In eigener Sache

Dieser Blog ist umgezogen und hat jetzt seine eigene URL.
Bitte in Zukunft www.arthurstochterkochtblog.com verwenden, Dankeschön!


29.04.11

Synästhesie - und welche Farben hat Dein Essen so?

Dieses Essen ist rot-violett (Zitronentyhmian), weiß mit roten Sprenkeln (Basilikum) und weiß mit einem gelben dünnen Strich (Garnelen) Dazu hat es ein Stakkato von hohen spitzen Tönen.
Simmernder, flimmernder Sud für Soleier ist ein dunkelblaues Wort! Hühnerfrikassee ist “sluuuuuuuuushig”. Sauerampfer ist “grizzlwarmschön und flattert im Mund”. Essen kann zackig sein. Scharf wie eine Messerklinge. Dunkel, warm und gemütlich. Schrill. Laut. Grün. Leise. 

Vielleicht hattest Du schon einmal das Gefühl, Dich in ein Essen hineinlegen zu wollen? Wir sagen ja fast lapidar, wenn uns etwas besonders schmeckt “da könnte ich mich hineinsetzen”. Ich habe bei Saucen oft das Gefühl, dass sie mich umhüllen können. Saucen streicheln meine Seele. Sie sind sanft, warm, samtig. Manchmal sind sie laut und frisch. Mir ist es immer schwer gefallen, diese Gefühle zu umschreiben. Allerdings geht mir das nur bei Saucen so, was aber muss es für ein Gefühl sein, wenn Dein Essen oder andere Dinge in Deiner Umgebung nicht nur das sind, was alle anderen sehen, sondern auch noch laut oder leise. Bunt oder trüb. Wenn jede Zahl eine Farbe hat, jeder Baum ein eigenes Lied? Wie gehst Du durch die Welt, ohne an Deinen eigenen Sinneseindrücken zu zerbrechen?
Durch facebook – und ganz ehrlich, für solche Begegnungen liebe ich social networks – bekam ich Kontakt zu einer Synästhetikerin. Sie hat auf meiner fb-Seite zum Blog (die Du über den fb-Button in der sidebar erreichen kannst) meine Gerichte beschrieben. Das hat mich fast umgerissen. Alle oben genannten Beschreibungen stammen von ihr, d. h. für sie sieht mein Essen wirklich so aus!

Sarah H. Kirsch ist freischaffende Künstlerin, Rosenliebhaberin, Köchin – und Synästhetikerin. Mit anderen gemeinsam hat sie an einem Buch zu diesem Thema mitgewirkt, in dem sie in unglaublich wunderschönen Worten (für die ich leider keine Farbe habe) ihr Verhältnis und ihr Fühlen zum Essen und Genießen beschreibt. Ein paar Auszüge hat sie mir netterweise zur Verfügung gestellt.
Was für ein unglaubliches Thema, was für ein unglaubliches Leben! Falls Dich das Buch interessiert, es heißt “Synästesien” von Alexandra Dittmar. Auch bei Wikipedia gibt es einen sehr ausführlichen Artikel zu Synästhesie und den verwandten Savants (bekannt geworden durch den Film “rain man”). Sarah selbst hat eine wunderschöne Homepage, die sich Fehngarten nennt. Geh mal vorbei und träume ein bisschen mir ihr, sie wird sich freuen.

26.04.11

Out of season – Yotam Ottolenghi II. |Auberginen in Buttermilch-Sauce

Outbreak!
Das Ottolenghi-Virus geht um und Heilung ist nicht in Sicht. Als Patient zero wurde Valentinas Kochbuch identifiziert, mit einem kräftigen Niesen aus ihrer Seite schleuderte sie per Tröpfcheninfektion das “Haben Will-Virus“in die Welt.

Zu den ersten Opfern gehörten diverse Foodblogger und am Ende – aufgrund der im letzten Herbst versäumten Schutzimpung – auch ich selbst. Etwas verschnupft und mit Gliederschmerzen nahm ich das vom Arzt des Vertrauens verordnete Buchrezept dankend in die Hand und bestellte mir wie bereits besprochen: “Genussvoll vegetarisch”, im Original “Plenty”, was den Nagel auf den Kopf trifft. Die Augen hörten schlagartig auf zu brennen, die bleierne Schwere wich aus den Gliedern, die Schwitzattacken, begleitet von heftigen Fieberschüben stellten sich ein. Ich war geheilt! Seitdem streite ich mich mit meiner Krankenkasse um die Kostenübernahme, aber während die Sachbearbeiter über ihren Wurstbroten grübelnd immer älter, grauer und verhärmter werden, tirriliere ich vor mich hin und bereite das nächste Auberginenrezept zu.

Großzügigerweise habe ich Cucina Piccina die Rote Bete Rezepte aus “Plenty” überlassen, allein- sie will sie auch nicht haben. Wenn also vielleicht “Chef Hansen” sich erbarmen möchte, er steht so auf Rote Bete zur Zeit.   Ich für meinen Teil arbeite mich nach dem genialen Auberginen-Zitronen-Risotto an dem Rest des Kapitels ab und serviere:

