Klosterschänke im Kloster Eberbach



Eine relativ neue Tradition in unserer Familie ist eine kleine Neujahrswanderung mit unseren besten Freunden. Wir treffen uns zum ausgiebigen Spaziergang (letztes Jahr hatten wir noch Glühwein im Gepäck, den wir bei einer kleinen Rast tranken) und kehren dann zum Essen und Trinken ein. Dafür brauchen wir ein Lokal, in dessen Nähe man gut eine oder eineinhalb Stunden laufen kann und es sollte durchgehend Küche haben, bzw. geöffnet sein, damit wir ohne Druck so lange beisammen sitzen und reden und trinken können, wie wir mögen. In jedem Jahr wird es schwieriger, so ein Lokal zu finden. Bereits 2 Wochen vor Weihnachten fing ich an, herumzutelefonieren. Alle rheinhessischen Favoriten hatten am Neujahrstag geschlossen. Viele sogar schon seit den Weihnachtstagen Betriebsferien. Nachdem ich in einem zweiten Anlauf zwischen den Jahren ganz Rheinhessen und Mainz abtelefoniert habe, dabei auch auf Tips von anderen zurückgriff für Restaurants, die ich selbst nicht kannte, waren wir einigermaßen ratlos.

Aus diesem Grund übergab ich die Suche an unsere Freunde aus Wiesbaden, die sich bitte auf der Rheingauer Seite umtun sollten. Dort sah es besser aus. Der Rheingau ist allein touristisch betrachtet mehr auf Zack als Rheinhessen, insofern waren schon aus diesem Grund viel mehr Restaurants geöffnet. Klugerweise fangen dort in vielen Betrieben die Betriebsferien erst am 2. Januar an; verständlicherweise, denn dann ist für mindestens zwei Wochen eh tote Hose. Rein gastronomisch betrachtet. Und so reservierten wir in der Klosterschänke des Kloster Eberbachs. Mein letzter Besuch dort liegt schon längere Zeit zurück, insofern war ich freudig gespannt, denn die Atmosphäre ist wunderschön und allein die Ansiedlung auf dem Klostergelände hat besonderen Reiz. Dazu die guten Weine des Klosters - hungriges Herz, was willst Du mehr?

Unter anderem haben wir dies gegessen:


Ochsenbrühe mit Leberknödel. Der Leberknödel war sehr gut, locker und flockig mit einem sehr feinen Lebergeschmack. Leider war die Brühe salzmäßig am Rande des Essbaren. P. hatte eine Kartoffelsuppe, die gut geschmeckt hat, allerdings war es eher eine Kartoffelbouillon, so dünnflüssig und "brühig" war sie. 
Mein Tatar vom Taunusrind, fix und fertig angemacht. Lecker. Ich habe nur festgestellt, dass das angemachte Tatar nichts für mich ist. Erstens kann man die Frische besser feststellen, wenn es gänzlich unbehandelt auf den Tisch kommt und zweitens sind die Geschmäcker verschieden. Ich nehme z. B. gerne mehr Kapern und Sardellen, verzichte aber gerne auf Paprikapulver. 

Eine der Vesperplatten. Ich habe nichts probiert, aber die Qualität der Wurstwaren und des Schinkens muss ausgezeichnet gewesen sein. Senf in Plastiksachets finde ich allerdings eher örgs. Weiter gab es noch Feldsalat mit gebackenem Bergkäse. (gut)


Zum Abschluss bestellten wir uns eine Mousse au chocolat mit vier Löffeln. :) Sie war geschmacklich etwas flach, da aus Vollmilchschokolade zubereitet, aber wunderbar fluffig. 

Der Wein:
Wir tranken drei Flaschen Riesling trocken, Kloster Eberbach, 2011 im Schrauber. Die Flasche kostete € 26,quetsch, was wir alle als kompett überzogen betrachteten. Die erste Flasche kam viel zu warm auf den Tisch, unsere höfliche Anmerkung dazu wurde geflissentlich ignoriert. Wir baten mehrmals erfolglos um Eiswürfel, weil der ein oder die andere am Tisch damit den Wein auf Temperatur bringen wollte.

