Von der Moral


Angestoßen durch Frau Katha Esskultur, die mir mit ihrem aktuellen Bericht von glücklichen Schweinen mal wieder aus der Seele gesprochen hat, sowie dem Bericht zum Film "Taste the waste" bei Stevan Paul von NutriCulinary, werde ich heute ein bisschen über mein Einkaufsverhalten sowie die Erzeugung unserer Lebensmittel reflektieren. Dieser Bericht ist zutiefst subjektiv, mit teilweiser großer Wut im Bauch verfasst worden. Die Zahlen zu geschlachteten Schweinen stammen von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, andere Zitate aus Wikipedia. Sie sind entsprechend gekennzeichnet. Der ganze Rest ist meine persönliche Lebenswirklichkeit. Fundiert sind die Angaben zur Vernichtung von Brot und Backwaren, da ich selbst in dieser der Branche gearbeitet habe. Am Ende des Textes nenne ich Bezugsquellen für gute Lebensmittel aus meiner Region. 

Obst und Gemüse

Ich fange mal damit an, dass ich keinesfalls grundsätzlich Bio-Produkte einkaufe. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen geht mir Regionalität eindeutig vor Bio und die Klimabilanz eines Bioapfels aus Neuseeland lässt mich schaudern. Dann geht in vielen Biobetrieben immer noch der Gedanke an rechtsdrehende Mondumlaufbahnen über den pfleglichen Umgang mit Lebensmitteln und Kunden. Ich weiß, das klingt ein bisschen ketzerisch, aber eine verdreckte Rübe schmeckt nicht gleich besser, sie sieht nur beschissenener aus. Überhaupt bin ich der Meinung, Bio schmeckt man nicht unbedingt. Respektvolle Erzeugung, Mischkulturen im Anbau, gepflegte Böden - all das kann man riechen und schmecken. Ein Siegel – zumal wenn es mit bis zur Unkenntlichkeit weich gespülten Kriterien daher kommt wie das EU-Bio-Siegel  – interessiert mich erst einmal weniger. Ich versuche daher, unseren Bedarf an Lebensmittel weitestgehend bei den Erzeugern vor Ort zu decken. Damit geht einher, dass es natürlich gleichzeitig ein durch und durch saisonal orientiertes Einkaufsverhalten ist. Ich brauche im Spätsommer den Spargel aus Peru nicht und auch nicht die Paprika aus Israel.

Geflügel und Eier

Natürlich bin ich keine Heilige und Dogmatiker sind mir immer verdächtig. Meine Auberginen kommen aus Italien, der Reis aus Italien, der Safran aus Österreich. Manchmal kaufe ich Tomaten aus Frankreich, wenn die heimische Ware noch nicht so weit ist. Aber alles was geht, kaufe ich beim Gemüsebauern vor Ort.

Meine Hähnchen kommen von einem Landwirtschaftlichen Kleinbetrieb, der Inhaber, Daniel,  ist im ersten Beruf Trockenbauer. Sein Geflügelhof ist klein und soll auch klein bleiben. Wenn er größer wird, übertritt er die Schranken für einen landwirtschaftlichen Kleinbetrieb; die Bestimmungen und Vorschriften, die er dann umzusetzen und einzuhalten hätte, würden ihn finanziell ruinieren. 
Und so sind weder die Hähne, nicht die Gänse und auch nicht die Eier "bio". Aber sie sind gut und im Einklang mit der Natur erzeugt worden. Die Hähnchen rennen von morgens bis abends durch die Gegend, so dass das Fleisch am Ende nichts für Gebissträger ist. Die Eier schmecken unvergleichlich - manchmal sind sie noch ein bisschen verdreckt, aber ein kleiner Hühnerschiß an der Schale ist mir allemal lieber, als die "Alibi-Feder", die in jeder industriell erzeugten Eierpackung zu finden ist und das Bild vom glücklichen Huhn heraufbeschwören soll. 

Apropos Huhn! Die Wiesenhof-Debatte! Für mich in Teilen verlogen bis zum Anschlag. Ich verstehe einfach nicht, wie man im Supermarkt für € 2,99 ein ganzen Hähnchen erstehen kann, und sich jetzt bei denen in der Reportage gezeigten Bildern vor Ekel windet. Erst nicht für 5 Pfennig nachdenken und hinterher aufregen und so tun, als hätte man das ja alles nicht gewusst, ich glaub es hackt! Am tollsten ist in dem Zusammenhang die REWE, die jetzt großspurig in der Öffentlichkeit verbreitet, wie sehr ihr der Tierschutz am Herzen liegt und wie sehr man jetzt JETZT! ENDLICH! Betriebe wie Wiesenhof unter die Lupe nehmen und in letzter Konsequenz als Lieferanten auslisten wolle. Wenn sie damit fertig sind, können sie wahrscheinlich bei ihrem Metzgereibetrieb "Brandenburg" gleich weiter machen. 

Noch etwas liegt mir auf der Seele. Liebe Leserinnen und Leser, kauft die Hühner im Ganzen. Verzichtet auf die praktischerweise abgehackten Keulen in der Großpackung oder in der Auslage der Supermarkt-Metzgerei-Theke. Und bitte bitte bitte kauft nicht immer nur Hühnerbrüste. Die Brust bleibt hier, bereits schick enthäutet - bloß nicht mehr zuviel Ähnlichkeit mit dem Tier erzeugen, von dem sie stammt; der Rest vom Huhn geht nach Afrika und versaut den dortigen Geflügelbauern die Preise. Das Geflügel in den hiesigen Kreatur-quälenden-Großbetrieben wird so billig erzeugt, dass die "unschönen Reste", die die deutschen Verbraucher nicht essen wollen (zum Teil die Keulen, die Rücken und Flügel sowieso) nach Afrika exportiert werden und trotz der Kosten für Verpackung, Kühlung und Transport dort immer noch mit Gewinn verkauft werden können. Und – das ist das Perfideste am System – immer noch billiger sind, als das Huhn vom örtlichen Erzeuger. Der muss seinen Betrieb aufgeben und nagt am Hungertuch, die Kinder können nicht mehr in die Schule gehen, die Frauen müssen betteln, die Töchter sich prostituieren. Da bleibt mir vor Entsetzen und Wut der Geflügelknochen im Halse stecken. 

Und wenn Du dann nur die Brust oder nur die Keulen essen willst - mach das doch. Friere Dir den Rest ein. Koch Dir daraus einen tollen Hühnerfond oder eine Suppe. Mach ein Frikassé. Probiere mal die fantastischen Sot-l'y-laisse und ich schwöre Dir, Du wirst den Hühnerrücken lieben! 

Rind, Schwein, Wild und Lamm

Ich habe 3 Metzger, bei denen ich mein Fleisch kaufe, 2 von Ihnen schlachten noch selbst. Der, der nicht mehr selbst schlachtet, bezieht mittlerweile sein komplettes Rindfleisch von der Erzeugergemeinschaft Schwäbisch-Hall, beim Schweinefleisch fährt er (noch) zweigleisig. Und der Schinken, den er vom Schwäbisch-Hällischem "Mohrenköpfle" anbietet, ehrlich, da läuft der Saft nur so heraus. 
Daraus werden dann so herrliche Braten wie mein Osso Buco vom Schwein mit Morchelpolenta und gebrannter Rosmarinhaube

