Weinrallye #58 | Weinwichteln


Wir unterbrechen die laufende Stille...

Arthurs Tochter Kocht Weinrallye


Ich liebe, wie Du weißt, wenn virtuelles auf reales Leben trifft. Und habe heute mal wieder das beste Beispiel dafür, wie wunderbar so etwas funktionieren kann. Im Rahmen der 58. Weinrallye, ausgerichtet und organisiert von Thomas auf seinem Winzerblog, haben 37 Blogger Wein gewichtelt. In echt! Viele der Beteiligten kenne ich persönlich und es wäre mir bei einem jeden eine Freude gewesen, Wein zu verschicken. Dass es mich dann in beiden Richtungen (als Schenkende und als Beschenkte) von zwei meiner Lieblingsmenschen traf, empfinde ich als ganz besonderen Glücksfall. Beschenkt wurde ich von Peer F. Holm, seines Zeichens Inhaber von Wein & Wissen, ausgewiesener Weinliebhaber und -kenner, mit besonderer Leidenschaft den Weinen der iberischen Halbinsel verhaftet. Btw. bekam ich von Peer vor 2 Jahren meine erste Flasche roten Vinho Verde geschenkt, auch diese ein Erlebnis. 

Für diese Rallye aber hat er mich mit einem ganz besonderen Wein überrascht.

ABADIA RETUERTA
Pago Valdebellón
Cabernet Sauvignon 2009
Vino de la Tierra de Castilla y León - Sardón de Duero



Daten und Beschreibung (Quelle: Weingut)
Ausbau:
22 Monate in französischen Eichenfässern, fünf mal pro Jahr umgezogen. Alterung in der Flasche, ungefiltert.

Rebsorte:
100 % Cabernet Sauvignon

Alkoholgehalt und Zusammensetzung:
14 % Vol.
Gesamtsäure 4 g/l, pH-Wert: 3,64, Gesamt-Polyphenole: 74

Beschreibung:
Dieser außergewöhnliche Cabernet Sauvignon stammt von einem kalkhaltigen Terrior mit Lehmboden. Nach einer vollständigen Maischegärung entwickelt der Wein sein Potenzial während des 22-monatigen Ausbaus in neuen Barriques. Die dunkle Farbe und das frische Bukett von Kräutern, Heu, Nelken und roten Beeren mit Nuancen von Graphit verleihen dem Wein eine große Komplexität. Am Gaumen zeigt er sich kraftvoll und anhaltend, was auf ein großes Reifepotenzial hindeutet. 

Jahrgang 2009:
Dieser Jahrgang zeichnet sich durch einen besonders harten Winter mit Tiefsttemperaturen um -13°C und geringen Niederschlägen von 65 Liter aus. Zu Jahresbeginn verfügte der Boden jedoch über Wasserreserven von über 70%. Da dieser Sommer der heißeste und trockenste der letzten Jahre war, mussten wir Maßnahmen ergreifen,um dem extremen Wasserstress entgegen zu wirken, der das Pflanzenwachstum bedroht. Ab September herrschte wieder ein gemäßigtes Klima vor, und die Reben konnten ihren Reifungsprozess unter optimalen Bedingungen vollenden. Zum Zeitpunkt der Lese hatten die Trauben eine hervorragende Qualität entwickelt, sodass beim Verlesen nur knapp 3 % der Trauben aussortiert wurden Was die Qualität der Weine angeht, stellen wir nach der Verkostung der verschiedenen Lagen fest, dass wir es mit dem bisher besten Jahrgang unserer Geschichte zu tun haben.

Produzierte Stückzahl:
25 Barriques, abgefüllt auf 6.800 Flaschen, 120 Magnums und 30 Doppelmagnums.

Lagerfähigkeit:
Der Wein entfaltet sein Potenzial während der nächsten 5 Jahre .Danach verfeinert er seinen Charakter in der Flasche und erreicht optimale Genussreife im Jahr 2019.

