Rheingau Gourmet Festival 2012, Galadinner mit Jean George Klein im Kronenschlösschen, Eltville-Hattenheim


Also... (tieflufthol) Ich muss ja schauen wo ich anfange und ich weiß, dass ganz viele auf den Bericht meiner Genußreise nach Island warten - allein, ich möchte nicht erst nach Ostern über das Gala-Dinner schreiben, Ostern 2013 wohlgemerkt und darum muss ich jetzt mal so langsam die letzten Wochen von hinten aufrollen... Island, samt Essen im Eldhus (mancher hat wohl schon ein paar Fotos gesehen), meiner Reise unter die Erde in eine 2000 Jahre alte Lavahöhle (ich habe also nicht nur gegessen!) und dem Bericht, wie ich nun doch der new nordic cuisine verfiel, all das muss noch kurz dem Festival den Vortritt lassen.

Ich fange einfach mal mit dem Essen an und hole dann anschließend noch mal etwas Luft. Tief.
Eingedeckter Tisch mit Klumpen Brot





Madeleine mit Taschenkrebs & Raz-el-Hanout Last Tango
Champagne Laurent Perrier Brut

Variation von Topinambur und Trüffel (kleine Anmerkung: Und viel Schaum)
2007 Hattenheimer Pfaffenberg Riesling Spätlese
Domänenweingut Schloss Schönborn

Intermezzo von Langostino-Carpaccio und seiner Bouillon "Lady Curson"  (Anmerkung: geschäumt) Trotzdem mein Lieblingsgang
2010 Hattenheimer Engelsmannsberg Riesling Spätlese Feinherb
Weingut Georg Müller Stiftung 
Gebratener Seehecht mit Selleriepürée, Pfifferlingen in Escabèche und Blauen Trauben (Anmerkung: Und viel Schaum)
2008 Erbach Siegelsberg Riesling Erstes Gewächs-Magnum
Weingut Jakob Jung
Hummer in Holunderblüten mit Kapuziner-Erbsenbonbon, Kokosmilch Emulsion (Anmerkung: Du ahnst es schon...)
2010 Jung Riesling Charta
Weingut Jakob Jung

Hinweis vom und für den Service!

Gabel an Messer und Glas an Glas. Nicht auf dem Bild: Ellenbogen an Ellenbogen

Intermezzo (Mousse de foie de volaille) Kein Schaum!!!

Mein Taubenersatz: Short Rib (gigantisch!!!)
2009 HattenheimHassel Spätburgunder Erstes Gewächs
Weingut Georg Müller Stiftung

2009 Lagrein
Manincor

2009 Cassiano Cuvée Rot IGT
Manincor

Cappucino von Kartoffeln und Trüffeln (Klar, Cappucinos sind geschäumt!) Leider von der Küche total versemmelt!

Süßes Intermezzo Biscuit mit Zitronencrème, Yoghurt, Hagebuttensorbet
Karamellisiertes Apfelbonbon, Biscuit und Crème mit Alma Mater, Granny Smith Sorbet
(kleiner Ausfallschritt: "Dein Haar roch nach grünem Apfelshampoo aus "Nur ein Traum", Trio, 1982

2007 Erbacher Michelmark Riesling Beerenauslese
Weingut Jakob Jung


2005 Erbacher Marcobrunn Riesling Beerenauslese
Domänenweingut Schloß Schönborn
Kleine Gaumenfreuden (mein Favorit war eindeutig der erst explodierte und anschließend abgeflämmte Marshmallow)
Kaffee, Pralinen usw.
Tieflufthol.
Kurze Info zu Jean George Klein aus L'Arnsbourg  kompakt vorweg:
Besonders bekannt wurde der Ort durch das Hotel-Restaurant "L'Arnsbourg" am Ortsrand im Untermuhlthal, benannt nach der benachbarten Burg Groß-Arnsberg (Grand-Arnsbourg). In dem ehemaligen alten Forsthaus, das bereits seit Generationen als Restaurant im Familienbetrieb geführt wurde, hat sich seit 1988 ein kulinarischer Tempel von Weltniveau entwickelt. Unter Führung des Gastronomen-Ehepaares Nicole und Jean-Georges Klein konnte sich das Haus drei Sterne im "Guide Michelin" erwerben und hält dieses Niveau seit etlichen Jahren. Damit gehört es zu den besten Restaurants der Welt. Jean-Georges Klein wurde im Jahr 2007/08 vom Guide Michelin als einer der drei besten Köche Frankreichs ausgewählt. (Quelle: Wikipedia)

