20 Tage Fasten, glaub mal nicht, das ginge spurlos an mir vorüber. Auch wenn ich bekanntlich hart im Nehmen bin- das macht einfach etwas mit mir- jedesmal.
Und eigentlich auch jedesmal das gleiche- der Drang auf Fleischverzicht für eine gewisse Zeit. Das ist eine komische Sache, der Körper ist so rein und sauber, dass ich noch keine Kopfschmerztablette schlucken würde auch wenn der Presslufthammer direkt im vorderen Stirnlappen hämmert. Der einzige, der es bisher ähnlich nachhaltig geschafft hat, mich zu temporärem Fleischverzicht zu bringen, ist Mr. Foer mit seinem Buch "Tiere essen". Allerdings mit einem signifikanten Unterschied:
Nach der Lektüre seines Buches haben wir lange kein Fleisch gegessen weil es mich so angewidert hat. Der Gedanke an die Aufzucht- und Schlachtbedingungen hat mir allumfassend den Appetit verdorben, selbst wenn ich schon lange von mir sagen kann, dass das Fleisch dieser Elendskreaturen nicht in meiner Küche landet. Eines ist aber auch klar- ich bin wohl nicht zum Vegetarier geboren. Ich esse wirklich gerne Fleisch und Tierprodukte- ich muss es aber nicht. Daher macht es mir nichts aus, auf Fleisch zu verzichten, wenn mein Schlachter d. V. das gewünschte Stück gerade nicht vorrätig hat oder mein Verlangen auf einen Mittwoch fällt und es noch drei Tage bis zum Markttag sind, an dem ich einen stolzen Hahn von Daniel kaufen kann.
Nach dem Fasten ist es immer so, dass ich einfach keine Lust auf Fleisch habe. Oft ernähre ich mich danach noch wochenlang vegetarisch. Ich habe es auch mal geschafft, mich im Anschluss noch vier Wochen lang nur von Rohkost zu ernähren. Geht alles. Der Antrieb war medizinischer Natur- das Ergebnis allumfassend sensationell. Jetzt kannst Du natürlich zu Recht fragen, warum ich nicht einfach gänzlich auf Fleisch verzichte.
Ganz einfach aus dem eben genannten Grund: ich esse es wirklich gerne. Und auch wenn ich es nicht so krass ausdrücke wie das "Zentrum der Gesundheit", die auf ihrer Internetseite schreiben:
Fleisch macht agressiv
Fleisch ist ein Stück Lebensqualität wird uns suggeriert. Es fällt jedoch auf, dass Fleischesser, insbesondere Rindfleischesser, häufiger zu Wut, Angst und Gewalt neigen, als Vegetarier. Fleischesser neigen ebenfalls eher dazu, Kriege zu befürworten, Waffen zu besitzen und diese auch zu gebrauchen. Einige von ihnen gehen gerne zur Jagd. Es macht ihnen Spaß, Tiere zu töten, nur um sie als Trophäe an die Wand zu hängen. Einige Fleischesser denken, dass Tiere grausam behandelt werden dürfen, ohne dass das Konsequenzen für sie hat. Aber warum ist das so?
Gewebe speichert Emotionen
Gewebe ist in der Lage, Emotionen zu speichern. Diese Erkenntnis wurde durch Organtransplantationen gewonnen. Viele Empfänger von Organspenden berichten darüber, daß sie die Emotionen ihrer Spender empfinden. Sogar Erinnerungen mit entsprechenden Stimmungen der Spender werden erlebt.
Das ist deshalb möglich, weil die Organe in der Lage sind, Energie zu speichern. So wird z.B. bei einer Herztransplantation die emotionale Energie des Spenderherzens freigesetzt und der Empfänger erlebt nun diese Emotionen erneut. Alle Gewebe und Organe unseres Körpers sind in der Lage, diese emotionale Energie zu speichern, egal ob es sich hier um die Leber, Haut, Muskeln oder um das Blut handelt.
