In eigener Sache

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30.09.11

Darum ist Bocuse so rund!


Weil er das Rezept für die geilste, cremigste, kalorienreichste Kürbissuppe der Welt hat! Und weil Heike unbedingt wissen will, wie er die macht, bzw, was ich daraus gemacht habe kommt hier die pure Völlerei:

Entnommen dem Buch 
"Alles Gemüse" | 135 Rezepte ohne Fleisch
Simon Hopkinson 
erschienen 2010
Verlag Collection Rolf Heyne 
€ 35,00
Ich mag dieses Buch! Es ist einfach im besten Sinne. Immer wenn etwas aufgebauscht in meinem Leben daher kommt, breche ich es herunter. Angelehnt an den Shania Twain Song "That Don't Impress Me Much " überlege ich, alles gut und schön - aber wie mache ich es jetzt einfach und klar. Hier ist das nicht nötig. Die Rezepte sind von bestechender Schlichtheit, die Bilder nah am eigenen Küchentisch. Und genau wie Yotam Ottolenghi ist auch Simon Hopkinson kein Vegetarier. Aber jemand, der gerne Gemüse, bzw. fleischlos isst. Wo Ottolenghi gefühlte 27 Gewürze braucht, die zumindest einen gut sortierten Gewürzhändler in der Nähe erfordern, kommt Hopkinson mit den Standards aus. Viel Olivenöl, Zitrone, Lorbeer, Eier, Milch etc. Da sind Estragonessig oder Dijon-Senf schon fast die Exoten. Bei Amazon ist zu lesen:
"Simon Hopkinson schrieb unter anderem das Buch Roast Chicken and other Stories, das 2005 zum nützlichsten Kochbuch aller Zeiten erkoren wurde und sich laut Amazon sogar besser als Harry Potter VI verkaufte. Jason Lowes Foodfotografie erscheint weltweit in Zeitungen und Magazinen. Bei der Collection Rolf Heyne erschien 2009 Brotsuppe & Bohnen, ein Gemeinschaftsprojekt mit seiner Frau Lori De Mori."
Und Hopkinson paart. In den meisten seiner Rezepte nimmt er 2 Gemüsesorten, die – ebenfalls sehr sympathisch – zur gleichen Zeit Saison haben. Spargel und Artischocken. Erbsen und Bohnen. Karotten und Pastinaken. Kürbis und Bocuse. Ein Schelm, wer jetzt an Ähnlichkeiten denkt! Und – ganz wichtig aufgrund der Diskussionen zur Optik von "Genussvoll Vegetarisch" – das Buch hat einen klassischen Einband, ohne sich plastikmäßig im Regal aufzublähen und Platz für zwei zu beanspruchen. Also ganz anders als das von mir geliebte "Plenty", aber eben das. Anders – genauso gut. 

Hopkinson stellt seine Version der Bocuse´schen Kürbissuppe als schlichte Interpretation des Originals vor, das wiederum von Bocuse vor Jahren auf einer Neujahrskarte an seine Freunde verschickt wurde. Erschienen ist es ursprünglich im Buch "Great Chefs of France" von Quentin Crewe und Anthony Blake.

SOUPE DE COURGE À LA CRÈME
"Der Kürbis ist ein Gemüse, das man nicht vergessen sollte. ... Hier ein köstliches Rezept: 
Die Kappe von einem 4 - 5 Kilo schweren Kürbis schneiden. Die Kerne entfernen und den Kürbis zu 3/4 abwechselnd schichtweise mit Croûtons und geriebenem Gruyère füllen. Mit Salz und Pfeffer würzen und mit Sahne auffüllen. Dann 2 Stunden lang im heißen Ofen backen. Das Fruchtfleisch des Kürbis mit einem Löffel lösen, dann mit einer Schöpfkelle umrühren, um das Fruchtfleisch mit der Suppe zu vermischen, und sofort servieren."
Hier die vereinfachte Version von Hopkinson:
  • 1 kleiner Kürbis, ca. 1,75 - 2 kg
  • 400 ml Crème double
  • 1 Knoblauchzehe, gehackt
  • Salz, frisch gemahlener Pfeffer
  • 150 g Gruyère oder Beaufort, frisch gerieben
Das obere Viertel des Kürbis als Deckel abschneiden und beiseite legen. Aus dem Kürbisinneren mit einem Löffel die Kerne und Fasern kratzen. Die Crème double mit dem Knoblauch in einen Topf geben und erhitzen, salzen, pfeffern. Dann vor der Herdplatte nehmen, abdecken und 20 Minuten ziehen lassen.

Die heiße Crème double durch ein Sieb in den Kürbis streichen. Den Käse hineinrühren, den Kürbis mit dem Deckel verschließen und in eine Auflaufform stellen. Den Kürbis im auf 200°C vorgeheizten Ofen 1,5 - 2 Stunden garen, bis das Kürbisfleisch zart ist. Die Schale des Kürbis soll schön braun werden, bei Bedarf die Temperatur reduzieren. 
Meine persönlichen Änderungen ergaben sich daraus, dass ich Crème double durch Mascarpone ersetzt habe, diese aber dann direkt in den Kürbis gab. Den wiederum habe ich zuvor mit Salz, Pfeffer einem Hauch Chili und etwas Zimt ausgerieben, und war doch zu zaghaft, am Tisch wurde noch etwas nachgesalzen. Die Hälfte eines Bechers Mascarpone, dann drückte ich in diese eine Handvoll Croûtons. Wobei ich selbstverständlich KEINE Croûtons verwendet habe, sondern Krachelscher. Wie die gemacht werden, kannst du AN DIESER STELLE in einer meiner ganz persönlichen Lieblingsgeschichten hier im Blog nachlesen. Auf die Schicht der Krachelscher gab ich einige Scheiben Appenzeller und habe dann den Schichtvorgang wiederholt. Aufgegossen mit einem Becher warmer Sahne, in der vorher 3 klein gehackte Knoblauchzehen zogen, die ich mitnichten durch ein Sieb wieder herausgefischt habe! Kürbisdeckel drauf und ab in den Ofen. Nach ca. 30 Minuten bin ich mit der Hitze runter auf 185°C, weil der Kürbis zu schnell dunkel wurde. Nach exakt 1,5 Stunden war er mit einem Ausgangsgewicht von 2197 g gar. Die Krachelscher waren voll gesogen mit Knoblauchsahne-Mascarpone, ploppten in der Käsemasse nach oben und alles verströmte einen betäubend nussigen Knoblauch-Kürbis-Duft. 
Wie Hopkinson schreibt, weiß man am Ende nicht, ob man eine Suppe gemacht hat oder einen gebackenen Kürbis mit Käse und Sahne. Aber wer will in Momenten voller geschmacklicher Wonnen über solche Kleinigkeiten streiten?

Mit diesem Kracherrezept ist "Alles Gemüse" aber sowas von reif für die Teilnahme an foodfreaks Dauerevent "DKduW"



28.09.11

Kabeljau mit Petersilieninjektion auf Tandoori-Püree nach Thomas Bühner


Bevor ich hier weit aushole und von zwei aufregenden Tagen auf der Chefsache 2011 in Köln berichte, von fliegenden Eiern, Joints zum Nachtisch, ausschweifenden Sake-Verkostungen, feinen Schokoladen und davon, wie ich mich mal fast wie Heinz Horrmann gefühlt habe –  gibt es hier noch etwas zu essen. 

Mit einem Bein im Restaurant "la vie", Osnabrück, wohin ich zur Zeit eine kleine Reise plane, stellte ich erst kürzlich erschrocken fest, dass ich kein einziges Buch von Thomas Bühner besitze. Nach Recherche wurde mir klar warum - es gibt leider nicht viel. "Kochschätzchen", erschienen erst im Januar 2010 ist bereits vergriffen, so blieb mir nur ein Band aus der "SZ-Biliothek der Köche". Ein  inhaltlich liebevoll gestaltetes Büchlein, im Layout dagegen etwas karg, welches viel vom Koch und seiner derzeitigen Heimat erzählt und erst auf Seite 42 mit den Rezepten beginnt. Ich selbst blieb ziemlich schnell auf Seite 68 hängen und kochte...

