In eigener Sache

Dieser Blog ist umgezogen und hat jetzt seine eigene URL.
Bitte in Zukunft www.arthurstochterkochtblog.com verwenden, Dankeschön!


28.03.12

Jetzt!


Da ist es!

Ich wollte es noch gar nicht jetzt und heute machen, aber nun überschlagen sich die Mails mit Buchwünschen doch schon. Wahnsinn das alles! Daher ganz kurz zu Deiner Information:

Wenn Du ein persönliches Exemplar mit Wunschwidmung haben möchtest, kannst Du es sehr gerne auch direkt bei mir bestellen. Bitte sende mir Deinen Buchwunsch per

arthurstochter.buchbestellung(at)gmail.com

Bitte habe Verständnis dafür, dass ich die Kosten für Porto und Verpackung an Dich weitergebe. Ich kann auch leider keine Rechnungen schreiben, da ich die Bücher praktisch nur "durchreiche". Bitte schreibe mir Deinen Buchwunsch möglichst nur an die o. g. Adresse, ich habe sonst Sorge, dass etwas im Spam landet oder anderweitig "durchrutscht". Das Buch kostet € 17,90; die Versand- und Portokosten für Deutschland € 3,00. Die Preise für Österreich und/oder Schweiz muss ich noch erfragen. (Aktualisiert am 7. April: bitte € 5,05, dafür geht das Buch als Maxibrief raus, eine Büchersendung würde ein Vielfaches davon kosten, verstehe einer die Post) Das war eine durchaus ernst gemeinte Frage. Verstehe einer die Post? Irgendjemand? 

Natürlich kannst Du es direkt beim Buchhändler Deines Vertrauens kaufen, hier aber auch ein direktlink (kein affilate) zu Amazon:

Habe ich schon gesagt? Wahnsinn! Und DANKE!


27.03.12

Heimatküche Teil III: Spundekäs


Woran das liegen mag, dass man auf die einfachsten Dinge oft nicht von alleine kommt; nein geradezu mit der Nase hinein gestoßen werden muss? Da bin ich zu Gast in einer Talkshow zum Thema Rheinhessen, vor mir steht Spundekäs. Ich werde gefragt, was da so hinein kommt, hinter mir bebt P. (warum, dazu später mehr) und während ich live und in Farbe den Unterschied zwischen Spundekäs und Obatzda erkläre (ich, die Norddeutsche!) rattert in meinem Kopf mein Blog-Rezeptregister an mir vorbei. Kein Spundekäs, nirgends. 

Dabei spielt der Spundekäs eine ziemlich große Rolle in meinem Leben. Vielleicht aber ist die Rolle gerade aufgrund ihrer Größe so sehr in meinem Alltag verankert, dass das Ausmaß seiner Bedeutung schon gar nicht mehr klar ist. Was nur im ersten Moment nach Widerspruch in sich selbst klingen mag. Wichtige Dinge verschmelzen oft so sehr mit uns selbst, dass wir ihrer kaum noch gewahr werden. Das ist so mit der Liebe und mit vielen kleinen Dingen. Und nur durch die Liebe ist der Spundekäs in mein Leben gezogen. Meine Liebe zu einem Rheinhessen und zu Rheinhessen haben ihn mit sich gebracht. Jetzt müssen wir ein wenig zurückgehen in der Historie, wie schon in meiner Geschichte von den Überlebensstrategien nehme ich Dich kurz mit in die Vergangenheit einer rheinhessischen Familie, die jetzt auch meine ist. 

Deren Geschichte reicht weit zurück, daher konzentriere ich mich auf einen sehr kleinen Teil gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Bereits seit 1667 gab es in Mainz in der Birnbaumgasse die Gaststätte und Brauhaus Zum Birnbaum, in der besonders in den Jahren 1870 - 1871 sich von revolutionärem Gedankengut beseelte Menschen Männer trafen. 1871, nach Gründung des zweiten deutschen Reiches hatte es sich allerdings erst einmal ausrevolutioniert, auch  und selbst in Mainz. Den Männern wurde langweilig (die Frauen hatten seit jeher genug zu tun) und so konzentrierten sie sich auf Fastnachtsbräuche, die Entwicklung von seltsamen Orden und der Pflege ihrer Neurosen. Was Männer so tun eben. Mit aller ihnen zur Verfügung stehenden Ernsthaftigkeit taten sie dies am Ende sogar durchaus erfolgreich, so dass 1898 im Birnbaum der legendäre Mainzer Carneval Club (MCC) gegründet wurde. 1998, zum 100jährigen Geburtstag dieses grandiosen, die Kölner und Düsseldorfer bis zum Grünstich neidisch werdend lassenden Vereines, pflanzten seine Mitglieder einen Birnbaum in der Höhe der ehemaligen Gasthausgemarkung und versahen seinen Fuß mit einer güldenen Gedenktafel zu Ehrung des Birnbaumes und der Gründung des Vereines. 

