In eigener Sache

Dieser Blog ist umgezogen und hat jetzt seine eigene URL.
Bitte in Zukunft www.arthurstochterkochtblog.com verwenden, Dankeschön!


31.12.12

2012 war so ein Arschloch!


Dem schreib ich doch keinen Jahresrückblick! Viel lieber würde ich es wie ein ungezogenes Kind ohne Abendessen ins Bett schicken! War 2011 das Jahr des Aufbruchs, wurde 2012 trotz großer Erfolge in Beruf, Buch und Blog das Jahr der privaten Verluste, Krankheiten und Trauer. Aber trotzdem oder gerade deswegen, war es das Jahr der Erkenntnis. Ich weiß mal wieder, welche Menschen mich tragen und bin diesen unendlich dankbar dafür. Dafür wird 2013 das Kracherjahr schlechthin, word! Der Ausblick ist grandios und deswegen wird hier und heute nur nach vorne geschaut. 

Dir und den Deinen wünsche ich von Herzen einen fulminanten Jahreswechsel und ich freue mich auf Dich im Neuen Jahr. 2013 rockt! Yeah!

Bildquelle: Wikipedia, user Froth82, Creative Commons 3.0



28.12.12

Weinrallye #58 | Weinwichteln


Wir unterbrechen die laufende Stille...

Arthurs Tochter Kocht Weinrallye


Ich liebe, wie Du weißt, wenn virtuelles auf reales Leben trifft. Und habe heute mal wieder das beste Beispiel dafür, wie wunderbar so etwas funktionieren kann. Im Rahmen der 58. Weinrallye, ausgerichtet und organisiert von Thomas auf seinem Winzerblog, haben 37 Blogger Wein gewichtelt. In echt! Viele der Beteiligten kenne ich persönlich und es wäre mir bei einem jeden eine Freude gewesen, Wein zu verschicken. Dass es mich dann in beiden Richtungen (als Schenkende und als Beschenkte) von zwei meiner Lieblingsmenschen traf, empfinde ich als ganz besonderen Glücksfall. Beschenkt wurde ich von Peer F. Holm, seines Zeichens Inhaber von Wein & Wissen, ausgewiesener Weinliebhaber und -kenner, mit besonderer Leidenschaft den Weinen der iberischen Halbinsel verhaftet. Btw. bekam ich von Peer vor 2 Jahren meine erste Flasche roten Vinho Verde geschenkt, auch diese ein Erlebnis. 

Für diese Rallye aber hat er mich mit einem ganz besonderen Wein überrascht.

ABADIA RETUERTA
Pago Valdebellón
Cabernet Sauvignon 2009
Vino de la Tierra de Castilla y León - Sardón de Duero



Daten und Beschreibung (Quelle: Weingut)
Ausbau:
22 Monate in französischen Eichenfässern, fünf mal pro Jahr umgezogen. Alterung in der Flasche, ungefiltert.

Rebsorte:
100 % Cabernet Sauvignon

Alkoholgehalt und Zusammensetzung:
14 % Vol.
Gesamtsäure 4 g/l, pH-Wert: 3,64, Gesamt-Polyphenole: 74

Beschreibung:
Dieser außergewöhnliche Cabernet Sauvignon stammt von einem kalkhaltigen Terrior mit Lehmboden. Nach einer vollständigen Maischegärung entwickelt der Wein sein Potenzial während des 22-monatigen Ausbaus in neuen Barriques. Die dunkle Farbe und das frische Bukett von Kräutern, Heu, Nelken und roten Beeren mit Nuancen von Graphit verleihen dem Wein eine große Komplexität. Am Gaumen zeigt er sich kraftvoll und anhaltend, was auf ein großes Reifepotenzial hindeutet. 

Jahrgang 2009:
Dieser Jahrgang zeichnet sich durch einen besonders harten Winter mit Tiefsttemperaturen um -13°C und geringen Niederschlägen von 65 Liter aus. Zu Jahresbeginn verfügte der Boden jedoch über Wasserreserven von über 70%. Da dieser Sommer der heißeste und trockenste der letzten Jahre war, mussten wir Maßnahmen ergreifen,um dem extremen Wasserstress entgegen zu wirken, der das Pflanzenwachstum bedroht. Ab September herrschte wieder ein gemäßigtes Klima vor, und die Reben konnten ihren Reifungsprozess unter optimalen Bedingungen vollenden. Zum Zeitpunkt der Lese hatten die Trauben eine hervorragende Qualität entwickelt, sodass beim Verlesen nur knapp 3 % der Trauben aussortiert wurden Was die Qualität der Weine angeht, stellen wir nach der Verkostung der verschiedenen Lagen fest, dass wir es mit dem bisher besten Jahrgang unserer Geschichte zu tun haben.

Produzierte Stückzahl:
25 Barriques, abgefüllt auf 6.800 Flaschen, 120 Magnums und 30 Doppelmagnums.

Lagerfähigkeit:
Der Wein entfaltet sein Potenzial während der nächsten 5 Jahre .Danach verfeinert er seinen Charakter in der Flasche und erreicht optimale Genussreife im Jahr 2019.

Beschreibung (Quelle: Ich.)
Was macht frau mit einem spanischen Cabernet Sauvignon, der so besonders daher kommt, wenn sie ihn nicht kennt? Sie brät sich dazu ein Rumpsteak. Das lässt dem Wein Raum zur Begleitung und verhindert die zu große Dekadenz, ihn einfach nur so zu trinken. Und dann war die Überraschung des Abends perfekt. Ich gab den ersten Schluck in ein großes Burgunderglas ich nahm einfach das größte Weinglas, das ich habe, meine Glasausstattung hat Mut zu großen Lücken Augen zu, einatmen. Ein Korb schwarzer Johannisbeere in der Nase. Draußen herrschten Minusgrade und ich wünschte mir ein Vanilleeis herbei, über das ich diesen Wein hätte gießen können. Bevor hier aber Missverständnisse entstehen - nicht, weil er süß wäre. Aber diese Frucht! Und dann der erste Schluck. Habe ich beim Öffnen etwas "Ruppigkeit" erwartet die Weinbeschreibungen lese ich immer erst nach dem Trinken, damit sie mich nicht beeinflussen schließlich Spanien und so, Castilla y León, kommen da nicht die struppigen Monastrell her, die ich so gerne an die Ochsenbacken gieße? bekam ich den Mund voller Samt ausgekleidet. Schon sehr lange nicht mehr hat ein Wein sich so eingeschmeichelt. Keine Spur von 14 % Vol.! Ich aß das Steak schnell, bevor es kalt wurde und gab mich dann doch der Dekadenz des Wein allein-Trinkens hin. Über den Abend langsam genossen wurde er nur noch weicher und weicher. Zu Johannisbeeren gesellten sich etwas schwarze Kirschen, ein Hauch Vanille aber nie süßlich, weit entfernt von jeder Klebrigkeit. Im letzten Drittel wurde er nach ca. 4 Stunden Luft kräuteriger und fast ein wenig weihnachtlich mit seinen Noten von Nelke, etwas Lorbeer und ein Hauch Piment. Am Gaumen war er mir fast zu weich, ich trinke gerne so genannte Männerweine, ich mag Ecken und Kanten. Bei Menschen und bei Wein gleichermaßen. 

Dieser Wein hat mich an einen besonders schönen Menschen erinnert. Ein Gesicht, das Dich fesselt, das Du immer wieder ansehen musst ohne davon loszukommen. Pure Schönheit. Und immer mit der Gefahr ausgestattet, langweilig zu wirken. Und wie diese schönen Gesichter oft im Alter richtig zu faszinieren wissen, so ist ganz klar, das ich diesen Wein zu jung getrunken habe. All das Kräuterige, Würzige das er heute in sich trägt, wird sicher in 5 Jahren besser zum Vorschein kommen, dann wird die Fruchtsüße in den Hintergrund treten und wenn auch keine Kante oder Ecke dazu kommen wird, die Wucht wird da sein. Die Sonne, der Boden, die Kargheit. Sein ganzes Wurzelgefühl wird dieser Wein dann schenken. 