Kabeljau mit Petersilieninfusion und Tandoori-Kartoffelpüree

Ein Rezept, welches eigentlich mit nur 6 Zutaten auskommt - aber wie so oft liegt der Teufel im Detail. Die Mengenangaben beziehen sich auf 4 Personen.

Kabeljau mit Petersilieninfusion
  • 400 g Kabeljaufilet, filiert und pariert
  • feines Meersalz
  • 150 g Extraktöl (s. u.)
  • 2 Bund Blattpetersilie
Tandoori-Kartoffelpüree
  • 200 g Kartoffeln
  • Tandoori-Pulver
Extraktöl
  • 500 ml Sonnenblumenöl
  • 200 g Kabeljaugräten, klein geschnitten
  • Meersalz

100 g Fisch pro Person passt natürlich in einem Menü, für uns zuhause habe ich die Mengen großzügig erhöht, dafür die Ölmenge auf 300 ml reduziert, was auch für 4 Personen ausreichend gewesen wäre. Beim Fischhändler auf dem Wochenmarkt wurde ein strammer Kabeljau vorbestellt, so war die Grätenquelle als gesichert zu betrachten. Der Kabeljau kam ohne Kopf, und das mir, wo ich doch auf die Bäckchen spekuliert hatte. Auf Nachfrage sagte mir der Händler, dass pro Kilo Fracht € 1,00 fällig wäre,daher würden den Fischen die Köpfe schon auf den Schiffen abgetrennt. Mist. Das nächste mal wieder in der Metro oder ich lasse mich in Zukunft von der Deutschen See beliefern, die schleppen mir das Zeug bis in die Küche. 
Die Petersilie waschen, mit Stiel grob schneiden und in einem Rotormixer mit wenig Wasser so lange pürieren bis sie vollkommen verflüssigt ist. Das hat bei mir ca. 10 Minuten im TM gedauert, unter Zugabe von ca. 100 ml Wasser. Nebenbei brachte der Vorgang mich zur Überlegung, ob ich den TM, der mir wie Du weißt, den blöden Designer-Blender von Cloer ersetzt, dies aber immer nur leihweise – also ob ich wohl einen TM brauche, wenn ich dessen Wärmefunktionen niemals nutze, die Waage nicht brauche und dazu noch gerne ein Gerät hätte, das schick genug ist, um dauerhaft herumzustehen. Vorschläge sind hiermit ausdrücklich erbeten! Den Petersiliensaft durch ein Tuch geben.

In eine Spritze füllen. Die zwei Bund Petersilie ergaben 500 ml Petersiliensaft, d. h. wenn jemand mal auf einen gesunden Drink vorbeikommen möchte - ich habe da noch was tiefgekühlt. :)
Den Kabeljau filetieren, Gräte kleinhacken. Die Gräte(n) im 65°C warmen Öl eine Stunde ziehen lassen. Anschließend das Öl passieren. 

Petersiliensaft sehr sanft in die Filets spritzen. 
Anschließend salzen und mit etwas  Öl (ich habe 1 EL pro Filet verwendet) im Vakuumbeutel bei 53°C für 8 - 10 Minuten im Wasserbad garen. 
Tandoori-Kartoffelpüree
Die Kartoffeln in der Schale kochen (upps, ich habe sie aus Macht der Gewohnheit vorher geschält), das Kochwasser aufbewahren.Die Kartoffeln pellen, durchpressen und mit dem Kartoffelwasser sowie dem Extraktöl zu gleichen Teilen glatt rühren. Salz und Tandoori-Pulver nach Geschmack dazu geben. Tandoori-Pulver ist teuflisch. Teuflisch scharf! Jedenfalls das, welches ich hatte. Also nicht zu großzügig beginnen! Und keineswegs hat es mir das Püree so herrlich rot gefärbt, wie auf dem Foto im Buch. Aber der Geschmack - wow! 
Das Püree in die Tellermitte geben, den Fisch darauf setzen und mit ein wenig des Öls nappieren. Auf Wunsch  frittierte Petersilie dazu geben (zu spät, war komplett im Mixer und die Eigenzucht zu mickrig).
Die Lichtverhältnisse wurden schlechter und schlechter, aber man kann hier trotzdem gut erkennen, wie sagenhaft dieser Fisch wurde.

In der Wiederholung gab es bessere Bilder und auch das rotere Pulver:

Herrn Bühner wird´s freuen...





23.09.11

Alltag! Aperta, die offene Lasagne aus Rinderwade


Manchmal passen Dinge zu einander, wie die Faust auf´s Auge oder der Betonstiefel um die Füße des Mafiosos.

Seit einigen Wochen beschäftige ich mich ganz öffentlich mit regionalen oder Bio-Lebensmitteln und deren im besten Sinne nachhaltiger Produktion. Und während mich täglich ungezählte Adressen erreichen, die ich lesen, sichten und auch aussortieren muss (Adressen von Supermärkten, weil die Verkäuferin hinter der Theke so nett ist, passen irgendwie nicht hinein), kommt mir ein Bio-Wein ins Haus. 

Die Blogger von Delinat glauben, im "Bonarossa" den perfekten Pastawein gefunden zu haben und suchen ihm jetzt in einem Wettbewerb passende Gerichte. Ich bin da außen vor. Gemeinsam mit Silke Lu Nolden, Stevan Paul und Claudio del Principe bin ich Mitglied der Jury, die die eingereichten Rezepte bewerten wird. Weil wir vier aber alle selbst mit Leidenschaft kochen, gibt es passend zum Wein natürlich auch jeweils ein Rezept von uns. Ich hinke hinterher, die anderen waren bereits schneller

Ganz kurz aber noch etwas zum Wein, das lasse ich mir nicht nehmen. :)
Die Trauben für den Bonarossa wachsen auf blutroter Erde (terra rossa) im Süden Siziliens. Dort bewirtschaftet die Familie Maggio seit den 1950er Jahren drei eigene Weingüter. Heute wird das Weingut von Önologen Massimo Aggio und seiner Schwester Barbara geführt. Alle Weingüter wirtschaften nach kontrolliert biologischen Bestimmungen, die Trauben werden von Hand gelesen und in der eigenen Kellerei am Stadtrand von Vittoria verarbeitet. 

Im Bonarossa sind Nero d´Avola, Cabernet Sauvignon und Merlot. Wenn Du ihn im Glas hast, bringt er Dir einen kleinen Gewürzgarten und viel dunkle Frucht in die Nase. Pflaume, Brombeere, Kirsche, eine kleine Note schwarzen Pfeffers. Du ahnst bereits, wie samtig er sein wird. Kein struppiger Sizilianer, da ist nichts gegen den Strich gebürstet. Der Bonarossa ist ein seidiger Wein, der Dich den Tag gemütlich ausklingen lässt und sich mit seiner Leichtigkeit auch für die "Rettet den Mittagswein"-Initiative eignet. Bonarossa ist Alltag im besten Sinne. Nicht kompliziert aber schön. Und - ganz wichtig: Lecker! Ich finde, Wein darf nicht nur, nein er muss sogar lecker schmecken. Jedenfalls wenn er launiger Geselle sein will und nicht meditationsschwer. Dabei hat er mit € 7,90/Flasche auch noch einen perfekten Alltagspreis. Meine persönliche Grenze liegt bei € 10,00 – was teurer ist, schütte ich seltener ins Essen (außer einen "Myrto" ins Risotto - das hat was!) und noch bewusster und konzentrierter in mich selbst. 

Und so passte er ganz vorzüglich zu meiner Alltagsküche, in der es so etwas Ähnliches gab, wie eine Lasagne. Aber eben doch anders. 


Rinderwade, fantastisches Schmorfleisch. Ganz klein geschnitten. Portionsweise in sizilianischem Olivenöl (sic!) angebraten, mit etwas Mehl abgestäubt. 2 Möhren zerhackt, eine Knolle Knoblauch halbiert, 2 Lorbeerblätter, eine rote Zwiebel. Pfeffer und Salz. Nach und nach die erste Flasche Bonarossa einreduziert. Minus ein Glas, das kam in die Köchin. Derweil die zweite Flasche geöffnet und zum Essen etwas atmen lassen. 
 100 ml sagenhaften, tieftiefdunklen, unendlich reduzierten Kalbsfond angegossen, als Booster.
 Das Gemüse herausgefischt, nicht mehr nachwürzen müssen! 
Salbei, 2 Stunden zuvor aus dem Garten meiner Gemüsehändlerin abgeschnitten, in Butter aufgeschäumt. 
Lasagneplatten gekocht, halbiert, und auf jeweils 3 Hälften einen Esslöffel des Ragouts gegeben. Zugeklappt, mit Salbeibutter umgossen.  
Pecorinoabreibung.
Perfekter Alltag! Herz, was willst Du mehr?