Auberginen in Buttermilchsauce mit Himbeeren und Granatapfelsirup

was im Original eigentlich “Auberginen mit Buttermilchsauce” heißt und im Titel die Teilnahme des Granatapfels unterschlägt. Das passte mir wiederum ganz gut in´s Konzept- es war am Wunschtag der Zubereitung kein einziger Granatapfel in ganz Rheinhessen aufzutreiben. Naja, jedenfalls nicht in dem kleinen 20 km-Radius, den ich bereit war, abzufahren. Auch die immer so – wenn auch teuer – praktischen Granatapfelkerne in der Frischetheke, fix und fertig herausgepult, ließen sich nicht finden. Als Ersatz für diese feine Süß-Säure-Spiel, das der Granatapfel bietet, kaufte ich Himbeeren. Und ganz ehrlich- die Auberginen aus Italien, die Granatapfelsaison tobt sich derzeit in Peru aus, der Joghurt aus Griechenland und wer weiß, wo die Kuh für die beteiligte Buttermilch stand- ich nahm die Bio-Himbeeren aus Spanien!
Das Rezept tarnt sich als Vorspeise, aus Erfahrung durch das Auberginen-Zitronen-Risotto klug geworden, und wenn auch nur als so etwas Ähnliches wie eine Hauptbeilage geplant, verdoppelte ich die für 4 Personen angegebenen Mengen vorsorglich. Hier allerdings die von Ottolenghi genannten Mengen mit der Original-Zubereitungsanleitung:
  • 2 große lange Auberginen
  • 80 ml Olivenöl
  • 1 1/2 TL Zitronenthymianblättchen plus einige Zweige zum Garnieren
  • Maldon Sea Salt oder Fleur de Sel und schwarzer Pfeffer
  • 1 Granatapfel
  • 1 TL Za’atar (Gewürzmischung aus wildem Thymian, Sesamsamen, Salz) – von mir durch Dukka ersetzt!
Sauce:
  • 140 ml Buttermilch
  • 100 g griechischer Naturjoghurt
  • 1 1/2 Olivenöl, plus mehr zum Beträufeln
  • 1 kleine Knoblauchzehe, zerdrückt
  • 1 Prise Salz
Den Backofen auf 200° C vorheizen. Die Auberginen samt Stielansatz der Länge nach halbieren. Mit einem scharfen Messer drei oder vier parallele Einschnitte auf der Schnittseite der Aubergine vornehmen, jedoch nicht bis zur Haut durchschneiden. Nochmals im rechten Winkel einschneiden, so dass ein Rautenmuster entsteht.
Die Auberginenhälften mit der Schnittseite nach oben auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen und mit dem Olivenöl bestreichen; mit dem Bestreichen fortfahren, bis das Fruchtfleisch das gesamte Öl aufgenommen hat. Mit den Zitronenthymianblättchen, etwas Salz und Pfeffer bestreuen. 35 – 40 Minuten im Backofen garen, bis das Fruchtfleisch weich, aromatisch und appetitlich gebräunt ist. Aus dem Ofen nehmen und vollständig abkühlen lassen.
Während die Auberginen im Backofen sind, die Granatapfelkerne auslösen und die Sauce zubereiten. Dazu den Granatapfel quer halbieren. Die eine Hälfte mit der Schnittseite an die Handinnenfläche gedrückt über eine Schüssel halten und mithilfe eines umgedrehten Holzlöffels oder eines Rollholzes auf die halbierte Frucht klopfen: Zuerst sanft, dann immer kräftiger klopfen, bis sich die Kerne lösen und durch die Finger hindurch in die Schüssel fallen. Wenn alle Kern in der Schüssel liegen, eventuell vorhandene Reste der weißen Trennhäutchen entfernen. Wie schon gesagt, habe ich die Granatapfelkerne durch Himbeeren ersetzt, die ich nach dem Waschen vorsichtig geteilt und auf die Auberginen gesetzt habe. Zusätzlich gab es noch eine Beträufelung mit Granatapfelsirup.


Für die Sauce alle Zutaten miteinander verquirlen, abschmecken und bis zum Verzehr kalt stellen.
Zum Servieren die Auberginenhälften großzügig mit der Buttermilchsauce bedecken; den Stielansatz frei lassen. Mit Za’atar und Granatapfelkernen bestreuen und mit Zitronenthymianzweigen garnieren. Zum Schluss mit etwas Olivenöl beträufeln.
Als Beilage zur Vorspeisen-Beilage gab es gebackenen Ziegenkäse. Seit einigen Wochen gibt es auf dem hiesigen Wochenmarkt Ziegenkäse aus dem Taunus, den ich in zwei verschiedenen Geschmacksrichtungen gekauft habe. Dazu noch einen Ziegenfrischkäse mit Kräutern. Alle drei wurden mit Honig beträufelt und im Ofen unter dem Grill angeschmolzen. Eine herrliche Ergänzug zu den Auberginen.

Die Inkubationszeit des “Ottolenghi-Haben-Will-Virus” ist unterschiedlich. In der Regel beginnt sie mit unspezifischen Symptomen, wie irren Blicken in andere foodblogs, einem Tremor der Hände und unkontrollierbarem Speichelfluss. Diese Phase dauert in den meisten bekannten Fällen 8 – 14 Tage. Etwa eine halbe Woche später tritt dann das volle Krankheitsbild zutage. Tief in die Stirn gezogene Kapuzenpullover, gesenkter Blick vor dem Bücherregal des örtlichen Buchhändlers. Löschung der IP-Adresse vor der Bestellung bei Amazon. Verstecken des Buches im hintersten Winkel des Bücherregales und bei Entdeckung durch den Partner die Aussage: “Ach Schatz, das habe ich doch schon gaaanz lange!”

Eine Warnung spreche ich derzeit dringend aus vor dem Besuch von “nur das gute Zeugs” und dem “Kochplattenteller”! Voll infiziert die! Höre auf meine Worte, ich meine es gut mit Dir!



22.04.11

O sole mio…


Nach der vergnüglichen Rückschau vom letzten Mal nehme ich Dich heute noch ein bisschen weiter mit. Das Schöne an meinen Rückführungen ist allerdings, dass Du die Augen dabei aufhalten kannst – ja sogar musst – sie im Sitzen geschehen und auch niemand mit einem Pendel vor Deinen Augen herumfuchtelt. Alles ganz harmlos also! 

Wie Du vielleicht weiß, stammt meine Familie väterlicherseits aus dem Pott. Man denkt beim Stichwort Ruhrgebiet gerne nur an Städte wie Bochum, Gelsenkirchen, Essen und Dortmund.  Aber auch Dorsten, die kleine Stadt, in der heute zwei Sternerestaurants residieren, gehört ganz eindeutig noch dazu. Björn Freitag und Frank Rosin kochen sich da den Wolf und irgendwie muss ich mal in Erfahrung bringen, wo die zwei von wech sind, vielleicht sind wir ja alle miteinander verwandt.