Übrigens ist schon die Flaschen eine Ansage, sie wiegt leer immer noch 1,2 Kilo! Und jetzt mach Dir mal den Spaß und wiege eine leere, handelsübliche Flasche Wein, die Du so gerade zur Hand hast. 

Lieber Peer, hab' ganz herzlichen Dank für diesen wunderbaren Wein, für die spannende Entdeckung und den schönen Abend, den ich mit diesem Tropfen hatte! 

Verschenken durfte ich an meinen Freund Utecht, und ich überlegte nicht eine einzige Sekunde, welchen Wein er bekommen sollte. Unseren all-time-favorite Michael Teschke bewusst außen vor lassend, war Rheinhessen klar, Riesling war klar, feines Zeugs war klar. Und so bekam er aus dem außergewöhnlichen 2009er Jahrgang eine Flasche 

Weingut Dreissigacker
Hasensprung
Riesling trocken
2009
Rheinhessen

den Lidwina Weh, Chef-Sommelier im Hotel Louis C. Jacob, Hamburg auf der Webseite des Weingutes wie folgt beschreibt: "Der Barocke. Der Riesling beeindruckt durch sein salzige Mineralität mit viel Würze. Facettenreich. Erinnert an einen Waldspaziergang im Morgengrauen." Viel mehr aber als diese poetische Beschreibung bin ich gespannt auf die Zeilen von Joerg, wie ihm der Wein schmeckte, wann er ihn trank, mit wem, wozu und warum. 

Zum Schluß aber vor allem ein großes Dankeschön an Dich, lieber Thomas! Dass Du diese wunderbare Rallye organisiert hast, dass Du Wein- und sonstige Blogger zusammenbrachtest, und uns allen einen Blick über Teller- und Glasränder hinweg ermöglicht hast. Ich bin sehr gespannt, wohin Deine Reise geht und nur weil ich weiß, dass Du uns mit weiteren Projekten überraschen wirst, weine ich lediglich mit einem Auge, dass Du den Winzerblog einstellst. 

Alle Teilnehmer auf einen Blick:
Die jeweiligen Beiträge werden alle heute im Laufe des Tages in den Blogs erscheinen. 





20.12.12

Heut' mach ich mir kein Abendbrot...


heut' mach ich mir Gedanken...
Wolfgang Neuss, 1923 - 1989

Wenn frau zum Luftholen kommt in diesen hektischen Tagen, dann kann es durchaus auch für mich die Zeit der Besinnung sein. Zur Besinnung kommen... Was mag das eigentlich heißen? Seine (sieben?) Sinne mal wieder zusammen nehmen? Statt sinnentleertem dumpfen Vor-sich-hinstarren mal wieder etwas Sinnvolles tun? Dinge voller Sinn... Stundenlang könnte ich darüber streiten, was denn nun sinnvoll sei, warum und überhaupt für wen... Aber nicht nur die Frage nach dem Sinn (des Lebens) stellt sich so oft am Ende der Jahre, auch deren Bilanzierung spielt einem gerne übel mit. Radiosendungen sind voll mit Tips zur Aufarbeitung des vergangenen Jahres. Spalten ziehen, Zeilen vergleichen, wer bin ich und warum, ich wäre doch so gerne jemand anderes? Wirklich? Ich bin ganz froh, so mit mir. So wie ich bin. OK, ich gebe zu: Es ginge auch manchmal unkomplizierter. Weniger wahnhaft. Aber auch weniger komisch. Und wer will das schon? Und wie ich so oft zu sagen pflege: Man kann auch schlechter leben. Sogar sehr viel. Jeden Tag muss ich Gott danken, dass ich so leben kann. Mit all meinen Sorgen und Nöten. Mit meiner Familie. Mit den besten Freunden der Welt...

Vielleicht bin ich ungefähr zwölfjährig mit der Nase darauf gestoßen worden, dass es nicht allen Menschen so gut geht wie mir selbst. Es war die Zeit der Weihnachtseinkäufe, als meine Mutter nach Hause kam und verkündete, an Hl. Abend würde eine fremde Frau mit bei uns am Tisch sitzen. Wir hatten allesamt Fragezeichen im Gesicht, Arthur wohl das größte. Meine Mutter erzählte uns von einer Kundin beim Metzger, die vor ihr in der Reihe stand. Diese Frau (O-Ton meine Mutter) wusste nicht, ob sie sich zu Weihnachten ein halbes Würstchen leisten kann, oder ein ganzes und weiter: darum habe ich sie eingeladen, am 24. mit uns zu essen. Rumms. Das saß. Wir schauten uns alle an. Und fanden die Idee weder besonders außergewöhnlich, noch erstaunte sie uns wirklich. Meine Mutter tat lediglich das, was wir jeden Sabbat in der Gemeinde lernten: Nächstenliebe. Aber auf einmal so in Echt. Gar nicht mehr theoretisch. 

Natürlich fand ich das gut. Ich war offen, hilfsbereit und gütig, wie jedes Kind. Aber es war mir auch grottepeinlich. Ich war ca. zwölf oder dreizehn, wie hätte ich davon in der Schule erzählen sollen? Fremde Leute an Weihnachten zuhause? Darüber kann man nicht reden, so mitten in der Pubertät, eh von den Mitschüler_innen als Adventistenkind mit Argusaugen nach Seltsamkeiten forschend, betrachtet. Den Abend selbst habe ich gar nicht so in der Erinnerung; nur, dass Arthur die Frau später nachhause brachte. Und das es sicher schön war, alles andere hätte ich mir sonst gemerkt. Wichtiger ist aber die Erinnerung an das Gefühl. Diese seltsame Peinlichkeit, gepaart mit dem Wissen, dass hier etwas Besonderes, weil nicht Alltägliches passierte. Und heute bin ich stolz. So stolz auf meine Eltern, die diese Dinge möglich gemacht haben. Einer einsamen Frau ein Weihnachtsfest in einer Familie zu geben. Ihren Kindern zu zeigen, was Nächstenliebe wirklich bedeuten kann. Auch später noch gab es immer wieder Tage, an denen ich von der Schule heimkehrte und ein fremder Mann in der Gartenlaube saß und aß. Jedem, der klingelte und um Geld bat, bekam dieses nun nicht, aber ein warmes Essen und Zuspruch. Und jedes Jahr um diese Zeit frage ich mich, ob ich das genau so tun würde, wie meine Eltern. Die Straßen sind voller Menschen, die in diesen Weihnachtstagen alleine sind mit sich selbst. Einsam und arm. 

Vor einigen Jahren habe ich mich mit einem Obdachlosen in Mainz angefreundet. Er schlurfte samt Hund regelmäßig an dem Weinladen vorbei, in dem ich arbeitete. Irgendwann fing ich an, ihm die Feinkost mit abgelaufenem MHD zu schenken. Er freute sich über Salami und Pasteten im Glas, sowie dem ein oder anderen Fläschchen Cognac, das ich ihm spendierte. Und manchmal erzählte er mir von seiner Vergangenheit... Und wie er heute lebt und froh ist, wenn er im Winterhafen Arbeit findet und nachts auf einem der Schiffe schlafen kann. 