Negative Emotionen und Fleischverzehr
Dieselbe Übertragung von Emotionen geschieht auch dann, wenn wir Fleisch oder Organe von Tieren essen. Die Energien und Emotionen, die in diesen Geweben gespeichert waren, werden ebenfalls vom menschlichen Körper aufgenommen. Und diese Energie, die sich im Fleisch der Tiere eingeprägt hat, beeinflußt nun die Stimmung, das Verhalten und das Bewusstsein desjenigen, der dieses Fleisch verzehrt hat.
Wenn die Tiere zum Schlachthaus gebracht und dabei mit Gewalt konfrontiert werden, erleben sie Emotionen, wie Panik und unermessliche Angst. Diese Emotionen werden als negative Energie in ihrem Gewebe gespeichert. Das Fleisch enthält dann die Energie von Gewalt, Angst und Hoffnungslosigkeit.
Nehmen wir das Beispiel Amerika: Ist es Zufall, dass die Amerikaner, die dieses Fleisch zu sich nehmen, genau dieselben Emotionen erleben, wie die geschlachteten Tiere? Des Weiteren stellen sich die Fragen, warum so viele Amerikaner den Krieg unterstützen, in den Schulen so viel Gewalt herrscht und das Land generell von so viel Angst geprägt ist.
Das haben selbst die Amerikaner nicht verdient und ich bin der Meinung, ein ausgeglichenes Sexualleben, regelmäßiges Mittagessen und für Kinder Unterstützung bei den Hausaufgaben wären einer friedlichen Welt unter Umständen zuträglicher als Fleischverzicht. Aber so manches mal habe ich auch hier im Blog schon davon gesprochen, dass das Fleisch einer gequälten Kreatur einfach nicht schmecken kann und am Ende meinen sie das Gleiche wie ich und drücken es nur drastischer aus?
Tatsache ist, ich bin in diesen Tagen ein leichtes Opfer für vegetarische Denkanstöße. Und da ich ein vegetarisches Gericht ohne groß nachzudenken auch gerne mal mit einer Kalbsbrühe ablösche, gehöre ich eindeutig zu den Karnivoren, die man mit ausgefeilten vegetarischen Rezepten noch überraschen kann. Aber man komme mir bitte nicht mit Tofuschnitzeln und Fleischersatzprodukten, die nach Salami riechen. Die stehen für mich auf einer Stufe mit Wurst mit Bärchengesichtern und ganz diktatorisch finde ich: So´n Scheiß gehört verboten!!!
Und so traf ich dieses Buch. Oder dieses Buch mich, ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Aber wer auch immer da zu wem gefunden hat- man mag es als glückliche Fügung beschreiben.
Das beste daran ist- es gibt ein ganzes Kapitel über Auberginen! Eines meiner Lieblingsgemüse erfährt hier die ihm zustehende Würdigung! Wenn es jetzt noch ein Kapitel nur für Wirsing gäbe- ich hätte vor Begeisterung die Gabel in die Kalbskopfsülze fallen lassen!
Über
Ottolenghi gibt es soviel im Netz zu lesen, es wäre müßig, wenn auch ich nochmal erzählen würde wo er herkommt, was er macht, warum und wieso und überhaupt. Google Dich einfach mal durch. Eines ist aber erwähnenswert: Nur sehr selten sind Herr Dollase und ich so sehr einer Meinung wie in der Beurteilung dieses Kochbuches. (wenn ich es mir recht überlege, gab es das eigentlich noch nie!) Hier seine
Esspapier-Kolumne zum Nachlesen.
Und auch auf die Gefahr hin jetzt komisch zu klingen- mir gefällt besonders gut, dass es sich meiner Meinung nach nicht wirklich um ein vegetarisches Kochbuch handelt. Du wirst natürlich kein Fleischgericht darin finden, aber einen völlig sorglosen Umgang mit tierischen Erzeugnissen wie Eiern und Käse. Dazu kommt, dass ich mir viele der Rezepte sehr gut als Beilage zu einem Fleisch- oder Fischgang vorstellen kann. Vielleicht liegt es daran, dass Yotam Ottolenghi selbst kein Vegetarier ist. Aber- trotzdem hätte ich fast einen kapitalen Fehler begangen und das Buch gleich zu Beginn unterschätzt. Wohlgemerkt- viele der Rezepte könnten auch als Beilage dienen. Eines allerdings ganz sicher nicht:
Zitronen-Auberginen-Risotto
Lt. Ottolenghi für 4 Personen- hast Du aber 3 normal gute Esser im Haus bekommst Du keinen Weiteren mehr damit satt; dabei ist der "ich überfresse mich, weil´s so gut schmeckt-Faktor" noch gar nicht berücksichtigt!