Mehr Wein! :)



13.09.11

Kreise ziehen... Nachklapp

Das Rohgerüst steht. So KÖNNTE es für die nächste Zeit aussehen. Seit gestern erreichen mich eine Flut von Einkaufstips quer durch Deutschland, ich bin ganz platt vor Freude! Wahnsinn!

Aber: Du kannst Dir sicher vorstellen, dass das auch ganz schön viel Arbeit macht. Ich übernehme diese sehr gerne,  bitte Dich aber um etwas Unterstützung:
  • bitte schicke mir nicht einfach nur eine Liste mit Links 
  • leider habe ich nicht die Zeit, mich durch alle diese Links durchzuklicken und dann die Adressen rauszuschreiben
  • Daher: Bitte schick mir Adressen!
  • Bitte schreibe in Deine Email den Betreff "Einkaufskorb" und wenn möglich die betreffenden Postleitzahlen. Das macht mir das Sortieren viel einfacher
  • bitte sende mir Deine mail zu diesem Thema ausschließlich an: arthurstochter.einkaufskorb@gmail.com
  • Gerne mit Telefonnummern (ich muss auch noch nachtragen) und den Links zu den Homepages
  • Bitte unterteile in Kategorien. Mal so grob nach Fleisch, Geflügel, Fisch, Milcherzeugnisse, Wein, etc. Dir fällt sicher genug ein
  • Bitte, bitte schreibe ganz kurz, was diesen Erzeuger oder Händler so ausgezeichnet macht. Sieh diese Liste als einen exklusiven Reigen - da soll nicht jeder rein. Warum also genau DEIN Lieblingshändler? 
  • Unterstütze mit diesem Vorhaben KLEINE UNABHÄNGIGE Erzeuger und Händler. Wenn Du einen tollen Supermarkt hast, der sich das Wohl und Glück dieser Erzeuger auf die Fahnen geschrieben hat, und Du sonst keine gute Quelle in der Umgebung hast: Auch her damit
  • jetzt kommt das Schwierigste. Aber auch das Tollste. Wenn Du einen Blog hast, dann stell dort Deine ganz persönlichen Lieblingserzeuger und Händler vor. Das sagt mehr, als jedes Stichwort, das ich in der Liste einfügen könnte. Ich würde dann einfach direkt zu Deinem Beitrag verlinken. So kann im Idealfall jeder auf seinen/ihren persönlichen Lieblingsblog zurückgreifen und die Seite hier wird nicht zu unübersichtlich
  • Über Tips und Ratschläge zur Gestaltung an sich freue ich mich weiterhin sehr! Sollte die Flut an Adressen anhalten, bekommt die Liste vielleicht eine eigene Blog-Adresse oder Homepage um eine bessere Übersichtlichkeit zu gewährleisten. Jetzt lassen wir sie erstmal wachsen...
Und jetzt fange ich mal an zu sortieren...




12.09.11

Kreise ziehen...

Oder auch: Vom Sonnenschwein zum Einkaufsführer.
Auf meinen letzten Beitrag  "Von der Moral" habe ich so viel Post bekommen, wie schon lange nicht mehr. Nicht nur hier im Blog, auch auf allen anderen Kommunikationskanälen haben mir Menschen von ihren Einkaufserlebnissen und -quellen berichtet.

Was liegt also näher, als wie bereits angesprochen, einen Einkaufsführer für die jeweilige Region zu schreiben, in der man selbst wohnt. Gib Deine guten Adressen bekannt! Wenn Du Dir nicht sicher bist, ob Dein Händler das möchte – frag ihn einfach. Vielleicht kann sie oder er noch ein paar gute Kunden mehr gebrauchen. Wenn Du keinen Blog hast - macht nix. Schick mir Deine Adressen, ich nehme sie gerne auf. Genau wie die aller anderen.

Dafür werde ich eine meiner Seiten im Header zur Verfügung stellen. Wahrscheinlich fliegt das Gästebuch raus, ich habe auf meiner Homepage sowieso noch eines, das muss reichen. Dort würde ich gerne nach Postleitzahlen (und Ländern) sortiert, gute Einkaufsquellen auflisten. Wenn diese Adressen von einem Blogger kommen, verlinke ich diesen dazu, denn ich weiß, dass jeder so seine Fans hat, die ihr oder ihm besonders vertrauen. Das schöne daran ist, diese Liste ließe sich beständig erweitern und ergänzen. Oder es fliegt vielleicht eine Adresse wieder raus, man kann sich ja auch mal täuschen. Panta rei.

Warum? 
Ich glaube, dass wir Blogger großes Vertrauen bei unseren Leserinnen und Lesern genießen. Wir geben viel mehr als Tipps, wie man ein Essen richtig zubereitet, und als reine Rezeptdatenbank sehe ich meinen Blog beileibe sowieso nicht. Wenn ich aber etwas Bestimmtes aus der Kulinarik suche - egal ob Rezept, Restauranttip oder Einkaufsmöglichkeit - finde ich es in einem meiner Lieblingsblogs ist es für mich "wahrer". Eben weil ich der Person dahinter vertraue, weil ich glaube, sie ein kleines bisschen zu kennen. Jedenfalls besser als das nächste anonyme Verbraucherportal um die Ecke im Netz.

Und weil das so ist und das nicht nur wir wissen, sondern die Werbewirtschaft auch und die PR-Strategen, die uns mit Anfragen für Produkttests zuschütten, die Printmedien, die vielfach immer noch vergeblich versuchen, Blogs zu ignorieren - weil sie alle von unserer Macht wissen - lassen wir sie doch mal ein bisschen zittern. Stopfen wir die Hochglanz-Angebotsblätter vom Supermarkt mit den halben zerlegten Schweinen für € 2,99/kg in die Tonne, lehnen wir uns auf (yeah, Revolution!) und fordern wir das Gute ein!

Katha hat bereits aufwändig angefangen, da stehe ich noch ganz am Anfang. Unter "Esskultur Einkaufsquellen". Wer Lust hat, möge uns folgen. Wir können und wir werden dadurch nur gewinnen!

09.09.11

Von der Moral


Angestoßen durch Frau Katha Esskultur, die mir mit ihrem aktuellen Bericht von glücklichen Schweinen mal wieder aus der Seele gesprochen hat, sowie dem Bericht zum Film "Taste the waste" bei Stevan Paul von NutriCulinary, werde ich heute ein bisschen über mein Einkaufsverhalten sowie die Erzeugung unserer Lebensmittel reflektieren. Dieser Bericht ist zutiefst subjektiv, mit teilweiser großer Wut im Bauch verfasst worden. Die Zahlen zu geschlachteten Schweinen stammen von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, andere Zitate aus Wikipedia. Sie sind entsprechend gekennzeichnet. Der ganze Rest ist meine persönliche Lebenswirklichkeit. Fundiert sind die Angaben zur Vernichtung von Brot und Backwaren, da ich selbst in dieser der Branche gearbeitet habe. Am Ende des Textes nenne ich Bezugsquellen für gute Lebensmittel aus meiner Region. 

Obst und Gemüse

Ich fange mal damit an, dass ich keinesfalls grundsätzlich Bio-Produkte einkaufe. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen geht mir Regionalität eindeutig vor Bio und die Klimabilanz eines Bioapfels aus Neuseeland lässt mich schaudern. Dann geht in vielen Biobetrieben immer noch der Gedanke an rechtsdrehende Mondumlaufbahnen über den pfleglichen Umgang mit Lebensmitteln und Kunden. Ich weiß, das klingt ein bisschen ketzerisch, aber eine verdreckte Rübe schmeckt nicht gleich besser, sie sieht nur beschissenener aus. Überhaupt bin ich der Meinung, Bio schmeckt man nicht unbedingt. Respektvolle Erzeugung, Mischkulturen im Anbau, gepflegte Böden - all das kann man riechen und schmecken. Ein Siegel – zumal wenn es mit bis zur Unkenntlichkeit weich gespülten Kriterien daher kommt wie das EU-Bio-Siegel  – interessiert mich erst einmal weniger. Ich versuche daher, unseren Bedarf an Lebensmittel weitestgehend bei den Erzeugern vor Ort zu decken. Damit geht einher, dass es natürlich gleichzeitig ein durch und durch saisonal orientiertes Einkaufsverhalten ist. Ich brauche im Spätsommer den Spargel aus Peru nicht und auch nicht die Paprika aus Israel.

