Erst die Aufregung- dann das Rezept - Ossobuco vom Schwäbisch-Hällischem "Mohrenköpfle" | Morchel-Polenta mit gebrannter Rosmarinhaube


Erst die Aufregung


Martin

Wo war ich? Ach ja, beim Wein. Nun- was nützt der beste Wein, wenn er auf nüchternen Magen getrunken werden muss - der Mensch lebt letztendlich nicht vom Wein allein! Zwischendurch braucht er nach Herzenslust etwas zwischen die (hoffentlich geputzten) Zähne! 
Ossobuco vom Schwäbisch-Hällischem mit Morchelpolenta und gebrannter Rosmarinhaube
Da trifft es sich gut, wenn Du in Deiner direkten Nachbarschaft einen Metzger hast, der sich das gute Fleisch auf die Fahne geschrieben hat. Nun- magst Du einwenden, liegt das nicht im Wesen eines Metzgers begründet, als sozusagen berufsimmanenter Hintergrund? So sollte es wohl sein. Und wer zerlegt Dir die Schweine, die Du am Ende ihres kurzen gequälten Lebens im örtlichen Supermarkt für € 2,99/kg in der begasten Plastikpackung erhältst? Sind das noch Metzger? Den Beruf des Fleischhauers gibt es bereits seit dem Mittelalter; in Gilden organisiert waren die Mitglieder abgesichert und überaus angesehen. In meiner Heimatstadt Hannover gibt es bis heute die Knochenhausergasse, die ihren Namen bereits 1587 von den dort ansässigen Fleisch(Knochen)hauern erhalten hat. 

Heutige industrielle Fleischzerleger aber sind genauso oft  seelen- und namenslos wie die Tiere, die sie töten und zerlegen auf dass diese zuhauf in unseren unersättlichen Mündern und Mägen landen. Der Teufelskreis ist unendlich und in seinem Wesen liegt begründet, dass der Anfang schwierig zu finden ist. Aber nach der Bömmelschen Methode stellen wir uns jetzt mal ganz dumm aber gleichzeitig einen Bauern mit vielen glücklichen Schweinen vor. Der will nicht nur, der muss verkaufen, sonst kann er weder seine Angestellten, noch die Raten für den neuen Transporter mit obenliegender Nockenwelle bezahlen. Zu unserem Bauern kommt eines Tages der Abgesandte eines großen und überaus wichtigen Schlacht- und Verarbeitungsunternehmens und sagt ihm:

Lieber Schweinebauer, Deine Schweine und Ferkel sind ja ganz niedlich, aber viel zu teuer und zu fett! Wenn Du weiterhin an uns verkaufen willst musst Du deutlich billiger werden und vor allem mehr magere Schweine in kürzerer Zeit liefern.  Was soll der arme Schweinebauer also machen? Das Unternehmen des Abgesandten in Nadelstreifen hat den letzten Schlachthof in der näheren Umgebung schon lange aufgekauft und stillgelegt. Selbst schlachten- mein Gott, das darf er natürlich nicht, wenn das die EU wüsste und überhaupt, wo soll er die nötigen Kontrollnummern für sein Fleisch herbekommen, das kauft ihm am Ende keiner mehr ab! 

Und so schaut er in die hungrigen Gesichter seiner Familie, in das fordernde Gesicht des Sachbearbeiters der "Ich-bin-Gierig-Bank", schlachtet die letzten Schweine seiner im Freien lebenden Robust-Rasse und baut einen Stall für die Rosa-Mager-Schweinegroßproduktion. Dort züchtet er in Akkord krankheitsanfällige Ferkel, deren größte Degenerationen weder er noch seine Schweine selbst erleben, weil diese schlachtalterbedingt selten älter als 6 - 8 Monate werden. Die Krankheiten, die in diesen ersten Monaten auftreten, behandelt er mit Medikamenten, die ihm von der Industrie zur Verfügung gestellt werden, für die er diese Kreaturen heranzieht. Aber wir haben uns ja dumm gestellt und daher denken wir darüber nicht weiter nach.