oder Elines Fenchelbraten aus dem Küchentanz, den ich  nicht verbloggt habe, für den ich aber eine dringende Nachkochempfehlung ausspreche!
Und doch - dieses Fleisch legt von der Schwäbischen Alb bis zum mir immerhin eine Strecke von über 200 km zurück. Im Vergleich aber zu einem Schwein, das lebend von Deutschland nach Polen transportiert wird, um dort geschlachtet zu werden, falls es den grausamen Transport dorthin überhaupt überlebt, immer noch zu vertreten. 2010 wurden von der deutschen Fleischwirtschaft 59,3 Mio. Schweine geschlachtet und verarbeitet. (Quelle: Landwirtschaftskammer Niedersachsen) Eine Vielzahl von ihnen wurde und wird zur Schlachtung nach Osteuropa gekarrt, weil die dortigen Schlachtereien mit absoluten Dumpingpreisen locken. 
"Ungeachtet dessen planen führende deutsche Fleischzentren weitere Wachstumsschritte. Die führenden zehn Unternehmen wollen dabei insgesamt schneller wachsen als der Marktdurchschnitt. Sollte die geplante Übernahme von Tummel durch Tönnies erfolgen, würde die Nummer 1 in Deutschland einen Marktanteil von 28 % erreichen. Der Strukturwandel in der deutschen Schlachtbranche beschleunigt sich also weiter. Kleine und mittlere Betriebe werden aufgeben oder durch Fusionen übernommen werden. Die Wege zu den Schlachthöfen werden sich tendenziell vergrößern und zu steigenden Vorkosten beitragen und damit die Gewinnspannen der Mäster verringern." (Quelle: Landwirtschaftskammer Niedersachsen, ich empfehle den ganzen Bericht zu lesen!) 
Zu Tönnies ein Auszug aus Wikipedia:
"Der hohe Anteil von Niedriglohn-Beschäftigten hatte die Firma Tönnies in das Rampenlicht der politischen Diskussion gerückt. Darüber hinaus hatte die Beschäftigungspolitik des Unternehmens – nicht zuletzt wegen der Unterbringung der Arbeiter in Sammelunterkünften – am Standort Rheda-Wiedenbrück zu bundesweiter Kritik geführt. Nach eigenen Angaben beschäftigt das Unternehmen seit einiger Zeit einen externen Beauftragten, der den Zustand der Sammelunterkünfte überprüft.
(...)
Im Jahr 2007 nannte der Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium Gerd Andres auf einer Pressekonferenz die Firma Tönnies als Beispiel für unhaltbare Zustände in der Fleischindustrie. Andres betonte, das Unternehmen beschäftige in seinem Werk am Standort Rheda-Wiedenbrück 2000 osteuropäische und 250 deutsche Mitarbeiter. Andres folgte wenige Wochen nach seinen Äußerungen einer persönlichen Einladung von Tönnies, besuchte den Stammsitz in Rheda-Wiedenbrück und äußerte sich danach sehr positiv über das Unternehmen. 
Seit September 2007 stand das Unternehmen ungerechtfertigt unter dem Verdacht des Betruges. Die Staatsanwaltschaft ermittelte. Im Zuge des Verfahrens wurde deutlich, dass der Betrugsverdacht von Wettbewerbern in der Fleischbranche eingefädelt wurde. Gleichzeitig konnte Tönnies nachweisen, dass ein Mitarbeiter des Eichamtes vorsätzlich Waagen manipuliert hat, um den Vorwurf des Betruges zu festigen. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel recherchierte in diesem Zusammenhang intensiv und warf die Frage auf, inwieweit die verschiedenen Vorwürfe nicht Teil einer Kampagne des größten Wettbewerbers Vion N.V. seien, der scheinbar mit einem Versuch einer Übernahme gescheitert war. Am 15. Dezember 2010 gab das Landgericht Essen bekannt, dass es keine Anklage wegen Betrugs zulässt und die Anklage der Staatsanwaltschaft Bochum endgültig abgewiesen hat. Spiegel online bezeichnete die Einstellung als "Herbe Niederlage für die Staatsanwaltschaft Bochum". 
Im April 2008 berichtete das ARD-Magazin "Report Mainz", dass bei Tönnies Mitarbeiter videoüberwacht wurden. Mit flächendeckenden Kameraüberwachungen sollen laut Zeugenaussagen Betriebsangehörige selbst in Umkleidekabinen und auf Toiletten gefilmt worden sein. Die Firma Tönnies räumte gegenüber Report Mainz die Videoüberwachung teilweise ein und begründete sie mit Hygienekontrollen. Die Reinigung der Hände und das Anziehen der Schutzkleidung werde überwacht. Gefilmt würden „Garderobenräume, (...) keinesfalls aber Dusch- oder Umkleidekabinen." In allen Fällen erfolgt die Überwachung durch sichtbare Kameras. (...) Die Arbeitnehmervertreter sind ebenfalls informiert und haben diesem System ausdrücklich zugestimmt.“ Allerdings gibt es bei Tönnies laut Gewerkschaft weder einen Betriebsrat noch eine andere gesetzlich legitimierte Arbeitnehmervertretung. Das Unternehmen beobachtete seine Mitarbeiter mit über 200 Kameras in allen betrieblichen Einrichtungen, auch in Dusch- und Umkleidebereich. Die Beweislage war so eindeutig, dass Tönnies einem Bußgeld von 80.000 € zustimmen musste.
Im November 2009 berichtete "Report Mainz", dass die Staatsanwaltschaften Oldenburg und Bielefeld wegen des Verdachts auf Bestechung und Steuerhinterziehung gegen Subunternehmer von Tönnies ermitteln. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sollen die Unternehmen Schmiergeldzahlungen an Tönnies in Millionenhöhe als Betriebsausgaben deklariert haben. Die Schmiergelder sollen gezahlt worden sein, um von Tönnies bevorzugt Werkverträge für Billiglohnkräfte zu erhalten. Des Weiteren berichtet das Magazin, dass die Staatsanwaltschaft Bielefeld wegen Bestechung und Steuerhinterziehung gegen einen weiteren ehemaligen Tönnies-Subunternehmer, einen in Litauen lebenden deutschen Geschäftsmann ermittelt."
Text unter „Creative Commons Attribution/Share Alike
Der ganze Bericht hier:

Die Tiere der anderen beiden Metzgereien werden von den Inhabern noch selbst geschlachtet, und zwar im Schlachthof Bayer in Niederwallmenach, dem einzigen verbliebenen Schlachthof (privat geführt!) in den Regionen Rhein-Lahn, Rheingau-Taunus, Westerwald und Limburg bis einschließlich des Rhein-Main-Gebietes. Das heißt, der Metzger sucht die Tiere selbst beim Bauern aus, bringt sie am Vortag zum Schlachhof, damit sie sich vom Transport wieder erholen können und schlachtet sie Montagmorgens selbst. Wenn dann mittwochs im Geschäft kein Schnitzel mehr zu haben ist, ist es eben aus. Da wird nicht zugekauft. Weg ist weg, kauf halt ein Kotelett oder warte bis nächste Woche.

So geht es mit dem Rindfleisch genauso. Tiere aus offener Weidehaltung, gut mamoriertes Fleisch, 6 Wochen abgehangene Steaks, Fett dran, so muss das sein.
Damit macht Kochen Spaß!
Wild gibt´s auch. Die Metzgerei Walz hat unter ihren Verkaufskräften eine Jägerin. Und so sitze ich auch für Wildschein oder Reh an einer nie versiegenden Quelle.

Beim Lamm mache ich manchmal Ausnahmen. Nirgendwo bekomme ich so tolles Lammfleisch wie bei meinem türkischen Metzger. Allerdings stammt dies in der Hauptsache aus Holland. Die Schafe weiden an der See, sind die natürlichen Rasenmäher der Deiche, trampeln gleichzeitig den Boden immer wieder schön fest und liefern, ähnlich wie die deutschen Salzwiesenlämmer wunderbar aromatisches Fleisch. Da Schafe nicht intensiv gehalten werden, ist mir das immer noch tausendmal lieber als das neuseeländische Lammfleisch, das erst rund 18.000!, in Worten: ACHTZEHNTAUSEND Kilometer zurücklegen muss, um auf unseren Tellern zu landen.

Brot, Butter, Milch und Fisch

Inkonsequent. Butter kaufe ich wenn möglich als Fassbutter auf dem Markt. Wenn ich es aber nicht auf den Markt schaffe, greife ich auf herkömmliche Ware zurück. Für gute Milch habe ich keine Quelle. Allerdings verbrauchen wir so wenig, dass die Notwendigkeit nicht so drückt und eine Fahrt nach Mainz zum Biomarkt, die hin- und zurück ca. 30 km auf den Zähler bringt, sich für den Liter Milch in der Woche nicht lohnt. Also Supermarktware. Zähneknirschend.

Da ich häufig in der Metro bin, kaufe ich dort meistens auch den Fisch. Es gibt dort keine oder nur sehr selten Bioware im Angebot. Allerdings verzichte ich möglichst auf den Kauf von bedrohten Arten (das war auch schon anders, aber ich lerne jeden Tag dazu).

Das Brot, bzw. der Umgang mit diesem ist mir eine Herzensangelegenheit und sie passt vortrefflich zum aktuellen Film "taste the waste". Ich habe ihn noch nicht gesehen und weiß daher nicht, ob das Retourenmangement der Bäckereien dort eine Rolle spielt. Für mich tut es das und ich gebe zu, bevor ich nicht selbst in dieser Branche gearbeitet habe, habe ich mir nie Gedanken darüber gemacht.

Der Verbraucher verlangt stete Verfügbarkeit eines großen, teilweise nicht mehr überschaubaren Sortimentes. Das führt zu Tonnen von weggeschmissenen Lebensmitteln, die ständig über Bedarf produziert werden. Du kannst Dich natürlich mal nachts an die Container eines Supermarktes schleichen und über die Mengen an weggeschmissenen Lebensmitteln jammern. Du kannst aber auch abends an das Regal des Bäckers im Vorkassenbereich Deines Lieblingssupermarktes treten, Dir die Auswahl ansehen und dann hochrechnen, wer die zur Verfügung stehende Ware bis Geschäftsschluss noch kaufen soll, bzw. wird. Wirtschaftlich arbeitende Bäckereien haben feste Quoten für die Ware, die weggeschmissen wird. Diese Quoten, die sogenannten Retouren, schwanken zwischen 8 und über 20 % pro Filiale. Ich weiß das so genau, weil ich für diese Quoten verantwortlich war. Je nach Standort wird also im vollen Bewusstsein der geistigen Kräfte, sowie betriebswirtschaftlichen Rechnens das weggeschmissene Lebensmittel im Voraus kalkuliert. Aufgeschlüsselt auf einzelne Warengruppen, weiter gedröselt bis hin zu den Prozenten von Körner- oder Mischbroten wird vorgegeben, wieviel Prozent des Tagesumsatzes im Müll landen müssen.

