Weingut Kiefer, Eichstätten - ein Besuch [unterwegs]


Weiter geht´s. Und auch wenn der Abend mit einem kleinen, wie soll ich sagen...Schock(?) begann, wurde es ein wundervolles Wochenende.

Nachmittags um drei bei strahlendem Sonnenschein kurbelten P. und ich das Autoverdeck herunter und machten uns auf den Weg an den Kaiserstuhl. Gemütlich dahinblubbernd kamen wir sonnencreme- und mützenlos verbrannt aber tiefenentspannt in Bahlingen an. Gerade eingecheckt im Landgasthof "Lamm" mussten wir feststellen, die Zahnbürsten vergessen zu haben. Nun ist für mich die Bevorratung von Zahnbürsten durch Hotels für deren vergessliche Gäste eine Selbstverständlichkeit, so ging ich frohen Mutes an die Rezeption und bat um zwei Einzelstücke. Die Dame nickte bemüht und rief einen Koch aus der benachbarten offenen Küche hinzu. Dieser ging mit Instruktionen versehen (2. Tür rechts, 3. Regalfach, blaues Körbchen) los, kehrte nach ca. 10 Minuten wieder und legte mir zwei Zahnbürsten auf den Tresen.

Und jetzt frag ich Dich- putzt Du Deine Wasserhähne mit Zahnbürsten oder kennst Du jemanden, der das so macht? Deine Mutter vielleicht? Gut. Stell Dir jetzt so eine verputzte Zahnbürste vor. Die Borsten etwas auseinandergedrückt, in der Mitte schon kürzer geputzt als am Rand. Der Kunststoffgriff in sich leicht verbogen vom häufigen Versuch, die Krümmung hinter dem Wasserhahn zu erwischen. Die Beschriftung fast verblichen. Hast Du´s wieder? Gut. Davon lagen jetzt zwei Exemplare vor mir. Ich weiß nicht, wie ich geguckt habe, vermutlich mit einer Mischung aus Erstaunen und Ekel. Gesagt habe ich bemüht freundlich:
"die sind ja benutzt"
Seine Antwort: "ach"
Pause
Er hinterherschiebend: "Meinen Sie?"
Sprachlosigkeitspause meinerseits. Aber nur kurz.
Mit 2 spitzen Fingern schob ich die Bürsten in seine Richtung und sagte:
"Das sieht man doch. Das ist ja ekelhaft!"
Derweil kam die Dame von der Rezeption dazu, scholt ihn nicht richtig nachgesehen zu haben und versprach uns, sich selbst drum zu kümmern. Vielleicht kümmert sie sich immer noch- Zahnbürsten haben wir in diesem Haus jedenfalls nicht erhalten!

Aber wir waren ja nicht gereist, um uns in einem kleinen Hotel herumzuärgern, sondern um auf dem Weingut Kiefer in Eichstetten dessen 160. Geburtstag mit begleitendem Hoffest zu feiern. Und so rauschte schon Minuten nach der Zahnbürstenaktion der Ultes mit brennenden Reifen um die Ecke, unseren ganz persönlichen VIP-Shuttle gebend. Alexander Ultes, den Marketing- und Vertriebsleiter des Weingutes kennen wir seit meinem Auftritt auf der Cebit vor 2 Jahren. Damals war er einer meiner "Talk-Partner" während der Podiumsdiskussion zum Thema "Lebensmittel im web2.0. Er gehört zu den netten spontanen Menschen, die einfach mal so mit einem Kistchen Wein vor unserer Tür stehen, ins Abendessen platzen aber stehts herzlich willkommen sind. Einige von Euch erinnern sich vielleicht daran, dass er zur Küchenparty eingeladen war, nicht kommen konnte und sich angemessen von einer Kiste 2009er Grauburgunder "Dreistern" vertreten ließ.

Und weil er nicht zu meiner Party kommen konnte, lud er uns halt zu seiner ein. :) Naja, das ist nicht ganz richtig, es war die Party seiner Arbeitgeber, der reizenden Helen Schmidt und ihrem Mann Martin.