Der legendärste Wirt des Birnbaums war von 1901 - 1916 Michael Geier, ein direkter Vorfahr meines P. Ihm folgte Sohn Franz Geier, dem im Krieg das Braurecht leider entzogen wurde. Erst 1930 wurde dort wieder gebraut und ausgeschenkt, bis ein Bombeneinschlag im August 1942 das als eines der schönsten Gebäude in Mainz geltende Haus völlig zerstörte. Michael Geier hatte 2 Frauen (seine zweite Frau war die jüngere Schwester seiner ersten) und mit diesen 36 Kinder, 18 mit jeder von ihnen. Diese Kinderschar machte Michael Geier bis weit über die Grenzen Mainz' hinaus bekannt, sogar seine Stammgäste gestalteten Anzeigen in der Presse mit Texten wie:
Unsere Herzliche Gratulation zum fünfundzwanzigsten Sprößling
unserem lieben Wirthe
Michael Geier.
Der permanente Ausschuß des Birnbaumclubs
Das Viertelhunnert is jetzt voll
Der Klapperstorch war wertlich fleißig;
Lieb Michelche, bleib Du es aach,
So bringst Du´s schließlich noch uff Dreißig.
Wie bekannt, hat Michael Geier dies mehr als erfüllt. Irgendwann vertrieb er zu Werbezwecken gar eine Postkarte, auf der ein Storch mit der Peitsche vom Hof gejagt wurde. Geholfen hat es nichts. Und die Legende sagt - und hiermit schließt sich der Kreis, dass die erste Frau Michael Geiers in der Wirtschaft Zum Birnbaum den Spundekäs erfunden hat. Wahrscheinlich ist dies wirklich nicht so ganz richtig, der Spundekäs sproß zu dieser Zeit in vielen Orten Rheinhessens hinter den Theken der Wein- und Wirtshäuser hervor, aber wenigstens die Beteiligung an seiner Entstehung für sich zu reklamieren können ist ohne Frage etwas ganz Besonderes. Das ist der Grund, warum P. im Studio gebebt hat; hätte ich dieses im Fernsehen erzählt - ein Sturm der Entrüstung aller Spundekäserfinder-Nachkommen hätte sich noch am Abend der Ausstrahlung erhoben. Hier in meinem kleinen Blog aber kann ich ganz gelassen davon berichten, ohne Anspruch auf historische Nachweisbarkeit und Genauigkeit und doch postulieren, dass ich und meine rheinhessische Familie natürlich voll und ganz von der Richtigkeit dieser Legende überzeugt sind! 