Wenn es nicht so gut lief, berichtete er mir, schliefe er am Rhein in so einer Art Bunker. Er gestikulierte und beschrieb mir den Weg und das "Gebäude", diese mit Planen abgedeckte Ruine am Rhein. Zuhause packte ich. Dicke warme Pullover von P., die er nicht mehr trug. Jacken und Decken. Mit zwei großen Tüten beladen suchte ich nach Feierabend die Ruine. Kämpfte mich im Dunklen durch Gestrüpp auf unbekanntem Terrain. Und stand plötzlich vor einer Art Bunker mit dicker Stahltür, die schief in ihren Angeln hing. Ich klopfte. Tosendes Gebell. Kakophonie von Hundestimmen samt ihrer Herren, die sie zur Ruhe schrien. Irgendwann filterte ich ein Herein und öffnete die schwere Tür. Es war dunkel. Und es stank erbärmlich. Der Geruch war so unerträglich, dass ich fast fluchtartig wieder zurückwich. Schweiß, Pisse, Tierexkremente. Während die Hunde noch immer wie wahnsinnig bellten und alles um sie herum wie wahnsinnig schrie, um sie zur Ruhe zu bekommen, gewöhnten sich meine Augen langsam an die Dunkelheit. Berge von blauen Müllsäcken auf festgestampftem Erdreich. Etwas Kerzenschein. Viele Männer und eine Frau unter Decken begraben zum Schutz vor der Kälte. Jemand rief harsch was willst Du? Ich fragte nach meinem Bekannten und seinem Hund. Er war nicht dort. Ich überließ meine Tüten den anderen und floh aus dunklem Gestank nach draußen. Fassungslose Tränen liefen mir über die Wangen. Ich war mitten in Mainz, in der Landeshauptstadt. Nicht in einer Favela, in keinem Slum. Und doch. Genau vor meiner Haustür. 

Am Samstag drauf ging ich zum Markt und kaufte Fleischwurst und Brötchen. Brachte den Menschen im Bunker Frühstück. Einige Tage später war dieser leer. Bepackt mit einigen Schokoladentafeln aus dem Laden ging ich etwas weiter zu einem Zeltdorf mit weiteren Obdachlosen, direkt am KUZ, dem Mainzer  Kulturzentrum. Dort herrschte fast eine gepflegte Bauwagenatmosphäre. Im Gespräch mit den Bewohnern erfuhr ich, dass es mindestens zwei Klassen von Obdachlosen gibt. Meine Bekannten aus dem Bunker waren die Ausgestoßenen. Selbst die gewöhnlichen Obdachlosen blickten auf sie herab. Das nahm ich persönlich und besuchte die Zeltsiedlung nie mehr wieder. Irgendwann arbeitete ich nicht mehr in Mainz und verlor den Kontakt. An den üblichen Plätzen in Mainz halte ich stets Ausschau, ob ich jemanden aus dem Bunker sehe, aber mittlerweile glaube ich, dass sie alle weiter gezogen sind. 

Jedes Jahr zu Weihnachten spendet P. im Namen von uns an das Kinderhospiz Bärenherz in Wiesbaden. Die Möglichkeiten für uns alle, zu spenden sind Legion. Wir persönlich haben uns dazu entschieden, Organisationen oder Menschen vor unserer Haustür zu unterstützen. Das geschieht völlig ohne Wertung. Es gibt kein besser oder schlechter, wenn man etwas tun möchte. Arthur z. B. unterstützt einen Gnadenhof für Tiere. Ich halte mich eher an Menschen. Andere spenden an große Organisationen in der ganzen Welt. Alles egal. Hauptsache, frau tut etwas. Ich glaube lediglich, dass es besser ist, das zu Verfügung stehende Geld EINER Organisation zur Verfügung zu stellen. Jede Spende frisst Verwaltungsgelder und von zu viel kleinen Spenden bleibt am Ende zu wenig über. Aber auch das ist meine ganz persönliche Sicht der Dinge. 

In diesem Jahr bin ich auf die Initiative "Freiabonnements für Gefangene e. V" aufmerksam geworden. Die TAZ teilte ein Bild samt Link bei facebook und weckte meine Neugier. Nachdem ich mich eingelesen hatte, habe ich mich kurzerhand für eine Paketspende angemeldet. Und so brachte ich heute ein Paket an die JVA Dortmund zur Post, prall gefüllt mit Tabak, Kaffee, Tee, Stollen etc., auf das dort M. T. bereits wartet und sich freut. Und alles, wirklich alles, was P. darauf hin anmerkte, habe ich mich auch selbst gefragt.
Z. B., was das wohl für ein Mensch sei, der dort sitzt. Und wegen was überhaupt. Ich weiß nicht, ob es sich um einen Mörder, Kinderschänder oder Dieb handelt. Ich weiß nicht, wie lange er "sitzt" und warum. Ich weiß auch nicht, ob ich ihn mögen würde, in Freiheit. Aber was ich weiß ist dies: Er hat sonst niemanden, der ihm zu Weihnachten etwas schenkt, ergo hat er wahrscheinlich keine Familie. Glücklich kann er nicht sein, wer kann das, wenn er eingesperrt ist, ob zu Recht oder nicht. 

Und ist nicht dies der christliche Gedanke schlechthin, der uns beseelen sollte in diesen Tagen? Jemandem etwas zu geben ungeachtet seiner Taten. Vorbehaltlose Güte dem Fremden gegenüber. Gerade dem, von dem wir glauben, er sei vielleicht schlechter als wir. Seid großherzig!

In diesem Sinne wünsche ich Dir und Deinen Lieben, euch allen, ein feines Weihnachtsfest. Seid gut zueinander, haltet Euch fest in Worten und in Taten. Liebt Euch und auch den Nächsten. Seid christlich, wenn ihr dieses Fest begeht. Und pflanzt den Keim der Liebe in Eure Kinder!

Herzlichst
Eure Astrid 





14.12.12

Entenragoût aus der Keule mit Cranberries, Safrangnocchis mit karamellisierter Nashi


So langsam ist die letzte Ente verarbeitet. Neulich die Entenbrust mit karamellisierten Äpfeln, Ingwer und Koriander, gestern der Entenfond, demnächst aus diversen Fleischresten Ravioli mit Entenfüllung, wahrscheinlich bald auch Bratwürstchen, aber heute widme ich mich den Keulen. Aus diesen bereite ich Ragoût – es muss längst nicht immer die Keule gebraten am Stück sein. 

Zuvor noch ein kleiner Exkurs zu den Begrifflichkeiten. Was ist ein Ragoût? Ein Ragoût ist grundsätzlich ein Gericht, bei dem die Hauptzutat (diese muss per Definition kein Fleisch sein) in mundgerechten Stücken geschmort oder gedünstet wird. Der Begriff stammt wie so oft aus dem Französischen und bedeutet soviel wie Appetit machen. Die Spanier nennen es ragú, die Italiener ragù und die Engländer ragout. Ob es in einer hellen oder dunklen Sauce geschmort, bzw. serviert wird, spielt keine Rolle. Das berühmteste Ragout der Welt ist vermutlich das Bœuf Stroganoff neben dem Züricher Geschnetzeltem. Insofern ist auch ein Gulasch ein Ragout; ein Ragout wiederum noch lange kein Gulasch, da dieses eigentlich nur "der Rinderhirte" (Gulyás) bedeutet. Und btw. ist unser herkömmliches Frikassee natürlich kein Frikassee, sondern ein Blankett (Blanquette), da das Fleisch nicht in der Sauce gegart wird. Ganz im Gegenteil wird die Sauce später aus dem Sud gewonnen und das ist typisch für ein Blankett

Merken: Immer wenn der Fond die Grundlage für die spätere Sauce bildet = Blankett. Und im Gegensatz zu althergebrachten Meinungen kann selbstverständlich ein Blankett auch eine dunkle Sauce aufweisen, auch wenn dies dem Ursprung des Namens (blanc = weiß) widerspricht. Ach, und wenn die Zutaten ganz besonders winzig klein geschnitten sind, spricht man sowieso von einem Haschee. Ich könnte noch Stunden so weitermachen...

Aber jetzt fange ich einfach mal an... Die Entenkeulen wurden entbeint (eine kleine Videoanleitung findest Du hier *gg) und das Fleisch in grobe Stücke geschnitten. 

