...und obwohl ich niemals mit übermäßigem Haarwuchs (im Gesicht schon mal gleich gar nicht!!!) zu kämpfen hatte – dieses Fremd der Heimat-Gefühl kenne ich zu gut. Zumal der Satz im Original anders lautet; er stammt aus der Ballade Das Grab im Busento von August von Platen-Hallermünde (1796 - 1835)
„Nächtlich am Busento lispeln, bey Cosenza, dumpfe Lieder,
Aus den Wassern schallt es Antwort, und in Wirbeln klingt es wieder!
Und den Fluß hinauf, hinunter, zieh’n die Schatten tapfrer Gothen,
Die den Alarich beweinen, ihres Volkes besten Todten.
Allzufrüh und fern der Heimath mußten hier sie ihn begraben,
Während noch die Jugendlocken seine Schulter blond umgaben.“
Allzufrüh abgewandelt in unrasiert wurde dann von den Soldaten des ersten Weltkrieges. Und obwohl ich an manchen Tagen meine frühere Heimat Hannover noch immer vermisse, bin ich doch mittlerweile endlich zuhause. Habe neue Wurzeln geschlagen, die mir nie mehr jemand herausreißen möge. Ich lebe gerne hier in Rheinhessen. Dieser wunderbaren Gegend, die so sehr nach Hessen klingt und trotzdem in Rheinland-Pfalz liegt, aufgrund ihrer Vergangenheit unter französischer Besatzung. Hier, wo jeder Quadratmeter Genuss atmet. Von der Fleischwurst über den weltbesten Spargel aus Finthen hin zu vorzüglicher besternter Küche. Ländlich geprägt in sämtlichen Strukturen und doch voller Entdeckergeist und Experimentierfreude sind die Menschen in Rheinhessen. Hier passe ich gut hin, hier bin ich zuhause. Heimat. Ist ein wunderbares Gefühl.
Du weißt, wie sehr mir das Kochen mit regionalen Produkten eine Herzensangelegenheit ist, wie gerne ich Werbung mache für die muskulösen Kracher-Hähne von Daniel, das tolle Fleisch der Metzgereien Walz und Stefan, und die Obst- und Gemüsebauern m. V. Dass ich gerne Bioprodukte verarbeite, mir aber Region und Ehrlichkeit noch viel wichtiger ist. Wenn alles zusammenkommt – wunderbar! Dieser Blog ist werbe- und produkttestfrei. Du findest hier keine Testberichte über Multifunktionsküchengeräte oder Ähnlichem, das einem Blogger täglich so angeboten wird, über das er doch bitte berichten möge, er dürfe auch gerne das Testgerät hinterher behalten. Mich stört es nicht bei anderen, ich finde ja sowieso immer, es soll jeder nach seiner Façon und so... aber ich mag es für mich einfach nicht, die Verpflichtung zum schreiben MÜSSEN, die Gefahr, mich selbst zu verbiegen ist mir viel zu groß.
Biowein ist hier im Blog noch eine Nische. Wir wohnen inmitten der rheinhessischen Weinberge und ich denke immer, dass ich kaum aus dem Haus gehen kann, ohne über einen Winzer zu fallen. In unserem direkten Umfeld hier in der rheinhessischen Kleinstadt gibt es zwei Biowinzer. Einer (WG Huf) ist so ungefähr unser Haus- und Hoflieferant für die Alltags- und Fernsehweine, der zweite (WG Arndt F. Werner) liegt so nah, dass ich ihm bald auf den Hof spucken könnte und trotzdem habe ich mich aus Zeitmangel noch nicht komplett durch sein Sortiment getrunken. Wenn es dann also auf einmal darum geht, im Zuge der Prowein Bio-, bzw. Ecovin-Winzer aus Rheinhessen in ihrem Bekanntheitsgrad zu unterstützen, mache ich gerne mit. Mit einer Einschränkung - ich kann ja gar keinen Wein trinken derzeit. Heute ist mein 18. Fastentag und so ganz unter uns, ich habe keinen Bock mehr. Wahrscheinlich höre ich heute auf, mal sehen. Insofern war es eine interessante Sache, diese Weinprobe. Ich habe meine Nase ins Spiel gebracht und P. seinen Gaumen.