Das Weingut Kiefer in Eichstetten am Kaiserstuhl wurde im Jahr 1851 von Friedrich Kiefer gegründet, 2008 übernahmen Helen  und Martin Schmidt  den Betrieb von Lutz Grafahrend nachdem Martin Schmidt bereits seit 2003 den Betrieb als Betriebsleiter führte. Das Weingut bewirtschaftet gemeinsam mit seinen Vertragswinzern die teilweise schon seit mehreren Generationen ihre Trauben an das Weingut verkaufen über 106 Hektar Weinberge in Eichstetten am Kaiserstuhl und ist somit einer der bedeutendsten deutschen Weinbaubetriebe.

Eines meiner ganz persönlichen Highlights ist der erwähnte Grauburgunder "Dreistern" und ich bin um meinen guten Draht zum Weingut froh, sonst müsste ich Angst haben, dass die Gäste der Lufthansa First Class mir alles wegtrinken, dort wird er nämlich ebenfalls angeboten. Kiefer-Weine gibt es auch bei Sven Elversfeld im "Aqua" auf der Karte, was mir nur darum gerade einfällt, weil ich seit letzter Woche das unglaubliche Kunst-Kochbuch von Elversfeld mein Eigen nenne! :)

Die Besonderheit der Weinberge zeichnet sich in Eichstetten dank der Ausrichtung mit Blick auf Freiburg durch die teilweise über 30 Meter dicke Lössschicht ab. Die Trauben stammen aus Weinbergen die sich allesamt in unmittelbarer Nähe zum Weingut im Umkreis weniger Kilometer um den Ort Eichstetten in der Weinbergslage Eichstetter Herrenbuck befinden. Im Keller sorgt das Team um Kellermeister Markus Weishaar
dafür dass die Qualität und der Geschmack den die Trauben mitbringen erhalten bleibt. Darum wird zum Beispiel jedes nicht unumgänglich notwendige Umpumpen von Wein und Most vermieden. Das gesamte Weingut ist so aufgebaut dass die Moste und Weine fast ausschließlich durch Schwerkraft bewegt werden können.



An diesem Wochenende waren wir lediglich zwei von ca. 1800 Gästen, die große Sause begann mit einem Gourmet-Geburtstagsmenü für 100 geladene Gäste, das von Hendik Thoma moderiert wurde, der zu seiner Zeit als Sommelier im Louis C. Jacob im dortigen Weinkeller ebenfalls Kieferweine gelagert hatte. 
Wie sag ich immer? Man kann schlechter leben! 
Da liegt er und wartet auf mich! :)
"Festgehalten" an diesem Abend haben P. und ich uns aber vor allem am Weissburgunder, der schon viele unserer Essen begleitet hat- erst kürzlich wieder das Zitronenhuhn nach Marcella Hazan. Das taten wir nicht nur, weil er uns so gut schmeckt, sondern auch, weil Alexander einen Cocktail kreiert hat mit dem Namen "Baden Sprizz" und wir diesem unbedingt entgehen wollten. :))

Die Sause ging wie im Flug vorbei und so fielen wir um ca. 3.00 h morgens müde in unser Hotelbett, noch ganz platt von den vielfältigen Genüssen, den Eindrücken der Kellerführung, dem leckeren Essen und der Herzlichkeit mit der wir empfangen worden sind. Die Nacht war kurz- um 11.00 standen wir zum Frühschoppen wieder bereit- Martin Schmidt hatte seinen großen Auftritt mit den Polkacheckern, den konnten wir uns nicht entgehen lassen. Habe ich schon einmal erzählt, dass ich Polka liebe? Weitere Bilder vom Hoffest kannst Du Dir übrigens auch auf der Seite vom Weingut ansehen. 

Es folgte eine kleine Weinprobe - es gab tatsächlich immer noch das ein oder andere, was wir am Abend vorher noch nicht ausgetrunken hatten - bei der die Weine des Gutes zu kleinen Köstlichkeiten von Erzeugern aus dem Ort gereicht wurden. Eine wunderbare Idee, die die schönen Möglichkeiten aufgezeigt hat, wenn Berührungsängste fallen und Erzeuger vielfältigster Art sich zusammenschließen. Von der Erdbeere über Ingwerpralinen und Bergkäse gab es zu allem den passenden Begleiter. Schade, dass wir noch ca. 3 Stunden Fahrtzeit vor uns hatten und uns somit deutlich zurückhalten mussten. 