Auf mittlerer Temperatur die Haut einer Keule ausgelassen und das Fleisch anschließend im Entenfett sanft angeschmort. 
Mit dicker schwarzer Sojasauce abgelöscht und anschließend Rotwein angegossen. (Spätburgunder, WG Karl May, Osthofen) Nachdem dieser ein wenig einreduziert war, kam mein Entenfond dazu, sowie getrocknete Cranberries. Es ist Saison für die kleinen roten Vitaminbomben-Früchtchen, aber ich hatte noch eine Tüte mit getrockneten in der Vorratskammer. Diese waren bereits 2011 "abgelaufen", aber immer noch tiptop. Soviel zum MHD. Als einziges Merkmal hatten sie eine viel dunklere Farbe aufgrund der Lagerung. Getrocknet sind sie eh kaum so rot, wie frische Früchte, sie sahen aber nun fast aus wie Heidelbeeren. Der Qualität tat das keine Abbruch und beweist mal wieder eindrucksvoll, wie wichtig es ist, sich auf Nase und Geschmack zu verlassen, wenn es darum geht, ob Lebensmittel noch "gut" sind, oder nicht! Das Thema MHD verdient sowieso einen eigenen Blogpost, oder? ;)
Nach ca. 30 Minuten spätestens war das Fleisch butterzart. Du kannst jetzt zu gleichen Teilen Meleguetapfeffer, Szechuanpfeffer und Mönchspfeffer in einer Pfanne anrösten, anschließend mörsern und dann an den Schmorsud geben. Bäng! Dann gibst Du ihr ein Löffelchen demi glace vom Wild (ersatzweise Kalb) Doppelbäng! Am Ende spendierst Du dem Ganzen noch einen Schluck Birnenbalsamico zur Abrundung und kniest Dich kurz vor Ergebenheit hin.

Die Gnocchis

Gnocchis und ich: Das ist eine Geschichte voller Missverständnisse abgrundtiefer gegenseitiger Verachtung. Nichts gelang mir in all den Jahren so wenig, gar überhaupt niemals nie nicht, wie Gnocchis. Die Mengen an flüssigen Mehl-Kartoffelklumpen, unter ständigem Rühren in den den Aussguß gebend, auf dem Wertstoffhof im Betoncontainer entsorgend - ihre Zahl ist Legion. Ein Rezept nach dem nächsten habe ich verschlissen. Blogger, Sterneköche, Mittelmaß (frau beachte die Reihenfolge! *gg) niemand konnte mir helfen. Getrau dem Motto hilf Dir selbst, sonst mag Dich keiner, warf ich alle Anweisungen über Bord. Geblieben ist dies:

Ich koche Kartoffeln in der Schale mit sehr sehr sehr wenig Wasser und schere mich nicht um deren Sorte. Auch ob vorwiegend festkochend oder mehlig: Mir wurscht! Wichtig ist, sie nicht ganz gar zu kochen, so einen kleinen Tacken darunter. Anschließend noch 20 Minuten im Topf ausdampfen lassen. Oder auch im Ofen. Dann pellen. Durch eine Kartoffelpresse geben und jetzt flott etwas Mehl darunter kneten. Wichtig: Je weniger der Teig bewegt wird, desto besser. Dann kommt ein Eigelb dazu. Vielleicht auch zwei, je nachdem wie groß die Kartoffelmenge ist. Ich habe mich verabschiedet von sämtlichen Mengenangaben. Die Mehlmenge muss der Kartoffelmenge angepasst werden. Fertig. Und bitte bitte: Nicht zuviel kneten. Je weniger, desto besser. Daher Salz, etwas weißen Pfeffer, wenn Du magst auch Muskat, vorher dazugeben! Hier und heute habe ich 0,5 g Safranfäden, die meine liebe Blogfreundin Cornelia B. mir aus Indien mitgebracht hat (*kiss*) mit grobem Meersalz (Sel Marin de Guérande) gemörsert und mit zum Teig gegeben. 
Nach dem Kochen in Wasser kurz unter dem Siedepunkt die Gnocchis auf einem Küchentuch etwas antrocknen lassen. Anschließend eine Nashi würfeln, in einer Pfanne Butter zerlassen, mit Puderzucker abstäuben und die Nashiwürfel dazu geben. Entstehenden Fruchtsaft langsam einköcheln lassen, dann die Gnocchis dazu geben. Gemeinsam mit den Nashis etwas Farbe nehmen lassen. 
Das Ragout in einen tiefen Teller geben und die Gnocchis mit den Navetten darauf. Sonst nix. Kein Brot, und geh mir bloß weg mit "Tellerdekorationskräutern". Die brauche ich eh, wie ein Loch im Kopf. Geschmack. Klarer Blick. Pur. Genießen. 

Dir und Deinen Lieben ein wunderschönes Wochenende! Hier geht es dann entenmäßig weiter mit Arthurs Entenwein. :)




13.12.12

Entenfond


Abgesehen vom Tier- und Menschenschutz ist es auch noch sehr praktisch, Geflügel stets im Ganzen und nicht in seinen Einzelteilen zu kaufen. Wie sollte frau sonst an die entsprechenden Knochenmengen für die  geliebten Fondkochereien kommen? Also wenn einem schon fast alles egal ist, dann könnte man wenigstens aus reinem Egoismus heraus doch richtig handeln ;) Natürlich dauert es bei Ente etwas länger, bis ich ausreichend Karkassen im Tiefkühler gesammelt habe, als beispielsweise bei Hähnchen, aber jetzt war endlich wieder eine lohnenswerte Menge zusammengekommen.

Hals, Leber, Herz, Magen, Knochen und Haut. Ja, auch die dicke Haut, die ich oft nicht verwende, wird selbstverständlich mit verwertet. Wie könnte ich auf diesen Geschmacksträger verzichten? Da am Ende eh alles entfettet wird, scheint es auch nur zu Beginn wie eine 3. Weltkriegs-Attacke auf die eigenen Blutfettwerte. Und sie hat den unbestreitbaren Vorteil, dass ich keine Zugabe von Fett brauche, um alles anzubraten. Die Entenhaut lässt sich hier auf kleiner Flamme praktisch von selbst aus... Wenn die Karkassen Farbe genommen haben, kommt übliches Wurzelgemüse dazu. Abgelöscht wird mit einem Schuß dicker schwarzer Sojasauce, und einem etwas ziemlich größeren aus einer Flasche mit rheinhessischem Spätburgunder


Es kommen ein paar Gewürze dazu, in diesem Fall Sternanisblüte, Nelke, Wacholder und Piment,

sowie einer halben Stange Zimt oder Zimt gemahlen wie hier auf dem Bild. Anschließend lösche ich noch 2 - 3 mal mit dem Rotwein ab und lasse ihn immer wieder fast einkochen. Es bleibt jedesmal ein leicht sämiger, ca. 2 cm hoch im Topf stehender Sud zurück, dann ist's genau richtig. Kaltes Wasser drauf, einmal aufkochen und simmern lassen. Den entstehenden Schaum erst abheben, wenn die Flüssigkeit nur noch leise vor sich hinblubbt. Länger als vier Stunden lasse ich den Entenfond nicht ziehen, meiner Meinung nach passiert dann nämlich nichts Geschmacksverstärkendes mehr. Ich siebe ihn durch und stelle die Flüssigkeit über Nacht kalt. 


Am nächsten Tag lässt sich der Fettdeckel gewohnt einfach entfernen. Ich erwärme alles wieder und filtere es zweimal durch ein Tuch. Jetzt fülle ich wieder mit Rotwein auf. Ca. knapp ein Drittel der vorhandenen Menge. Oder aber Portwein, wenn ich dem Fond eine "schwerere" Komponente geben möchte. Allerdings verwende ich beim Portwein weniger. In der Regel habe ich beide Varianten auf Vorrat und setze sie entsprechend zur Saucenbereitung ein. 