Natürlich kann man nicht bis auf das letzte Brot oder Brötchen planen, wieviel abends noch in der Ladentheke sein wird. Aber eine Retoure von ca. 3 % liegt absolut im Bereich des Möglichen und Machbaren, wenn man eine "fitte" Filialleiterin hat, die das Warenmanagement beherrscht, ihre Kundschaft kennt und einigermaßen weiß, was wann wieviel in ihrem Geschäft verkauft wird.

Das ist aber nicht gewollt. Gewollt ist immer mehr. Mehr Auswahl, mehr Kunden, mehr Umsatz, mehr Gewinn. Ach ja, manchmal ist auch weniger gewollt. Weniger Lohnkosten z. B. Das führt dann dazu, dass Du eben KEINE fitte Filialleiterin mehr hast, die kannst Du nämlich nicht mehr bezahlen, wenn von der Unternehmensleitung die Vorschrift kommt, keine gelernten Kräfte mehr einstellen zu dürfen. Aber das nur so am Rande.

Und so werden dann abends landesweit Tonnen von "Müll" produziert, die absolut zu vermeiden wären. Wegschmeißen müssen das nach Ladenschluss Mitarbeiterinnen (in der Regel sind es Frauen), die teilweise zu Stundenlöhnen von € 6,00 brutto arbeiten, davon allein erziehend sich und ihre Kinder ernähren, und gerne ein Stück davon mit nach Hause nehmen würden. Aber aus Angst, die Mitarbeiter könnten bewusst noch höhere Retouren verursachen, damit zwingend etwas für sie über bleibt, dürfen sie natürlich keinen Krümel davon haben. Mein persönlicher Vorstoß, wenigstens samstags den übrig gebliebenen Kuchen, der montags nicht mehr verkauft wird, an die Mitarbeiterinnen zu verschenken zog viele Warnungen meiner Kollegen und Vorgesetzten mit sich, meine Mitarbeiterinnen würden mich "linken" wollen und ich würde das ergebnisbereinigt noch bereuen. Auch "Gutes vom Vortag zum halben Preis" oder Ähnliches ist nicht erwünscht. Die Angst vor dem Kunden, der dann nur noch das "ja noch Gute vom Vortag" kauft und somit weniger Umsatz macht, ist zu groß. Genauso die Überlegung, ab z. B. 20.00 Uhr Teile des Sortimentes preisreduziert zu verkaufen. Immerhin haben die meisten Supermärkte mittlerweile bis 22.00 h geöffnet, manche sogar noch länger. Da könnte man dann doch... Fehlanzeige. Auch nicht gewünscht. Hier ist die Angst zu groß, die Kunden könnten gezielt nur noch nach 20.00 einkaufen, was Umsatzverlust zur Folge hätte. Lieber wegschmeißen lautet das Gebot der Stunde!

Und wenn abends um 20.00 h das vorgegebene Sortiment nicht in ausreichender Menge zur Verfügung steht, können die Supermärkte die Pächter abmahnen, was bis zur Kündigung der Pachtverträge führen kann. Der nächste Bäcker steht schon bereit, glaub mir. Dazu kommt, das teilweise die Bezirksleiter der Supermärkte an den Erträgen der Pächter im Vorkassenbereich über Prämien beteiligt sind. D. h., der Druck kommt von vielen Seiten.

In Hochglanz-Unternehmensbroschüren wird darauf hingewiesen, dass die übrig gebliebenen Produkte den Tafeln zur Verfügung gestellt werden. Die Wirklichkeit sieht oft anders aus. Die langen Containerreihen, in die die Lkws in großem Stil die Backwaren entsorgen, stehen gleich hinter den Produktionsgebäuden. Von dort geht alles maximal noch in die Futtermittelindustrie. Oder es wird verbrannt und mit ein bisschen Glück noch Wärmeenergie daraus erzeugt.

Was also tun?
Eines gleich vorweg – habe keine Lösung für das große Ganze. Wenn ich mir vorstelle, alle würden von heute auf morgen ihre Einkäufe in den Supermärkten, Großbäckereien und bei konventionellen Metzgern einstellen – nicht auszudenken! Unzählige Menschen würden ihre Jobs verlieren. Nicht nur in den Betrieben selbst, auch die Zulieferer müssten so viel Federn lassen, dass sie am Ende nackt und ohne einen Pfennig da stünden.

Und doch und trotzdem. Da oben genanntes Szenario nicht zu befürchten steht und alle Umwandlung langsam und von unten nach oben vor sich gehen sollte, mein Aufruf an Dich:
Denke nach! Immer! Überlege, wo Du einkaufst. Überlege, wer es Dir so perfekt produziert hat. Reflektiere die Produktionsbedingunen. Überlege, wieviel der Mensch als Lohn erhalten kann, für ein Produkt das immer zum unschlagbar günstigsten Preis angeboten wird. Überlege Dir, wo es her kommt. Vom Ende der Welt? Schau nach, ob Du es in Deiner Nähe bekommst.  Warte auf die richtig Jahreszeit. Lass den Apfel mal wieder schrumpelig sein, die Banane etwas kleiner und die Gurke krum. Nichts und niemand auf dieser Welt sollte perfekt sein müssen. Nicht Du, nicht Dein Nachbar und auch nicht Deine Lebensmittel. Konsumiere weniger, aber das in vollem Bewusstsein, wem Du Dein Geld gibst. Auch und gerade wenn Du nur wenig davon hast. Kein Geld haben ist Scheiße. Ich weiß das, weil ich es schon erlebt habe. Und ich weiß auch, wie sehr dann die Produktionsbedingungen in den Hintergrund treten. Billig muss es sein, sonst kommt man nicht über den Monat. Aber versuche ein Umdenken in kleinen Schritten, das geht. 
Und ich fordere alle Gutmenschen mit gesichertem Einkommen dazu auf, bei einen Teil ihrer unverholen vorgetragenen Arroganz, mit der sie auf der Suche sind nach der besten Trüffel, der Salzbutter mit dem schönsten Kristall und der von Jungfrauenhänden zusammengestellten Gewürzmischung, nicht zu vergessen, dass dieses Verhalten für viele andere jenseits der persönlichen Vorstellungskraft liegt. 
Und am Ende: Sei respektvoll. Mit den Menschen, die mit ihrer Hände Arbeit produzieren, was Du essen möchtest, oder was Du am Körper trägst. Mit dem Tier, das zu keinem anderen Zweck am Leben ist, als Dir zur Nahrung zu dienen. Und sei respektvoll mit Dir selbst.

Meine persönlichen Quellen für gute Lebensmittel:
Obst und Gemüse aus Eigenanbau und von Erzeugern der Umgebung:
Gottschalk Obst
Binger Straße 53
55218 Ingelheim

Brot
Bäckerei Horstmann
Mainzer Straße 5
55218 Ingelheim

Hühner, Eier, Gänse
Daniel´s Hühnerhof
Zum Schloßgrund 3
55444 Seibersbach

Enten, Perlhühner, Wachteln
Freiland-Geflügelhof Staubach
36148 Kalbach/Rhön
Samstags auf dem Wiesbadener Wochenmarkt

Guter Käse und tolle Butter (auf den Wochenmärkten in der Umgebung vertreten)
Käse Widmann
Sandwiesenstraße 8
71334 Waiblingen

Fleisch
Metzgerei Walz (mit 2 Filialen und Verkaufswagen für Märkte und Nahversorgung auf dem Land)
Schönbergstraße 2
55120 Mainz

Metzgerei Harth
Lotharstraße 5
55116 Mainz + Ladengeschäft in Stadecken-Elsheim

Metzgerei Stephan (mit Fleisch der Erzeugergemeinschaft Schwäbisch-Hall)
Rinderbachstraße 7
55218 Ingelheim

Biowein und hausgemachte Marmeladen
Weingut Huf
Mainzer Straße 38
55218 Ingelheim am Rhein

Öle, Essige, Gewürze aus aller Welt, feine Weine
Gewürz Müller
Mühlgasse 9
65183 Wiesbaden

Rheingauer Wein-Café
Sonnenberger Straße 56
65193 Wiesbaden

Feine Schokoladen
Xocoatl
Grabenstraße 24
65183 Wiesbaden

Noch eine weitere ganz persönliche Aufregung von mir zum Thema Fleischerzeugung: KLICK
Update am 12.09.11
Ein toller weiterführender Artikel, den ich an dieser Stelle gerne verlinke:
http://pagewizz.com/geld-sparen-durch-weniger-abfall-bei-lebensmitteln/




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Arthurs Tochter

Kommentare :

  1. Ich teile deine Wut.
    Einkaufen wird für mich momentan zur Tortur.
    Es ist einfach nur noch zum Kotzen.

    Bei der Supermarktware, wie bei dir zB. die Milch, greif ich zum Biosiegel. Obwohl ich es anzweifel.
    Einfach nur, damit ich es TU! Vielleicht hilft es beim Umdenken, vermutlich nicht.