Mein Traum ist es seit vielen Jahren, einmal nach L'Arnsbourg zu reisen, um im gleichnamigen Restaurant zu speisen. Aber der Weg ist weit und Du weißt, wie das ist. Mit dem Menü ist es nicht getan, Du benötigst es x 2, es sei denn, Du isst lieber alleine und dann brauchst Du noch die Übernachtung. Wir sind zwar hemmungslose Genießer, aber auch uns fällt das Geld nicht bei jedem Schritt aus der Tasche. Insofern drängen sich Veranstaltungen wie das Rheingau Gourmet Festival förmlich auf. Für einen Bruchteil des Preises vor Ort hast Du die Gelegenheit, die Küche des Originalschauplatzes zu erahnen. Ich schreibe wohlüberlegt erahnen, vor dem o. g. Menü hätte ich noch davon gesprochen, der Philosophie eines Koches nachspüren zu können. Jean George Klein erzählt gerne Geschichten. Er schafft mit seinen Gerichten Kreisläufe oder spürt den Elementen nach. Das ist ein Teil seiner Philosophie. Davon wusste ich allerdings bereits vorher.

Dieser Abend aber hat leider eindrucksvoll bewiesen, warum so viele Menschen die Hochküche nicht verstehen. Weil sie sich zu oft versteigt in Abseitigem, weil sie über Bilder auf dem Teller Dinge zeigen will, die im Kopf ihres Schöpfers entstanden sind und dieser dabei vergisst, sich deutlich auszudrücken. Wenn der Traum nur noch ein Schaum ist, der verdeckt, was gesagt werden will - dann läuft etwas ganz ganz grundlegend verkehrt in den Restaurants. Natürlich habe ich gut gegessen an diesem Abend. Gut getrunken sowieso. Kann aber ein Koch von Weltrang in einem solchen Gefüge und unter diesen Voraussetzungen die Philisophie seiner Küche demonstrieren? Entgegen meiner vorherigen Überzeugung hoffentlich nicht, denn sonst verstellt mir in diesem Fall die gezeigte Philosophie die Lust auf den Besuch in all seinen wirklichen Facetten. 

Die perfekte Organisation dieser Veranstaltung, dem Servieren von ca. 200 oder 250 Tellern pro Gang perfekt und heiß bis an den letzten Platz, der Service, der fließt wie an einer unsichtbaren Schnur gezogen, die Freundlichkeit aller, die sich an einem solchen Abend um das Wohl der Gäste kümmern - all diesem gebührt höchste Achtung! Dass man gequetscht an einem Tisch sitzt, sich die Ellenbogen ineinander rammt, wenn der Tischnachbar ein paar Kilo mehr auf den Rippen trägt als man selbst, verführt zur Frage, ob weniger nicht auch hier mehr wäre. Nichts desto trotz sind die Gala-Dinner auf dem Rheingau-Gourmet-Festival stets ausgebucht, dieses mit Jean George Klein, der bereits im Vorjahr die Rheingauer Gäste hingerissen hat, sowieso. Auch in diesem Jahr gab es für ihn und sein Team, bzw. das Team des Kronenschlösschens standing ovations. Aber auch wenn es nur € 250,00 sind, und dies im Vergleich zu einem Menü im 3*-Haus inkludiert der Weinbegleitung den Preis ca. halbiert - lass es mich mal bitte ganz deutlich und langsam sagen: Das. ist. scheiße. viel. Geld. Wieviel muss man verdienen, um es ÜBER zu haben für einen solchen Abend! Da sollte dann auch dem Gast nicht nur mit ausgesuchter Freundlichkeit sondern auch mit einem größeren Ausdruck von Respekt begegnet werden. Und dieser kann sich schon in der zur Verfügung stehenden Freiheit für die Arme ausdrücken. 