Rezepte für Spundekäs, dessen Name übrigens von der typischen Art und Weise seines Anrichtens in Form eines Spundes, der Öffnung im Weinfass, neudeutsch "Nocke", herrührt, gibt es wie Sand an der Ingelheimer Aue. Ich mag auch diesen wie fast alles andere in meinem Leben gerne so pur wie möglich. In vielen Rezepten wird die Verwendung von Butter angegeben, dann steht der Spundekäs besser und lässt sich schöner in seiner namensgebenden Form anrichten. Allerdings macht die Butter ihn noch mächtiger, als er es schon ohne sie ist. Denn ein Leichtgewicht ist der nicht, der Spundekäs. Aber das sind auch nicht die Menschen in Rheinhessen . Sie stehen da, mitten in ihren Leben, fest und mutig. Fleißig und durstig. Und brauchen nach getaner Arbeit etwas Nahrhaftes, schnell und lecker zugleich. 
Spundekäs
Für uns neumodische Menschen, die gar nicht so viel arbeiten können wie wir zu essen pflegen, ist der Spundekäs ideales Partyessen, so erst wieder am letzten Wochenende von mir zubereitet auf besonderen Wunsch von Nata. Begleitet von einer Brezel-Blindverkostung, an deren Ende sich klar die Salzbrezeln von Roland als Sieger aller Klassen herauskristallisierten (Danke an Karl-Josef Fuchs vom Spielweg für den Tip!), gefolgt von Mayka und Houber. Wobei Houber-Brezeln als einzige das EU-Bio-Siegel auf der Tüte tragen. Selbstverständlich kann ich hier nicht das total geheime Geheimrezept meiner Familie bekannt geben; aber ich verrate Dir, dass ich den Spundekäs stets aus Quark 40 % und Frischkäse im Verhältnis 1 : 2 zubereite. Ich verzichte auf die Zugabe von Butter, verwende etwas Salz, was unter Mainzern aufgrund der Beilage von Salzbrezeln verpönt ist, verwende süßen und rosenscharfen Paprika und mische keine Zwiebeln oder Knoblauch darunter, Gottbewahre! Zwiebeln dazu zureichen ist opportun, so diese in feinst gehobelten Ringen daherkommen. Ich würze mit Melange Blanc von Ingo Holland, wenn diese nicht zur Verfügung steht, würde ich frisch gemahlenen weißen Sarawak-Pfeffer verwenden und etwas Macisblüte. Ich kann mir das erlauben, als Norddeutsche habe ich ja fast Narrenfreiheit; ob Du dich solche Abseitigkeiten traust, bleibt Deinem eigenen Selbstbewusstsein überlassen. 
Spundekäs mit Salzbrezelchen

Spundekäs
Wichtig ist, dass er Zeit hat, durchzuziehen, am besten 24 Stunden. Ich hatte diese Zeit am Wochenende leider nicht, so dass meine Gäste betrüblicherweise nicht in den vollen Genuß gekommen sind. Auch mag ich es nicht, wenn er kühlschrankkalt serviert wird. Käse muss Temperatur haben, egal ob hart oder weich. Ein Fehler, der in vielen Gaststätten gemacht wird. Und weil wir hier ja so sehr entre nous sind, kann ich auch verraten, dass ich trotz aller Liebe und rheinhessischer Integrität den Salzbrezeln gleich welcher Sorte gegenüber keine besondere Zuneigung abringen kann. Ich mag Spundekäs auch mit einem kräftigen Wingertsknorze oder im Notfall (hihi) auch als dahinschmelzende Nocke [sic!] auf einem Steak.

Heimatküche Teil I - Gebratene Fleischwurst mit Kartoffelpüree und glasierten Frühlingszwiebeln
Heimatküche Teil II - Spargelsalat aus dem Bratschlauch mit geräuchertem Wildlachs und Krachelscher


Das gefällt Dir? Dann sag es gerne weiter!

23.03.12

Que sera sera


...ist eher so meine Devise. Plan B kenne ich nicht, ich habe oft noch nicht einmal A. P. hat ein ganzes Alphabet voll. So manch anderer auch. Was weiß denn ich, was nächsten Monat sein wird, von beruflichen Verpflichtungen jetzt mal abgesehen. Vielleicht ist mir bis dahin schon der Himmel auf den Kopf gefallen. Einen Wochenplan für mein tägliches Essen zu machen ist mir daher so fern wie eine Reise zum Mond. Ferner noch, strenggenommen. Ich kaufe fast täglich frisch ein. Sogar mit 60-Stunden-Woche ist mir der wöchentliche geplante Einkauf schon immer fremd gewesen. Das einzige, was ich einigermaßen plane, sind meine Geflügel- und Ei-Einkäufe. Weil Daniel nur samstags auf dem Markt steht. Daher habe ich immer mindestens einen seiner Hähne zerteilt und vakuumiert im TK liegen. Von meinen beiden Metzgern d. V. habe ich immerhin einen im Ort. Im Gegensatz zu Bekleidung bedeutet es für mich keinen Streß, Lebensmittel einzukaufen, auch nicht nach einem sehr langen Tag. Im Notfall bleibt immer noch, mich von meinem Liebsten zum Essen einladen zu lassen, das ist überhaupt der beste Plan! :)