    Eine Zusammenstellung meiner empfehlenswerten lokalen Geschäfte folgt auch demnächst.

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  2. Denk doch mal darüber nach den wunderbaren Text als Manifest des mündigen Verbrauchers (blöderer Name fällt mir grade nicht ein) zu veröffentlichen. Ich würd´s unterschreiben.

    Seit ich so vor 2 oder 3 Jahren angefangen habe mir endlich Gedanken ums Essen zu machen habe ich mich langsam zu sehr ähnlichem Verhalten wie du hier entwickelt. Und das gibt mir ein bisschen Hoffnung, dass dem noch viele andere Menschen folgen, da (glaub ich) der gesunde Menschenverstand schon ausreicht, so man sich nur mal ein paar Gedanken macht.

    2 Beispiele aus meinem Alltag. Unser Bäcker hat Samstags um 9:30 schon nicht mehr das ganze Sortiment vorrätig, vielleicht die Hälfte. Entweder hast du Glück und es kommt noch was nach, du stehst früher auf oder: Vorbestellung. Bis du das geschnallt hast denkst du schon ab und zu mal drüber nach doch wieder bei der Großbäckerei einzukaufen. Aber wer verzichtet schon gern auf dieses großartige Handwerk (und der Mann ist Handwerker - backt im Holzofen, Knaller)

    Mein Obst- und Gemüsehändler vom Wochenmarkt, bei dem ich seit gut 2 Jahren einkaufe hat auch kein Bio-Siegel. Stellt aber grade um. Auf seinen Apfelkisten steht oft: Sorte Sowieso - aus eigenem Anbau. Letzten Samstag: Braeburn - aus eigenem Anbau. Auf dem Apfel war ein Aufkleber aus Neuseeland. Ich bin immer noch in Schockstarre und weiß nicht so recht wie ich damit umgehe...

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  3. Leider ist es hier in der andalusischen Pampa fast unmöglich Bioware zu bekommen. Wobei ja Bio auch nicht immer Bio ist. Und leider habe ich auch festgestellt, dass auf den Märkten vermehrt auch nur noch Waren vom Grossmarkt verkauft werden. Die Verkäufer wissen oftmals nicht mal die Sorten, wenn man sie danach fragt. Am besten würde man alles selbst anbauen. Da weiss man was man hat. ;-)

    Poulets kaufe ich seit längerem nur noch Ganz und Brot backe ich seit Jahren selbst. Weggeschmissen wird fast gar nichts... Mein bescheidener Beitrag.

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  4. Ich hab alles gelesen, AT ;-)
    Ich stimme fast allem überein. Nur bei Bio sehe ich manches anders: gute, ehrliche (das heisst nicht aus Grossproduktion und natürlich regionale und handwerklich gut hergestellte) Bio-Produkte schmecken meist besser als konventionelle. Besonders merkbar bei Eiern, Milchprodukten, Salaten und vor allem Rübenzeugs, das sehr starken"Terroir-Geschmack" hat.
    natürlich gibt es konventionelle Klein-Produzenten, die kaum düngen und dadurch ebenfalls beste Produkte haben. Bio soll kein Dogma sein, das Geschwurbel brauch ich auch nicht. Trotzdem sind Demeter-Produkte selbst in der Bio-Welt meist herausragend gut. Selbst wenn Bio nicht besser schmeckte, wäre es vom ökologischen Standpunkt her wichtig, Bio zu kaufen: Boden, Wasser, Luft werden bei Bioproduktion weit nicht so belastet wie bei konventioneller.

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  5. 100% Zustimmung, auch wenn ich mir selber schwer tue, es zu befolgen.

    Butter, Milch & Milchprodukte werden entweder Bio oder vom Milchhof "um die Ecke" gekauft, dessen Produkte auch in der lokalen Aktivmarkt Kette erhältlich sind.

    Schuldig, ich liebe Geflügelfleisch. Das die Wiesenhof & co. Hähnchen für 2,99 € Endpreis nicht liebevoll in den Schlaf gesungen werden, ist mir als BWLer auf jeden Fall klar - nur habe ich bislang keinen Ersatz gefunden.
    Auf den Kauf von Brüsten & Einzelteilen verzichte ich, aber finde mal im Supermarkt oder Wochenmarkt ein Huhn in "guter Größe" ?

    Rindfleisch & Schweinefleisch suche ich noch nach einem guten Lieferant, leider schwer zu finden (ich hoffe auf den Online-Shop der Hallischen)

    Obst und Gemüse eher lokal, am Wochenende z.B. Äpfelpflücken im Ort. Nicht Bio, aber regional. Den gleichen Reinfall wie Alex hatte ich leider beim Biomarkt und Gemüsehändler vor Ort.

    Der ALDI wird z.B. hier auch mit lokalen Produkten beliefert (Erdbeeren aus BW; Gurken vom Bodensee, Kraut aus Filderstadt,..)

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  6. Toller Beitrag und sehr war! Stimme dir 100%ig zu.
    Käse Widmann ist auch unser Käseversorger. Bei uns am Marktstand in Bad Cannstatt/Stuttgart steht Hr.Widmann auch immer persönlich :). Und wenn man einmal dort war, kann man niemanden mehr verstehen, der irgendwo im Supermarkt Käse kauft. Brr da schüttelts mich bei dem Gedanken!
    Unser Fleisch kommt vom Metzger, und das wird immerhin hier in der Nähe (~50 km) geschlachtet. Vom Bauern direkt wär mir aber lieber. Aber da hab ich hier noch nichts gefunden.

    Erschreckend finde ich das besonders mit dem Brot/Backwaren. Letztes Jahr hab ich erst einen Film darüber im Fernsehen (öffentlich-rechtliche) gesehen, der mir das ganze Ausmaß bewusst gemacht hat. Leider fällt mir der Name spontan nicht mehr ein. Inzwischen backe ich Brot und sowieso alle Backwaren nur noch selbst, da ich bis auf die Hofpfisterei hier nichts gutes gefunden habe. Und es macht Spaß ;)!

    Ich hoffe es kommen durch deinen Beitrag mehr Leute zur Vernunft und wenn es nur ein paar sind.
    Viele Grüße, Lena

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  7. Liebe Astrid,

    dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

    @Alex, ich als kleiner Bäcker kann dir sagen, dass es nicht sein kann, dass man um 9.30 Uhr am Samstag nur noch die Hälfte seines Sortiments da hat. Da sollte mein Kollege einmal umdenken, denn ich sehe es als meine Aufgabe, meinen Kunden am Samstag und Sonntag ein schönes Frühstück zu bescheren mit frischen Semmeln. Also backe ich den ganzen Morgen frisch und frisch heißt bei mir nicht irgendwelche tiefgefrohrenen Teiglinge aufzubacken so wie das die ganzen Filialbetrieben machen. Das ist natürlich ein wenig anstrengender als um 6 Uhr alles fertig zu backen und dann sich ins Bett zu legen. Hier muss man sich natürlich ein wenig Gedanken machen und umstrukturieren, sonst wird man irgendwann wegstrukturiert. Aber leider sind oft die kleinen Bäcker so unflexiebel.

    Es grüßt mit flexibeln Grüßen

    Martin

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  8. Vielen Dank für diesen Artikel,
    ich gebe Dir fast uneingeschränkt recht!
    Vielleicht magst Du mal noch folgenden Artikel lesen:
    http://www.manomama.de/blog/2011/09/01/jeder-muss-mal-federn-lassen/

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  9. So sehr ich deine Wut über die Herkunft und Verwendung von Fleisch in den Supermarktketten teile so sehr vermisse ich diese Wut bei Obst und Gemüse; Man muss sich mal vorstellen, dass die EU Vorschriften darüber erteilt wie groß und rund eine Kartoffel haben muss (!!!). Über 50% der Ernte werden direkt auf dem Feld aussortiert, weil es nicht der EU-Norm/-Vorschrift entspricht. "Das will der Verbraucher so" ist die Argumentation (!!!). Dann die Gurke; Neigungswinkel nicht größer als x% (HALLO???) Lass die verschissene Scheiss Gurke nen rechten Winkel haben. Gurke ist Gurke, verdammte Scheisse! Bananen? Gute NACHT!

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  10. Heike, der Gedanke, dass alle Blogger, die sich der guten Nahrung verpflichtet fühlen, einen eigenen Einkaufsratgeber veröffentlichen hat etwas für mich Bestechendes. Dann gehen die guten Adressen bald quer durch die Republik!

    Alex, da würde ich ihn drauf ansprechen. Ich muss umgekehrt manchmal lachen, wenn ich die Eier bei Daniel auf dem Markt kaufe und er sie mir in er JA!-Papschachtel verstaut, die über den Eierkarton-Wiederverwertungskreislauf bei ihm gelandet ist. Hoffentlich sehen das nie die Nachbarn, die Außenwirkung könnte verheerend für meinen Ruf sein! :)

    Zorra, selbst anbauen ist wunderbar. Ich versuche es mit Äpfeln (immerhin ein Apfelbaum im Kübel auf dem Küchenbalkon!), und seit diesem Jahr auch mit Tomaten und Chili (hört, hört!) Einen Garten zu haben, ist mein Traum!