Und dort an der Lippe habe ich in den Ferien bei Arthurs Bruder und seiner Frau Fahrradfahren gelernt, habe Motorräder umgeschmissen (woher soll man als Kind auch wissen, dass die nicht von alleine stehen bleiben, wenn man aufsteigt), habe Hände von Schaufensterpuppen im örtlichen Modekaufhaus geschüttelt, (ok, die ein oder andere hat das nicht überlebt) und irgendwo in der Nähe bei anderen Verwanden habe ich einem “um 3 Ecken”-Onkel das Gebiss zerbrochen, (was lag das auch so auf der Anrichte in der Küche herum) wofür ich wie Michel aus Lönneberga den Rest des Tages im Schuppen verbracht habe. Spass kannste haben im Pott, das hat sich bis heute nicht geändert!
Und dort im Pott und in Berlin (wie in vielen anderen Städten auch) gab es nach dem Krieg wenig zu essen aber viel Bier und eine lebhafte Kneipenkultur. Und bevor in den fünfziger Jahren der Trend zum Brathähnchen aus der Kneipe kam und diese Kneipen wiederum unter der Hand wie Geheimtips gehandelt wurden, gab es die Hochkultur des Soleies. Ursprünglich wohl nur eine Form der Haltbarmachung standen auf den Thresen des Ruhrgebietes in jeder Kneipe, die etwas auf sich hielt, in großen Gläsern Soleier herum. Als es noch keine Kühlschränke gab, wurden Eier oft sogar mit Wasserglas haltbar gemacht. Dabei handelt es sich um eine wässrige Natriumsilicatlösung, die wiederum in Wasser eingerührt wurde. Nach einer gewissen Zeit wurde die Flüssigkeit gallertartig und dann ganz hart wie Glas- Wasserglas. Für die Chemikerin in Dir:
Einen sehr interessanten Artikel zum Wasserglas gibt es bei Wikipedia.
Aber die Soleier, wie auch ich sie kennen gelernt habe, wurden in Salzwasser und/oder Essiglösung eingelegt. Arthurs großer Bruder brachte damals den Brauch des Soleier-Essens mit nachhause und Arthur brachte ihn mit in seine junge Ehe. Jetzt ist so eine kleine Wohnung eines jungen Ehepaares mit Töchterchen keine Kneipe und Soleier isst man nicht mehr 2 mal in der Woche abends. Aber mit Arthur und seiner jungen Familie kamen die Soleier von Dorsten nach Hannover und dort gab es sie dann alljährlich zu Ostern. Und wie das so ist mit den traditionellen Familienrezepten, die kann man nicht einfach über den Haufen schmeißen, auch nicht, wenn man sich in einen Rheinhessen verliebt und bekanntlich auf vieles verzichtet.

Und so ist unsere Tochter genau wie ich mit Soleiern groß geworden. Jedes Jahr zu Ostern werden sie von ihr und mir gemeinsam eingelegt, wobei ihr Beitrag als kleines Kind darin bestand, die hartgekochten Eier anzuklopfen. Heute nimmt sie verantwortungsvollere Aufgaben wahr, wie ab dem 2. Tag täglich ein Ei zu probieren um festzustellen, ob sie “schon gut sind und schmecken”. Dass das wie in jedem Jahr frühestens nach 4 Tagen der Fall ist, spielt dabei keine Rolle. Auch dieser tägliche Test gehört zur Tradition wie das Ei zur Sole.


Um die Eier herzustellen, brauchst Du den Sud. Für den habe ich kein Rezept, jedes Jahr mache ich ihn auf´s Neue ‘us de lameng’, allerdings sind die Grundzutaten mit Arthur abgestimmt. Wichtig ist allein die Salzmenge, die muss so hoch sein, dass die Eier anfangen, im Sud zu schwimmen! Alles andere ist Geschmacksache. In meinen Sud kommen Lorbeer, etwas Kümmel, Senfkörner, Piment, Wacholder, KEINE Nelken (ausprobiert, schmeckt uns nicht), Pfefferkörner, etwas Koriandersaat und Zwiebelschalen.


Das alles wird zusammen in Wasser aufgekocht. Und nein, ich gebe keinen Essig dazu, aber auch das ist reine Geschmackssache. In einem anderen Topf koche ich die Eier hart. Knüppelhart. Den Sud lasse ich ziehen und ziehen und ziehen, ca. 3 Stunden. Dann rühre ich, so lange er noch warm ist, das Salz hinein. Wie gesagt, so viel, dass ein hineingelegtes Ei leicht wieder nach oben steigt. Dann ist es ausreichend. Probier jetzt mal. Ausgespuckt? Dann ist er richtig!

Jetzt kommt die verantwortungsvolle Aufgabe des Eieranschlagens. Durch die angeschlagene Schale dringt der Sud ins Ei, gibt eine im Idealfall schöne Marmorierung und Geschmack. Dann werden die Eier samt Sud in Gläser oder einen großen Steinguttopf gefüllt und kühl gestellt. Da eine Maisonettewohnung in der Regel nicht über einen Keller verfügt, fällt die Steingutmethode für uns aus, dabei finde ich sie sympathischer und irgendwie auch traditioneller. Bei uns also Gläser, die dann in den Kühlschrank wandern. Jetzt kannst Du natürlich jeden Tag probieren, musst Du aber nicht. Am vierten Tag geht´s los mit dem typischen Soleier-Geschmack. Jetzt werden sie täglich besser. Unsere wurden Montag eingelegt, bis zum Ostersonntag sind sie perfekt.
Die größte Herausforderung ist allerdings nicht das Einlegen, sondern das Essen. Mach Dich auf schmierige Finger, dicke Backen und adstringierende Mundräume gefasst.










  1. Du fischst Dir ein Ei heraus
  2. Pellst es
  3. Bewunderst mit einem “Ah” und “Oh” die Maserung
  4. Mit einem feuchten sehr scharfen Messer teilst Du das Ei längs in zwei Hälften
  5. Hebst sehr vorsichtig das Eigelb heraus.
  6. Füllst das entstandene Loch zur Hälfte mit einem guten aber neutralen Pflanzenöl
  7. Gibst etwas Weinessig (mein diesjähriger Favorit sind einmal ein Weissweinessig vom Veltliner und ein Roséessig vom Schilcher) hinzu
  8. Verwendest keinen Balsamico, der ist viel zu süß!
  9. Gibst Senf in die Kuhle (diesen wählst Du ganz nach Geschmack, ein Weißweinessig ist mir immer am liebsten)
  10. Dann legst Du das Eigelb wieder hinein
  11. Alles schwappt über
  12. Das ist egal, denn es gehört dazu
  13. Jetzt ganz schnell den Mund sehr weit aufmachen und das ganze halbe Ei hineinschieben
  14. Du kannst unmöglich ein Stück abbeißen!
  15. Kurz durchschütteln (Dich selbst!)
  16. Vorgang wiederholen!
Auf meiner Fan-Seite bei Facebook, auf der ich vor 2 Tagen schon Bilder eingestellt habe, kam die Frage auf, was man zu Soleiern isst. Eine userin hatte das ganz schnell beantwortet:

“Zu Soleiern isst man Soleier! Und zwar bis der Bauch platzt!”

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen- außer: Ich persönlich esse dazu auch gerne noch ein Bier!
Schöne Ostern!