Hast Du Dir bitte mal angesehen, was der Hamburg Kocht Blog für Wochen-Essens-Pläne hat? Das nenne ich mal stringent, da fällt mir die Kinnlade drei Schubladen tiefer! Jetzt hat aber Peter von Aus meinem Kochtopf dazu aufgerufen, Speisepläne zusammen zu stellen für die, die nicht wissen, was sie kochen sollen/können/wollen/. Schnell und einfach soll es sein, mit Zutaten, die leicht, sprich im Supermarkt erhältlich sind. Jetzt meide ich Supermärkte wie der Teufel das Weihwasser, aber auch ich komme natürlich nicht um die Einkäufe dort herum. Die hardware, wie ich es nenne, besorge ich dort. Die ein oder andere Konserve kann das sein (Kichererbsen habe ich immer auf Vorrat), Toilettenpapier, ma(h)l ein Pfund Kaffee. Mineralwasser. Kein kaum Käse, kein Fleisch, möglichst kein Gemüse. Irgendwann hatte ich hier im Blog  ein Reste-Perpetum-Mobile. Mit einem Gericht angefangen und immer weiter und weiter gekocht. Das könnte ein schöner Aufhänger für einen Essensplan sein, denn wichtig ist mir, dass nichts weggeschmissen wird. Da wird auch altbackenes Brot verwendet und zu feinen Topinky verröstet:
Aktuell kann ich von dieser Woche berichten, dass wir am Montag Salat mit etwas Rotbarschfilet und Riesengarnelen gegessen haben, Dienstag gab es Koteletts vom Schwäbisch-Hällischem Mohrenköpfle mit Pellkartoffeln, Mittwoch Spaghetti aglio e olio, Donnerstag Doraden mit Salicornes. Heute und morgen gibt es  das völligst geniale Chili Con Carne mit Bier und Cola und Fleisch vom Rinderhals
Sonntag gehen wir essen. Photos und Ergänzungen zu dieser Woche kannst Du auf der Facebookseite zum Blog nachlesen, sie ist über eine eigene URL (www.facebook.com/ArthursTochterKocht) auch für Nicht-Facebook-Mitglieder erreichbar. Wenn Du noch zusätzlich schnelle Gerichte suchst, dann gib mal rechts in die Suchmaske "cucina rapida" ein, da findest Du nur Gerichte mit maximal 30 Minuten Zubereitungszeit. Diese Speiseplangeschichte ist ein schöner Aufhänger für mich, diese Gerichte in einer extra Kategorie auf meiner Rezept-Seite Im Topf aufzuführen. Das nehme ich in der nächsten Zeit in Angriff. 

Ansonsten lege ich Dir einen einzigen Plan ans Herz:
Von Montag bis Sonntag: Lust auf gutes Essen. Dann kommen Ideen und Freude am Kochen von ganz alleine!



22.03.12

Meine Küche


Stätte der Ruhe und Entspannung. Oase der Genüsse. Feld der Experimente. Ort der Versöhnung. Stephanie vom Kuriosen Laden ruft Zeigt her Eure Küchen! und ich folge. Selbst bin ich ein unglaublich neugieriger Mensch. Neugier ist die Eigenschaft, die mich jeden Tag aufs Neue antreibt. Neugier ist mein Motor. Ich könnte Stunden in der Dunkelheit durch die Straßen einer Stadt streifen und Blicke in beleuchtete Wohnungen werfen. Nun, meine Wohnung zeige ich Dir hier nicht, aber einige Blicke in meine Küche kannst Du jetzt werfen; komm mal mit...