    Liebe Eline, ich glaube, wir sind auch beim Biogedanken nahe beieinander. Deshalb habe ich oben ja auch "ketzerisch" dazugeschrieben. Ich mag bloß nicht Bio, das aus aller Herren Länder hierher geschippert wird. Und ich gebe Dir recht, dass man das Terroir schmeckt, den guten Boden und die gute Luft. Aber ein weichgespültes EU-Biosiegel ist dafür kein Garant. Anbauverbände wie Demeter oder Naturland schon eher. Ich selbst habe keinerlei Bezugsquellen für deren Produkte in der Nähe. Und dann stelle ich oft die gefahrenen Kilometer für den kleinen Bedarf der Regionalität des Bauern von Nebenan gegenüber. Zumal ich nach dem Grundsatz lebe "support your local dealer".

    Lunchforone, ich finde es toll, wenn jemand auch mal offen sagt, was nicht gut läuft bei ihm. Oft kann man ja denken, die foodblogger sind ein großes einiges Volk von gutverdienenden engagierten Gutmenschen. ;) Aber es gibt Alternativen zu Wiesenhof auch im Supermarkt. Die hiesigen Edeka-Märkte jedenfalls haben Bio-Geflügel aus Frankreich.

    Liebe Lena, mit Fleisch vom Bauern wirst Du kein Glück haben, die dürfen gar nicht selbst schlachten, da ist die EU vor.
    Meinst Du vielleicht den Film "we feed the world"? Dort sieht man die Tonnen von täglich weggeschmissenem Brot allein aus Wien.

    Lieber Martin, es freut mich besonders, dass auch Du als Bäcker dem nichts hinzuzufügen hast. Und ich weiß, dass bei Dir vieles anders läuft! Gut so!

    Nähen und mehr, ja den Artikel kenne ich. Und ich finde, Herr Westjohann gehört für Tage in seine eigenen Ställe eingesperrt, mit Kot bis zum Kinn.

    Thally, also meine Wut über Obst und Gemüse kannst Du eigentlich nicht vermissen, denn ich habe sie im Artikel explizit erwähnt.
    "Lass den Apfel mal wieder schrumpelig sein, die Banane etwas kleiner und die Gurke krum."

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  11. Alles sehr richtig und sogar sehr wichtig, sowas zu schreiben. Besonders gut gefällt mir jedoch das, was wir woanders nicht zu lesen kriegen, hier jedoch aus erster Hand: Die unterbezahlte Verkäuferin, die nicht einmal den unverkäuflichen Rest nach Haus mitnehmen darf, während das Management die Ware lieber in den Müll kippt.

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  12. Und damit du siehst, dass du tatsächlich mit diesem Blog was veränderst:

    Angestachelt dadurch und weil ich mit meiner Eierbezugsquelle nicht zufrieden war, habe ich mich eben nochmal in Netz und Ort auf die Suche begeben und siehe da:
    Versteckt am anderen Ortsende ums Eck gibt es einen Hof mit freilaufenden Hühnern und wenigen Schweinen, der selbst (!) schlachtet, nur eigenes Futter verfüttert, Obst und Gemüse aus eigenem Anbau in kleinen Mengen ebenso anbietet und eine Flasche in der Kelter auf dem Hof gepressten neuen Wein ohne Rücksicht auf irgendwelchen Richtlinien hab ich auch noch mitgenommen.

    Danke!
    Heike

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  13. Achso, ganz vergessen:
    Hab bei den Hühnern vorbeigeschaut und sie lieb von dir gegrüßt :)

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  14. Seit ich bei der Tafel sortiert habe, ist mir nichts mehr fremd. Ich habe tagelang nicht richtig geschlafen nach meinem ersten Einsatz, weil ich so schockiert war von den Waren, die eigentlich im Müll gelandet wären.

    Absolute Zustimmung für deinen Aufreger, obwohl ich, wie Eline, der Ansicht bin, dass Bio ab und an schon besser schmeckt. Aber wenn der Apfelbauer im Dorf Ware anbietet, die ich schon gesehen habe, als sie noch am Baum hing, da ist mir Bio sowas von wurscht.

    Zu bedenken ist auch, dass manche Menschen nicht in so goldenen Verhältnissen leben, nicht so mobil sind, wenig Zeit haben. Da ist es bestimmt oft nicht einfach, auch noch lange Wege zu machen, um seine Einkäufe zu tätigen, vor allem, wenn man ein Kind (oder mehr) im Schlepptau hat.

    Gesunde und respektvolle Ernährung ist allerdings keine Sache des Geldbeutels. Auch mit wenig Geld kann man ordentlich kochen und essen, vor allem, wenn man auf saisonale Produkte zurück greift.

    Ich versuche, so korrekt wie möglich einzukaufen. Aber manchmal geht es dann doch wieder mit mir durch und ich kaufe das Geflügel aus Frankreich (heute z. B.) oder das Lamm aus Irland. Ich arbeite dran.

    Wichtig ist mir - und das habe ich in der letzten Woche schon einmal in Facebook geschrieben - dass man den Dingen, die uns zur Nahrung dienen, Respekt entgegen bringt. Egal, ob es eine Pflanze oder ein Tier ist. Dass man sparsam und achtsam ist mit dem, was man züchtet, aufzieht und verzehrt, dass man sich daran freut, es gut zubereitet und in ordentlichem Rahmen genießt.

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  15. Ein ganz 'wunderbarer' Artikel, den ich fast uneingeschränkt unterschreibe, der mir in einigen Dingen noch weiter die Augen geöffnet hat und den ich in meinem Familien- und Bekanntenkreis verlinken werde. Leider werden aber viele Menschen, die ihn wirklich dringend lesen sollten, nie entdecken. Und selbst wenn, sie würden wahrscheinlich die Achseln zucken und weiter in ihrem Programm fortfahren. Den einzigen Punkt den ich kritisch sehe, ist das Lammfleisch vom Türken. Mein Wissensstand ist, dass das Schächten, die traditionelle Schlachtmethode der Moslems, hier in D. verboten aber trotzdem an der Tagesordnung ist. Das mag ich ebensowenig unterstützen wie Wiesenhof & Co. Falls ich da völlig falsch liege, bitte ich um Informationen.
    Ein wie ich finde sehr informatives Buch zu diesen Themen ist von Martina Meuth/Bernd Neuner-D. und heißt 'Wo die glücklichen Hühner wohnen'.
    VG,
    Claudi

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  16. Liebe Nata, danke schön! Meine Wut im Hinblick auf die Lohnpolitik in diesem Land ist mindestens genauso groß. Ich bin eh ein sehr wütender Mensch,auch wenn man mir das vielleicht nicht immer so anmerkt.

    Heike! Ohne Richtlinien? Ich bin entsetzt! Das kann doch nicht gesund sein!
    Nee, im Ernst. Ich freue mich ganz arg! Und bitte grüße Bauern und Hühner recht herzlich! Vielleicht können wir Blogger nicht die Welt verändern, aber jeden Tag ein winzig kleines Stück besser machen - das dürfte uns gelingen! :)

    Liebe Jutta, das mit den "goldenen Verhältnissen" ist mir eben so eine Herzensangelegenheit. Darum mein Aufruf, doch manchmal die Gourmet-Arroganz in der Tasche zu lassen, da geht mir nämlich das Messer in selbiger auf. Aber wie Du auch sagst - wenig Geld UND bewusst gute Ernährung müssen sich nicht zwangläufig ausschließen. Allerdings werden die Alternativen mit sinkendem Einkommen weniger.

    Liebe Claudi,
    das Lammfleisch, was ich beziehe, kommt schon geschlachtet hier an. Die Schlachtbedingungen in den Niederlanden sind mir nicht bekannt, eine Recherche dazu werde ich aber jetzt angestoßen sicher durchführen.

    Schächten klingt in unseren Augen und Ohren grausam, ist aber - wenn es im Sinne des Talmud oder Korans an koscheren bzw. halal Tieren ausgeführt wird, wohl weniger schlimm als man denkt. Bei von ausgebildeten Schächtern getöteten Tieren tritt der Tod innerhalb von Sekunden ein, wobei viele Schulen des Islam eine vorherige Betäubung der Tiere durchaus gestatten, während der Talmud dies meines Wissens nach ablehnt.

    Ein großes Problem in D sind wohl schlecht oder gar nicht ausgebildete Schächter, die auf "Teufel komm raus" eine Tradition aus Ihrer Heimat oder eine Religionsvorschrift umsetzen wollen, für die sie nicht ausgebildet wurden.

    Aber auch da werde ich mich gleich mal auf vorhandene Lektüre stürzen, das könnte ja fast ein eigener Post werden.

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  17. Am Niederrhein wird gebacken und neuerdings geackert. Ansonsten ist eine Liste vertrauenswuerdiger Bezugsquellen eine Lebensaufgabe.