20.04.11

Überlebensstrategien

 

Heimatküche Teil II

Um von Hannover in die Nähe von Mainz überzusiedeln brauchst Du Zeit! Das lässt sich nicht in ein paar Tagen, Wochen oder Monaten erledigen. Für diesen Wechsel der Kulturen solltest Du im Idealfall einige Jahre einplanen. Unter zehn würde ich Dir  nicht empfehlen. Vielleicht schaffst Du es in zwölf, auch fünfzehn Jahre sind immer noch ein guter Kurs. Ein möglicher Weg wäre, Du tastest Dich aus Niedersachsen nach Rheinland-Pfalz ins Neuwieder Becken vor, am besten in den Sommerferien und nutzt die Verschiebung der Ferientage in den einzelnen Bundesländern. Dann hast Du im Idealfall 8 Wochen Ferien, Deine Eltern drehen bald durch, aber Du hast ausreichend Zeit die unverständlichen Idiome in einem eigens geschaffenen Wörterbuch zu sammeln. Und jetzt weißt Du auch, wann und warum meine Wortsammelleidenschaft begann! 

"Kommste ma was" - locker vom Nachbarskind über den Gartenzaun gebrüllt, heißt auch nach dreimaligem Nachfragen nichts anderes als: "Hast Du Zeit, wollen wir spielen?"
"OB DU MA WAS KOMMST!!!" - ist lediglich die gebrüllte, genervte Erklärung für das schon dreimal gesagte und Du bist in dem Moment in der Achtung und Hierarchie der Nachbarskinder noch weit unter den vor 5 Jahren zugezogenen Bayern angelangt. Und die haben  (so wird kolportiert) den  Aufstieg bis ins Erwachsenenalter nicht geschafft.

Das ist ein Schock, von dem erholst Du Dich nur sehr langsam. Zur Rekonvaleszenz schicken Deine Eltern Dich an die Nordsee auf ein Internat, in der Hoffnung, Deine schulischen Leistungen würden sich  verbessern, wenn Du die Lehrer wieder verstehst. Mit Erfolg! Ein ostfriesisches "Moin Moin" ist wie Musik in Deinen vom Platt gequälten Ohren und selbst eine physikalische Formel oder auch der Lateinunterricht lassen sich so nett norddeutsch vorgetragen wieder besser verstehen.
Derart gestärkt kehrst Du zurück und bist reif für die katholische Ordensschule in Bad Honnef, das liegt schon wieder in Nordrhein-Westfalen und so schöpfst Du Hoffnung. Allein es nützt nicht. Sogar Deine zweite Ausbildung verschlägt Dich nur noch weiter in den Süden und so siedelst Du sogar zwischenzeitlich nach Baden-Württemberg um, nur um dann (echt mieses Karma) im Westerwald zu landen. Dort überlegst Du einige Zeit, Dich in´s Fensterkreuz zu hängen aber ein solches Tun würde auch nur wieder Diskussionen mit Stadtverordneten und/oder übereifrigen Nachbarn nach sich ziehen und wahrscheinlich müsstest Du vorher noch eine amtliche Bestätigung über die Sauberkeit Deiner Fensterrahmen einreichen und nochmal in dreifacher Ausführung darlegen, warum Du einfach keine Geranien vor den Fenstern leiden kannst. Man stelle sich vor, Du baumelst da herum, am Ende noch zu gut angezogen, das würde Deinen Nachkommen bis ins dritte Glied nicht verziehen.

Das einzige, was Dich jetzt noch retten kann ist die Liebe!
Derer wegen wagst Du noch einmal einen großen Schritt und wechselst nach Hessen. Hessen ist echt nicht so schlimm, das grenzt schon wieder an Niedersachsen, über die Kasseler Berge bist Du ruck zuck wieder in der alten Heimat, die Landeshauptstadt verspricht ein gewisses Flair, die Häuser sind schön und alt, die Menschen alt und schön. Und ausgesprochen wichtig! In Wiesbaden ist alles und jeder so unglaublich wichtig, darum ist auch die "Rue", der Wiesbadener Prachtboulevard, extra breit, die Wiesbadener kämen sonst vor lauter Wichtigkeit mit ihren wichtigen Kindern,  wichtigen Autos, wichtigen Handtaschen und wichtigen Gesichtern gar nicht über die Straße.

Nach einiger Zeit des Kennenlernens stellst Du zu allem Erschrecken fest, dass Du Dich mitnichten in einen Hessen verliebt hast! Der ist auch nur zugezogen und kommt eigentlich aus Rheinland-Pfalz. *ächz… Du hakst ein bisschen nach- Liebling, der Teil von Rheinland-Pfalz, welcher an Nordrhein-Westfalen grenzt? Aber irgendetwas ist wohl falsch gelaufen in Deinem vorherigen Leben, ganz falsch! Nein, es handelt sich um die winzig kleine Ecke, gleich gegenüber von Wiesbaden. Du siehst ein, dass sich jetzt nur ein endgültiges Aufbäumen, alles Hinschmeißen, Klamotten packen und an die Nordsee ziehen anbietet oder die Ergebung in die große Liebe und Dein kleines Schicksal. Und so ziehst Du mit Deinem geouteten Mainzer auf die andere Rheinseite. Nimmst ein bisschen Nachhilfe in Geschichte und stellst fest, dass Du auf einmal in Rheinhessen wohnst, obwohl das eigentlich Rheinland-Pfalz ist. Lässt Dich unterweisen, warum die Mainzer rote und blaue Straßenschilder haben, woher der Karneval kommt, wieso hier alles so französisch ist, kickst Dein kleines Latinum gedanklich in den Harz (Niedersachsen, Niedersachsen!!!)  verabschiedest Dich endgültig vom Trinken der “Lüttjen Lage” und stürzt Dich in die Erkundung der rheinhessischen Weine. Dabei hilft Dir, dass Du in der Rotweinhauptstadt des Landes wohnst, am Rande der schönen und edlen Kaiserpfalz und Du denkst, na gut. Angekommen.

Und weil die Liebe zu Deinem Mainzer so unglaublich groß ist, verzichtest Du in der Zukunft auf Grünkohl mit Pinkel und widmest Dich der rheinhessischen Fleischwurst. Die wird vorzugsweise warm gegessen, und zwar natürlich nur vom Metzger XY, die Wurst von dem gleich nebenan, also wirklich, die geht ja gar nicht, hast Du die mal probiert? Das bringt Dich zur Durchführung einer Wurstvertikalen, in die Du als Pirat eine Supermarkt-Geflügelfleischwurst schmuggelst, die Dir so schnell um die Ohren gehauen wird, so schnell unterscheidet Parker keinen Bordeaux von einem Kalifornier! Du lernst, dass die Fleischwurst nur mit Paarweck geht. Paarweck? Das musst Du googeln, die gibt's auch noch in hell und in dunkel und ganz klar, bei Deinem Karma bringst Du erst mal das falsche mit nachhause.

