentar, der schnell freigeschaltet wird, so er höflich und respektvoll ist und nicht anonym abgegeben wurde. Mein Blog ist kein Diskussionsforum für anonyme Netz-Misanthropen, sondern ein Geschenk an meine Leserinnen und Leser.

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