Aber was mir noch viel mehr auf der Seele liegt, und was ich hier raushauen kann in der unbedingten Subjektivität meines Blogs, der nichts und niemandes Meinung verpflichtet ist, außer der meinen: Wenn ich dabei zusehe, wie der Dunstkreis eines ehemaligen Bundesministers (nicht er selbst!) die reizenden und bis zum Anschlag aufmerksamen Mitarbeiter_innen des Serviceteams bei Nichtgefallen mit Handbewegungen verscheucht wie lästige Fliegen, wenn ich sehe, wie Kellnern nicht einmal mehr in die Augen gesehen wird vor lauter Habitus den man selbst vor sich her trägt - dann, ja dann muss ich mir Mühe geben, dass es mir auch die schönste Veranstaltung nicht schon gleich zu Beginn verleidet.

Und weißt Du, was der schönste Augenblick des Abends war?
Als der ganze Saal stand und spontan für Patrick Kimpel "happy birthday" gesungen hat. Da ging mir das Herz auf, das mir das Menü zuvor nicht zu öffnen vermochte. Und so fuhr ich dann am Ende doch beschwingt und wieder etwas versöhnt nach Hause.

Disclaimer:
Freundlicherweise ließ mich Hans B. Ullrich, der Geschäftsführer des Rheingau Gourmet Festivals über die betreuende Agentur gourmet connection zu diesem Abend einladen. Zu einer Berichterstattung wurde ich zu keinem Fall aufgefordert oder gebeten. Ich berichte gerne über Erlebnisse, die entweder besonders schön oder kurios oder in anderer Form nacherzählenswert sind.  Da ich in meiner Meinung stets nur mir selbst und meinen Leserinnen und Lesern verpflichtet bin, hat eine eventuelle Einladung an mich keinerlei Auswirkungen auf den Tenor meiner Berichte. 

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Arthurs Tochter

Kommentare :

  1. Autsch! Das hört sich ja wahrlich nicht gut an. Der Hinweis des Service' auf dem Tisch ist himmlisch aber anders bei der Gästeanzahl und Anordnung wohl nur über Armbänder zu organisieren. ;-)
    Aber der Preis ist wirklich nicht ohne. Hast Du Dich auf Deinen Lecithin- Blutanteil testen lassen?

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  2. Schade. Da stimmt mal wieder der Satz, dass weniger meist einfach mehr ist. Aber schön, dass Du trotzdem ein paar Glücksmomente an dem Abend hattest!
    Eines interssiert mich aber noch persönlich: War eigentlich Nicole Klein an dem Abend auch da?

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  3. Schaum...sehr viel Schaum. Das viel mir auch beim Betrachten deiner Fotos auf. Und der wenige Platz. Da kann ich, als leicht klaustrophobisch veranlagter Mensch wohl nur sparen.
    Schade, wenn einem der Genuss so verleidet wird.

    Wie fandest du die Weine von Manincor?
    LG, Sandra

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  4. Ich mag es auch nicht, wenn mich beim Essen dauernd jemand schupst. So was ähnliches veranstaltet Hintner in Eppan, halt im Sommer im Freien. Mich zieht es da überhaupt nicht hin. Südtirol war bei den Weinen gut vertreten:)

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  5. Steffen, da über diese Zettel alle Infos verarbeitet wurden, auch solche wie "stilles Wasser", war die lange Tafel am Ende ganz schön gesprenkelt. Mir ist aber klar, dass man das irgendwie organisieren muss, bei dieser Gästezahl. Eine weniger omnipräsente Möglichkeit wäre mir da aber schon eingefallen. :)

    Sewwi, da ich Nicole Klein nicht persönlich kenne, kann ich es Dir nicht sagen. Sie wurde nicht vorgestellt und gesehen habe ich sie aus vorgenanntem Grund nicht. :)

    Sandra & Magdi, ich liebe die Manincorweine sehr und habe mich über ihre Präsentation entsprechend gefreut!