    Hier in Portland, wo ich gerade bin, werben Lokale und Geschaefte mit dem Angebot regionaler Produkte im grossen Massstab. Allerdings fragt sich der leidgepruefte Mitteleuropaeer und Aamerikanerversteher, wo die alle herkommen, hierzulande. Fuer eine investigative Recherche ist es mir aber zu heiss.
    Uebrigens wird das Musikfestival, das der Grund meines Besuchs ist, von einer hollaendischstaemmigen, international verkrakten Grossbrauerei gesponsert. So viel zum Thema Nachhaltigkeit.

    Ach ja, ich fliege lange Strecken, bisweilen. Dafuer fahre ich ansonsten Rad, viel. Das Leben ist kompliziert und Konsequenz nicht meine ausgepraegteste Tugend. Ich kaufe keine industriell produzierten Lebensmittel. Esse aber alle paar Wochen Doener. "Biobutter" vom Aldi liegt in meinem Kuehlschrank - als Ausgleich kommt die Milch vom benachbarten Ziegenhof. tbc.

    Was mit "support your local scene" schon seit Jahrzehnten im Kulturbereich gilt, beachte ich auch beim Einkauf. Bei einem entsprechenden "Fuehrer" waere ich sofort dabei.

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  18. Ich hab hier noch einen interessanten Link gefunden:
    http://www.einkaufen-auf-dem-bauernhof.com/
    Das gilt Bundesweit. In Bayern sind die Ansprechpartner die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, (dort gibt es oft Broschüren über regionale Anbieter, die sich zusammengeschlossen haben.
    Des weiteren:
    http://www.oekoland-bayern.de/verbraucher/einkaufen/

    http://www.bayerischerbauernverband.de/sro.php?redid=1831
    (Auskunft über Bauernmärkte)

    Solche Listen gibt es bestimmt auch für einen Teil der anderen Bundesländer

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  19. großartig, schwester im geiste, dass du gleich nägel mit köpfen bzw. listen mit adressen gemacht hast.
    was so ein artikel über die am besten gehaltenen schweine österreichs auslesen kann. bloß habe ich mir ein ei damit gelegt, komme mit dem schreiben und kommentieren kaum hinterher...

    einkaufsquellen auf allen dementsprechend verantwortungsbewussten blogs sind eine hervorragende idee.

    ich habe das im zuge des "neuen gewandes" von esskultur vorige woche ja auch schon gemacht. wenn hier also noch wiener/innen oder (ost)österreicher/innen mitlesen, die's noch nicht gesehen haben:
    http://www.esskultur.at/index.php/einkaufsquellen/

    bei bio bin ich nicht deiner meinung, halte aus mehrerlei gründen - auch geschmacklichen - sehr viel von regionaler bioware aus nicht-industrieller produktion. über die neuseeländischen äpfel brauchen wir nicht zu polemisieren, logisch. aber bio ist eben weit mehr als erde auf den karotten.

    im übrigen passt michael pollans "shake the hand that feeds you" ganz hervorragend hier dazu, so als einfacher kleinster gemeinsamer nenner, was den lebensmitteleinkauf betrifft.

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  20. ich habe den artikel auch mit begeisterung gelesen und stimme dir in vielen teilen zu.

    kaufe so gut es geht regional - aber ich musste leider auch erfahren, dass die hutzeligen bauersfrauen auf meinem wochenmarkt sich vorher beim großmarkt "ergänzend eindecken" - und auch der hühnerbauer im dorf viel zu wenige hühner hat, für die ganze eiermenge, die er an den mann oder die frau hat... auch hier wird zugekauft - das ist quasi ein offenes geheimnis.

    gehe 100% konform, dass es eben keine flugmangos sein müssen, oder spargel im winter. genau an diesem punkt habe ich mich in der aktuellen effillee geärgert - ein schneller teller mit grünem spargel im september? so ein quatsch. http://www.effilee.de/rezept/schneller-teller/asia-nudeln-mit-shiitake-spinat-spargel-und-spiegelei-69447

    gluecklicherweise habe ich ja einen schweine / rinder / kälberhof in der eigenen familie und kaufe so gut es geht dort. hier wird direkt vor ort geschlachtet - und es war kein leichtes (v.a. finanziell) eine eu-gerechte schlachterei zu machen - hat sich aber zu 100% gelohnt.

    auch meine lämmer kaufe ich direkt von der alb - ich habe zwar unlängst gesehen, wie sie gluecklich am deich grasen. aber sie dafür 1.000 km bis zu uns zu karren, finde ich nicht so prickelnd.

    ach ja, das schlacht-angebot steht noch ;-)

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  21. Astrid, ich würde gerne anders und so auf dem Land lebend würde man denken es gäbe mehr gute Quellen.

    Die meisten am Wochenmarkt beziehen auch vom Grosshandel in Stuttgart und auf Nachfrage wussten die wenigsten woher die Ware den kommt.

    Zwetschgen, Äpfel und Kirschen sowie Kartoffeln stellen kein Problem dar, mit Gurken & Zucchini sowie Beeren versorgen mich meine Eltern. Und für den Rest greife ich auf regionale oder Bioware zurück.

    Bio-Geflügel bietet der Edeka hier leider nicht an, und der Biomarkt hat max. 1 in seiner Truhe schlummern, und das war der absolute Reinfal *seufz*

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  22. Es ist aber halt schon ein weiter Weg. Gestern habe ich meinen Metzger gefragt, wie denn "Ochsenkotelett" hier im Norden heisst. Und er sagt: Ochsenkotelett, aber Ochsenkotelett, aber Ochsen gibts hier nicht, hier hat man Milchkühe und Bullen. In Nidersachsen, wo ich immer dachte, da sei der Beruf des Landwirts erfunden worden. Wird er hier auch wieder zerstört? Ich bin noch nicht lange genug hier, um alle Quellen zu kennen, aber obwohl der Frust wächst, gint es auch immer wieder Lichblicke.

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  23. Ich gehe noch einen Schritt weiter und kaufe konsequent nur deutsche Bananen!

    Im Ernst:
    auch wenn es auf den ersten Blick total "logisch" erscheint, so sind die "bösen" Äpfel aus Übersee gar nicht so schlecht in der Bilanz und der vermeintlich korrekte Kleinbetrieb aus der Nähe kann durchaus schlechter dastehen: Regionale Äpfel sind nicht automatisch klimafreundlich

    Ansonsten bin ich überzeugter Bio-Käufer, gerade bei Obst und Gemüse. Einerseits rede ich mir beharrlich einen besseren Geschmack ein, ;) andererseits geht es mir bei einigen Produkten (Paprika, Orangen etc.) auch um die tendenziell häufig anzutreffenden Pestizidrückstände bei konventioneller "Landwirtschaft". Natürlich lasse ich auch Bio-Gemüse aus z.B. Israel links liegen (was - nebenbei - keine politischen Gründe hat).
    Dann haben herkömmliche Supermärkte bestimmte Sorten einfach nicht im Sortiment, z.B. Topinambur, Pastinaken, alte Apfelsorten wie Ingrid Marie und andere Sachen, die dem Mainstream zu "schräg" bzw. unbekannt sind.

    Zum Fleischeinkauf kann ich nur sagen: gar kein Fleisch kaufen ist immer noch am besten! Auch aus Umweltgesichtspunkten. :-)

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  24. Im Denken beginnt die Veränderung. Letztlich schaffen wir unsere Lebensbedingungen selbst, mit unseren Vorstellungen, Wünschen und Handlungen.
    Wenig Geld zum Einkauf guter Lebensmittel? Wir kaufen den Großteil unseres Gemüses beim örtlichen Bauernmarkt, von Bauern aus der Umgebung. Das macht, wenn auch Obst, frische Feigen und heimische Netzmelonen (Südtirol ist ein Land, in dem einfach alles wächst)dabei sind, in der Woche 25 Euro für fünf Köpfe. Brot wird selbst gebacken, wir haben noch keinen überzeugenenden Bäcker in direkter Nähe gefunden. Fleisch? Ein Huhn vom Metzger (Ich weiß noch nicht woher und wie es aus Italien kommt)in der Woche für rund 7 Euro, das gibt drei Tage Essen: Huhn mit Kartoffeln, Hühnersuppe mit Gemüse, Risotto. Ein halbes Kilo südtiroler Bauernspeck und Mortadella unbestimmter Herkunft.

    Meine Gefährtin hat die Bäuerin auf dem Bauernmarkt letztens gefragt, wie es denn mit Spritzmitteln und Dünger bei ihnen so ausschaut, weil wir unserem Jüngsten seinen ersten Brei kochen wollen. Sie hat geantwortet: "Wir spritzen und düngen, was notwendig erscheint. Unsere Kinder sind damit groß geworden."

    Milch, immerhin definitiv von lokalen Bauern und Bergbauern, ist als Bio erhältlich und kostet hier 1,35 Euro den Liter, ohne Bio 1,29 Euro, für deutsche Verhältnisse inzwischen ein unerreichbarer Traumpreis. Aber die Österreicher liefern "zum Glück" Billigmilch über den Alpenhauptkamm.

    Letztlich: auch im Konsumverhalten scheitere ich immer wieder. Ich versuche es aber immer wieder.