Geflügel und Eier

Natürlich bin ich keine Heilige und Dogmatiker sind mir immer verdächtig. Meine Auberginen kommen aus Italien, der Reis aus Italien, der Safran aus Österreich. Manchmal kaufe ich Tomaten aus Frankreich, wenn die heimische Ware noch nicht so weit ist. Aber alles was geht, kaufe ich beim Gemüsebauern vor Ort.

Meine Hähnchen kommen von einem Landwirtschaftlichen Kleinbetrieb, der Inhaber, Daniel,  ist im ersten Beruf Trockenbauer. Sein Geflügelhof ist klein und soll auch klein bleiben. Wenn er größer wird, übertritt er die Schranken für einen landwirtschaftlichen Kleinbetrieb; die Bestimmungen und Vorschriften, die er dann umzusetzen und einzuhalten hätte, würden ihn finanziell ruinieren. 
Und so sind weder die Hähne, nicht die Gänse und auch nicht die Eier "bio". Aber sie sind gut und im Einklang mit der Natur erzeugt worden. Die Hähnchen rennen von morgens bis abends durch die Gegend, so dass das Fleisch am Ende nichts für Gebissträger ist. Die Eier schmecken unvergleichlich - manchmal sind sie noch ein bisschen verdreckt, aber ein kleiner Hühnerschiß an der Schale ist mir allemal lieber, als die "Alibi-Feder", die in jeder industriell erzeugten Eierpackung zu finden ist und das Bild vom glücklichen Huhn heraufbeschwören soll. 

Apropos Huhn! Die Wiesenhof-Debatte! Für mich in Teilen verlogen bis zum Anschlag. Ich verstehe einfach nicht, wie man im Supermarkt für € 2,99 ein ganzen Hähnchen erstehen kann, und sich jetzt bei denen in der Reportage gezeigten Bildern vor Ekel windet. Erst nicht für 5 Pfennig nachdenken und hinterher aufregen und so tun, als hätte man das ja alles nicht gewusst, ich glaub es hackt! Am tollsten ist in dem Zusammenhang die REWE, die jetzt großspurig in der Öffentlichkeit verbreitet, wie sehr ihr der Tierschutz am Herzen liegt und wie sehr man jetzt JETZT! ENDLICH! Betriebe wie Wiesenhof unter die Lupe nehmen und in letzter Konsequenz als Lieferanten auslisten wolle. Wenn sie damit fertig sind, können sie wahrscheinlich bei ihrem Metzgereibetrieb "Brandenburg" gleich weiter machen. 

Noch etwas liegt mir auf der Seele. Liebe Leserinnen und Leser, kauft die Hühner im Ganzen. Verzichtet auf die praktischerweise abgehackten Keulen in der Großpackung oder in der Auslage der Supermarkt-Metzgerei-Theke. Und bitte bitte bitte kauft nicht immer nur Hühnerbrüste. Die Brust bleibt hier, bereits schick enthäutet - bloß nicht mehr zuviel Ähnlichkeit mit dem Tier erzeugen, von dem sie stammt; der Rest vom Huhn geht nach Afrika und versaut den dortigen Geflügelbauern die Preise. Das Geflügel in den hiesigen Kreatur-quälenden-Großbetrieben wird so billig erzeugt, dass die "unschönen Reste", die die deutschen Verbraucher nicht essen wollen (zum Teil die Keulen, die Rücken und Flügel sowieso) nach Afrika exportiert werden und trotz der Kosten für Verpackung, Kühlung und Transport dort immer noch mit Gewinn verkauft werden können. Und – das ist das Perfideste am System – immer noch billiger sind, als das Huhn vom örtlichen Erzeuger. Der muss seinen Betrieb aufgeben und nagt am Hungertuch, die Kinder können nicht mehr in die Schule gehen, die Frauen müssen betteln, die Töchter sich prostituieren. Da bleibt mir vor Entsetzen und Wut der Geflügelknochen im Halse stecken. 

Und wenn Du dann nur die Brust oder nur die Keulen essen willst - mach das doch. Friere Dir den Rest ein. Koch Dir daraus einen tollen Hühnerfond oder eine Suppe. Mach ein Frikassé. Probiere mal die fantastischen Sot-l'y-laisse und ich schwöre Dir, Du wirst den Hühnerrücken lieben! 

Rind, Schwein, Wild und Lamm

Ich habe 3 Metzger, bei denen ich mein Fleisch kaufe, 2 von Ihnen schlachten noch selbst. Der, der nicht mehr selbst schlachtet, bezieht mittlerweile sein komplettes Rindfleisch von der Erzeugergemeinschaft Schwäbisch-Hall, beim Schweinefleisch fährt er (noch) zweigleisig. Und der Schinken, den er vom Schwäbisch-Hällischem "Mohrenköpfle" anbietet, ehrlich, da läuft der Saft nur so heraus. 
Daraus werden dann so herrliche Braten wie mein Osso Buco vom Schwein mit Morchelpolenta und gebrannter Rosmarinhaube