Der Bauer


Unser Bauer aber, der denkt wohl. Und rechnet! Schon wieder 80 % des Bestandes krank und medikamentenbedürftig, wo soll das hinführen? Die Quoten drücken, die Nadelstreifen drängeln, die Kinder brauchen neue Schuhe. Da trifft es sich gut, dass der lang gediente Geselle in den wohlverdienten Ruhestand geht. Landwirtschaftliche Hilfskräfte kosten Geld, die Sozialversicherungsbeiträge drücken, das muss auch billiger gehen. Billiger geht immer; Billiger heißt in unserem Fall Martin. Martin ist 43 Jahre alt,  hat eine Frau und 2 Kinder- genau wie unser Bauer. Aber Martin ist leider arbeitslos, weil der Geschäftsführer seiner früheren Firma sich in seinen Expansionsrechnungen verkalkuliert hat und leider 250 anstelle der geplanten 25 Millionen für die Neuausrichtung des Standortes brauchte, seinen Fehler einsah, 300 Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit und sich selbst in den abgesicherten Modus des "ich orientiere mich mal neu" entließ. Aber wir haben uns bereits vor 377 Wörtern dumm gestellt und denken darüber nicht weiter nach.

Zum Glück hat Martin Steuerklasse III, seine Frau gibt als ehemalige Lehrerin noch ein wenig Lateinnachhilfe in der Nachbarschaft und fängt so einen Teil der Differenz zwischen Martins vorherigem Einkommen und  seinem Arbeitslosengeld wieder auf. Trotzdem drückt die Zeit. Das Arbeitslosengeld bekommt Martin für 12 Monate, wenn er bis dahin nichts gefunden hat, stürzt er in Hartz IV, die Nebeneinkünfte seiner Frau werden mit einberechnet und die Wohnung ist eh 2,75 qm² größer als das Amt für 4 Personen erlaubt. Da sieht Martin in der Zeitung die Anzeige unseres Bauern. Landwirtschaftliche Hilfskraft gesucht. Prima, denkt er sich und stellt sich bei unserem Bauern vor. Nun- vorgestellt hat Martin sich das alles etwas anders, aber besser als nichts, denn die Miete muss bezahlt werden, die Frau träumt schon in Latein mit deutschen Untertiteln und die Kinder brauchen Geld für die jährliche Kursfahrt. 

Unser Bauer braucht Geld für Ferkel-Medikamente und die Schuhe seiner Kinder, so bietet er Martin € 1400,00 brutto, Weihnacht- und oder Urlaubsgeld kann er leider nicht mehr zahlen, so gerne er auch möchte. Dafür soll Martin bitte 6 Tage in der Woche bei ihm arbeiten, davon zwei Sonntage im Monat, denn: klar, so einem Schwein ist der Wochentag seines kurzen leidvollen Lebens völlig egal. Was soll Martin also machen? Uns braucht er nicht fragen, wir haben uns dumm gestellt vor ca. 610 Wörtern. 

Also fängt Martin an. Er mag den Bauern, der Bauer mag ihn und das Klima auf dem Hof ist gut. Am Ende des Monats überfliegt unser Bauer seine Abrechnungen frohen Mutes, weil er durch die Einstellung von Martin so viel Geld gespart hat. Für einige Monate bekommt er vom Arbeitsamt sogar einen 50%igen Zuschuss zu den Lohnkosten, weil Martin trotz einer Facharbeiterausbildung als schwer vermittelbar galt. Am Abend öffnet er mit seiner Frau eine Flasche Sekt und bestaunt die neuen Schuhe seiner Kinder.  Leider gibt die EU eine neue Richtlinie heraus, nach der unser Bauer die Spaltenbreite in den Ferkelkoben um 0,2 cm verringern muss sowie die Wärmeleistung der Rotlichtlampen als Ersatz für die Körperwärme der Muttersauen erhöhen. Der Gedanke an die nächste Umstellung auf Energiesparlampen lässt unseren Bauern bereits taumeln. Aus diesem Grund und nur aus diesem und obwohl er Martin so sehr mag kann er ihm natürlich die per Handschlag abgemachte Jahresprämie in Form einer halben zerlegten Sau nicht zahlen. 