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  25. Grüsse von Theo und mir. Du sprichst uns aus der Seele. Danke!

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  26. Respekt! Dicke, sehr dicke Bretter - aber es lohnt den Aufwand! Den "Konflikt" bio./.regional löse ich (auch im Sinne von Slow Food) zugunsten der Regionalität. Werde mittelfristig ebenfalls fest auf dem Blog gute Einkaufsquellen parken.

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  27. "Sei respektvoll" und "Denk nach". Mehr brauch´s nicht. Und pass auf, daß du die Lebensmittel-Industrie-Mafia nicht ärgerst!

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  28. Lieber Utecht, vielleicht bauen wir ja demnächst den Weinacker meines Schwiegervaters noch ein bisschen aus, dann wirst Du uns mit Acker und Racker zur Seite stehen dürfen! :)
    Die von Dir genannte Brauerei ist sicher bis ans Ende der Welt zu finden. Die waren schon globalisiert, da gab es das Wort noch gar nicht.

    Nähen und mehr, vielen Dank auch für diese Links! Verstehe mich nicht falsch, aber ich glaube, dass Blogger mittlerweile zu sehr vertrauenswürdigen Personen werden können und in sofern ein durch alle oder viele Blogs gelisteter Einkaufsratgeber für die jeweiligen Regionen eine große Vertrauensstellung haben würde, vielleicht noch mehr, als die Angaben von Verbänden, die doch ständig mit einem neuen Skandal um die Ecke kommen. Ich erinnere nur an den WWF und seine Zusammenarbeit mit den Fischzuchtfarmen für Lachse und Pangasius. Aus diesen und einigen anderen Gründen misstraue ich Tips von Ämtern oder Organisationen bis auf wenige Ausnahmen zutiefst.

    Liebe Katha,
    wie toll, oder? :)
    Ich freue mich so, dass Dein und mein Post solches feedback erfahren. Ich bekomme so viele Nachrichten per mail oder über fb und g+, wie selten zu einem Thema. Es bewegt die Menschen zutiefst.

    Ich für meinen Teil kann auch nur sagen, dass jeder, wirklich jeder der kleinen Betriebe, die ich hier nenne, auch noch klein genug bleibt, wenn ihm morgen ein paar Leute mehr die Tür einrennen. Daher gebe ich meine Adressen gerne bekannt. Die können alle noch ein paar Kunden mehr gebrauchen!

    Zum Bio möchte ich hier noch etwas für alle schreiben. Wie gesagt, habe ich mich oben bewusst "ketzerisch" ausgedrückt, meine Liebe zum Boden, zur Luft und zu Mensch und Tier wird aber deutlich. Und ich ziehe Bio der konventionellen Verarbeitung und Herstellung vor - aber immer unter dem Gesichtspunkt der Regionalität und Saison. Dabei hänge ich mich auch nicht am neuseeländischen Apfel auf und diskutiere, ob er eine zeitlang im Jahr einen besseren carbon print hat, als ein hiesiger im Kühlhaus frischgehaltener. Den kaufe ich nämlich auch nicht. Ich esse meine Äpfel jetzt, wo sie wachsen und geerntet werden. Ich esse z. B. für mein Leben gerne Kiwi - die bekomme ich hier eh nicht, dann nehme ich sie lieber Bio. Aber ich fahre mir nicht 30 km auf den Tacho, um Bio das einzukaufen,was ich beim Bauern um die Ecke bekomme. Diese kleinen Betriebe sind über so viele Generationen mit ihrem Grund und Boden verwachsen, die sprühen und pestizieren sich nicht selbst um den Verstand.

    Und neulich habe ich mir eine Flugmango gekauft. Also wie gesagt, ich bin keine Heilige - aber ich bemühe mich sehr, im Einklang mit meiner Umwelt zu leben. Das betrifft im Besonderen die Menschen - und gerade die machen es mir nicht immer leicht. ;)

    Liebes Feinschmeckerle,
    ich stelle immer mehr fest, wie gesegnet ich lebe. Auch in meiner Umgebung ist nicht alles Gold was glänzt, aber mit viel Sucherei habe ich auch auf dem Markt meine richtigen Leute gefunden. Und ich frage immer nach, was ist aus eigenem Anbau, was zugekauft. Ich nerve die einfach bis zum geht nicht mehr. Manchmal rollen sie mit den Augen, aber die meisten haben sich dran gewöhnt. Meine Liebsten schämen sich viel mehr für mich. ;)

    Und das Angebot habe ich nicht vergessen!

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  29. Liebe Tina, Du hast Recht. Gerade der ländliche Raum in der Nähe einer Großstadt sollte paradiesische Zustände bieten! Eine Schande, dass dem nicht so ist. Zumal ich immer glaubte, je weiter man in den Süden Deutschlands reist, desto genussfreudiger werden die Menschen und somit auch das Angebot an den Mitteln dazu.

    Unsere Edekamärkte bieten auf Vorbestellung auch französisches Geflügel an, d. h. Perlhühner, Enten, Label Rouge etc. Vielleicht machen sie das bei Dir auch? Mir wurde das in einem Markt mal angeboten,als ich auf der Suche nach Perlhühnern war. Dann habe ich im nächsten nachgefragt, das ging dann über drei Leute aber am Schluß war es möglich. Immer schön beharrlich bleiben. ;)

    Hallo Michael, herzlich willkommen hier im Blog! :)
    Dass sowas in Niedersachsen passiert, geht natürlich gar nicht, schließlich komme ich aus der Landeshauptstadt! ;) Spaß beiseite - Niedersachsen ist leider vor allem ein Spargel- und Grünkohlland. Ich weiß nicht, welchen Anteil die Rinderzucht am Gesamtaufkommen der Landwirtschaftsleistung hat. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass in Niedersachsen kein Ochsenkotelett aufzutreiben wäre.
    Such Dir einen Metzger, der noch selbst schlachtet (wenn möglich, ich weiß ja nicht, wo Du wohnst)

    Liebes Bruderherz, unsere Musa banana weigert sich beharrlich zu tragen. ;)
    Du hast natürlich Recht mit dem, was Du zum Fleisch sagst. Vielleicht höre ich eines Tages sogar auf, welches zu essen. (Da würden aber so einige Augen machen! *g) Aber noch mag ich nicht. Ich esse es gerne und versuche es dann, so gut wie möglich zu tun. Und wenig. Ich koche 2, maximal 3 mal in der Woche mit Fleisch. Das ist wohl im Durchschnitt zur Gesamtbevölkerung ganz schön wenig. Dem ganzen Planeten ginge es besser, wenn mehr Menschen so handeln würden. Und dennoch ist die Nulllösung die Beste, ich bin mir dessen sehr bewusst!

    Hallo Christophorus, schön, Dich und Deinen Blog kennen zulernen! :)
    Wer sagt, dass er nie scheitert,ist mir sehr verdächtig. Das stete Bemühen, sich selbst immer wieder zu verbessern - das ist es, was für mich zählt. Bei der Milch mache ich es oft so (wenn ich die Auswahl habe) ich kaufe einfach immer Bio oder die teuerste, weil ich die Hoffnung habe, der Bauer bekommt dann von der Molkerei auch mehr Geld für den Liter.

    Mit dem Huhn verfahren wir ähnlich. Die Hähne, die ich vom Geflügelbauern kaufe, haben immer ca. 2,5 kg, das reicht für 3 Personen 3 Tage mit 3 Gerichten. Ich friere immer noch einen Teil ein, sammle Flügel, Innereien und Hälse und koche daraus meine Fonds.

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  30. Liebe Mel, bitte grüße Theo auch ganz lieb zurück und ich freu mich! :)

    Hallo Padrone, bitte gib mir unbedingt bescheid, wenn Du das mit den Einkaufsquellen gemacht hast. Ich würde es gerne verlinken!

    Hi Claus, pfff.... isch kenn keine Angst, weisst Du! Isch weiß wo ihr Haus wohnt!

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  31. Ein sehr schöner Beitrag! :-) ... den ich gleich mal in einem gestern verfassten Beitrag bei Pagewizz verlinkt habe: http://pagewizz.com/geld-sparen-durch-weniger-abfall-bei-lebensmitteln/

    Auf das ökologisch nachhaltige achte ich persönlich eher nebenbei. Allerdings wird man den Verbraucher auch am besten dadurch erziehen können, dass man ökologische Nachhaltigkeit auch mit Sparen verbindet.

    Übrigens käme ich nie auf die Idee, vom Hühnchen nur die Brust zu kaufen. Die gebrutzelte Haut ist schließlich das Beste davon! 8-)

    Liebe Grüße
    Falk

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  32. So sehe ich das auch! Mir ist es lieber, die Hühner hüpfen den ganzen Tag auf der Wiese rum und kaufe Fleisch im Laden von den Bauern. Schwierig oft nur die "Quellen" zu finden und 50 km mit dem Auto hinzufahren ist "umwelttechnisch" nicht sinnvoll. "Bio" beim Fleisch, endet übrigens an der Schlachthoftür und die Tiere werden dort keineswegs "gut" behandelt. Also besser, dass der Metzger wenige Tiere schlachtet und manchmal etwas eben auch "aus" ist.
    Liebe Grüße
    Ute

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  33. Am besten natürlich weniger Fleisch...Aber wenn wir paar Foodies besser essen, ändert das leider nichts, so lange es KFC und Co gibt. Trotzdem BRAVO, liebe Astrid!