Jetzt wird alles noch einmal zum Kochen gebracht und in sterilisierte twist-off-Gläser gefüllt. Sofort auf den Kopf stellen die Gläser, nicht Du! und abkühlen lassen. Der Fond ist spätestens am nächsten Tag schön durchgeglibbert und so für Monate haltbar. In der Theorie. Denn schon morgen öffne ich ein Gläschen für _________



12.12.12

Ich fasse zusammen: Ochsenbacken, Rinderbacken, Kalbsbacken, Schweinebacken. Für Anhänger des Diminutivs: Ochsenbäckchen, Rinderbäckchen, Kalbsbäckchen, Schweinebäckchen und Seeteufelbäckchen


Es geht mit sehr großen Schritten auf Weihnachten zu. Ich persönlich bekomme rein stimmungsmäßig davon kaum etwas mit, aber der Blog verrät es mir. Allein anhand der google-Suchen, die hierher führen, könnte ich  mit verbunden Augen die Jahreszeit und diverse anstehende Feiertage bestimmen. Arthurs Tochter Kocht Eichhörnchen = Fastenzeit. Arthurs Tochter Soleier = kurz vor Ostern. Arthurs Tochter Kocht Spargel = Es IST Ostern. Arthur Tochter Kocht Lamm = Ostern ist fast vorbei. Arthurs Tochter und Damwild = es wird Herbst. 

Ochsenbacken, Rinderbacken, Kalbäckchen, Schweinebäckchen... etc. = es weihnachtet sehr! Anscheinend ist dieser Blog mittlerweile zu so etwas wie einer Anlaufstelle für bekennende Backenfans geworden. Zu keinem anderen Essen bekomme ich zudem so viele Fragen und Rückmeldungen per Email. Daher liebe Weihnachtsköchin und -koch bekommst Du hier noch einmal alle in diesem Blog veröffentlichten Rezepte auf einen Blick. Die Bildüberschriften führen Dich direkt dorthin. 

Ochsenbacken in Portwein-Schokoladen-Sauce mit Serviettenknödeln



Backe vom irischen Weideochsen auf Steckrübenpüree


Kalbsbäckchen im Rosmarinjus mit Zitronenpüree

Als Variation: Kalbsbäcken im Rosmarin-Balsamico-Jus, Zitronenpüree und Rosmarin-Parmesan-Segel


Kalbsbäckchen mit Hokkaido-Pastinaken-Stampf und karamellisierter Nashi



Und aus den Anfangszeiten des Blogs: Schweinebäckchen in Mandelbutter mit Preiselbeeren und Meerrettichspänen


Seeteufelbäckchen im Schweinenetz mit Wirsing und Safransauce


Viel Freude beim Nachkochen! Ich selbst mache Backenpause bis Februar. Längstens :)



10.12.12

Rinderroulade, Du Seelentröster!

Rinderrouladen mit in Verjus marinierter Apfel-Lauch-Füllung


Wo wir doch vor einigen Tagen noch über Traditionen sprachen... Rinderrouladen gehören definitiv dazu, oder? Und ganz sicher gibt es in jeder Familie ein  traditionelles Rezept. Ach was, es gibt überhaupt DAS traditionelle Rezept, welches besagt: Roulade, Speck, Gurke, Senf. Rollen, schmoren, essen. Manchmal geht es auch ein bisschen anders, seien es die Kalbsrouladen nach Madame Annette, der guten Seele im Hause des sympathischen Mörders Thomas Ripley. Oder die Rinderrouladen in Holunder-Schokoladensauce, die dem armen P. die innerlichen Organverrenkungen durch zu rotweinschwangere Saucen ersparen. 

Dass ich Gurken, also die eingelegten, all die Cornichons und Dill- und Essiggurken samt ihrer Verwandten, meide, wo es geht, ist nichts Neues. Selbstverständlich kann ich sie auch in Rinderrouladen nicht ertragen, daher werden sie von mir schon immer gerne gegen Äpfel ersetzt. Es geht dabei nicht nur um die saure Note im Geschmack, sondern die Säure macht das Fleisch während des Schmorens schön mürbe. Also noch mürber, als es ohnehin schon würde, wenn man sich und dem Fleisch nur genug Zeit lässt. Auch den traditionellen Speck ersetze ich, wo es geht, gegen Tiroler Schinkenspeck oder den Jambon de Mayence des Metzgers m. V.
Aktuell habe ich das Weiße und erste Grüne vom Lauch sehr fein geschnitten und in einer kleinen Schüssel für ca. 1 Stunde in Verjus mariniert. Die Säure "bricht" den Lauch etwas auf und verhindert gleichzeitig die Braunfärbung der frischen Äpfel. 

Rouladen lässt Du Dir am besten aus der hinteren Oberkeule des Rindes schneiden; dies als Antwort auf die vielen Fragen, die mich nach dem Ursprung dieses Fleischzuschnittes erreicht haben. Eine französische Leserin war so ratlos, um welches Stück sie ihren Metzger bitten könnte - ich selbst habe im Internet lediglich den Begriff alouettes sans tête entdeckt, der so viel heißt wie Lerchen ohne Kopf. Ich bin, rein schulisch betrachtet, Lateinerin und kann daher nicht sagen, was da stimmt, und was nicht. Allerdings stammt das deutsche Wort Roulade eh aus dem Französischen, es stammt von rouler von rollen, soweit meine rudimentären Französchkenntnisse mich aufklären. Was wiederum Lerchen ohne Kopf bedeutet - nun, lass es mich so sagen: Ich habe nicht die geringste Ahnung. Allerdings wird dieser Blog sehr viel in Frankreich gelesen, daher hoffe ich auf Erleuchtung. :)


Die Rouladen werden von mir sanft ausgeklopft. Dass heißt, Du verwendest entweder ein Plattiereisen (das ist scheiße schwer) oder aber den klassischen Holzklopfer, dann aber bitte lediglich die glatte Seite. Du sollst das Rind kein zweites mal töten. Es geht lediglich darum, dessen  Fleischstruktur ein wenig aufzubrechen. Das Rind ist schon tot, mehr geht nicht, egal wie kräftig Du darauf haust. Dann kommt der Senf. Dünn! Anschließend wird gesalzen (vorsichtig, je nachdem, wie salzig der verwendete Speck ist), und gepfeffert. Dann wird der (Schinken)Speck darauf gelegt. Es gibt Rezepte, die empfehlen Dir das Salzen und Pfeffern und anschließend das Bestreichen mit Senf. Solches ist selbstverständlich Kappes. In dem Moment, in dem Du den Senf auf der gewürzten Roulade verstreichen möchtest... eben. Also: Immer erst senfen, dann würzen! :)


Senf, Gewürze, dann der Schinken(speck). Anschließend folgt die Füllung der marinierten Lauch-Apfel-Mischung. Etwas des Verjus-Saftes kannst Du dabei gerne noch auf den Rouladen verteilen oder aber hinterher beim Anbraten mit dazugeben. Wichtig vor, bzw. beim Rollen ist, dass Du Dir die Seiten etwas einschlägst. Es verhindert, dass Dir beim Anbraten zuviel der Füllung wieder herausflutscht. Ich persönlich binde meine Rouladen gerne mit Küchengarn. Das hat den Vorteil, dass die Rouladen selbst von allen Seiten angebraten werden können, ohne dass eine Nadel oder Spange im Weg ist. Der Nachteil ist die "Nichtmehrwiederverwendbarkeit". Aber bei zweimal Rouladen im Jahr ist der "Abdruck" wohl zu vernachlässigen. Und eine aufgeschnittene Schnur muss ich am Ende nicht spülen. Soviel dazu... Da ich die Hälfte der Rouladen mit "Senf mit grünem Pfeffer" bestrichen habe, wurden diese auch mit grünem Pfeffer gewürzt. Allerdings mit der getrockneten Variante, und nicht mit der unsäglichen, eingelegten, aus dem Glas für eineurofuffzich
Die Rouladen werden also mit Küchengarn gebunden und anschließend rundherum in Butterschmalz angebraten. 
Ablöschen mit etwas Rotwein und dann mit Fond aufgießen. Nun lässt Du sie auf kleiner Flamme gute zwei Stunden vor sich hinsimmern. Anschließend dürfte das Fleisch so zart sein, wie Du es selbst nicht für möglich hältst. Du nimmst die Rouladen heraus und stellst sie warm. Den Schmorsud gibst Du durch ein Sieb und lässt die Flüssigkeit anschließend um ca. 1/3 reduzieren. Dann bindest Du mit etwas demi glace, evtl. etwas Pfeilwurzmehl und/oder eiskalter Butter, die Du hineinmontierst. Bitte, bitte, geh nicht los und schütte Soßenbinder (allein dieses Wort, allein dieses "Soße" mit o und ß!)an die Rouladen. Um das mal in eigener Sache ganz deutlich zu sagen: Bitte, bitte, mach das mit keinem meiner Rezepte. Die vertragen sich einfach nicht mit Mondamin und Co. =kleiner Exkurs...