Martin aber lässt sich nicht unterkriegen, was soll er auch machen! Seine Frau spart wo sie kann, seine eigenen Kinder und die in der Nachbarschaft haben mittlerweile das kleine Latinum und die älteste jobbt neben der Schule im örtlichen Café. Am Wochenende sind sie bei Freunden zum Grillen eingeladen, sein Fleisch soll jeder selbst mitbringen. Bei Martin ist der Monat bereits am 20. beendet und so greift er im Supermarkt zum begasten Schweinenackensteak für € 2,99/kg. Aber wir haben uns vor 863 Wörtern dumm gestellt und denken über Martins Problematik nicht weiter nach.

Das Rezept



Ossobuco vom Schwäbisch-Hällischem mit Morchelpolenta und gebrannter Rosmarinhaube

  • 1 Hinterhaxe vom Schwein (vom Metzger in ca. 3,5 cm dicke Scheiben schneiden lassen)
  •  4 Möhren
  • ½ Knolle Sellerie
  • 1 Stange Lauch
  •  1 Bund Petersilie
  • 2 Lorbeerblätter
  • 3 Zweige Rosmarin
  • 1 Knolle Knoblauch
  • 15 g getrocknete Morcheln
  • 400 ml trockener Weißwein mit wenig Säure
  •  800 ml Kalbsfond
  • Olivenöl

Ossobuco vom Schwäbisch-Hällischem mit Morchelpolenta und gebrannter Rosmarinhaube

Das in Scheiben geschnittene Fleisch abtupfen um eventuelle Knochensplitter zu entfernen. Die Scheiben mit Küchengarn binden. Das Fleisch wird während des Schmorens so butterzart, dass es sonst auseinander fallen würde. 

Ossobuco vom Schwäbisch-Hällischem mit Morchelpolenta und gebrannter Rosmarinhaube

Das Wurzelgemüse putzen. Lauch und Möhren in Scheiben schneiden, den Sellerie in Würfel. Die Knoblauchknolle ungeschält halbieren. Rosmarinzweige zusammenbinden. Das vermeidet das spätere „Herumkleben“ der Nadeln am Fleisch.

Wenn alle Scheiben angebraten sind und im Ofen liegen wird im Bratensaft das Wurzelgemüse leicht angeschwitzt. Dabei nicht zu viel Hitze verwenden, das Gemüse darf nicht braun werden, sonst wird der Bratensud bitter. Rosmarin, Lorbeer, Fenchel-und Koriandersamen dazugeben. Das Fleisch aus dem Ofen nehmen und auf das Gemüse betten. In 2 Schritten mit dem Wein ablöschen. Dabei den Wein immer wieder ganz einkochen lassen. Den Ofen auf 180° C heizen. Mit Fond aufgießen. Den Bräter mit Deckel für 2,5 Stunden bei Unter-/Oberhitze in den Backofen schieben. 


Ossobuco vom Schwäbisch-Hällischem mit Morchelpolenta und gebrannter Rosmarinhaube
Die Fleischscheiben aus dem Sud nehmen und im Ofen warmstellen. Den Sud durch ein Sieb und anschließend zum Entfetten durch ein Tuch laufen lassen. Um ca. 1/3 leicht köchelnd reduzieren. Es sollten ca. 0,8 Liter zurückbleiben. Eventuell mit etwas Speisestärke oder Pfeilwurzmehl binden. Abschmecken. Die Fleischscheiben vom Küchengarn befreien und in die Sauce legen.
Ossobuco vom Schwäbisch-Hällischem mit Morchelpolenta und gebrannter Rosmarinhaube
Bei der Zubereitung der Polenta habe ich mich am genialen Rezept von Eline aus dem Küchentanz orientiert, das ich nicht genug loben kann. Für alle Inspirationen offen durfte es mir dieses mal als Grundlage für die Morchelpolenta dienen.

  • 150 ml Obers
  • 300 ml Vollmilch
  • 100 g feiner Polentagrieß
  • 6 – 8 Zweige Rosmarin
  • 1 Scheibe Weißbrot, entrindet
  • 15 g getrocknete Morcheln
  • 100 ml Kalbs- oder Gemüsefond
  • 3 EL Parmesan, fein gerieben
  • 2 EL Butter
  • 1/2 TL Salz
  • 1 Prise Melange Blanc von I. Holland oder weißer Pfeffer aus der Mühle
  • Zucker zum Karamellisieren 

Ossobuco vom Schwäbisch-Hällischem mit Morchelpolenta und gebrannter Rosmarinhaube
Die Sahne mit der Milch, dem fein gewürfelten Weißbrot und den Morcheln aufkochen. Hitze ausschalten und 30 Minuten ziehen lassen.  Wieder erhitzen und langsam den Maisgries mit einem Schneebesen einrühren, bis eine cremige Masse entsteht. Nach Bedarf sofort vom Fond zugeben, dabei immer wieder umrühren, damit nichts ansetzt. Einige Minuten weiterrühren und quellen lassen. 