Beschreibung (Quelle: Ich.)
Was macht frau mit einem spanischen Cabernet Sauvignon, der so besonders daher kommt, wenn sie ihn nicht kennt? Sie brät sich dazu ein Rumpsteak. Das lässt dem Wein Raum zur Begleitung und verhindert die zu große Dekadenz, ihn einfach nur so zu trinken. Und dann war die Überraschung des Abends perfekt. Ich gab den ersten Schluck in ein großes Burgunderglas ich nahm einfach das größte Weinglas, das ich habe, meine Glasausstattung hat Mut zu großen Lücken Augen zu, einatmen. Ein Korb schwarzer Johannisbeere in der Nase. Draußen herrschten Minusgrade und ich wünschte mir ein Vanilleeis herbei, über das ich diesen Wein hätte gießen können. Bevor hier aber Missverständnisse entstehen - nicht, weil er süß wäre. Aber diese Frucht! Und dann der erste Schluck. Habe ich beim Öffnen etwas "Ruppigkeit" erwartet die Weinbeschreibungen lese ich immer erst nach dem Trinken, damit sie mich nicht beeinflussen schließlich Spanien und so, Castilla y León, kommen da nicht die struppigen Monastrell her, die ich so gerne an die Ochsenbacken gieße? bekam ich den Mund voller Samt ausgekleidet. Schon sehr lange nicht mehr hat ein Wein sich so eingeschmeichelt. Keine Spur von 14 % Vol.! Ich aß das Steak schnell, bevor es kalt wurde und gab mich dann doch der Dekadenz des Wein allein-Trinkens hin. Über den Abend langsam genossen wurde er nur noch weicher und weicher. Zu Johannisbeeren gesellten sich etwas schwarze Kirschen, ein Hauch Vanille aber nie süßlich, weit entfernt von jeder Klebrigkeit. Im letzten Drittel wurde er nach ca. 4 Stunden Luft kräuteriger und fast ein wenig weihnachtlich mit seinen Noten von Nelke, etwas Lorbeer und ein Hauch Piment. Am Gaumen war er mir fast zu weich, ich trinke gerne so genannte Männerweine, ich mag Ecken und Kanten. Bei Menschen und bei Wein gleichermaßen. 

Dieser Wein hat mich an einen besonders schönen Menschen erinnert. Ein Gesicht, das Dich fesselt, das Du immer wieder ansehen musst ohne davon loszukommen. Pure Schönheit. Und immer mit der Gefahr ausgestattet, langweilig zu wirken. Und wie diese schönen Gesichter oft im Alter richtig zu faszinieren wissen, so ist ganz klar, das ich diesen Wein zu jung getrunken habe. All das Kräuterige, Würzige das er heute in sich trägt, wird sicher in 5 Jahren besser zum Vorschein kommen, dann wird die Fruchtsüße in den Hintergrund treten und wenn auch keine Kante oder Ecke dazu kommen wird, die Wucht wird da sein. Die Sonne, der Boden, die Kargheit. Sein ganzes Wurzelgefühl wird dieser Wein dann schenken. 

Übrigens ist schon die Flaschen eine Ansage, sie wiegt leer immer noch 1,2 Kilo! Und jetzt mach Dir mal den Spaß und wiege eine leere, handelsübliche Flasche Wein, die Du so gerade zur Hand hast. 

Lieber Peer, hab' ganz herzlichen Dank für diesen wunderbaren Wein, für die spannende Entdeckung und den schönen Abend, den ich mit diesem Tropfen hatte! 

Verschenken durfte ich an meinen Freund Utecht, und ich überlegte nicht eine einzige Sekunde, welchen Wein er bekommen sollte. Unseren all-time-favorite Michael Teschke bewusst außen vor lassend, war Rheinhessen klar, Riesling war klar, feines Zeugs war klar. Und so bekam er aus dem außergewöhnlichen 2009er Jahrgang eine Flasche 

Weingut Dreissigacker
Hasensprung
Riesling trocken
2009
Rheinhessen

den Lidwina Weh, Chef-Sommelier im Hotel Louis C. Jacob, Hamburg auf der Webseite des Weingutes wie folgt beschreibt: "Der Barocke. Der Riesling beeindruckt durch sein salzige Mineralität mit viel Würze. Facettenreich. Erinnert an einen Waldspaziergang im Morgengrauen." Viel mehr aber als diese poetische Beschreibung bin ich gespannt auf die Zeilen von Joerg, wie ihm der Wein schmeckte, wann er ihn trank, mit wem, wozu und warum. 

Zum Schluß aber vor allem ein großes Dankeschön an Dich, lieber Thomas! Dass Du diese wunderbare Rallye organisiert hast, dass Du Wein- und sonstige Blogger zusammenbrachtest, und uns allen einen Blick über Teller- und Glasränder hinweg ermöglicht hast. Ich bin sehr gespannt, wohin Deine Reise geht und nur weil ich weiß, dass Du uns mit weiteren Projekten überraschen wirst, weine ich lediglich mit einem Auge, dass Du den Winzerblog einstellst. 

Alle Teilnehmer auf einen Blick:
Die jeweiligen Beiträge werden alle heute im Laufe des Tages in den Blogs erscheinen. 





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Arthurs Tochter

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