Hier das Rezept mit den Zutatenmengen des Autors:
- 2 mittelgroße Auberginen
- 130 ml Olivenöl
- Grobes Meersalz
- 1 mittelgroße Zwiebel, fein gehackt
- 2 Koblauchzehen, zerdrückt
- 200 g Risottoreis
- 120 ml Weisswein
- 750 ml Gemüsefond, erhitzt
- Abgeriebene Schale von einer Zitrone
- 2 EL Zitronensaft
- 20 g Butter
- 50 g Parmesan oder anderer geriebener Hartkäse
- Schwarzer Pfeffer
- 10 Basilikumblätter, streifig geschnitten
Zuerst eine der beiden Auberginen rösten. Dazu stichst Du sie mehrmals mit einem scharfen Messer ein und legst sie auf ein mit Alufolie ausgelegtes Backofenblech. Unter gelegentlichem Wenden grillst Du sie ca. 60 Minuten lang. Am Ende sieht die Aubergine total verschrumpelt aus.
Du schneidest sie der Länge nach auf und holst mit einem Löffel das Fruchtfleisch heraus. Die Haut schmeißt Du weg.
Das Fruchtfleisch hackst Du klein und störst Dich dabei nicht an den Kernen.
Die zweite Aubergine schneidest Du in ca. 1,5 cm große Würfel und brätst sie in 80 ml Öl bei mittlerer Hitze langsam und geduldig goldgelb an. Ich hatte noch Olivenöl gelagert, in dem ich vor einiger Zeit Auberginenwürfel confiert habe, das hat jetzt natürlich wunderbar gepasst. Nach dem Anbraten gießt Du die Würfel in einem Sieb ab, salzt sie und lässt sie abkühlen.
Dann bereitest Du den/das Risotto zu. Dazu wiederhole ich weder Ottolenghis Anleitung noch erkläre ich an dieser Stelle den Ablauf. Solltest Du zur Risottozubereitung Fragen haben, findest Du
hier im Blog die Antworten. Wenn das Risotto fertig ist, schaltest Du die Hitze aus und gibst die Hälfte des Zitronenabriebs, den Großteil des Parmesans, den Zitronensaft, das Fruchtfleisch und die Butter zum Risotto.
Schmeiß noch einen halben Teelöffel Salz hinterher. Vielleicht auch mehr, je nachdem, wie kräftig Deine Brühe war. Dann rührst Du alles gründlich unter, legst einen Deckel auf den Topf und lässt das Risotto fünf Minuten ruhen. Anschließend schmeckst Du es noch einmal ab. Von der Anrichtweise gibt es im Buch kein Bild, aber mal ehrlich, das können Du und ich auch ohne! Allerdings habe ich die Auberginenwürfel noch einmal kurz durch die Pfanne geschenkt, weil ich sie nicht kalt auf das Risotto geben wollte.
Dieses Risotto wird in die Annalen der ATK-Küche eingehen, so extraordinär ist der Geschmack und ich danke Gott auf Knien, dass er an diesem Tag in ganz Ingelheim keine einzige Riesengarnele für mich bereit hielt, die ich verwerflicherweise noch dazu hätte braten können.
Seit ca. 20 Jahren bin ich Organspenderin und wenn Du vielleicht mal mein Herz, meine Haut oder irgendetwas anderes von mir bekommst und wirklich so etwas wie ein Stück "Seele" vom Spender an den Empfänger übergeht- tja dann kannst Du Dir trotz meiner Ernährungsgewohnheiten gewiss sein: Da wird nichts sein mit Gewalt. Nichts mit Agressionen, Angst oder gar Hoffnugslosigkeit. Ich werde Dich überschwemmen mit Lebenslust, Freude, Harmonie und Hedonismus, da können die vom komischen Zentrum sagen oder denken was sie wollen!