Und wenn Du denkst, Du hast so langsam alle Herausforderungen gemeistert, Dein Liebster isst mittlerweile Blattspinat, er mag wieder Fisch und er küsst Dir die Füße für Deine Neuinterpretationen rheinhessischer Fleischwurstklassiker , wenn Du Dich also so richtig in Sicherheit wiegst und mal gerade anfängst, alles ein bisschen locker zu lassen- da lädt seine Mutter Euch zum Essen ein und macht Feldsalat. Das ist nicht schlimm, den kannst Du ja auch. Aber obenauf und in einem Schälchen daneben, da sind diese gebratenen Brotwürfel. Lecker. Dann gibt´s Knödel, und was ist darin? Gebratene Brotwürfel. Und er sagt doch allen ernstes zu Dir- die sind das Beste am Salat, die Krachelscher. Ich frage noch zweimal nach und lasse mir das Wort dann aufschreiben (Du weißt ja, wie gründlich ich im Lernen neuer Wörter bin). In stillen Momenten übe ich: Krachelscher. Krachelscher. Croutons. *kurzer Rückfall ins Hochdeutsch. Krachelscher. Die kannst Du natürlich nicht. Also Du könntest vielleicht Croutons machen, klar, das traut man Dir zu. Aber Krachelscher kannst Du als Zugezogene genauso wenig, wie Schwarzenegger jemals Präsident der Vereinigten Staaten werden könnte. Und der hat genau wie ich auch in eine richtig wichtige Familie eingeheiratet. Herkunft ist alles, Du verstehst? Aber in einem stillen Moment erinnerst Du Dich nicht nur Deiner starrköpfigen norddeutschen sturen Wurzeln, sondern auch Deiner aufmüpferischen Vergangenheit, Phrasen von “Proletarier aller Länder…” und so weiter und denkst Dir, wo kämen wir denn da hin, wenn wir immer nur das machen oder lassen würden, von dem es heißt, über diese Grenze darfst Du nicht gehen. Dann hätte Kate jetzt nicht ihren Prinzen und ich wäre nicht Arthurs Tochter. So. Und dann haust Du mal richtig rein und machst einen 


Salat mit dem weltbesten Spargel (der aus Finthen), mit Eiern, mit kanadischem geräuchertem Wildlachs UND Krachelscher!
Dazu nimmst Du für einen Rheinhessen und eine Norddeutsche 1 KG Spargel, hälftig grün und weiß. Den weißen schälst Du und gibst ihn gemeinsam mit Oliven-Orangenöl, etwas Petersilie, einer Prise Zucker und etwas Mélange Blanc in einen Bratschlauch.

Stangen mittlerer Stärke brauchen bei 180° C Umluft im Ofen 20 Minuten. Dabei bläht sich der Schlauch richtig schön auf!  Ganz ehrlich, ich weiß nicht, warum überhaupt noch jemand Spargel in Wasser kocht. So oder sous vide oder in der Pfanne schmeckt er viel intensiver, weil kein Wasser ihn auslaugt. Wenn er abgekühlt ist, schneidest Du ihn wie den grünen in gleich große Stücke.  Apropos Pfanne: In der brätst Du den grünen Spargel. Den mag ich eigentlich am liebsten. Erstens ist er schnell geschält (nur unten im letzten Viertel, wenn überhaupt) und sein Aroma ist so herrlich nussig-knackig. Grünen Spargel mag ich gerne zum Lamm, aber das ist ja eine andere Geschichte.

Den grünen schneidest Du pro Stange schräg in ca. 4 gleich große Stücke, gibst ein wenig Olivenöl in die Pfanne und brätst ihn gesalzen und gepfeffert sanft ca. 15 Minuten an. Den Sud aus dem Bratschlauch und auch aus der Pfanne hebst Du auf, damit beträufelst Du hinterher den Salat. Aber jetzt kommt die Herausforderung! Die Krachelscher! Kannst Du es aussprechen? Ohne richtige Aussprache brauchst Du nämlich gar nicht erst anfangen! Du hast es? OK, dann los:


















Du nimmst Dir einen Kanten gutes Kastenweißbrot vom Vortag. Bitte keine Schlabber-Toastbrot-Supermarktware! Aus dem schneidest Du Dir daumendicke Scheiben, entfernst die Krume und schneidest dann die Scheiben in Würfel. In einer beschichteten Pfanne schäumst Du reichlich Salzbutter auf. Nicht zu viel Hitze, die Butter soll nicht bräunen! Jetzt brauchst Du mindestens 20 Minuten Zeit. Ganz langsam, ganz gemütlich, dabei immer mal wieder in der Luft wendend, bräunst Du die Krachelscher an. Dabei solltest Du darauf achten, dass die Pfanne entweder groß  oder die Menge der Brotwüfel klein genug ist, um dass sie nicht aufeinander liegen. Plane aber in der benötigten Menge auf jeden Fall Deine Nascherei das nötige Probieren mit ein! Während des Bratens salzt Du sie und gibst auch hier die geniale Mélange Blanc von Ingo Holland (oder eine vergleichbare Weiße-Pfeffer-Gewürzmischung ) dran. Wenn sie fertig sind, lässt Du sie auf etwas Küchenkrepp abkühlen.
Dann richtest Du alles zusammen auf einem Teller an, die Spargelstücke, den geräucherten Wildlachs, ein bisschen Ei, die Krachelscher, einen Klacks Crème fraîche, etwas Kresse, beträufelst alles mit dem Sud aus Brautschlauch und Pfanne und verstreust ein bisschen Fleur de sel mit getrockneten Chili und Orangenschalen. 
Und dann kannst du mal erleben, wie ein Rheinhesse seiner norddeutschen Herzensdame gegenüber das Heiratsversprechen samt Kniefall erneuert!
Zur Heimatküche Teil I -------|> Gebratene Fleischwurst mit Kartoffelpüree und glasierten Frühlingszwiebeln