oder Elines Fenchelbraten aus dem Küchentanz, den ich  nicht verbloggt habe, für den ich aber eine dringende Nachkochempfehlung ausspreche!
Und doch - dieses Fleisch legt von der Schwäbischen Alb bis zum mir immerhin eine Strecke von über 200 km zurück. Im Vergleich aber zu einem Schwein, das lebend von Deutschland nach Polen transportiert wird, um dort geschlachtet zu werden, falls es den grausamen Transport dorthin überhaupt überlebt, immer noch zu vertreten. 2010 wurden von der deutschen Fleischwirtschaft 59,3 Mio. Schweine geschlachtet und verarbeitet. (Quelle: Landwirtschaftskammer Niedersachsen) Eine Vielzahl von ihnen wurde und wird zur Schlachtung nach Osteuropa gekarrt, weil die dortigen Schlachtereien mit absoluten Dumpingpreisen locken. 
"Ungeachtet dessen planen führende deutsche Fleischzentren weitere Wachstumsschritte. Die führenden zehn Unternehmen wollen dabei insgesamt schneller wachsen als der Marktdurchschnitt. Sollte die geplante Übernahme von Tummel durch Tönnies erfolgen, würde die Nummer 1 in Deutschland einen Marktanteil von 28 % erreichen. Der Strukturwandel in der deutschen Schlachtbranche beschleunigt sich also weiter. Kleine und mittlere Betriebe werden aufgeben oder durch Fusionen übernommen werden. Die Wege zu den Schlachthöfen werden sich tendenziell vergrößern und zu steigenden Vorkosten beitragen und damit die Gewinnspannen der Mäster verringern." (Quelle: Landwirtschaftskammer Niedersachsen, ich empfehle den ganzen Bericht zu lesen!) 
Zu Tönnies ein Auszug aus Wikipedia:
"Der hohe Anteil von Niedriglohn-Beschäftigten hatte die Firma Tönnies in das Rampenlicht der politischen Diskussion gerückt. Darüber hinaus hatte die Beschäftigungspolitik des Unternehmens – nicht zuletzt wegen der Unterbringung der Arbeiter in Sammelunterkünften – am Standort Rheda-Wiedenbrück zu bundesweiter Kritik geführt. Nach eigenen Angaben beschäftigt das Unternehmen seit einiger Zeit einen externen Beauftragten, der den Zustand der Sammelunterkünfte überprüft.
(...)
Im Jahr 2007 nannte der Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium Gerd Andres auf einer Pressekonferenz die Firma Tönnies als Beispiel für unhaltbare Zustände in der Fleischindustrie. Andres betonte, das Unternehmen beschäftige in seinem Werk am Standort Rheda-Wiedenbrück 2000 osteuropäische und 250 deutsche Mitarbeiter. Andres folgte wenige Wochen nach seinen Äußerungen einer persönlichen Einladung von Tönnies, besuchte den Stammsitz in Rheda-Wiedenbrück und äußerte sich danach sehr positiv über das Unternehmen. 
Seit September 2007 stand das Unternehmen ungerechtfertigt unter dem Verdacht des Betruges. Die Staatsanwaltschaft ermittelte. Im Zuge des Verfahrens wurde deutlich, dass der Betrugsverdacht von Wettbewerbern in der Fleischbranche eingefädelt wurde. Gleichzeitig konnte Tönnies nachweisen, dass ein Mitarbeiter des Eichamtes vorsätzlich Waagen manipuliert hat, um den Vorwurf des Betruges zu festigen. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel recherchierte in diesem Zusammenhang intensiv und warf die Frage auf, inwieweit die verschiedenen Vorwürfe nicht Teil einer Kampagne des größten Wettbewerbers Vion N.V. seien, der scheinbar mit einem Versuch einer Übernahme gescheitert war. Am 15. Dezember 2010 gab das Landgericht Essen bekannt, dass es keine Anklage wegen Betrugs zulässt und die Anklage der Staatsanwaltschaft Bochum endgültig abgewiesen hat. Spiegel online bezeichnete die Einstellung als "Herbe Niederlage für die Staatsanwaltschaft Bochum". 
Im April 2008 berichtete das ARD-Magazin "Report Mainz", dass bei Tönnies Mitarbeiter videoüberwacht wurden. Mit flächendeckenden Kameraüberwachungen sollen laut Zeugenaussagen Betriebsangehörige selbst in Umkleidekabinen und auf Toiletten gefilmt worden sein. Die Firma Tönnies räumte gegenüber Report Mainz die Videoüberwachung teilweise ein und begründete sie mit Hygienekontrollen. Die Reinigung der Hände und das Anziehen der Schutzkleidung werde überwacht. Gefilmt würden „Garderobenräume, (...) keinesfalls aber Dusch- oder Umkleidekabinen." In allen Fällen erfolgt die Überwachung durch sichtbare Kameras. (...) Die Arbeitnehmervertreter sind ebenfalls informiert und haben diesem System ausdrücklich zugestimmt.“ Allerdings gibt es bei Tönnies laut Gewerkschaft weder einen Betriebsrat noch eine andere gesetzlich legitimierte Arbeitnehmervertretung. Das Unternehmen beobachtete seine Mitarbeiter mit über 200 Kameras in allen betrieblichen Einrichtungen, auch in Dusch- und Umkleidebereich. Die Beweislage war so eindeutig, dass Tönnies einem Bußgeld von 80.000 € zustimmen musste.
Im November 2009 berichtete "Report Mainz", dass die Staatsanwaltschaften Oldenburg und Bielefeld wegen des Verdachts auf Bestechung und Steuerhinterziehung gegen Subunternehmer von Tönnies ermitteln. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sollen die Unternehmen Schmiergeldzahlungen an Tönnies in Millionenhöhe als Betriebsausgaben deklariert haben. Die Schmiergelder sollen gezahlt worden sein, um von Tönnies bevorzugt Werkverträge für Billiglohnkräfte zu erhalten. Des Weiteren berichtet das Magazin, dass die Staatsanwaltschaft Bielefeld wegen Bestechung und Steuerhinterziehung gegen einen weiteren ehemaligen Tönnies-Subunternehmer, einen in Litauen lebenden deutschen Geschäftsmann ermittelt."
Text unter „Creative Commons Attribution/Share Alike
Der ganze Bericht hier:

Die Tiere der anderen beiden Metzgereien werden von den Inhabern noch selbst geschlachtet, und zwar im Schlachthof Bayer in Niederwallmenach, dem einzigen verbliebenen Schlachthof (privat geführt!) in den Regionen Rhein-Lahn, Rheingau-Taunus, Westerwald und Limburg bis einschließlich des Rhein-Main-Gebietes. Das heißt, der Metzger sucht die Tiere selbst beim Bauern aus, bringt sie am Vortag zum Schlachhof, damit sie sich vom Transport wieder erholen können und schlachtet sie Montagmorgens selbst. Wenn dann mittwochs im Geschäft kein Schnitzel mehr zu haben ist, ist es eben aus. Da wird nicht zugekauft. Weg ist weg, kauf halt ein Kotelett oder warte bis nächste Woche.

So geht es mit dem Rindfleisch genauso. Tiere aus offener Weidehaltung, gut mamoriertes Fleisch, 6 Wochen abgehangene Steaks, Fett dran, so muss das sein.
Damit macht Kochen Spaß!
Wild gibt´s auch. Die Metzgerei Walz hat unter ihren Verkaufskräften eine Jägerin. Und so sitze ich auch für Wildschein oder Reh an einer nie versiegenden Quelle.

Beim Lamm mache ich manchmal Ausnahmen. Nirgendwo bekomme ich so tolles Lammfleisch wie bei meinem türkischen Metzger. Allerdings stammt dies in der Hauptsache aus Holland. Die Schafe weiden an der See, sind die natürlichen Rasenmäher der Deiche, trampeln gleichzeitig den Boden immer wieder schön fest und liefern, ähnlich wie die deutschen Salzwiesenlämmer wunderbar aromatisches Fleisch. Da Schafe nicht intensiv gehalten werden, ist mir das immer noch tausendmal lieber als das neuseeländische Lammfleisch, das erst rund 18.000!, in Worten: ACHTZEHNTAUSEND Kilometer zurücklegen muss, um auf unseren Tellern zu landen.

Brot, Butter, Milch und Fisch

Inkonsequent. Butter kaufe ich wenn möglich als Fassbutter auf dem Markt. Wenn ich es aber nicht auf den Markt schaffe, greife ich auf herkömmliche Ware zurück. Für gute Milch habe ich keine Quelle. Allerdings verbrauchen wir so wenig, dass die Notwendigkeit nicht so drückt und eine Fahrt nach Mainz zum Biomarkt, die hin- und zurück ca. 30 km auf den Zähler bringt, sich für den Liter Milch in der Woche nicht lohnt. Also Supermarktware. Zähneknirschend.

Da ich häufig in der Metro bin, kaufe ich dort meistens auch den Fisch. Es gibt dort keine oder nur sehr selten Bioware im Angebot. Allerdings verzichte ich möglichst auf den Kauf von bedrohten Arten (das war auch schon anders, aber ich lerne jeden Tag dazu).

Das Brot, bzw. der Umgang mit diesem ist mir eine Herzensangelegenheit und sie passt vortrefflich zum aktuellen Film "taste the waste". Ich habe ihn noch nicht gesehen und weiß daher nicht, ob das Retourenmangement der Bäckereien dort eine Rolle spielt. Für mich tut es das und ich gebe zu, bevor ich nicht selbst in dieser Branche gearbeitet habe, habe ich mir nie Gedanken darüber gemacht.

Der Verbraucher verlangt stete Verfügbarkeit eines großen, teilweise nicht mehr überschaubaren Sortimentes. Das führt zu Tonnen von weggeschmissenen Lebensmitteln, die ständig über Bedarf produziert werden. Du kannst Dich natürlich mal nachts an die Container eines Supermarktes schleichen und über die Mengen an weggeschmissenen Lebensmitteln jammern. Du kannst aber auch abends an das Regal des Bäckers im Vorkassenbereich Deines Lieblingssupermarktes treten, Dir die Auswahl ansehen und dann hochrechnen, wer die zur Verfügung stehende Ware bis Geschäftsschluss noch kaufen soll, bzw. wird. Wirtschaftlich arbeitende Bäckereien haben feste Quoten für die Ware, die weggeschmissen wird. Diese Quoten, die sogenannten Retouren, schwanken zwischen 8 und über 20 % pro Filiale. Ich weiß das so genau, weil ich für diese Quoten verantwortlich war. Je nach Standort wird also im vollen Bewusstsein der geistigen Kräfte, sowie betriebswirtschaftlichen Rechnens das weggeschmissene Lebensmittel im Voraus kalkuliert. Aufgeschlüsselt auf einzelne Warengruppen, weiter gedröselt bis hin zu den Prozenten von Körner- oder Mischbroten wird vorgegeben, wieviel Prozent des Tagesumsatzes im Müll landen müssen.