Anschließend Butter, Parmesan und Gewürze unterheben. Die Creme in 4 Dessertringen auf gewärmten Tellern anrichten. Den Rosmarin sehr fein hacken und auf der Oberfläche der Creme verteilen. Zucker dazugeben. Mit einem Flambierbrenner karamellisieren. Achtung! Nicht zu lange Hitze geben. Der Zucker soll schmelzen aber der Rosmarin darf nicht verbrennen! Den Metallring noch nicht abziehen!
Ossobuco vom Schwäbisch-Hällischem mit Morchelpolenta und gebrannter Rosmarinhaube
Je eine Scheibe der Haxe auf den Teller zum Ring geben. Mit der köstlichen Sauce nappieren und etwas Rosmarin zur Dekoration anlegen. Den Metallring vorsichtig von der Polenta abziehen.
Ossobuco vom Schwäbisch-Hällischem mit Morchelpolenta und gebrannter Rosmarinhaube


Der Preis für dieses unglaublich gute und schmackhafte Stück Schweinefleisch liegt bei € 6,50/kg, insgesamt habe ich € 12,31 bezahlt. Davon können der Bauer, Martin und die Sau gut leben. Du und ich können das auch, wenn wir nicht unbedingt jeden Tag ein Stück Fleisch auf unserem Teller haben wollen! Ich allerdings muss mir überlegen, warum das gute Stück Fleisch ca. 500 km  von der Alb bis zu meinem Schlachter nach Rheinhessen transportiert werden muss. Will ich das auf Dauer? Wo sind die Schweinebauern in meiner Umgebung, die fettes schmackhaftes Fleisch liefern? Mal so ganz dumm gefragt...



Genieße Deinen Tag!




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Arthurs Tochter

Kommentare :

  1. Das könnte ein erstes Gericht wieder in der Heimat (in 2 Wochen)werden. Ich rieche es quasi.

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  2. Die Rhön ist Dir vermutlich auch zu weit weg?
    Ich hab grad auf die Seite der GEH geschaut, viel zu finden gibt es dort nicht, aber die Liste der bedrohten Hühnerrassen ist sehr beachtlich. :(

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  3. Und was Gemüse zu der schönen Polenta ist auch schon toll ;)!

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  4. Ein weise Geschichte, liebe AT!Dem von dir geschilderten Bauern wünsche ich, als Stellvertreter für seinen ganzen Stand, dass er mal echt als Unternehmer handelt, und nicht als Bauernbund-, Genossenschafts- und Förderungsabhängiger. Die Nachfrage nach gutem Schweinefleisch ist wieder da und bringt denen, die etwas Neues wagen (kleine Produktion, Bio, neue Rassen, Selbstvermarktung) gute Umsätze - und wieder mehr Freude am Beruf.
    Martin hat es da wesentlich schwieriger.

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  5. bis man sich zum Rezept durchgewuselt hat, ist man in Rente......
    Aber recht hast Du!

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  6. @FdgG:
    uiii! Du kommst wieder nach Hause, wie schön!

    @Hesting:
    Taunus oder Hunsrück wäre schön.

    @grain de sel:
    Fleisch ist mein Gemüse! :)

    @Danke Eline! Ich wollte mal kurz aufzeigen, dass die Problematik viel einfacher zu durchschauen ist, als uns immer wahrgemacht werden soll. Und- was ganz wichtig ist- dass alles mit allem zusammenhängt.
    Das Beispiel passt genauso zu unserer Jeansverkäuferin, über die wir mal bei den 180°lern (?) gesprochen haben.

    @Bolli:
    Daher die dicke Überschrift- man findet es beim runterscrollen so besser. :)
    Weißt Du wie hoch der Anteil der konventionellen Schweinefleischproduktion in Frankreich ist? Ich fände einen Vergleich zu Deutschland interessant. Gehen die Franzosen dort andere (bessere) Wege?