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  34. Weinackern? Sofort, liebe Astrid...

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  35. Lieber Falk,
    ein toller Artikel, den Du dort verlinkt hast. Ich schnappe ihn mir und verlinke ihn nochmal am Ende meines Beitrages, in den Kommentaren geht er sonst unter.

    Ach Ute, Biofleisch aus Großschlachtung halte auch ich für den falschen Weg. Das Biofleisch bei Discountern wie Aldi z. B. stammt meines Wissens auch von Tönnies. Da landen die Tiere am Ende im gleichen Streßkreislauf wie ihre konventionell aufgezogenen Artgenossen. (Glaube ich)

    Ein wichtiger Gesichtspunkt ist, dass wir uns die stete Verfügbarkeit von allem abgewöhnen.

    Liebe Inge, diese Freß-Fabriken wie KFC gibt es aber nur so lange, wie alle dort hin rennen.
    Irgendwo habe ich vor Wochen von revival der Wienerwald-Kette gelesen. Die haben wohl eine Umfrage unter zukünftigen Kunden gemacht, wieviel Geld die Leute bereit wären, für Biohuhn auszugeben. Das Ergebnis war, dass es wieder Batterie-Fleisch geben wird. Ich muss mal kramen, ob ich den Artikel wiederfinde.

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  36. So jetzt bin ich endlich dazugekommen, deinen Post in Ruhe und ganz genau zu lesen. Vorher hatte ich nur kurz überflogen. Ich teile deine Wut. Es regt mich jeden Tag auf, wie ein Großteil der Leute einfach konsumiert ohne nachzudenken. Ich versuche in meinem Umfeld dagegenzusteuern, was oft sehr mühsam ist. Bei einigen hab ich den Eindruck, es fruchtet. Bei anderen ist Hopfen und Malz verloren. Aber ich lass nicht locker, versprochen!

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  37. Nachdem ich mir dieses Wochenende mal wieder den Trailer angeschaut habe, kommt mir der Film sehr bekannt vor. Ich habe das Gefühl, dass es DER Film ist, den ich bereits vor ein paar Monaten gesehen habe. Sehr seltsam.

    Feed the world war es sicher nicht, der ist ja schon ein paar Jährchen alt.

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  38. Nicht wirklch leicht aber ich versuche es..ich habe eine Bio Regiokiste, kaufe meinen Wein beim örtlichen Winzer und Fleisch so gut es eben geht beim Metzger (Hart ist auch einer meiner Favoriten) Obst hole ich auf den Feldern soweit ich Zugriff habe....aber 100 % konsequent bin ich auch nicht..aber ich tue mein bestes und wenn damit alle mal anfangen würden wäre vielleicht schon viel gewonnen...vielen Dank für diesen Beitrag..gruß HEike

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  39. Sehr guter Gedanke!
    Wir werden von einer Gemüsekiste mit regionalem Obst, Gemüse und Milchprodukten versorgt - letztere stammen aus der Upländer Bauernmolkerei in deren Einzugsgebiet wir wohnen.

    Damit sind wir selbstverständlich den Regeln der Saisonalität und Regionalität unterworfen und sehr glücklich darüber. In unserer Küche hatten wir das Thema auch schon angesprochen.

    Als Vegetarier habe ich das Problem mit Fleisch und Fisch nicht, was aber nicht bedeutet, dass ich mir darüber keine Gedanken mache - das Gegenteil ist der Fall, sonst wäre ich keiner geworden.

    Zu Bio stimme ich dir überwiegend zu. Bio schmeckt man nicht in jedem Fall. Bio schlägt auch nicht regionale Produkte. Man muss hier immer abwägen, aber das scheint mir eben preaching to the converted zu sein. Die volle Zustimmung hier in den Kommentaren kommt eben von Leuten, die sich ohnehin schon Gedanken darüber gemacht haben. Was natürlich großartig ist! Wenn es aber um eben diejenigen geht, die sich kaum Gedanken darüber machen und vorallem nicht die Zeit damit verschwenden wollen sich damit auseinanderzusetzen (d.h. die Mehrheit), dann bin ich sehr froh wenn sie ohne weiter darüber nachzudenken schlicht zum Bio-Label greifen, denn das ist im Großen und Ganzen ein erster Gewinn. Wer darüber hinaus überlegt und nachdenkt, dem muss ohnehin nicht mehr geholfen werden - im positivsten Sinne.

    Nochmal Hut ab, guter Beitrag!

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  40. Liebe Frau Kampi, "nicht lockerlassen" ist das Gebot der Stunde! Du weißt ja, steter Tropfen und so...

    Du Lena, vielleicht liegt es nur daran, das mindesten einmal im Jahr so ein investigativer Film auftaucht, mit "nie gesehenem" und vor allem "nie gewussten" Inhalt?


    Lieber George, Du hast Recht - den Aspekt des Biokaufes,den Du schilderst habe ich noch nicht bedacht.
    Liebe Heike, wir scheinen in "Nachbarschaft" zu wohnen, wenn Harth auch Dein Favorit ist. Dann interessiert mich mal sehr der Anbieter Deiner Biokiste. Ich kenne nämlich einen hier in der Region, von dem ich aus sicherer Quelle weiß, dass er seine Mitarbeiter mit Hungerlöhnen abspeist. Für mich ein Grund, solche Unternehmen zu meiden.

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  41. Das ist echt ein toller Beitrag, danke dafür!! Ich versuche so weit wie möglich alles zu hinterfragen wenn ich einkaufen gehe, leider wird es einem als Konsumenten ja oft schwer gemacht herauszufinden was wirklich hinter all der Aufmachung und dem Marketing steckt!! Ich denke aber der Trend geht teilweise schon in die richtige Richtung, viele Leute sind bewusster geworden, gut Ding braucht einfach Weile...ich hoffe der Trend geht weiter! lg Ulli

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  42. Lena: Ich schätze, der Film den du gesehen hast, ist "Frisch auf den Müll", ebenfalls produziert von Valentin Thurn und sozusagen die TV-Version von Taste the Waste. Hier der Link.

    AT: Ganz vergessen zu erwähnen, deine Insider-Schilderungen über die Brotindustrie sind so gelungen wie erschreckend!

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  43. I adore the newborn child Africa Drop earrings!! Would die if I could
    my on the job those!! :)

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  44. Darf ich noch eine Einkaufsgelegenheit anfügen? Heute war ich nämlich endlich auf dem Berghof in Schöllkrippen (http://www.derberghof.de). So lange wollte ich da schon mal hin fahren habe es aber immer wieder verschoben.

    Aber für dieses Wochenende habe ich mir Marcella Hazans Zitronenhuhn in den Kopf gesetzt. Also musste eine Maispoularde her. Natürlich eine, die ein glückliches Leben auf der Wiese hatte und nicht im Käfig aufgewachsen ist. So etwas gibts vom Geflügelhof Staubach in der Rhön. Und die beliefern den Hofladen des Berghofs. Also habe ich da angerufen und eine Maispoularde bestellt.
    Bin heute morgen hin gefahren um die abzuholen und bin mit der Poularde, einer Flasche Ziegenmilch und einer Auswahl sehr leckeren Ziegenkäses nach Hause gekommen.

    Der Laden ist nur klein und mit üblichem Bio-Gedöns gefüllt. Keine Gemüse und sonstigen Frischwaren. Aber deshalb fährt man da ja auch nicht hin.

    Bedient wird man sehr freundlich von der Bergbäuerin selbst und sie hat mir geduldig die verschiedenen Käsesorten erklärt.

    Sondern wegen der Auswahl hausgemachtem Ziegenkäse. Und zur passenden Jahreszeit natürlich wegen Zicklein. Ganz oder in Teilen.

    Ich werde jedenfalls in Zukunft da öfter einkaufen. Die Martinsgans ist schon bestellt. Nur eine kleine Warnung: Der Berghof macht seinem Namen alle Ehre. Es geht steil hoch und auf dem Rückweg ist mein armes Auto unten aufgesetzt. Also ganz vorsichtig fahren und nehmt nicht den Ferrari sondern lieber den SUV.

    BTW: Es gibt auf Bestellung auch freilaufende Puten vom Geflügelhof Staubach. Ich werde wohl im Dezember seit vielen Jahren mal wieder eine Pute machen.

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  45. Lieber Manfred,
    danke für den Tip, den ich asap nachtragen werde.
    Den Geflügelhof Staubach habe ich ja eh schon in der Liste.

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Danke für Deinen Kommentar, der schnell freigeschaltet wird, so er höflich und respektvoll ist und nicht anonym abgegeben wurde. Mein Blog ist kein Diskussionsforum für anonyme Netz-Misanthropen, sondern ein Geschenk an meine Leserinnen und Leser.

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