Überhaupt der Service. Nicht unbedingt das, was ich als Ausbund an Freundlichkeit bezeichnen würde. Unfreundlich auch nicht. Einfach gleichgültig im besten Sinne. Drei verschiedene Kellnerinnen und ein Kellner taten das, was sie unter Service verstehen. Wohlgemerkt alle vier bei uns am Tisch. Die eine tat dies, von der die andere dann nichts wusste, eine nahm Bestellungen auf, die die Kollegin nicht ausführte und so fort... Einmal schwenkte der Kellner netterweise eine große Pfeffermühle über die Teller, da auf den Tischen tatsächlich diese unsäglichen Menagen eingedeckt waren mit dem schwarzen Brennpulver, das sich nicht schämt, sich als Pfeffer zu bezeichnen. Bis auf den Kellner sprach keine der Servicekräfte flüssig die deutsche Sprache, verstanden haben sie uns und wir sie daher nur schwer. Leider waren sie auch mit unserer Frage nach einem Dessertwein zur Mousse au chocolat völlig überfordert und empfahlen uns hilflos einen feinherben Riesling.

Die Toiletten! Ehrlich! Autobahn! Was für ein Gestank! 

Fazit:
Wunderschöne Restauration, gutes Essen wie man es auf dem Niveau einer "Schänke" erwartet. Weinpreise  (gutseigen!) abgehoben, Service ganz dringend schulungsbedürftig, sanitäre Anlagen bei beiden Geschlechtern unter aller Sau!

Klosterschänke im Kloster Eberbach
Kloster Eberbach
65346 Eltville/Rhein
Telefon +49 (0) 06723 993-0
www.kloster-eberbach.de




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Arthurs Tochter

Kommentare :

  1. Schade, dass Du nicht hier im Allgäu unterwegs bist, damit ich von Deinen Rezensionen profitieren könnte. Ich würde Dich ja durch die Lande schicken, und Dich dann einen kulinarischen Genussführer schreiben lassen, wenn ich Verlag wäre.

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  2. Ja, leider trägt man die Nase dort ein bissl hoch. Dabei war ich sehr angetan von der Freundlichkeit und Kompetenz in der Vinothek - aber da eht's ja auch "nur" um Wein. Das Thema Service regt mich (bin ja auch Dienstleister!) dermaßen und so zunehmend auf, dass ich fast immer nur noch in die gleichen Kneipen/Restaurants gehe. Dort sage ich dann aber auch ebenso penetrant, wie gut mir der Service gefallen hat, wie ich es umgekehrt auch tue, wenn es grauslig war...

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  3. Ja, leider trägt man die Nase dort ein bissl hoch. Dabei war ich sehr angetan von der Freundlichkeit und Kompetenz in der Vinothek - aber da eht's ja auch "nur" um Wein. Das Thema Service regt mich (bin ja auch Dienstleister!) dermaßen und so zunehmend auf, dass ich fast immer nur noch in die gleichen Kneipen/Restaurants gehe. Dort sage ich dann aber auch ebenso penetrant, wie gut mir der Service gefallen hat, wie ich es umgekehrt auch tue, wenn es grauslig war...

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  4. Und ganz schlimm ist es dann noch in Lokalen, die meinen sie müssten ihre Gäste mit einem krächzenden Radiosender oder irgend einer Musik (es ist immer die falsche! Da nicht von neutraler Natur, sondern irgend etwas, dass nicht zur Stimmung passt bzw. nur der Kellnerin gefällt), dabei will man doch einfach nur gut essen, sich willkommen fühlen und gut behandelt werden.
    Besten Dank für die Aufnahme in die Mail-Liste; jetzt verpasse ich nix mehr!
    Deine Tanja aus dem Schwabenländle

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    1. Endlich sagt es mal jemand! Der Service ist ein Graus, die Toiletten stinken immer abartig. Wir gehen schon lange nicht mehr hin, obwohl wir es fast vor der Tür haben!
      Susanne

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  5. Ach menno, da bin ich jetzt auch enttäuscht.

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Danke für Deinen Kommentar, der schnell freigeschaltet wird, so er höflich und respektvoll ist und nicht anonym abgegeben wurde. Mein Blog ist kein Diskussionsforum für anonyme Netz-Misanthropen, sondern ein Geschenk an meine Leserinnen und Leser.

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