Wir haben keine Sperenzchen gemacht, sondern die Rouladen am Ende lediglich mit Kartoffelpüree (diessen perfekte Zubereitungsmethode findest Du HIER) gegessen.



Und was soll ich sagen? Zumreinsetzenlecker, word!

Die Rouladen hier im Blog:




08.12.12

Rinderzunge in Spätburgunder mit glasiertem Kartoffelbaumkuchen


Und auch heute öffnen wir wieder ein Türchen an unserem Adventskalender...

Kulinarischer Adventskalender 2012 - Türchen 8

bzw. an dem der unglaublichen Zorra. Zorras Adventskalender ist mittlerweile Tradition, wobei der Ursprung des Adventskalender nicht bei Zorra liegt, auch wenn man das glatt meinen könnte. Man vermutet den ersten selbst gebastelten Adventskalender bereits im Jahr 1851 (Quelle: wikipedia). Zuerst Rechenhilfe, so etwas wie Rückwärtsszählen, das machen Wehrdienstleister bis heute unter Zuhilfenahme von Zollstöcken, und mit religösen Bildchen bestückt, waren sie erst ab 1958 mit Schokolade gefüllt im Handel. Von dort, bis zum heutigen, mit Erdöl belasteten Produkt, das strenggenommen auf dem Sondermüll und nicht beim Altpapier entsorgt werden muss, ein langer Weg...

Im Gegensatz zum letzten Jahr (da war ich Türchen Nummer 6 mit einem Bratapfeleis in der Mandelhippe), befülle ich den heutigen Kalendertag mit einem Gericht, das es meines Wissens in vielen Familien früher oft an Weihnachten gab, welches aber leider von vielen Speisezetteln komplett verschwunden ist. Von denen der Gastronomie sowieso. Butterzarte Rinderzunge. Arthur kochte diese früher klassisch in Madeira, mir gefällt Spätburgunder besser. Der wächst vor allem vor der Haustür ;)



Wenn ich Zunge koche, dann direkt gemeinsam mit einem Fond oder einer Brühe. Sie wird dann sehr viel schmackhafter, als wenn man sie einfach nur in einem Topf mit Wasser aufsetzt und neben ein bissen Suppengrün noch ein Lorbeerblatt hinterherschmeißt. Diesmal simmerte sie gemeinsam mit 4 Stücken Suppenfleisch friedlich vor sich hin.
Von der gefilterten Brühe habe ich am nächsten Tag nur den Fettdeckel abgehoben und sie durch ein feines Tuch laufen lassen, um die letzten trüben Tassen Teilchen herauszufiltern. Ca. 700 ml Brühe und 250 ml Spätburgunder (Weingut Karl May, Osthofen) wurden langsam um ein Drittel reduziert. Aus Schalotten, Butter, etwas Mehl und viel Zeit wurde dann der Grundstock für eine köstliche Sauce gelegt. Diese wurde am Ende mit eiskalter Butter aufmontiert und leicht abgebunden, der letzte Schliff kam durch die Zugabe von 4 Würfeln tiefgefrorener demi glace. 

Dazu gab es Kartoffelbaumkuchen, für den ich mich an einem Rezept von Achim Schwekendiek orientiert habe, das ich mir vor ewigen Zeiten mal abgespeichert hatte. Übernommen von ihm habe ich die Zugabe von geröstetem und gemörsertem Bockshornkleesamen im Kartoffelteig. Für eine Form von ca. 18 cm Durchmesser (bei mir war es ein Tortenring, der ca. auf diese Größe eingestellt war) habe ich 2 mittelgroße Kartoffeln verwendet, 4 Eier, 40 g Mehl und 50 g Stärke. Dazu etwas Backpulver. Aus den in den in der Schale gekochten Kartoffeln (gepellt und fein gepresst), den Eigelb, Mehl, Stärke und Backpulver wurde ein geschmeidiger Teig, unter den zum Schluss die zu Schnee geschlagenen Eiweiße gehoben wurden. Würzen mit dem Bockshorn, Salz, weißem Pfeffer, Muskat etc...

Die einzelnen Schichten des Kartoffelbaumkuchens habe ich ca. 3 mm hoch gestrichen. Pro Schicht waren es bei mir 3 EL Teig. Nachdem die jeweilige Schicht unter dem Grill angebräunt war, wurde sie mit einer Mischung aus dickflüssiger, tiefschwarzer und an Rübensirup erinnernde Sojasauce, sowie Ahornsirup und etwas Zitronenabrieb eingepinselt und kam zum Glasieren wieder unter den Grill. 
Am Ende erhält man wunderbare, optisch voneinander abgetrennte Schichten im Kuchen. 


Diese butterzarte, schmelzende Zunge mit dem leicht crunchigen Kuchen - ein Hochgenuss! Ganz sicher warte ich bis zum nächsten Mal nicht lange... (Um ehrlich zu sein, habe ich mir bereits wieder eine vorbestellt)

Ich wünsche Dir und Deinen Lieben ein wunderbares Adventswochenende voller Schnee, Harmonie und Glückseligkeit!

Noch ne Zunge hier im Blog:



06.12.12

Weißt Du, ARD-Nachtmagazin...

Kurzer Nachtrag in eigener Sache am 8.12.
ich schreibe es an den Anfang, da sich sicher kaum jemand durch alle Kommentar wühlen wird...
Ich habe mich geärgert. Punkt. Getroffene Absprachen wurden von Seiten der Redaktion zu nullkommagarnix eingehalten. Punkt. Ich bin nicht verletzt, nicht traurig, nicht enttäuscht, kein bisschen Mädchengedöns. Ich bin sauer. Punkt. Und weil das hier MEINE Plattform ist, habe ich das kundgetan. Dass die Dynamik durch den Link im BILDblog und bei Fernsehkritik.tv so an Fahrt gewonnen hat, finde ich gut. Aber jetzt ist es auch gut. Ich habs gesagt und fertig. Wer sich hier trotzdem nicht lösen möchte, dem empfehle ich die köstliche Rinderzunge mit glasiertem Kartoffelbaumkuchen als heutigen neuen Post. ;)
Feines Wochenende euch allen!

...das war wirklich nicht nett gestern Abend!
Ich habe mich natürlich gefreut, als ihr (freie Mitarbeiter der Redaktion) mich gefragt habt, ob ich etwas zum Thema: Menschen, die ihr Essen fotografieren beitragen möchte. Viel mehr noch als hier im Blog, lade ich für immerhin rund 1250 "Fans", 920 "Freunde" und knapp 200 Abonnenten fast täglich Essens-Bilder jeglicher Couleur via Facebook-Fanseite ins Netz. 

In dem, dem Dreh vorangegangenen, ausführlichen Telefongespräch habe ich sehr klar meine Meinung zu diesem Thema, das ihr - auf einen populistischen Zug aufspringend - so schön als foodporn umschrieben habt, geäußert. Angefangen damit, dass ich persönlich den Begriff foodporn ziemlich unsäglich finde. Im Gepäck hat er meistens noch Bemerkungen wie: Ich krieg hier gleich 'nen Zungenorgasmus und ähnliche Obzönitäten. Essen sollte etwas Schönes, im besten Falle Sinnliches sein. Vorgeschlagen habe ich euch den Begriff "Essenslust", der im richtigen Zusammenhang Sinnlichkeit mit Respekt kombiniert. Trotz sämtlicher kritischer Anmerkungen meinerseits zu diesem Thema wolltet ihr trotzdem mit mir drehen und genau diese Aussagen per Kamera einfangen. 