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  7. gut geschrieben. es wäre ja ganz einfach, wenn man sich nicht dumm stellen würde. aber dann müsste man das einkaufsverhalten ändern, neue bezugsquellen suchen, (vermeintlich) mehr geld ausgeben... aber wir geben nicht auf, gell?

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  8. Stöhn, ächz, .... fertig!!
    Mit dem lesen meine ich.
    Und das um diese Zeit. Ich brauche jetzt einen Kaffee. Und muss es sacken lassen, das geschriebene. :-)
    Besonders wenn man wie ich, die Hintergründe noch mehr kennt.
    Aber der liebe Verbraucher ist selbst schuld!
    Wie sagt man so schön: "Was nichts kostet, taugt auch nichts"!
    Beim Fleisch stimmt es!

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  9. Das ist eine wirklich gute Geschichte, weil sie die richtigen Punkte miteinander verknüpft. Aber, so bedauerlich das auch ist, muss man ehrlich sagen, dass vieles besser wird. Ich denke mit Grausen an die schrecklichen siebziger und achtziger Jahre, als es wirklich keine Alternative zu diesen Turboschweinen gab.

    Was mir an der Geschichte auch noch gut gefällt, ist, dass sie mit einem guten Rezept endet.

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  10. Du hast "Obers" in die Polenta geknallt!!! Keine Sahne!!! Wo soll das alles noch enden????

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  11. Guter Text!
    Aber wir könnnen ja nur bei uns selbst anfangen, etwas zu ändern und bewusster einzukaufen etc.
    Ich bin da ganz zuversichtlich, dass immer mehr Menschen, dieses Bewusstsein bekommen und sich echt etwas ändert!

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  12. Liebe Astrid,

    Das ist der Preis, den wir für die Billig-Lüge zahlen müssen. Am Schluss sind wir immer selbst wegrationalisiert. Billig ist in Wahrheit teurer. Aber ich glaube kaum, dass wir die Entwicklung wirklich aufhalten können. Jedes Jahr werden es weniger Bäckereien, Metzgereien und Bauern, dafür immer mehr Metzgerfilialläden und Bäckerdiscounter. Den wahren Preis, den wir zahlen müssen für die Discounter, werden wir erst merken, wenn es zu spät ist.

    Es grüßt ein pessimistischer

    Martin

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  13. @Katha:
    Aufgeben ist keine Option!

    @Hans:
    Geiz ist eben NICHT geil!

    @Nata:
    Wenn Geschichten versöhnlich stimmen, ist das wundervoll! Und Du hast absolut recht, es tut sich viel in den letzten Jahren und wir alle sind dafür verantwortlich!

    @Claus:
    Das Rezept kommt aus Öööööööösterreich!!!! :)

    @Sewwi:
    Klar, nur bei uns! Und immer weitersagen und andere nerven! Und WIE ich manchmal andere damit nerve! Ist mir aber egal! ;)

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  14. Lieber Martin,
    die Nische wird größer! Meine Geschichte ist keine Dystopie! Und als Bezirksverkaufsleiterin eines großen industriellen Bäckereifilialisten, eingebettet in einen der größten deutschen Lebensmittelkonzerne weiß ich ziemlich gut, von was ich spreche!

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  15. Das sieht fantastisch lecker aus. Leider hat auch bei uns der vorletzte Bioland zertifizierte Schweinebauer aufgegeben. Hat sich nicht mehr rentiert. Traurig. Gottseidank haben wir vertrauenswürdige Metzger in unserer Familie, ich darf guten Gewissens (aber auch nicht zu häufig) Fleisch essen.

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  16. @mel k:
    Mir geht sehr oft Regionalität über Bio. Was soll ich mit einem Bioschwein, das wie oben beschrieben über 500 km bis zu mir transportiert werden muss? Lieber wäre mir artgerechte Haltung ob zertifiziert oder nicht, aber aus meiner Region!

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  17. Und ich stelle mir die Frage, ob die Menge an Fleisch vom "Mohrenköpfle", das offensichtlich inzwischen vom südlichsten bis zum nördlichsten Zipfel Deutschlands erhältlich ist, nur von glücklichen Schweinen stammen kann.