Natürlich kann man nicht bis auf das letzte Brot oder Brötchen planen, wieviel abends noch in der Ladentheke sein wird. Aber eine Retoure von ca. 3 % liegt absolut im Bereich des Möglichen und Machbaren, wenn man eine "fitte" Filialleiterin hat, die das Warenmanagement beherrscht, ihre Kundschaft kennt und einigermaßen weiß, was wann wieviel in ihrem Geschäft verkauft wird.

Das ist aber nicht gewollt. Gewollt ist immer mehr. Mehr Auswahl, mehr Kunden, mehr Umsatz, mehr Gewinn. Ach ja, manchmal ist auch weniger gewollt. Weniger Lohnkosten z. B. Das führt dann dazu, dass Du eben KEINE fitte Filialleiterin mehr hast, die kannst Du nämlich nicht mehr bezahlen, wenn von der Unternehmensleitung die Vorschrift kommt, keine gelernten Kräfte mehr einstellen zu dürfen. Aber das nur so am Rande.

Und so werden dann abends landesweit Tonnen von "Müll" produziert, die absolut zu vermeiden wären. Wegschmeißen müssen das nach Ladenschluss Mitarbeiterinnen (in der Regel sind es Frauen), die teilweise zu Stundenlöhnen von € 6,00 brutto arbeiten, davon allein erziehend sich und ihre Kinder ernähren, und gerne ein Stück davon mit nach Hause nehmen würden. Aber aus Angst, die Mitarbeiter könnten bewusst noch höhere Retouren verursachen, damit zwingend etwas für sie über bleibt, dürfen sie natürlich keinen Krümel davon haben. Mein persönlicher Vorstoß, wenigstens samstags den übrig gebliebenen Kuchen, der montags nicht mehr verkauft wird, an die Mitarbeiterinnen zu verschenken zog viele Warnungen meiner Kollegen und Vorgesetzten mit sich, meine Mitarbeiterinnen würden mich "linken" wollen und ich würde das ergebnisbereinigt noch bereuen. Auch "Gutes vom Vortag zum halben Preis" oder Ähnliches ist nicht erwünscht. Die Angst vor dem Kunden, der dann nur noch das "ja noch Gute vom Vortag" kauft und somit weniger Umsatz macht, ist zu groß. Genauso die Überlegung, ab z. B. 20.00 Uhr Teile des Sortimentes preisreduziert zu verkaufen. Immerhin haben die meisten Supermärkte mittlerweile bis 22.00 h geöffnet, manche sogar noch länger. Da könnte man dann doch... Fehlanzeige. Auch nicht gewünscht. Hier ist die Angst zu groß, die Kunden könnten gezielt nur noch nach 20.00 einkaufen, was Umsatzverlust zur Folge hätte. Lieber wegschmeißen lautet das Gebot der Stunde!

Und wenn abends um 20.00 h das vorgegebene Sortiment nicht in ausreichender Menge zur Verfügung steht, können die Supermärkte die Pächter abmahnen, was bis zur Kündigung der Pachtverträge führen kann. Der nächste Bäcker steht schon bereit, glaub mir. Dazu kommt, das teilweise die Bezirksleiter der Supermärkte an den Erträgen der Pächter im Vorkassenbereich über Prämien beteiligt sind. D. h., der Druck kommt von vielen Seiten.

In Hochglanz-Unternehmensbroschüren wird darauf hingewiesen, dass die übrig gebliebenen Produkte den Tafeln zur Verfügung gestellt werden. Die Wirklichkeit sieht oft anders aus. Die langen Containerreihen, in die die Lkws in großem Stil die Backwaren entsorgen, stehen gleich hinter den Produktionsgebäuden. Von dort geht alles maximal noch in die Futtermittelindustrie. Oder es wird verbrannt und mit ein bisschen Glück noch Wärmeenergie daraus erzeugt.

Was also tun?
Eines gleich vorweg – habe keine Lösung für das große Ganze. Wenn ich mir vorstelle, alle würden von heute auf morgen ihre Einkäufe in den Supermärkten, Großbäckereien und bei konventionellen Metzgern einstellen – nicht auszudenken! Unzählige Menschen würden ihre Jobs verlieren. Nicht nur in den Betrieben selbst, auch die Zulieferer müssten so viel Federn lassen, dass sie am Ende nackt und ohne einen Pfennig da stünden.

Und doch und trotzdem. Da oben genanntes Szenario nicht zu befürchten steht und alle Umwandlung langsam und von unten nach oben vor sich gehen sollte, mein Aufruf an Dich:
Denke nach! Immer! Überlege, wo Du einkaufst. Überlege, wer es Dir so perfekt produziert hat. Reflektiere die Produktionsbedingunen. Überlege, wieviel der Mensch als Lohn erhalten kann, für ein Produkt das immer zum unschlagbar günstigsten Preis angeboten wird. Überlege Dir, wo es her kommt. Vom Ende der Welt? Schau nach, ob Du es in Deiner Nähe bekommst.  Warte auf die richtig Jahreszeit. Lass den Apfel mal wieder schrumpelig sein, die Banane etwas kleiner und die Gurke krum. Nichts und niemand auf dieser Welt sollte perfekt sein müssen. Nicht Du, nicht Dein Nachbar und auch nicht Deine Lebensmittel. Konsumiere weniger, aber das in vollem Bewusstsein, wem Du Dein Geld gibst. Auch und gerade wenn Du nur wenig davon hast. Kein Geld haben ist Scheiße. Ich weiß das, weil ich es schon erlebt habe. Und ich weiß auch, wie sehr dann die Produktionsbedingungen in den Hintergrund treten. Billig muss es sein, sonst kommt man nicht über den Monat. Aber versuche ein Umdenken in kleinen Schritten, das geht. 
Und ich fordere alle Gutmenschen mit gesichertem Einkommen dazu auf, bei einen Teil ihrer unverholen vorgetragenen Arroganz, mit der sie auf der Suche sind nach der besten Trüffel, der Salzbutter mit dem schönsten Kristall und der von Jungfrauenhänden zusammengestellten Gewürzmischung, nicht zu vergessen, dass dieses Verhalten für viele andere jenseits der persönlichen Vorstellungskraft liegt. 
Und am Ende: Sei respektvoll. Mit den Menschen, die mit ihrer Hände Arbeit produzieren, was Du essen möchtest, oder was Du am Körper trägst. Mit dem Tier, das zu keinem anderen Zweck am Leben ist, als Dir zur Nahrung zu dienen. Und sei respektvoll mit Dir selbst.

Meine persönlichen Quellen für gute Lebensmittel:
Obst und Gemüse aus Eigenanbau und von Erzeugern der Umgebung:
Gottschalk Obst
Binger Straße 53
55218 Ingelheim

Brot
Bäckerei Horstmann
Mainzer Straße 5
55218 Ingelheim

Hühner, Eier, Gänse
Daniel´s Hühnerhof
Zum Schloßgrund 3
55444 Seibersbach

Enten, Perlhühner, Wachteln
Freiland-Geflügelhof Staubach
36148 Kalbach/Rhön
Samstags auf dem Wiesbadener Wochenmarkt

Guter Käse und tolle Butter (auf den Wochenmärkten in der Umgebung vertreten)
Käse Widmann
Sandwiesenstraße 8
71334 Waiblingen

Fleisch
Metzgerei Walz (mit 2 Filialen und Verkaufswagen für Märkte und Nahversorgung auf dem Land)
Schönbergstraße 2
55120 Mainz

Metzgerei Harth
Lotharstraße 5
55116 Mainz + Ladengeschäft in Stadecken-Elsheim

Metzgerei Stephan (mit Fleisch der Erzeugergemeinschaft Schwäbisch-Hall)
Rinderbachstraße 7
55218 Ingelheim

Biowein und hausgemachte Marmeladen
Weingut Huf
Mainzer Straße 38
55218 Ingelheim am Rhein

Öle, Essige, Gewürze aus aller Welt, feine Weine
Gewürz Müller
Mühlgasse 9
65183 Wiesbaden

Rheingauer Wein-Café
Sonnenberger Straße 56
65193 Wiesbaden

Feine Schokoladen
Xocoatl
Grabenstraße 24
65183 Wiesbaden

Noch eine weitere ganz persönliche Aufregung von mir zum Thema Fleischerzeugung: KLICK
Update am 12.09.11
Ein toller weiterführender Artikel, den ich an dieser Stelle gerne verlinke:
http://pagewizz.com/geld-sparen-durch-weniger-abfall-bei-lebensmitteln/




07.09.11

Sweet dreams are made for me!