Wir haben die ursprüngliche "Küche" (sorry, ich MUSS das in Anführungszeichen schreiben) von den Vormietern übernommen. Froh, nach der Zusammenlegung von zwei Wohnungen diese Kosten vorläufig sparen zu können. Glücklich waren wir mit diesem, äh Dings, nie. Ich hatte vielmehr immer das Gefühl, jemand hätte sich vor Jahren gegen die Front übergeben, das war meine Assoziation zu ihrem Muster. Aber ganz schlimm war irgendwann der Herd. Ehemals weiß war er nun vergilbt, die Dichtungsgummis ausgeleiert, Hitze entwich permanent und verfärbte ihn unumkehrbar gelb. Du erinnerst Dich, was dann kam?
So fingen wir an und am Ende kam das dabei heraus:
Weg mit dem alten Mist.
Zwischenlagerung...
Wandverschönerung. Wir verzichten auf Hoch- und Hängeschränke.
Für den Kühlschrank war auf dieser Seite kein Platz mehr. Gegenüber der Zeile, nahe am Esstisch steht jetzt Bosch.
In der Küche mag ich es gerne clean. Ruhige Flächen. Ruhige Arbeitsatmosphäre. Am liebsten in Weiß.
Kannst Du Dich noch erinnern? An den Hansen-ATK-Kochevent mit dem Buch von Sven Elverfeld? Da sieht man die Küche ganz gut; Herr Hansen steht halt ein wenig im Weg herum, aber was will man machen? :)))
Wie Du siehst, ist die Küche offen zum Flur hin gebaut. Links um die Ecke steht ein gemütliches Sofa, das bei Bedarf auch schon einmal rumgedreht wird, damit die Sitzenbleiber einen schönen Blick auf das Küchengeschehen haben. Rechts geht es auf den Küchenbalkon, von dem aus man auch in das Wohnzimmer gelangen kann. Auf dem Balkon stehen im Sommer viele Kräuter, im Kübel wächst seit 5 Jahren unsere Rubinette, die im Sommer Schatten und im Herbst köstliche Äpfel spendet und unter deren Zweigen im Sommer die räumliche Erweiterung unseres Lebens stattfindet. Bis um 17.00 Uhr findest Du uns auf der hinteren Dachterrasse, dann ziehen wir der Sonne nach auf den Küchenbalkon.
In der Küche steht ein Esstisch, der bequem für 8 Personen Platz bietet, wir haben aber auch schon mit unzähligen mehr darum gesessen. Bei Partys dient er manchmal auch als Gläserbuffet.
Oft tragen wir ihn dann aber ins Wohnzimmer, um für mich mehr Koch- und Bewegungsfreiheit zu haben. Unsere Wohnung geht über zwei Etagen und ist ziemlich groß, aber die Küche ist mir viel zu klein. Unser Wohnzimmer ist eigentlich wiederum groß genug für die Erweiterung um einen Essbereich – allein, ich mag das nicht. Jeder hat ja so seinen Spleen. Ich kann Wohn-Esszimmer-Kombinationen nicht ausstehen. Jedenfalls nicht unter einer Raumfläche von 150 qm. Also ist der Tisch dort nie eine Dauerlösung aber so kurz sie auch sein mag, schön ist es jedesmal.
Da wir auf Hoch- und Hängeschränke verzichtet haben, nutzen wir anderen Stauraum, wo er uns über den Weg läuft. In der Küche gibt es einen sehr sehr großen Wandschrank hinter zwei Lamellentüren, in dem auf der  auf einer Seite Geschirr und Gläser, auf der anderen Dampfgarer und Mikrowelle stehen. Wenn die MW mal kaputt geht, gibt es sicher keine neue mehr, aber das kann noch dauern, das Mistding ist seit mehr als 15 Jahren unverwüstlich. Im ersten Stock unter dem Dach haben wir eine kleine Abseite, in der stehen Weinklimaschrank, Emily, Eismaschine und – Wein. Am Ende des Flurs ist eine Kammer, in der ich an einer Wand meine Pfannen hängen habe, an der anderen Regale für Vorräte und kleinere Küchengeräte. 