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  18. Ich konnte am Wochenende eine Unterhaltung mit einem Schweinemäster verfolgen, Er bekommt um € 1,35 / Kilo und alles unter € 1,50 ist nicht kostendeckend, hat deshalb den Stall halbleer.

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  19. Nee, Bäckereifilialisten ... das hört aber gar nicht gut an. Dass man das mit Deinen Kochstandards zur Deckung bringen kann? Ich hab nochmal hochgescrollt, aber der Begriff hat sich nicht verändert, während ich dies schreibe. Dein Ernst? Da mach ich immer einen Riesenbogen drum.

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  20. @Linda:
    Es gibt derzeit etwas über 1000 Betriebe, die diese Schweine züchten, das spricht leider gegen eine flächendeckende Versorgung. Von meinem Metzger weiß ich, dass es sehr schwer ist, zum Abnehmer dieser Erzeugergemeinschaft zu werden.

    @Sivie:
    Ein deutscher Rinderzüchter bekommt so pi mal Buttermilch € 1800,00 für seine Kuh. Das ist weniger, als ein amerikanischer Erzeuger von Premiumbeef allein im letzten Jahr an Futterkosten pro Rind hat. Das ganze System stinkt!

    @Conny:
    Naja, erstens habe ich sozusagen vor ganz ganz kurzer Zeit die Leine gezogen und zweitens war ich mehr mit Standortbeobachtungen und Pre-Opening-Planungen beschäftigt. Aber Du hast Recht, wohl war mir nie! Eigentlich sollte ich noch Snackkonzepte entwerfen, was mit meinem Qualitätsanspruch überhaupt nicht zu vereinbaren war.

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  21. Ich wohne ja quasi in der Region des "Schwäbisch Hällischen Landschweins" und auch hier bei uns bekommt man das Fleisch durchaus nicht an jeder Ecke. Deshalb verwundert es mich schon, wenn ich in etlichen Kochblogs, die durchaus auch mal in Hamburg beheimatet sind, lese, dass der MdV dieses Fleisch jetzt auch im Angebot hat. Ganz offen gestanden nervt mich auch ein wenig dieser Hype um das Schwäbisch Hällische Landschwein. Ein gutes Fleisch muss nicht aus Hohenlohe kommen. Als eine, die in der Landwirtschaft aufgewachsen ist und deren Eltern immer ein Ferkel für den Eigenbedarf aufgezogen habe, weiß ich wovon ich rede.

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  22. Liebe Linda, das mit dem Hype in anderen Blogs ist dann wohl völlig an mir vorbeigegangen. Aber Du rennst bei mir ja eine bereits sehr weit offene Tür ein. Ich will Regionalität. Und ich will gutes Fleisch. Beim Rind ist das nicht mehr so schwierig, beim Schwein schon eher. Und ich möchte ja eben NICHT, dass gutes Schweinefleisch 500 km bis zu mir zurücklegen muss.

    Gutes Fleisch muss sicher nicht aus Hohenlohe kommen, aber zur Zeit ist leider die Auswahl in anderen Regionen nicht so groß. Guck Dir doch mal dieses Bild hier an, Du müsstest dem Link auch folgen können, wenn Du nicht bei facebook angemeldet bist, er führt zu einem Bild auf meiner Seite zum Blog. SO sah vor 3 Tagen mein Rumpsteak aus. Besser geht es kaum, 6 Wochen am Knochen gereift und keine 30 km von mir entfernt aufgewachsen.

    https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10150229909148071&set=a.489338118070.268590.235255113070&type=1&theater

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  23. Meine Meinung kennst du ja ;-) Hier gibt´s (neben ein paar weiteren) einen schönen Hof mit Angus-Rindern, Schweinen und Geflügel - kein Bio, aber in dem Fall: Who cares... Die stellen ihr eigenes Futter her, bilden Landwirte aus und vertreiben im Hofladen noch Obst, Gemüse und Milchprodukte aus befreundeten Betrieben. Die Preise sind z.T. günstiger als im Supermarkt (Edeka, kein Netto/Aldi/Lidl). Keiner von meinen Nachbarn hat den Betrieb bisher gekannt - bis im November der Rinderstall abgebrannt ist... Auf "unserem" Markt gibt´s ne Hofmetzgerei von der ich die Rippchen (Schälrippe) hatte, die ich gleich verblogge. 3,80€ das Kilo - da waren die Kohlen für den Grill teurer...