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  6. Na sowas! Ich war nämlich auch da und war ein bisschen (sehr?) enttäuscht von der Veranstaltung. Leider war die Küche aúsgesprochen nicht mein Fall, aber ich möchte dieses Menu auch nicht für so viele Leute kochen müssen. Die vielen Schäume müssen nicht sein und ich halte sie schon für einen Teil der Fehlplanung. Insgesamt habe ich aber den Eindruck, als ob diese Art von sehr schicken Küchenbemühungen mehr und mehr in der besseren deutschen Gastronomie Fuss fasst. Das ist schon mehr was für Leute mit SUV und Louis Vuitton als für unsereinen mit bodenständigen Gelüsten und gustativer Neugier. - Die Weine allerdings mochte ich.

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  7. Liebe AT,

    das tut mir sehr leid und fühle mit Dir. Solch unerfreuliches und unfreundliches Gebahren gegenüber Gästen habe ich letztes Jahr am eigenen Leib erfahren müssen. Aussen hui und die PR auch wunderbar und wenn man dann vor Ort ist, dann erlebt man sein blaues Wunder und reist nach nicht einmal 24 Stunden aus dem eigentliche als einwöchigen Aufenthalt geplanten Erholungsurlaub ab... das Grauen hat einen Namen: http://www.daskranzbach.de

    Einmal und NIE wieder; nicht einmal geschenkt!(Essen schrecklich, Service und Verhalten gegenüber Hotelgästen unterste Schublade, ...)

    Liebe AT, gerne hätte ich Dich diese Woche beim Abendessen an meiner Seite. Im Signinahotel in Laax übertrumpft jeder Gang den nächsten. Gerade vorhin gab es (bei exzellenten Service!): Vorsspeise: Kartoffelcremesuppe mit Lauchstroh und Trüffelöl, Hauptgang: Kräuterschweinelendchen mit Pesto-Tomate an Tagliatelle, Nachtisch: Selbst gemachter Apfelstrudel an Vanillesauce und Cassissauce. Jeder Gang war ein Geschmackserlebnis und nicht zu groß und nicht zu klein.
    Perfekt.
    Nach Deinen Schilderungen wäre das genau das richtige für Deine Erholung. Sehen wir uns? Wir sind noch den Rest der Woche hier ;-).

    Liebe Grüßle von Tanja aus dem Schwabenländle.
    Deine Tanja

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  8. Lieber Steffen, noch ein kleiner Nachtrag für Dich (und natürlich alle anderen!) es freut mich, dass Du das als Profi auch so empfindest. Der Preis ist für ein Menü in einem 3*Restaurant natürlich völlig legitim, ganz im Gegenteil wäre er samt der Weinbegleitung das reinste Schnäppchen. Für eine durch und durch gesponserte Veranstaltung, bei der man nach dem Essen laut rufen möchte "aber er hat ja gar nichts an", ist es allein aufgrund der extremen Enge an den Tischen definitiv zu viel. Das PLV stimmt hier einfach gar nicht und sowas kann ich nur schwer ertragen. :)

    Och Menno Conny! Das ist ja schade! Ich hatte es ja mal kurz hier im Blog erwähnt, aber nicht sehr "prominent". :)
    Ich hatte eigentlich in den letzten Monaten das Gefühl, die Schäume seien auf dem Rückzug. Schade, wirklich.

    Meine liebe Tanja,
    ich kann mich noch gut an das Fiasko erinnern, dass ihr neulich erlebt habt. Und das, wo Du die Erholung so bitter nötig hast. Um so mehr freut es mich, Euch wohl umsorgt zu wissen. Zu gerne wäre ich dabei!
    Sei ganz lieb gegrüßt!

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  9. Achso, nicht dass es zu Missverständissen kommt:
    Der Service und die Freundlichkeit der Mitarbeiter waren an diesem Abend nicht zu überbieten!

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  10. Wir haben schon öfter mit dem einen oder anderen Event beim Rheingau Gourmet Festival geliebäugelt, hatten aber die Befürchtung, dass genau das uns dann massiv stören würde, wovon du hier erzählst. Schade eigentlich... Bestätigt mich nur, lieber ein wenig länger zu sparen und das Essen dann in der richtigen Atmosphäre zu genießen. :)

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Danke für Deinen Kommentar, der schnell freigeschaltet wird, so er höflich und respektvoll ist und nicht anonym abgegeben wurde. Mein Blog ist kein Diskussionsforum für anonyme Netz-Misanthropen, sondern ein Geschenk an meine Leserinnen und Leser.

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