Da der Stauraum gering ist, muss alles exakt durchgeplant sein und ordentlich. Sonst vergeht hier schnell der Überblick und ich finde nichts schlimmer, als während des Kochens nach einer speziellen Reibe o. Ä. zu greifen, und sie liegt nicht an ihrem Platz. Berufsbedingt koche ich mehrmals in der Woche in anderer Menschen Küchen und kaum in meiner eigenen. Dann geht es zack zack, ich experimentiere viel herum, entwickle neue Rezepturen, verfeinere Altbewährtes und habe meinen eigenen Anspruch nach Ordnung in den letzten Tagen nicht erfüllt. Dann sieht es schnell so aus:
Das ist eine von zwei großen Gewürzschubladen. Das, was da nicht reingeht, steht auch in der Vorratskammer. Diese Schubladen führen ein Eigenleben auf mindestens jeweils zwei Etagen. Räume ich die obere beiseite, erscheinen Körbe mit kleinen Gläschen, in die ich Gewürze abfülle.
Stolz bin ich auf meine Salz- und Pfeffersammlung. Von beiden habe ich sicher jeweils 10 - 15 verschiedene Sorten, manche kaufe ich nur in kleinen Mengen, damit immer alles frisch ist.
Ein großes Geschenk war rosa Salz aus Indien, das mir in einem Päckchen mit Safran und anderen kostbaren Gewürzen von einer lieben Leserin geschenkt wurde. 
Dann gibt es noch eine Schublade, in der eigentlich immer nur Essige und Öle stehen sollen. Aber immer wieder schummeln sich Sojasaucen oder Pfeffermühlen mit hinein, die aufgrund ihrer Höhe in den anderen Laden keinen Platz finden.
Zu meinen Lieblingen, die auch immer auf der Arbeitsfläche bereit stehen, gehören zwei Mörser. Sie landen samt gemörsertem Inhalt oft ganz unkompliziert zum Essen auf dem Tisch, auf dass sich jeder selbst bediene.
Ansonsten steht offen nur noch der Kitchen Aid-Blender, für den ich 3 verschieden Aufsätze habe und ohne den ich mir mein alltägliches Küchenleben kaum noch vorstellen kann.
Eine Kaffeemaschine haben wir nicht, wir kochen Wasser auf und der Kaffee zieht dann in einer Siebstempelkanne. Sämtliche Küchenutensilien des täglichen Bedarfs sind in den Schubladen verstaut, wie die Microplanes, der Zauberstab, Löffel, Zangen, Pinzetten, Bestecke etc....

In meinem nächsten Leben baue ich mir erst eine Küche und dann ein Haus herum. Bis dahin aber finde ich alles ganz schön gut so wie es ist. Ich mag meine Küche. Am meisten dann, wenn sie durch andere Menschen lebt.



21.03.12

Rheingau Gourmet Festival 2012, Galadinner mit Jean George Klein im Kronenschlösschen, Eltville-Hattenheim


Also... (tieflufthol) Ich muss ja schauen wo ich anfange und ich weiß, dass ganz viele auf den Bericht meiner Genußreise nach Island warten - allein, ich möchte nicht erst nach Ostern über das Gala-Dinner schreiben, Ostern 2013 wohlgemerkt und darum muss ich jetzt mal so langsam die letzten Wochen von hinten aufrollen... Island, samt Essen im Eldhus (mancher hat wohl schon ein paar Fotos gesehen), meiner Reise unter die Erde in eine 2000 Jahre alte Lavahöhle (ich habe also nicht nur gegessen!) und dem Bericht, wie ich nun doch der new nordic cuisine verfiel, all das muss noch kurz dem Festival den Vortritt lassen.

Ich fange einfach mal mit dem Essen an und hole dann anschließend noch mal etwas Luft. Tief.
Eingedeckter Tisch mit Klumpen Brot





Madeleine mit Taschenkrebs & Raz-el-Hanout Last Tango
Champagne Laurent Perrier Brut

Variation von Topinambur und Trüffel (kleine Anmerkung: Und viel Schaum)
2007 Hattenheimer Pfaffenberg Riesling Spätlese
Domänenweingut Schloss Schönborn

Intermezzo von Langostino-Carpaccio und seiner Bouillon "Lady Curson"  (Anmerkung: geschäumt) Trotzdem mein Lieblingsgang
2010 Hattenheimer Engelsmannsberg Riesling Spätlese Feinherb
Weingut Georg Müller Stiftung 
Gebratener Seehecht mit Selleriepürée, Pfifferlingen in Escabèche und Blauen Trauben (Anmerkung: Und viel Schaum)
2008 Erbach Siegelsberg Riesling Erstes Gewächs-Magnum
Weingut Jakob Jung
Hummer in Holunderblüten mit Kapuziner-Erbsenbonbon, Kokosmilch Emulsion (Anmerkung: Du ahnst es schon...)
2010 Jung Riesling Charta
Weingut Jakob Jung

Hinweis vom und für den Service!