    Ganz dabei bin ich deshalb auch, wenn du sagst: Regionalität geht vor. Ich denke daraus ergibt sich ganz automatisch, dass nicht immer alles ständig verfügbar ist und außerdem fördern eingeschränkte Ressourcen ja auch die Kreativität ;-) Also was ich sagen will ist, man kann sich ja einfach mit dem beschäftigen was da ist, dann muss man auch auf nichts verzichten.

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  24. der gute deutsche fährt in seinem SUV asiatischer prägung zum discounter, um ein 5erpack fertigpizza für's abendbrot zu schiessen, der gute franzose setzt sich in seinem 2CV um gänseleber, käse und gemüse bester qualität zu erstehen. immer auch ein bisschen eine frage der prioritäten.

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  25. toller text und absolut was dran. mir ist auch die regionalität am liebsten.

    glücklicherweise züchtet mein cousin seine tiere selbst und schlachtet diese auch.

    da kann ich mich quasi vom schwein "verabschieden". das schmeckt man und die leute fahren von weit her... wenn's mal ein kalb trifft, flippen alle aus. und das zu absolut fairen preisen...

    wer braucht denn das discounter-zeug? da esse ich lieber kein fleisch.

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  26. Danke Tochter von Arthur, Du sprichst mir aus der Seele und wenn wir uns jetzt alle noch darauf besinnen könnten Schuhe, Kleidung etc. nach Möglichkeit auch noch Regional, oder zummindest aus Europa zu bevorzugen, statt der chlorgebleichten/und chlorgefärbten Klamotten aus Asien, wo ein T-shirt 1,99 € kostet, dann würde ein Teil meiner Welt wieder etwas grader gerückt.
    So ein schönes Stück könnte ich auch mal wieder auf den Tisch bringen, dafür würde ich mir auch glatt Dein Rezept klauen ;)
    Schönen Gruß
    Klärchen

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  27. Alex:
    genauso halte ich es mit den tollen Hähnen und Eiern die ich samstags bei Daniels Hühnerhof kaufe. ca. 25 km entfernt, kein Bio aber landwirtschaftlicher Kleinbetrieb, der in seinem eigenen Kreislauf lebt und füttert. Regional und gut. Und nicht wirklich teurer! Für einen Prachthahn von ca. 2500 g zahle ich so um die € 18,00 (ich kenne den Kilopreis gar nicht genau). Was mir dabei noch wichtig erscheint- es gibt die Hähne und Hühner nur ganz. Fertig. Willst du nur Keulen oder die Brust, dann zerlegs Dir selbst. Nix mit nur das beste für uns und den Rest nach Afrika um dort den Geflügelzüchtern die Preise kaputt zu machen.

    @Schelli:
    Du hast sicher zum Teil Recht. Jeder weiß, dass kein Land in Europa so wenig Geld für Lebensmittel ausgibt (einkommensbereinigt) wie die Deutschen. Und doch ist auch in Frankreich sicher nicht alles so rosig wie es scheint. Massentierhaltung gibt es dort ebenfalls zuhauf.

    @Feinschmeckerle:
    Komisch mit den Kälbern, oder? Ich finde Scheine mindestens genauso niedlich. Ich wäre gerne mal bei einer Schlachtung dabei, allein schon um zu sehen, was das mit mir macht.

    @Klärchen:
    Klar. Du kannst die obere Geschichte auf Geflügel, T-Shirts, Jeans, Turnschuhe, Fernseher, Küchengeräte und fast alles andere übertragen.

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  28. Liebe Astrid,
    das hast Du sehr, sehr schön geschrieben.
    Vor allem, weil es ja ein sehr schwieriges Thema ist.
    Und so schnell nichts von seiner Aktualität verlieren wird.
    Über das Rezept reden wir vielleicht ein andermal.

    Leckere Grüße,
    Peter

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Danke für Deinen Kommentar, der schnell freigeschaltet wird, so er höflich und respektvoll ist und nicht anonym abgegeben wurde. Mein Blog ist kein Diskussionsforum für anonyme Netz-Misanthropen, sondern ein Geschenk an meine Leserinnen und Leser.

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