Und unter diesen besonderen Voraussetzungen testeten wir 3 Weine vom WG Gustavshof in Gau-Heppenheim. Die beiden Traubensäfte, die sie mir mit ins Paket gepackt haben, hatte ich für mich alleine, obwohl ich eigentlich nur mit Wasser und Tee faste, habe ich mir hier großzügig eine Ausnahme zugestanden.
Aus dem Premiumsegment des Weingutes kam eine Flasche 2010 Grauburgunder Signatur trocken, € 9,00/Fl.
Meine Nase am 15. Fastentag:
War erstmal am Rande einer Ohnmacht. Ich rieche derzeit, während ich im Schlafzimmer bin, dass P. in der Küche gerade ein Schinkenbrot isst. Und die, die unsere Wohnung kenne, wissen - der Weg ist weit. Jetzt an einem Glas zu Wein zu riechen war wie eine Offenbarung nach über zwei Wochen des Verzichtes. Da schlugen mir Apfelaromen entgegen, gepaart mit Vanille und einem Hauch vergorener Trauben. Abgedeckt durch eine Lage Samt. Doch, man kann Samt riechen, ich habe es gerade erlebt! Diesen Samt hat P. auch geschmeckt, er hat ihm den ganzen Gaumen ausgekleidet und dann seine Decke gehoben um rechts und links leichte Säure hinabgleiten zu lassen. Dazu hat er Dichte und Apfelfrucht und wie zu sehen ist, auch noch eine wunderbare Farbe. Der Wein muss toll sein, er wird nämlich nachgekauft. ;)
Als Basiswein kam ein 2011er Cabernet Sauvignon Blanc de Noir für € 6,00/Fl.
Meine Nase:
Kleiner roter Kirschlolli an grünem Stiel. Kennst Du sie noch? DER Lolli meiner Kindheit. Am Ende war dann der obere Teil des Stieles total weichgelutscht. Das war der Wein wohl nicht, aber er roch sehr klebrig-süß. Am Gaumen war er laut P. ausdruckslos, "nach hinten schnell weg" ohne bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Wir mögen Blanc de Noir gerade im Sommer als Terrassenwein sehr gerne, dieser hier wird nicht in unsere Favoritenliste aufgenommen.
Als Dritter im Verkostungstrio kam er an die Reihe: 2007er Cuvee Jomax - 40 % Spätburgunder, 30 % St. Laurent und 30 % Portugieser. € 7,50/Fl.
In der Nase ganz klar ein Spätburgunder. Und eine große Herausforderung. Denn P. hat wenig Rotweinerfahrung, aufgrund seiner Histaminunverträglichkeit verzichtet er meistens und beschränkt sich auf meine rotweingeschwängerten Saucen. Die wahre Herausforderung für mich besteht also stets darin, ihm für eine typisches Rotweinessen den geeigneten Weißwein herauszusuchen. Aber Kirsche hat er geschmeckt. Auf nachhaken war es eine schwarze. Gepaart mit etwas Brombeere. Und ein Hauch Vanille. Ich vermute, die kommt vom Holz, der Wein war 12 Monate im Holzfass. P. hält ihn für einen guten Essensbegleiter, ich freue mich auf das nächste Coq au vin vom rhoihessischen Mistkratzer, für das er Begleitung sein darf. Also ganz klar mit einer Nachkaufempfehlung ausgestattet, hier stimmen Preis und Leistung!
Die nächsten Weine vom Gustavshof werden wir uns nicht schicken lassen, da fahren wir dann selbst hin. Vielleicht ab April, dann ist das Gästehaus wieder geöffnet, Weineinkäufe können lang werden, ich spreche da aus Erfahung... Aber erst einmal esse ich jetzt wohl einen Apfel. :)
18 Tage. Weniger als angestrebt, aber mehr als die mir selbst auferlegte "Pflicht" von 14. Ich kann wohl ganz zufrieden sein und freue mich schon auf den Herbst...
Sags´s gerne weiter!
