Gabel an Messer und Glas an Glas. Nicht auf dem Bild: Ellenbogen an Ellenbogen

Intermezzo (Mousse de foie de volaille) Kein Schaum!!!

Mein Taubenersatz: Short Rib (gigantisch!!!)
2009 HattenheimHassel Spätburgunder Erstes Gewächs
Weingut Georg Müller Stiftung

2009 Lagrein
Manincor

2009 Cassiano Cuvée Rot IGT
Manincor

Cappucino von Kartoffeln und Trüffeln (Klar, Cappucinos sind geschäumt!) Leider von der Küche total versemmelt!

Süßes Intermezzo Biscuit mit Zitronencrème, Yoghurt, Hagebuttensorbet
Karamellisiertes Apfelbonbon, Biscuit und Crème mit Alma Mater, Granny Smith Sorbet
(kleiner Ausfallschritt: "Dein Haar roch nach grünem Apfelshampoo aus "Nur ein Traum", Trio, 1982

2007 Erbacher Michelmark Riesling Beerenauslese
Weingut Jakob Jung


2005 Erbacher Marcobrunn Riesling Beerenauslese
Domänenweingut Schloß Schönborn
Kleine Gaumenfreuden (mein Favorit war eindeutig der erst explodierte und anschließend abgeflämmte Marshmallow)
Kaffee, Pralinen usw.
Tieflufthol.
Kurze Info zu Jean George Klein aus L'Arnsbourg  kompakt vorweg:
Besonders bekannt wurde der Ort durch das Hotel-Restaurant "L'Arnsbourg" am Ortsrand im Untermuhlthal, benannt nach der benachbarten Burg Groß-Arnsberg (Grand-Arnsbourg). In dem ehemaligen alten Forsthaus, das bereits seit Generationen als Restaurant im Familienbetrieb geführt wurde, hat sich seit 1988 ein kulinarischer Tempel von Weltniveau entwickelt. Unter Führung des Gastronomen-Ehepaares Nicole und Jean-Georges Klein konnte sich das Haus drei Sterne im "Guide Michelin" erwerben und hält dieses Niveau seit etlichen Jahren. Damit gehört es zu den besten Restaurants der Welt. Jean-Georges Klein wurde im Jahr 2007/08 vom Guide Michelin als einer der drei besten Köche Frankreichs ausgewählt. (Quelle: Wikipedia)

Mein Traum ist es seit vielen Jahren, einmal nach L'Arnsbourg zu reisen, um im gleichnamigen Restaurant zu speisen. Aber der Weg ist weit und Du weißt, wie das ist. Mit dem Menü ist es nicht getan, Du benötigst es x 2, es sei denn, Du isst lieber alleine und dann brauchst Du noch die Übernachtung. Wir sind zwar hemmungslose Genießer, aber auch uns fällt das Geld nicht bei jedem Schritt aus der Tasche. Insofern drängen sich Veranstaltungen wie das Rheingau Gourmet Festival förmlich auf. Für einen Bruchteil des Preises vor Ort hast Du die Gelegenheit, die Küche des Originalschauplatzes zu erahnen. Ich schreibe wohlüberlegt erahnen, vor dem o. g. Menü hätte ich noch davon gesprochen, der Philosophie eines Koches nachspüren zu können. Jean George Klein erzählt gerne Geschichten. Er schafft mit seinen Gerichten Kreisläufe oder spürt den Elementen nach. Das ist ein Teil seiner Philosophie. Davon wusste ich allerdings bereits vorher.

Dieser Abend aber hat leider eindrucksvoll bewiesen, warum so viele Menschen die Hochküche nicht verstehen. Weil sie sich zu oft versteigt in Abseitigem, weil sie über Bilder auf dem Teller Dinge zeigen will, die im Kopf ihres Schöpfers entstanden sind und dieser dabei vergisst, sich deutlich auszudrücken. Wenn der Traum nur noch ein Schaum ist, der verdeckt, was gesagt werden will - dann läuft etwas ganz ganz grundlegend verkehrt in den Restaurants. Natürlich habe ich gut gegessen an diesem Abend. Gut getrunken sowieso. Kann aber ein Koch von Weltrang in einem solchen Gefüge und unter diesen Voraussetzungen die Philisophie seiner Küche demonstrieren? Entgegen meiner vorherigen Überzeugung hoffentlich nicht, denn sonst verstellt mir in diesem Fall die gezeigte Philosophie die Lust auf den Besuch in all seinen wirklichen Facetten. 