Wie schreibt man eine Kochbuchrezension? Wenn ich in alten Büchern und Heften aus dem Deutschunterricht blättere, stolpere ich über so hilfreiche Themen wie "Personenbeschreibung", "Interpretation von vergleichender englischer Prosa des ausgehenden 17. Jahrhunderts" und "Betrachtungen und Auslegungen von Bienenwachskerzen im Nebel". Wer bitte hat jemals den Satz geprägt "Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir"? Thema verfehlt, setzen! sage ich dazu und fange einfach mal an:

Titel:
"Sweet dreams"
Arthurs-Tochter-macht-Eis.blogspot.com

Erschienen 2011 im "Ganz eigen Verlag"
Preis in €: Unbezahlbar
Auflage: Unbekannt, da Druck nur auf Bestellung nach Vorlage des polizeilichen Führungszeugnisses, Leumundsprüfung durch die Herausgeber/innen, sowie Nachweis zum Führen einer Eismaschine.
Seiten: 23

Herausgerber/innen, Autorinnen und Autoren:
Jutta L.

Mit fotografischer Unterstützung durch:
Paule "Paules" S. (Auch Titelfoto)

Klappentext von Nata:
"Dieses Buch handelt von eiskalter Leidenschaft.
Eines Tages erhält Astrid zu ihrer großen Überraschung ein Zauberwerkzeug als Geschenk. Schon bald entdeckt die junge Heldin, welche Kräfte diesem Instrument innewohnen. Mit Hilfe der sagenhaften Maschine kann Arthurs Tochter fortan nicht nur kühlen sondern gleichzeitig auch noch rühren! So beginnt ein Abenteuer, von dem niemand weiß, wie es endet. Wird Astrid der zauberhaften Versuchung von süßer Cremigkeit widerstehen? Oder wird sie am Ende die frostigen Mächte auf ihre Seite ziehen?"

Der Inhalt:
  • Vanilleeis - die Basis. Von Ben & Jerry´s
  • Zeug rein - von der Kirsche bis zur Vanille-Praline
  • Limetten-Eis mit Weinraute auf Wodka
  • Basilikumeis 
  • Ananas-Basilikum-Sorbet
  • Grapefruitsorbet
  • Erdbeersorbet
  • Kaki-Sorbet
  • Pfeffereis
  • Zitronenmelissensorbet
  • Rum-Rosinen-Eis
  • Schokoladen-Sahne-Eis
  • Johannisbeer-Obst-Sorbet
  • Kirsch-Joghurt-Eis
  • Erdbeersorbet mit Wodkahauch und schwarzem Pfeffer
  • Coconut Kiss-Choco-Eis
  • Apfel-Wasabi-Sorbet
  • Sauerrahm-Quark-Eis mit Johannisbeersirup
  • Schokoladen Marschmallow-Eis

Aussehen und Gestaltung:
Das Buch hat praktisches DIN A4-Format, aufwändige versilberte Spiralbindung sowie einen praktischen pflegeleichten Einband, den ich mir viel öfter von Kochbüchern wünsche.
7 von 5 möglichen Punkten!

Übersichtlichkeit:
Das Buch baut sich inhaltlich geschickt auf. Begonnen wird mit der einfachen Basis für den Eis-Dau (Dümmster anzunehmender User), schlägt den Bogen über Rezepte, die mittelgroße Grundkenntnisse verlangen, erheitert das Gemüt durch Einflechtung von Eisrezepten, welche mit harten Alkoholika serviert werden und endet bei Rezepten für Nerds, die unter 27 Zutaten überhaupt nicht anfangen zu lesen. 
7 von 5 möglichen Punkten!

Gimmicks:
Eine Eismaschine! Ach was sag ich - eine UNOLD!
Das Buch kam in Begleitung einer Eismaschine und eines Eiswaffel-Eisens* zu mir!
Eine Millionmilliarde von 5 möglichen Punkten!

Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten schaffende Umsetzbarkeit der einzelnen Rezepte:
Einzigartig! 
Unzählbare von 5 möglichen Punkten!

Der Beweis:
I.

(als weiterer Gimmick von Chef Hansen der Maschine und dem Buch per Mail hinterher geschickt)
  • 125ml Honig
  • 8 g Lavendelblüten (getrocknet oder frisch) (Ich habe mich auf die Verwendung von Lavendelhonig verlagert)
  • 3/8l Milch
  • 50g Zucker
  • Prise Salz
  • 3/8l Sahne
  • 5 Eigelb
Zubereitung:
  • Die Hälfte der Blüten im Honig erwärmen und eine Stunde ziehen lassen. (Bei mir durch die Verwendung von Lavendelhonig entfallen).
  • Milch, Zucker und Salz erwärmen - nicht kochen
  • Sahne in eine Schüssel geben und ein Sieb obendrauf
  • Honig mit den Blüten durch´s Sieb in die Sahne geben und die Blüten gut ausdrücken, die Blüten entsorgen
  • Die Eigelb schaumig schlagen
  • Die warme Milch langsam zu den Eigelb schütten und diese Mischung dann zurück in den Topf, in dem du die Milch aufgewärmt hast
  • Jetzt geht´s am Besten mit Thermometer - mit nem Teigschaber im Topf auf dem Boden rühren bis die Masse 78 Grad hat.
  • Die Mischung durchs Sieb in die Sahne geben
  • Jetzt kommen die restliche Blüten dazu
  • im Eisbad kalt rühren
  • Über Nacht im Kühlschrank abkühlen
  • Vor dem Frieren in der Maschine die Blüten rausnehmen und wieder gut ausdrücken
In die Eismaschine geben und frieren. Das Eis hat bei mir ca. 65 Minuten gebraucht. 
II.
  • 25 g Basilikumblätter
  • 150 g Zucker
  • 500 ml Sahne
  • 250 ml Milch
  • 5 große Eigelb (Ich habe 6 Größe M verwendet)
  • Die fein geriebene Schale einer Zitrone
  • 1 Prise Salz
Die Basilikumblätter, Zucker und 250 ml der Sahne im Mixer oder mit einem Pürierstab so fein wie möglich zerkleinern. Dabei muss man allerdings aufpassen, dass man die Sahne nicht schon steif schlägt, also besser mit kleinen Umdrehungen starten. (Ich habe anders als angegeben, das Basilikum in etwas Milch zerkleinert, dann besteht die Gefahr des frühzeitigen Steifwerdens der Sahne nicht!) Die Hälfte dieser Masse zusammen mit der restlichen Sahne in eine Schüssel füllen. (Ich habe die Hälfte durch ein kleines Sieb laufen lassen, damit ich nur ein paar Blattstückchen als Einsprengsel im fertigen Eis hatte).

Die andere Hälfte der Basilikummasse mit der Milch und dem Salz in einem Topf erwärmen. Eigelbe schaumig schlagen und die warme Basilikummasse langsam zu den Eigelb geben. Dabei weiterschlagen. Die warme Eimasse nun wieder zurück in den Topf füllen, die Zitronenschale dazugeben und vorsichtig auf 77 - 79 Grad erhitzen. Dabei ständig rühren und großzügig über den Topfboden fahren. 

Durch ein Sieb (um die Zitronenschale heraus zu filtern) zu der übrigen Basilikummasse aus dem ersten Schritt geben, zügig abkühlen lassen und über Nacht im Kühlschrank durchkühlen lassen. Dann in der Eismaschine frieren. 
Dazu gab es marinierte Erdbeeren, die ca. 3 Stunden in etwas Puderzucker, altem Balsamico (20 Jahre), einem  Tropfen *hust* Waldbeeren-Likör und gestoßenem grünem Pfeffer gezogen haben.