18.04.11

Extraordinäre Nebenwirkung - Zitronen-Auberginen-Risotto nach Yotam Ottolenghi



20 Tage Fasten, glaub mal nicht, das ginge spurlos an mir vorüber. Auch wenn ich bekanntlich hart im Nehmen bin- das macht einfach etwas mit mir- jedesmal. 
Und eigentlich auch jedesmal das gleiche- der Drang auf Fleischverzicht für eine gewisse Zeit. Das ist eine komische Sache, der Körper ist so rein und sauber, dass ich noch keine Kopfschmerztablette schlucken würde auch wenn der Presslufthammer direkt im vorderen Stirnlappen hämmert. Der einzige, der es bisher ähnlich nachhaltig geschafft hat, mich zu temporärem Fleischverzicht zu bringen, ist Mr. Foer mit seinem Buch "Tiere essen". Allerdings mit einem signifikanten Unterschied:
Nach der Lektüre seines Buches haben wir lange kein Fleisch gegessen weil es mich so angewidert hat. Der Gedanke an die Aufzucht- und Schlachtbedingungen hat mir allumfassend den Appetit verdorben, selbst wenn ich schon lange von mir sagen kann, dass das Fleisch dieser Elendskreaturen nicht in meiner Küche landet.  Eines ist aber auch klar- ich bin wohl nicht zum Vegetarier geboren. Ich esse wirklich gerne Fleisch und Tierprodukte- ich muss es aber nicht. Daher macht es mir nichts aus, auf Fleisch zu verzichten, wenn mein Schlachter d. V. das gewünschte Stück gerade nicht vorrätig hat oder mein Verlangen auf einen Mittwoch fällt und es noch drei Tage bis zum Markttag sind, an dem ich einen stolzen Hahn von Daniel kaufen kann. 

Nach dem Fasten ist es immer so, dass ich einfach keine Lust auf Fleisch habe. Oft ernähre ich mich danach noch wochenlang vegetarisch. Ich habe es auch mal geschafft, mich im Anschluss noch vier Wochen lang nur von Rohkost zu ernähren. Geht alles. Der Antrieb war medizinischer Natur- das Ergebnis allumfassend sensationell. Jetzt kannst Du natürlich zu Recht fragen, warum ich nicht einfach gänzlich auf Fleisch verzichte. 
Ganz einfach aus dem eben genannten Grund: ich esse es wirklich gerne. Und auch wenn ich es nicht so krass ausdrücke wie das "Zentrum der Gesundheit", die auf ihrer Internetseite schreiben:

Fleisch macht agressiv

Fleisch ist ein Stück Lebensqualität wird uns suggeriert. Es fällt jedoch auf, dass Fleischesser, insbesondere Rindfleischesser, häufiger zu Wut, Angst und Gewalt neigen, als Vegetarier. Fleischesser neigen ebenfalls eher dazu, Kriege zu befürworten, Waffen zu besitzen und diese auch zu gebrauchen. Einige von ihnen gehen gerne zur Jagd. Es macht ihnen Spaß, Tiere zu töten, nur um sie als Trophäe an die Wand zu hängen. Einige Fleischesser denken, dass Tiere grausam behandelt werden dürfen, ohne dass das Konsequenzen für sie hat. Aber warum ist das so?

Gewebe speichert Emotionen

Gewebe ist in der Lage, Emotionen zu speichern. Diese Erkenntnis wurde durch Organtransplantationen gewonnen. Viele Empfänger von Organspenden berichten darüber, daß sie die Emotionen ihrer Spender empfinden. Sogar Erinnerungen mit entsprechenden Stimmungen der Spender werden erlebt.
Das ist deshalb möglich, weil die Organe in der Lage sind, Energie zu speichern. So wird z.B. bei einer Herztransplantation die emotionale Energie des Spenderherzens freigesetzt und der Empfänger erlebt nun diese Emotionen erneut. Alle Gewebe und Organe unseres Körpers sind in der Lage, diese emotionale Energie zu speichern, egal ob es sich hier um die Leber, Haut, Muskeln oder um das Blut handelt.

Negative Emotionen und Fleischverzehr

Dieselbe Übertragung von Emotionen geschieht auch dann, wenn wir Fleisch oder Organe von Tieren essen. Die Energien und Emotionen, die in diesen Geweben gespeichert waren, werden ebenfalls vom menschlichen Körper aufgenommen. Und diese Energie, die sich im Fleisch der Tiere eingeprägt hat, beeinflußt nun die Stimmung, das Verhalten und das Bewusstsein desjenigen, der dieses Fleisch verzehrt hat.
Wenn die Tiere zum Schlachthaus gebracht und dabei mit Gewalt konfrontiert werden, erleben sie Emotionen, wie Panik und unermessliche Angst. Diese Emotionen werden als negative Energie in ihrem Gewebe gespeichert. Das Fleisch enthält dann die Energie von Gewalt, Angst und Hoffnungslosigkeit.
Nehmen wir das Beispiel Amerika: Ist es Zufall, dass die Amerikaner, die dieses Fleisch zu sich nehmen, genau dieselben Emotionen erleben, wie die geschlachteten Tiere? Des Weiteren stellen sich die Fragen, warum so viele Amerikaner den Krieg unterstützen, in den Schulen so viel Gewalt herrscht und das Land generell von so viel Angst geprägt ist.
Das haben selbst die Amerikaner nicht verdient und ich bin der Meinung, ein ausgeglichenes Sexualleben, regelmäßiges Mittagessen und für Kinder Unterstützung bei den Hausaufgaben wären einer friedlichen Welt unter Umständen zuträglicher als Fleischverzicht. Aber so manches mal habe ich auch hier im Blog schon davon gesprochen, dass das Fleisch einer gequälten Kreatur einfach nicht schmecken kann und am Ende meinen sie das Gleiche wie ich und drücken es nur drastischer aus? 

Tatsache ist, ich bin in diesen Tagen ein leichtes Opfer für vegetarische Denkanstöße. Und da ich ein vegetarisches Gericht ohne groß nachzudenken auch gerne mal mit einer Kalbsbrühe ablösche, gehöre ich eindeutig zu den Karnivoren, die man mit ausgefeilten vegetarischen Rezepten noch überraschen kann. Aber man komme mir bitte nicht mit Tofuschnitzeln und Fleischersatzprodukten, die nach Salami riechen. Die stehen für mich auf einer Stufe mit Wurst mit Bärchengesichtern und ganz diktatorisch finde ich: So´n Scheiß gehört verboten!!!

Und so traf ich dieses Buch. Oder dieses Buch mich, ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Aber wer auch immer da zu wem gefunden hat- man mag es als glückliche Fügung beschreiben.
Das beste daran ist- es gibt ein ganzes Kapitel über Auberginen! Eines meiner Lieblingsgemüse erfährt hier die ihm zustehende Würdigung! Wenn es jetzt noch ein Kapitel nur für Wirsing gäbe- ich hätte vor Begeisterung die Gabel in die Kalbskopfsülze fallen lassen!

Über Ottolenghi gibt es soviel im Netz zu lesen, es wäre müßig, wenn auch ich nochmal erzählen würde wo er herkommt, was er macht, warum und wieso und überhaupt. Google Dich einfach mal durch. Eines ist aber erwähnenswert: Nur sehr selten sind Herr Dollase und ich so sehr einer Meinung wie in der Beurteilung dieses Kochbuches. (wenn ich es mir recht überlege, gab es das eigentlich noch nie!) Hier seine Esspapier-Kolumne zum Nachlesen. 