Weiter ging es im Interview vor laufender Kamera darum, welche Bilder von den Betrachter(n)_innen am häufigsten kommentiert und "geliked" werden. Ich habe dann ganz deutlich mein Erstaunen zum Ausdruck gebracht, dass um die Photos von vegetarischen Gerichten selten sehr viele Menschen virtuell kreisen, um die von Fleisch, gerne auch roh, jedoch ein Tanz wie um das goldene Kalb veranstaltet wird, obwohl wir alle doch tunlichst weniger Fleisch essen sollten! 

Auf die Frage hin, warum frau das eigentlich macht, dieses Fotografieren,  ins Netz laden etc. habe ich euch geantwortet, dass es oft nur ein Gruß über den virtuellen Gartenzaun ist, ein kleines Winken guck mal, hier bin ich, dass es sich (für mich) nur "lohnt", wenn das Essen etwas Besonderes ist, sei es besonders gut, schlecht oder auch skurril; und nur weil ich einen Burger in Reykjavik gegessen habe, habe ich ihn als etwas Besonderes betrachtet und ins Netz geladen; und im Falle eines 3*-Restaurants vielleicht auch mal mit einem augenzwinkernden ätsch, guckt mal, wo ich gerade bin verbunden sein kann. Weiter habe ich ausgeführt, dass Menschen seit Jahrmillionen Bilder ihres Essens posten, und sei es auch nur an eine Höhlenwand. Der vermeintliche Trend, Bilder seines Essens mit anderen zu teilen ist also nur sehr vordergründig ein relativ neuer. Das Internet macht die Wege lediglich kürzer und einfacher. 

Aus diesem Zusammenhang habt ihr schließlich mein "ätsch" gerissen und lasst mich jetzt aussehen, wie eine arrogante Zicke, die mit ihren Bildern aus Sternelokalen anderen Menschen eine lange Nase dreht. Das ist gemein, unfair und überheblich allen Zuschauer(n)_innen gegenüber und auch und vor allem in diesem Fall mir, die ich euch eine ganz andere Sichtweise mitgeteilt habe. 

Dann erzählte mir der Redakteur im laufenden Gespräch, dass er vor einiger Zeit in einem Lokal den Hinweis gelesen habe Bitte nicht instagrammen. Der Redakteur dachte, es handelt sich hierbei um die Bitte, nicht zu fotografieren. Meiner Meinung nach geht es in solchen Hinweisen lediglich darum, dass die Photos von Gerichten nicht durch unsägliche Filter gejagt werden, sondern, wenn schon gepostet, dann doch bitte im Original. Da stehe ich ganz hinter und das habe ich auch gesagt. Das Gericht so abzubilden, wie es aus der Küche kommt und nicht anders, hat für mich etwas mit Respekt dem Schöpfenden gegenüber zu tun. Abgesehen davon fotografiere ich nur dort, wo es erlaubt ist, nicht stört, oder im besten Fall sogar erwünscht ist. In der Anmoderation der Sendung wurde aber daraus, dass einige Lokale sich jetzt bereits mit Fotoverboten gegen die zunehmende Flut von Pornografen wehren. Ja, ihr habt richtig gelesen. Pornografen. So hat euer Moderator mich und alle anderen, die diesem Hobby frönen, in seiner Anmoderation bezeichnet. 

Und obwohl ich in der Regel die Sendungen nicht schaue, in denen ich auftrete oder "vorkomme", erreichten mich bereits während der Anmoderation des Nachtmagazines so viele empörte Nachrichten über den Chat bei facebook, dass ich eingeschaltet habe. Und dann habe ich mich geschämt. Allerdings weniger für mich, als für euch. Ihr habt von saftigen Brüsten, Spritzgebäck und anderen Peinlichkeiten mehr gesprochen. Das Problem ist leider nur das Folgende: Die Menschen, die mich kennen, wissen genau: Das war nicht ich, die dort dargestellt wurde. Die gesendeten kurzen drei Sätze sind zusammenhanglos und entsprechen keinesfalls "Arthurs Tochter". Das machte sich schnell lesbar in Kommentaren wie:
  • sexistisch
  • du warst quasi gar nicht da, schade!
  • So wirkt das ganze sehr unsympathisch, um nicht zu sagen, arrogant... niemals aufs fernsehen verlassen
  • Habs mir gerade angeschaut - nur blöd. Lag aber nicht an Dir.
  • Eine überflüssige Peinlichkeit zu einem kreierten Thema, welches wohl nur in Wohlstandsgesellschaften mit dem Zweck der Füllung von Druckseiten und Sendeminuten überhaupt existiert...da muss man erstmal drauf kommen
  • Ich finds unmöglich alle Foodblogger als Foodpornisten hinzustellen und überhaupt den ganzen Beitrag so ins sexuelle zu ziehen. Was für ein schei*. Klingt als hätten sie keine Ahnung und auch keine Lust sich damit zu beschäftigen.
  • Das tut mir leid...  Anstelle es "positiv" darzustellen, wurde es sehr "negativ" dargestellt...ich glaub mir geht dieses Wort demnaechst gar nicht aus dem Kopf... das muss ich erstmal fuer mich selbst analysieren, was "Porno" mit Essen zu tun hat...
  • Was rauchen die denn im Nachtmagazin? Ein Äusserst geschmackloser Beitrag über die schmutzigen Phantasien eines mit Steuermitteln finanzierten, aber dem Thema nicht gewachsenen Nachtredakteurs! Oder Neid, weil die Medien sich verändern und keiner so langsam is(s)t, wie das TV.... Unanständig jedenfalls, wenn man sich dazu nicht an Absprachen hält! Das Wort Genuss scheint er nicht zu kennen! Das kommt dann rüber, als würde er in der Liebe auch nicht kennen! Er steht eben nur für Spritzgebackenes....
  •  Das ist wirklich böse. OMG
uvam. (Da ich nicht polemisieren möchte, sind hier höfliche Kommentare abgebildet. Die Wogen schlugen sehr viel höher)

Aber in der Mehrzahl haben Menschen diesen Bericht gesehen, welche vorher wahrscheinlich noch nie etwas von mir gehört haben. Diese kennen nicht mein stets positives Menschenbild. Nicht meinen Wunsch nach Nachhaltigkeit, auch und vor allem in zwischenmenschlichen Beziehungen. Nicht meine Kritikkeule, gerne herausgeholt gegen andere, aber auch stets bereit, mich ihr gegenüber selbst zu ducken. Die gucken sich diese Sendung an, googeln danach Arthurs Tochter und sind erst einmal verwirrt. Im besten Falle lassen sie sich auf meine vielfältigen Beiträge ein, und lesen sehr schnell zwischen den Zeilen heraus, dass der Beitrag im Nachtmagazin aber auch so gar nichts mit mir zu tun hat. Im besten Fall. Im schlechtesten habt ihr meine Reputation geschädigt, und das nehme ich euch wirklich übel. Es bleibt natürlich die Frage für mich: Soll ich da wirklich darauf eingehen, soll ich das erwidern, Nachrichten sind wie die Zeitung von gestern, in der der Fisch eingewickelt wird etc. Und wie ist das mit der Kuh, die immer das Gras abfrisst, das gerade über eine Sache gewachsen ist.

