Stätte der Ruhe und Entspannung. Oase der Genüsse. Feld der Experimente. Ort der Versöhnung. Stephanie vom Kuriosen Laden ruft
Zeigt her Eure Küchen! und ich folge. Selbst bin ich ein unglaublich neugieriger Mensch. Neugier ist die Eigenschaft, die mich jeden Tag aufs Neue antreibt. Neugier ist mein Motor. Ich könnte Stunden in der Dunkelheit durch die Straßen einer Stadt streifen und Blicke in beleuchtete Wohnungen werfen. Nun, meine Wohnung zeige ich Dir hier nicht, aber einige Blicke in meine Küche kannst Du jetzt werfen; komm mal mit...
Wir haben die ursprüngliche "Küche" (sorry, ich MUSS das in Anführungszeichen schreiben) von den Vormietern übernommen. Froh, nach der Zusammenlegung von zwei Wohnungen diese Kosten vorläufig sparen zu können. Glücklich waren wir mit diesem, äh Dings, nie. Ich hatte vielmehr immer das Gefühl, jemand hätte sich vor Jahren gegen die Front übergeben, das war meine Assoziation zu ihrem Muster. Aber ganz schlimm war irgendwann der Herd. Ehemals weiß war er nun vergilbt, die Dichtungsgummis ausgeleiert, Hitze entwich permanent und verfärbte ihn unumkehrbar gelb. Du
erinnerst Dich, was dann kam?
So fingen wir an und am Ende kam das dabei heraus:
Weg mit dem alten Mist.
Zwischenlagerung...
Wandverschönerung. Wir verzichten auf Hoch- und Hängeschränke.
Für den Kühlschrank war auf dieser Seite kein Platz mehr. Gegenüber der Zeile, nahe am Esstisch steht jetzt Bosch.
In der Küche mag ich es gerne clean. Ruhige Flächen. Ruhige Arbeitsatmosphäre. Am liebsten in Weiß.

Wie Du siehst, ist die Küche offen zum Flur hin gebaut. Links um die Ecke steht ein gemütliches Sofa, das bei Bedarf auch schon einmal rumgedreht wird, damit die Sitzenbleiber einen schönen Blick auf das Küchengeschehen haben. Rechts geht es auf den Küchenbalkon, von dem aus man auch in das Wohnzimmer gelangen kann. Auf dem Balkon stehen im Sommer viele Kräuter, im Kübel wächst seit 5 Jahren unsere Rubinette, die im Sommer Schatten und im Herbst köstliche Äpfel spendet und unter deren Zweigen im Sommer die räumliche Erweiterung unseres Lebens stattfindet. Bis um 17.00 Uhr findest Du uns auf der hinteren Dachterrasse, dann ziehen wir der Sonne nach auf den Küchenbalkon.
In der Küche steht ein Esstisch, der bequem für 8 Personen Platz bietet, wir haben aber auch schon mit unzähligen mehr darum gesessen. Bei Partys dient er manchmal auch als Gläserbuffet.

Oft tragen wir ihn dann aber ins Wohnzimmer, um für mich mehr Koch- und Bewegungsfreiheit zu haben. Unsere Wohnung geht über zwei Etagen und ist ziemlich groß, aber die Küche ist mir viel zu klein. Unser Wohnzimmer ist eigentlich wiederum groß genug für die Erweiterung um einen Essbereich – allein, ich mag das nicht. Jeder hat ja so seinen Spleen. Ich kann Wohn-Esszimmer-Kombinationen nicht ausstehen. Jedenfalls nicht unter einer Raumfläche von 150 qm. Also ist der Tisch dort nie eine Dauerlösung aber so kurz sie auch sein mag, schön ist es jedesmal.

Da wir auf Hoch- und Hängeschränke verzichtet haben, nutzen wir anderen Stauraum, wo er uns über den Weg läuft. In der Küche gibt es einen sehr sehr großen Wandschrank hinter zwei Lamellentüren, in dem auf der auf einer Seite Geschirr und Gläser, auf der anderen Dampfgarer und Mikrowelle stehen. Wenn die MW mal kaputt geht, gibt es sicher keine neue mehr, aber das kann noch dauern, das Mistding ist seit mehr als 15 Jahren unverwüstlich. Im ersten Stock unter dem Dach haben wir eine kleine Abseite, in der stehen Weinklimaschrank, Emily, Eismaschine und – Wein. Am Ende des Flurs ist eine Kammer, in der ich an einer Wand meine Pfannen hängen habe, an der anderen Regale für Vorräte und kleinere Küchengeräte.
Da der Stauraum gering ist, muss alles exakt durchgeplant sein und ordentlich. Sonst vergeht hier schnell der Überblick und ich finde nichts schlimmer, als während des Kochens nach einer speziellen Reibe o. Ä. zu greifen, und sie liegt nicht an ihrem Platz. Berufsbedingt koche ich mehrmals in der Woche in anderer Menschen Küchen und kaum in meiner eigenen. Dann geht es zack zack, ich experimentiere viel herum, entwickle neue Rezepturen, verfeinere Altbewährtes und habe meinen eigenen Anspruch nach Ordnung in den letzten Tagen nicht erfüllt. Dann sieht es schnell so aus:
Das ist eine von zwei großen Gewürzschubladen. Das, was da nicht reingeht, steht auch in der Vorratskammer. Diese Schubladen führen ein Eigenleben auf mindestens jeweils zwei Etagen. Räume ich die obere beiseite, erscheinen Körbe mit kleinen Gläschen, in die ich Gewürze abfülle.
Stolz bin ich auf meine Salz- und Pfeffersammlung. Von beiden habe ich sicher jeweils 10 - 15 verschiedene Sorten, manche kaufe ich nur in kleinen Mengen, damit immer alles frisch ist.
Ein großes Geschenk war rosa Salz aus Indien, das mir in einem Päckchen mit Safran und anderen kostbaren Gewürzen von einer lieben Leserin geschenkt wurde.

Dann gibt es noch eine Schublade, in der eigentlich immer nur Essige und Öle stehen sollen. Aber immer wieder schummeln sich Sojasaucen oder Pfeffermühlen mit hinein, die aufgrund ihrer Höhe in den anderen Laden keinen Platz finden.
Zu meinen Lieblingen, die auch immer auf der Arbeitsfläche bereit stehen, gehören zwei Mörser. Sie landen samt gemörsertem Inhalt oft ganz unkompliziert zum Essen auf dem Tisch, auf dass sich jeder selbst bediene.
Ansonsten steht offen nur noch der Kitchen Aid-Blender, für den ich 3 verschieden Aufsätze habe und ohne den ich mir mein alltägliches Küchenleben kaum noch vorstellen kann.
Eine Kaffeemaschine haben wir nicht, wir kochen Wasser auf und der Kaffee zieht dann in einer Siebstempelkanne. Sämtliche Küchenutensilien des täglichen Bedarfs sind in den Schubladen verstaut, wie die Microplanes, der Zauberstab, Löffel, Zangen, Pinzetten, Bestecke etc....
In meinem nächsten Leben baue ich mir erst eine Küche und dann ein Haus herum. Bis dahin aber finde ich alles ganz schön gut so wie es ist. Ich mag meine Küche. Am meisten dann, wenn sie durch andere Menschen lebt.