Und auch auf die Gefahr hin jetzt komisch zu klingen- mir gefällt besonders gut, dass es sich meiner Meinung nach nicht wirklich um ein vegetarisches Kochbuch handelt. Du wirst natürlich kein Fleischgericht darin finden, aber einen völlig sorglosen Umgang mit tierischen Erzeugnissen wie Eiern und Käse. Dazu kommt, dass ich mir viele der Rezepte sehr gut als Beilage zu einem Fleisch- oder Fischgang vorstellen kann. Vielleicht liegt es daran, dass Yotam Ottolenghi selbst kein Vegetarier ist. Aber- trotzdem hätte ich fast einen kapitalen Fehler begangen und das Buch gleich zu Beginn unterschätzt. Wohlgemerkt- viele der Rezepte könnten auch als Beilage dienen. Eines allerdings ganz sicher nicht:

Zitronen-Auberginen-Risotto

Lt. Ottolenghi für 4 Personen- hast Du aber 3 normal gute Esser im Haus bekommst Du keinen Weiteren mehr damit satt; dabei ist der "ich überfresse mich, weil´s so gut schmeckt-Faktor" noch gar nicht berücksichtigt!
Hier das Rezept mit den Zutatenmengen des Autors:
  • 2 mittelgroße Auberginen
  • 130 ml Olivenöl
  • Grobes Meersalz
  • 1 mittelgroße Zwiebel, fein gehackt
  • 2 Koblauchzehen, zerdrückt
  • 200 g Risottoreis
  • 120 ml Weisswein
  • 750 ml Gemüsefond, erhitzt
  • Abgeriebene Schale von einer Zitrone
  • 2 EL Zitronensaft
  • 20 g Butter
  • 50 g Parmesan oder anderer geriebener Hartkäse
  • Schwarzer Pfeffer
  • 10 Basilikumblätter, streifig geschnitten
Zuerst eine der beiden Auberginen rösten. Dazu stichst Du sie mehrmals mit einem scharfen Messer ein und legst sie auf ein mit Alufolie ausgelegtes Backofenblech. Unter gelegentlichem Wenden grillst Du sie ca. 60 Minuten lang. Am Ende sieht die Aubergine total verschrumpelt aus.
Du schneidest sie der Länge nach auf und holst mit einem Löffel das Fruchtfleisch heraus. Die Haut schmeißt Du weg.
Das Fruchtfleisch hackst Du klein und störst Dich dabei nicht an den Kernen.
Die zweite Aubergine schneidest Du in ca. 1,5 cm große Würfel und brätst sie in 80 ml Öl bei mittlerer Hitze langsam und geduldig goldgelb an. Ich hatte noch Olivenöl gelagert, in dem ich vor einiger Zeit Auberginenwürfel confiert habe, das hat jetzt natürlich wunderbar gepasst. Nach dem Anbraten gießt Du die Würfel in einem Sieb ab, salzt sie und lässt sie abkühlen.

Dann bereitest Du den/das Risotto zu. Dazu wiederhole ich weder Ottolenghis Anleitung noch erkläre ich an dieser Stelle den Ablauf. Solltest Du zur Risottozubereitung Fragen haben, findest Du hier im Blog die Antworten. Wenn das Risotto fertig ist, schaltest Du die Hitze aus und gibst die Hälfte des Zitronenabriebs, den Großteil des Parmesans, den Zitronensaft, das Fruchtfleisch und die Butter zum Risotto. 
Schmeiß noch einen halben Teelöffel Salz hinterher. Vielleicht auch mehr, je nachdem, wie kräftig Deine Brühe war. Dann rührst Du alles gründlich unter, legst einen Deckel auf den Topf und lässt das Risotto fünf Minuten ruhen. Anschließend schmeckst Du es noch einmal ab. Von der Anrichtweise gibt es im Buch kein Bild, aber mal ehrlich, das können Du und ich auch ohne! Allerdings habe ich die Auberginenwürfel noch einmal kurz durch die Pfanne geschenkt, weil ich sie nicht kalt auf das Risotto geben wollte. 
Dieses Risotto wird in die Annalen der ATK-Küche eingehen, so extraordinär ist der Geschmack und ich danke Gott auf Knien, dass er an diesem Tag in ganz Ingelheim keine einzige Riesengarnele für mich bereit hielt, die ich verwerflicherweise noch dazu hätte braten können.

Seit ca. 20 Jahren bin ich Organspenderin und wenn Du vielleicht  mal  mein Herz, meine Haut oder irgendetwas anderes von mir bekommst und wirklich so etwas wie ein Stück "Seele" vom Spender an den Empfänger übergeht- tja dann kannst Du Dir trotz meiner Ernährungsgewohnheiten gewiss sein: Da wird nichts sein mit Gewalt. Nichts mit Agressionen, Angst oder gar Hoffnugslosigkeit. Ich werde Dich überschwemmen mit Lebenslust, Freude, Harmonie und Hedonismus, da können die vom komischen Zentrum sagen oder denken was sie wollen!



15.04.11

Bei Rot hier halten!




Wenn Du also die Zahl im folgenden Bild nicht erkennst, weißt Du nicht, wie das Essen aussehen wird.
Wenn Du jetzt denkst, "wieso, ich erkenne hier doch nie was", dann solltest Du ganz grundsätzlich mal das Gespräch mit einem Augenarzt suchen. Wenn Du vielleicht sogar glaubst, hier nie was zu verstehen, auch wenn Du es lesen kannst- dann hast Du wohl den Einführungskurs im unter diesem Beitrag stehenden Link noch nicht absolviert.  :)

Ok, kannst Du´s sehen?
Das wird eine
Paprikasuppe mit Ricotta-Rucola-Nocken
Du brauchst 6 große knallrote Paprikaschoten, die Du wäschst, in Stücke scheidest und dann in Butterschmalz sanft anschwitzt. Währenddessen stäubst Du sie mit einem Esslöffel Puderzucker ab, das lässt sie etwas karamellisieren und gibt eine schönes "Süßeschwänzchen" in der späteren Suppe.
Parallel dazu röstest Du eine Handvoll Walnüsse oder eine Körnermischung aus Kürbis-, Sonnenblumen- und Pinienkernen an. Das ist eine gute Alternative bei Nussallergien, unter denen hier in zunehmendem Maße gelitten wird.  Diese gibst Du zu den Paprikastücken in den Topf,
gießt alles mit 0,75 l kräftiger Kalbs- oder Gemüsebrühe auf und pürrierst es mit dem Zauberstab durch. In der Konsistenz soll dabei eine sämige Suppe entstehen. Die Körner und die Paprikastücke sollen dabei noch etwas "Biss" behalten, also nicht bis zum Püree mixen! 
Dann schmeckst Du kräftig ab mit Salz, Pfeffer und Pimenton de la vera und zwar ruhig in der scharfen Variante. 