Nun. Lasst mich folgendes dazu sagen: Das Internet vergisst eben so schnell nichts und auch ich habe einen guten (!) Ruf zu verlieren. Der speist sich zum großen Teil aus persönlicher Kenntnis meiner Person. Und die, die diese Kenntnis nicht haben, werden unziemlich verwirrt. Und ich habe schließlich nicht nur diesen Blog als mein Hobby, sondern meine Tätigkeit als Selbständige, meine Firma, meine Mitarbeiter, viele Menschen, denen ich Rechenschaft schuldig bin. Und nur aus diesem Grund habe ich mich dazu entschlossen, diese Gedanken quasi als offenen Brief an euch, die Redakteure des Nachtmagazines, zu schreiben.

Ihr habt euch einen Jux aus einer Sache gemacht, die von vielen Menschen ernsthaft betrieben wird. Und als wäre das nicht genug, habt ihr geäußerte Ernsthaftigkeit ad absurdum geführt. Das steht euch als Sendung nicht gut zu Gesicht und ich weiß genau: Das könnt ihr besser! Dass entgegen aller gemachten Versprechungen von eurer Seite weder ein Kamerablick in den Blog, noch das Hochladen von Fotos auf meine fb-Fanpage im Beitrag war: Schwamm darüber.

Wichtig ist: Ich lasse mich nicht verunglimpfen. Nicht mich und nicht all die vielen Menschen, die mit Leidenschaft und Hingabe tagtäglich ihre Mitmenschen mit Bildern von Köstlichkeiten erfreuen! Da kann kommen, wer will!




05.12.12

Von der Tradition...


"Tradition...

(von lateinisch tradere ‚hinüber-geben‘ bzw. traditio ‚Übergabe‘, ‚Auslieferung‘, ‚Überlieferung‘) bezeichnet die Weitergabe (das Tradere) von Handlungsmustern, Überzeugungen und Glaubensvorstellungen u. a. oder das Weitergegebene selbst (das Traditum, z. B. Gepflogenheiten, Konventionen, Bräuche oder Sitten). Tradition geschieht innerhalb einer Gruppe oder zwischen Generationen und kann mündlich oder schriftlich über Erziehung, Vorbild oder spielerisches Nachahmen erfolgen. Die soziale Gruppe wird dadurch zur Kultur. Weiterzugeben sind jene Verhaltens- und Handlungsmuster, die im Unterschied zu Instinkten nicht angeboren sind. Dazu gehören einfache Handlungsmuster wie der Gebrauch von Werkzeugen oder komplexe wie die Sprache. Die Fähigkeit zur Tradition und damit die Grundlage für Kulturbildung beginnt bei Tieren (vgl. Krähen, Schimpansen) und kann im Bereich der menschlichen Kulturbildung umfangreiche religiös-sittliche, politische, wissenschaftliche oder wirtschaftliche Systeme erreichen, die durch ein kompliziertes Bildungssystem weitergegeben wurden." Quelle: Wikipedia www.de.wikipedia.org/wiki/Tradition

"Konservatismus...

von lat. conservare „erhalten, bewahren“ oder auch „etwas in seinem Zusammenhang erhalten“) ist der Sammelbegriff für politische und geistige Soziale Bewegungen, die die Bewahrung der bestehenden oder die Wiederherstellung von früheren gesellschaftlichen Ordnungen zum Ziel haben. Neben dem Liberalismus und dem Sozialismus stellt er eine der drei großen politischen Ideologien bzw. Weltanschauungen, die sich im 18. und 19. Jahrhundert in Europa herausgebildet haben, dar. Im Unterschied zu den beiden anderen stellt der politische Konservatismus allerdings mehr eine Haltung in einer spezifischen historischen Situation als eine geschlossene politische Philosophie dar. In seiner Entstehung als politische Weltanschauung wurde der Konservatismus als Gegenbewegung zur Epoche der Aufklärung und den Ideen der Französischen Revolution sowie des Liberalismus und des Radikalismus beschrieben." Quelle: Wikipedia www.de.wikipedia.org/wiki/Konservatismus

"Revolution...

Der Begriff Revolution wurde im 15. Jahrhundert aus dem spätlateinischen revolutio („das Zurückwälzen, die Umdrehung“) entlehnt und zunächst als Fachwort in der Astronomie für den Umlauf der Himmelskörper verwendet. Später wurde das Wort auch allgemein für „Veränderung, plötzlicher Wandel, Neuerung“ gebräuchlich." Quelle: Wikipedia www//de.wikipedia.org/wiki/Revolution

Ach...

Wenn ich das so lese wird mir schnell bestätigt, was ich bereits seit langem weiß... Ich bin eine konservative Traditionalistin mit Hang zur Revolution. Bereits 18jährig Mitglied der IG-Metall, Ausbildungsvertreterin im Betriebsrat, Jugendvertreterin der IG-Metall Ortsverband Koblenz. Aber an Heilig Abend mit der Familie auf dem Sofa sitzen und lauschen, wie Arthur die Weihnachtsgeschichte liest. In der Woche vorher noch für die Ortsgruppe von Greenpeace Flugzettel in der Fußgängerzone verteilen, im Auftrag der Gewerkschaft  samstags gehört Papi mir! skandieren und am gleichen Tag  mit den Geschwistern Plätzchen ausstechen. All das geht und schon immer wohnen mehr als zwei Seelen in meiner Brust.

In 2012 ist mir und meinem Leben so viel passiert, wie schon lange nicht mehr, fast möchte ich sagen, wie noch nie zuvor. Im Herbst gehörte dazu ein Umzug, der in sich selbst schon ein Neuanfang ist, ohne noch zusätzlich von mir symbolisch aufgeladen zu werden. In den letzten 6 Jahren in der "alten" Wohnung hatte fast alles seinen Platz. Vor allem die Weihnachtsaccessoires. Ich konnte blind in die Kisten greifen, wusste, wo die Tannengirlande hängt, welche Lichterkette wo, und an welchem Ort sich die himmlischen Schwestern platzieren können. Der Baum wird gold-orange, der Flur eher silber-blau, die Küche gülden. Jedes Ding hat seinen Platz, jede Handlung ihren Gang...

In diesem Jahr ist alles anders. Keine Kiste weiß, wohin. Nicht die Tannengirlande, nicht die Kugeln, und nicht die Teelichthirsche. Sie stehen da und warten... Der erste Advent ist verstrichen, mein traditioneller Tag der Weihnachtsschmückerei. Fast vorwurfsvoll legt sich Schatten auf die Christbaumkugeln, so als wüssten sie genau, dass ich nicht weiß, wohin mit ihnen. Dabei weiß ich vielleicht nur noch nicht, wohin mit mir selbst... Ich dekoriere Weihnachtssterne, Amaryllis und Kerzen mit Zimtduft. Im Hintergrund läuft Christmas with Babyface, (ich arbeite mit allen Mitteln) nur vor den Kisten der letzten Jahre, vor der Tradition drücke ich mich.

Wie beruhigend sind die Konstanten. Das alljährliche Raclette an Hl. Abend inklusive Resteessen am Vormittag des 1. Weihnachtstages. Familie. Der Baum und die Geschenke. Und nicht zuletzt dieser Adventskalender von 180°C. Seine Entstehung liegt schon lange zurück, begründet im Weinforum des ck, Tradition wird er nun neu als Blog. Das ist das schöne an Traditionen, man kann sie sich jederzeit und überall neu erschaffen. Traditionell ist mittlerweile auch, dass ich bis kurz vor Schluß in keinem Jahr weiß, was ich hinter mein Türchen schreiben soll. In diesem Jahr ist es meine Unsicherheit. Meine Zweifel an so vielem und meine Fragen zu fast allem.

Traditionen sind gut. Werte bewahren ist wichtig, konservatives Sein im Wortsinn. Revolutionen trotzdem stets nötig. Nur im Umsturz kann vielleicht das Alte und Gute dauerhaft bewahrt werden. Vielleicht kaufe ich morgen neuen Weihnachtsschmuck. Vielleicht mache ich alles Pink. Oder Grün. Oder beides zusammen.

Die Revolution ist todt.
Es lebe die Revolution!
Wilhelm Liebknecht, 1898




Adventskalendertürchen 2011
Brief an den Weihnachtsmann