P. beharrt darauf, das sei das beste Eis seines Lebens gewesen. Nun - das hat er beim Lavendeleis auch schon gesagt, und mit dem Apfeleis fange ich gerade erst an.

Zusammenfassung:
Ein Buch und ein Geschenk, wie es das so schnell kein zweites Mal gibt. Nicht nur die liebevolle Gestaltung, sondern vor allem die Zusammenarbeit der beteiligten Wahnsinnigen, die unglaubliche liebevolle Zusammenstellung, die Gründung einer geheimen Geheimgruppe bei fb, in der alles konspirativ "hinter meinem Rücken" geplant wurde, muss hier besonders erwähnt werden. 
Punkte von 5? Keine Ahnung, ich zähle bereits seit Wochen!

Liebe Kerstin, Alex, Dorothée, Walter, Heike,Jan, Jutta, Norbert, Jutta, Natalie, Sabine, Paule, Ulrike und Zorra – Ihr alle habt mich nicht nur unglaublich sprachlos gemacht, sondern auch unfassbar stolz, Euch alle kennen zu dürfen! Ich weiß um das Geschenk Eurer Freundschaft und um die Besonderheit, die Ihr alle dieser Freundschaft mit Eurem Geschenk zum Ausdruck gebracht habt. 

Ich danke Euch von ganzem Herzen!
*kiss

*Heißt es Eiswaffel-Eisen oder Eis-Waffeleisen oder Eiswaffeleisen?


05.09.11

Villa Kunterbunt


Vieles von dem, was ich täglich so koche, schafft es nie in den Blog. Das hat unterschiedliche Gründe. Nicht immer wird es fotografiert - unter uns gesagt kann das nämlich auch ausgesprochen lästig sein. Oder ich koche tatsächlich etwas, das bereits verbloggt wurde. Zwar koche ich selten etwas mehrmals aber auch bei uns zuhause gibt es Dauerbrenner. Auberginen sind ganz klar so einer. Kalbs- oder Ochsenbäckchen. Hühnerfrikassee ist ebenfalls ganz weit vorn. Oder aber es fehlt einfach noch Gelegenheit, Lust oder Laune, überhaupt darüber zu schreiben. Dann landet es einfach nur kurz mit Bild auf meiner Facebook-Fan-Seite. Die hat übrigens eine eigene Domain, d. h., Du musst nicht bei Facebook angemeldet sein, um dort mitlesen zu können. Nur so als kleiner Tip am Rande - auch dort stelle ich mehrmals in der Woche in Bild und sehr wenigen Worten kleinere und größere Gerichte vor und es findet ebenso wie hier im Blog ein reger Austausch zu Rezepten, Garzeiten, Zubereitungsmethoden oder Ähnlichem statt. Guckst Du.

Und für die, die nur Photos sehen möchten gibt es die Picasa-Bildergalerie, die rechts in der Sidebar des Blogs als Diashow vor sich hin läuft. Eines dieser Bilder hat es in den vergangenen Tagen einer Vielzahl von Lesern und Betrachtern angetan, so dass mich viele Rezeptanfragen per mail oder auch über die kleine chatbox erreichten. Diese bunten Röllchen sind aber auch allerliebste eyecatcher und noch ausgesprochen lecker-schmackofatzig dazu.


  • 50 g frischer Basilikum
  • 250 ml Milch
  • 2 Eier
  • 100 g Mehl, eine Prise Salz
  • 80 g getrocknete Tomaten
  • Olivenöl zum Pürieren
  • 200 g Frischkäse
  • 1 EL Tomatenmark
  • Ca. 20 ml flüssige Butter
Den Basilikum waschen (egal was Frank B. sagt *g), etwas klein schneiden und mit der Milch, den Eiern und dem gesalzenen Mehl mit einem Pürierstab zu einem glatten, ziemlich flüssigen Teig verrühren. 30 Minuten stehen lassen. Das Mehl quillt etwas auf und der Teig lässt sich viel besser ausbacken. 

Die Tomaten klein schneiden, mit Olivenöl und Tomatenmark fein pürieren und unter den Frischkäse mischen. Kräftig abschmecken mit Pfeffer, wenig Salz. Die getrockneten Tomaten bringen viel Salz mit! 

Die flüssige Butter in den Teig geben und verrühren. Eine beschichtete Pfanne mittelstark erhitzen. Bei meinem Induktionsherd 6,5. Kein Fett in die Pfanne geben! Teig hineingießen, ganz kurz angehen lassen, dann die Pfanne sofort herunternehmen und den noch flüssigen Teig wieder abgießen. So entsteht ein sehr dünner feiner Crêpe, der nicht mit einem herkömmlichen Pfannkuchen zu vergleichen ist, ohne dass man eine extra Crêpe-Pfanne benötigt. Diesen Tip habe ich mir vor langer Zeit einmal bei Cornelia Poletto abgeschaut. Man kommt ja manchmal nicht von selbst auf die einfachsten Dinge. Den Crêpe von der einen Seite ausreichend backen, dann nur so kurz auf die andere Seite drehen, dass die Masse auf beiden Seiten komplett fest ist. Die kurzgebackene Seite ist am Ende die, die aufgerollt nach außen zu sehen ist. Daher sollten hier keine braunen Spuren vom Ausbacken zu sehen sein. 

Nacheinander aus dem Teig ca. 6 Crêpes backen und abkühlen lassen. Die Tomatenmasse gleichmäßig dünn aufstreichen und die Crêpes fest aufrollen. In Klarsichtfolie wickeln und im Kühlschrank mindestens 3 Stunden durchkühlen lassen, damit sie sich gut aufschneiden lassen.


  • 100 ml Rote Bete Saft
  • 150 ml Milch
  • 2 Eier
  • 100 g Mehl, etwas Salz
  • 250 g Frischkäse
  • 3 EL Meerrettich aus dem Glas, eventuell gemischt mit Wasabipaste
  • einige Stängel Schnittlauch
  • ca. 20 ml flüssige Butter
Saft, Mehl, Salz und Eier zu einem flüssigen Teig verrühren. Weiter verfahren, wie oben beschrieben. 
Den Frischkäse mit Meerrettich/Wasabi verrühren, wenn die Masse zu fest ist, mit etwas Milch geschmeidig rühren. Auf die ausgekühlten Crêpe streichen. Eventuell der Breite nach Schnittlauchstängel dazu legen. Rollen, Folie, Kühlschrank - wie oben.


  • 250 ml Milch
  • 1 TL Safranfäden
  • 2 Eier
  • 100 Mehl, eine Prise Salz
  • Fein gehackte Petersilie oder Kerbel oder Schnittlauch oder alles zusammen
  • 200 g Frischkäse
  • 200 g geräucherter Lachs in feinen Scheiben
  • ca. 20 ml flüssige Butter
Aus Milch, Mehl, Salz und den Eiern einen Teig rühren. Weiter wie oben. Etwas der Milch erwärmen und die Safranfäden darin fast auflösen. Ich finde es schön, wenn man noch etwas von ihnen im fertigen Crêpe sieht. Die fertigen Crêpe dünn mit Frischkäse bestreichen. Auf das untere Drittel des Crêpe Räucherlachs legen.  Mit den Kräutern bestreunen. Fest aufrollen, Folie, Kühlschrank, 3 Stunden - wie oben. 

Nach der Kühlzeit die Crêpes in Tranchen aufschneiden. Je nachdem welchen Durchmesser sie haben bekommst Du ca. 5 Scheiben aus einer Rolle. Die Endstücke werden weggenascht, denn in ihnen befindet sich naturgemäß nur wenig der Füllung. Du kannst sie natürlich auch so aufschneiden, dass Du immer eine gerade und eine schräge Seite hast. Dann lassen sie sich optisch schön senkrecht aufstellen. Ansonsten Spießchen rein, bunt zusammengemischt auf eine große Platte legen und servieren. 

Idee entnommen und AT-mäßig abgewandelt aus dem Buch "Einfach beeindruckend" von Andreas Neubauer aus dem Verlag G|U, € 16,99. Eines meiner Kochbücher mit völlig zu Unrecht geführtem Schattendasein, und daher reif für die Teilnahme an foodfreaks Dauerevent DKduW.



Nominiert für den BRIGITTE-Food-Blog-Award