Für die Nocken brauchst Du 
  • 250 g Ricotta
  • ca. 80 g Parmesan
  • 2 Eier
  • 80 g Mehl
  • 100 g Rucola
  • weißen Pfeffer  (auch hier eignet sich wunderbar die Mischung Mélange Blanc, die ich im Zucchinikuchen verwendet habe)
  • Geriebene Muskatnuss (entfällt, wenn Du die Mélange verwendest)
Alle Zutaten außer dem Rucola mit einem Schneebesen gut verrühren. Anschließend hebst Du mit einem Löffel den fein gehackten Rucola unter die Masse.
Wenn Du jetzt noch etwas Zeit hast, stell Dir die Masse nochmal kalt, dann lassen sich die Nocken besser formen. Du nimmst einen Topf mit breitem Durchmesser und bringst darin Salzwasser bis zum Siedepunkt. Mit 2 Esslöffeln formst Du Dir aus der Masse Nocken, die Du dann in das Wasser gleiten lässt. 
Wenn die Masse aus dem Kühlschrank kommt, brauchen die Nocken ca. 17 Minuten, bei Zimmerwärme ca. 15. Durch das Sieden im Wasser verlieren sie wie alle Klößchen ein wenig Geschmack, deshalb sei beim Würzen nicht zu zimperlich- aber trotzdem vorsichtig mit der Salzmenge, da der Parmesan davon einiges abgibt. Schon nach kurzer Zeit "ploppen" die Nocken im Topf nach oben. Lass Dich davon nicht irritieren, sie sind trotzdem noch nicht gar!

Nach der Kochzeit hebst Du sie heraus und lässt sie kurz auf Küchenkrepp abtrocknen. Dann kannst Du sie in der Suppe servieren. Jetzt hast Du körnige Suppe mit cremigen Nocken, süß-rauchige Paprika und bitter-scharfen Ricotta- ein schönes Geschmacks- und Mundfühlerlebnis!
Die Suppe eignet sich an heißen Tagen auch wunderbar zum Kaltessen, ähnlich einer Gazpacho. Dann solltest Du sie noch etwas pikanter abschmecken, da die Kälte Dir immer etwas Geschmack nimmt und mit etwas Essig oder Verjus für den Säurekick verfeinern.
Die Nocken haben wie gesagt eine sehr cremige Konsistenz, ich werde sie in den nächsten Tagen versuchsweise mit Grieß anstelle von Mehl zubereiten. Kann mir vorstellen, dass sie dann weniger cremig aber dafür fluffiger werden. 

Und morgen koche ich für Hypakustiker.

*schnipp----------------------------------------------------------------------------------------*schnipp


Auszug aus dem Einsteigerkurs für Neuleser:

Liebe Leserin und lieber Leser,
wenn Du heute das erste mal in meinen Blog schaust, dann bitte ich Dich von Herzen, erst einmal diesen Link anzuklicken. Nicht nur ich, sondern ganz viele ganz besondere Menschen haben sich Gedanken gemacht, wie man Dir hier den Einstieg erleichtern kann. Du sollst nicht hilflos herumirren, auf der Suche nach einer Löffelwage, die Dir das Mikrogewicht einer Dinkelsemmel anzeigt. Alles das gibt es hier nämlich nicht. Keine Löffelwaage (die ist zwar im Küchenequipment - natürlich! - findet aber kaum praktische Verwendung), Dinkel nur unter Protest und Semmeln nur gekauft, denn, wie Du auch feststellen wirst, gebacken wird hier kaum.

Und so wurde extra für DICH ein kleiner, ach was sag ich, ein großer Leitfaden gestrickt, an dem Du Dich festhalten kannst, wenn Du hier herumschaust. Sollte Dir das Fadenende doch mal aus den Fingern gleiten- kein Problem, melde Dich kurz per mail oder Kommentar, es wird Dir schnell geholfen. Einige persönliche Willkommensgrüße, die in den letzten Tagen für Dich geschrieben wurden, füge ich Dir hier ein.


Claus hat gesagt…





DU BIST HIER ÜBERFLÜSSIG!!! VERZIEH DICH!!! GESCHLOSSENE GESELLSCHAFT!!! KAPIERT?

Du bist ja immer noch hier.

ICH KENN´ DA EIN PAAR GANZ HARTE JUNGS, DIE SCHICK ICH DIR VORBEI! DIE MACHEN DIR EIN ANGEBOT, DAS DU NICHT ABLEHNEN KANNST!!!

Wie, immer noch da? Dann biste auch so´n Freak. Dann biste hier richtig. Kannst bleiben, ich pfeif die Jungs zurück...


Täglich Freude am Kochen hat gesagt…





Ich wende mich an dich, den du Arturs Tochter, Astrid noch nicht kennst und erzähle dir von ihr. Sie hat einen Vaterkomplex, das sieht man auf den ersten Blick. Sie sammelt Wörter und verwendet dieselben auch noch. Folglich brauchst du ein Fremdwörterbuch um aus ihrem Blog schlau zu werden. Sie ißt zuviel Butter, zuviel Fleisch und trinkt zuviel Wein, deshalb muss sie 2-3-4 Wochen fasten um auf den richtigen Pegel zu kommen.
Geschmacklich gehen wir in zwei verschiedene Richtungen: sie in den Norden, ich in den Süden. Ich habe noch nicht sehr viel nachgekocht von ihr, ich glaube sie von mir auch nicht:( Und trotzdem wäre ich unsagbar traurig, wenn sie aufhören würde ihre Senf von sich zu geben (übrigens sind die verlorenen Eier in der Senfmousseline ein Traum).
Sie ist der aufheiternde Stern am Blogger-Himmel und ich kann nur empfehlen, fast jeden Tag hineinzuschauen, aber nur wenn du genug Zeit hast. Andernfalls lies nur die Überschrift, du kannst dich schon daran vergnügen. Ich würde mich über das Kochbuch sehr freuen, aber nur wegen der persönlichen Widmung. Wenn sie einmal zufällig nach Südtirol kommen sollte, würde ich gerne mit um die Häuser ziehen. So das wäre alles:))