Die perfekte Organisation dieser Veranstaltung, dem Servieren von ca. 200 oder 250 Tellern pro Gang perfekt und heiß bis an den letzten Platz, der Service, der fließt wie an einer unsichtbaren Schnur gezogen, die Freundlichkeit aller, die sich an einem solchen Abend um das Wohl der Gäste kümmern - all diesem gebührt höchste Achtung! Dass man gequetscht an einem Tisch sitzt, sich die Ellenbogen ineinander rammt, wenn der Tischnachbar ein paar Kilo mehr auf den Rippen trägt als man selbst, verführt zur Frage, ob weniger nicht auch hier mehr wäre. Nichts desto trotz sind die Gala-Dinner auf dem Rheingau-Gourmet-Festival stets ausgebucht, dieses mit Jean George Klein, der bereits im Vorjahr die Rheingauer Gäste hingerissen hat, sowieso. Auch in diesem Jahr gab es für ihn und sein Team, bzw. das Team des Kronenschlösschens standing ovations. Aber auch wenn es nur € 250,00 sind, und dies im Vergleich zu einem Menü im 3*-Haus inkludiert der Weinbegleitung den Preis ca. halbiert - lass es mich mal bitte ganz deutlich und langsam sagen: Das. ist. scheiße. viel. Geld. Wieviel muss man verdienen, um es ÜBER zu haben für einen solchen Abend! Da sollte dann auch dem Gast nicht nur mit ausgesuchter Freundlichkeit sondern auch mit einem größeren Ausdruck von Respekt begegnet werden. Und dieser kann sich schon in der zur Verfügung stehenden Freiheit für die Arme ausdrücken. 

Aber was mir noch viel mehr auf der Seele liegt, und was ich hier raushauen kann in der unbedingten Subjektivität meines Blogs, der nichts und niemandes Meinung verpflichtet ist, außer der meinen: Wenn ich dabei zusehe, wie der Dunstkreis eines ehemaligen Bundesministers (nicht er selbst!) die reizenden und bis zum Anschlag aufmerksamen Mitarbeiter_innen des Serviceteams bei Nichtgefallen mit Handbewegungen verscheucht wie lästige Fliegen, wenn ich sehe, wie Kellnern nicht einmal mehr in die Augen gesehen wird vor lauter Habitus den man selbst vor sich her trägt - dann, ja dann muss ich mir Mühe geben, dass es mir auch die schönste Veranstaltung nicht schon gleich zu Beginn verleidet.

Und weißt Du, was der schönste Augenblick des Abends war?
Als der ganze Saal stand und spontan für Patrick Kimpel "happy birthday" gesungen hat. Da ging mir das Herz auf, das mir das Menü zuvor nicht zu öffnen vermochte. Und so fuhr ich dann am Ende doch beschwingt und wieder etwas versöhnt nach Hause.

Disclaimer:
Freundlicherweise ließ mich Hans B. Ullrich, der Geschäftsführer des Rheingau Gourmet Festivals über die betreuende Agentur gourmet connection zu diesem Abend einladen. Zu einer Berichterstattung wurde ich zu keinem Fall aufgefordert oder gebeten. Ich berichte gerne über Erlebnisse, die entweder besonders schön oder kurios oder in anderer Form nacherzählenswert sind.  Da ich in meiner Meinung stets nur mir selbst und meinen Leserinnen und Lesern verpflichtet bin, hat eine eventuelle Einladung an mich keinerlei Auswirkungen auf den Tenor meiner Berichte. 

17.03.12

Ich glaube es ja selbst nicht...


Derzeit warte ich darauf, dass mich jemand kneift und ich aufwache. Aber ich bin wirklich noch hier in Island und war gestern im kleinsten Restaurant der Welt auf Rädern, das in der Nähe der Blauen Lagune halt gemacht hatte.




 Demnächst dann mehr. (Wenn ich wieder aufgewacht bin...)