Liebe Helen, lieber Martin, lieber Alexander, es war wunder-wunder-wunderschön bei Euch! Habt Dank für die große Gastfeundschaft, beim Hoffest nächstes Jahr sind wir wieder mit dabei! :) Aber nun kommt erstmal bald mein Geburtstag, zu dem Alexander natürlich wieder herzlich eingeladen ist. Wenn er nicht kommt, kann er seine Vertretung schicken ;)

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Arthurs Tochter

Kommentare :

  1. Finde ich witzig, dass der Koch offensichtlich annahm, die neu angekommenen Gäste wollten gleich mal hinterm Wasserhahn schrubben.

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  2. Hach, schöner Bericht, da werden wieder Heimatgefühle wach! :-) Der Kaiserstuhl ist ja quasi "my hood" und ich freue mich immer, wenn ich was darüber und über die Region um Freiburg lese. Und so verbrannt siehst du übrigens nicht aus, eher dezent angebräunt - ist doch gut, andere brutzeln dafür tagelang in der Sonne, ihr macht ein entspanntes Tourchen und schlürft Burgunderweine. ;-)

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  3. Irgendiwe kommt mir die Homepage des Weingutes bekannt vor - wenn ich nur wüsste woher.
    Welche Sorten würdest du den für den Sommer als eher halbtrocken Fan empfehlen?
    Mein "Weinkeller" könnte nachschub benötigen.

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  4. Hach, ich liebe ja fast nichts mehr als Veranstaltungen wie diese Hoffeste. Bei uns Zuhause fallen die immer ein bisschen kleiner aus, als das von dem du hier erzählst - lauter kleine Privatrestaurants quasi ;-)

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  5. @nata:
    nee,das brauchten wir nicht. Da war sauber. Warum wohl? ;)

    @Christina:
    Komm, wir packen die Klamotten und wechseln alle wieder unseren Wohnsitz! :)

    @lunchforone:
    Ich schreibe Dir jetzt mal,was P. gerne mag, er ist sehr auf halbtrocken abonniert.
    Der Dreistern auf jeden Fall, weil er so schön cremig ist ohne breit zu sein. Der Weisse Burgunder "Tradition" Spätlese trocken, weil er so schön fruchtig ist.
    "Schmetterlinge im Bauch" eine Cuvee in rosé, die mir nicht so zusagt (aber Rosés haben es allgemein schwer bei mir), aber ein fruchtiges Sommerleichtgewicht.

    Es gibt auch noch einen Weißburgunder mit Schraubverschluss feinherb, den ich aber noch nicht probiert habe. Sicher versenden sie Probierpakete.

    @Alex:
    ich habe ja neulich von Deiner Weintour an der Mosel gelesen. So etwas mag ich auch sehr! Aber die Fahrt an den Kaiserstuhl ist ja schon ein Stückchen von uns aus, kann man nicht so viel "springen". Insofern war ein Wochenende dort schon schön. Wir würden aber gerne mal eine 10-Tages-Tour durch die Gegend machen. Veilleicht geht das sogar mal gemeinsam? Können wir ja am 9. mal bereden.

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  6. @lunchforone: Unter http://www.weingutkiefer.de/geschenkservice.html gibt es ein Probierpaket halbtrocken, kannst dich aber gerne auch direkt an mich wenden. Dann stelle ich dir ein individuelles Päckchen zusammen!

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  7. Bahlingen ist ein schönes Eckchen Deutschlands - hat auch übrigens ne prima Getreidemühle, um seine Mehlvorräte mit deutschem Typenmehl aufzustocken. Und du nee, Zahnbürste finde ich ebenfalls zu exklusiv, um sie mit anderen zu teilen. Hööööchstens mit dem Habibi!
    Ja, und wann knipst du ein Bild von deinem Bericht in der Effilee, für alle, die partout nicht an die Zeitschrift kommen?

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  8. Hihi, den gleich Gedanken wie nata hatte ich auch gerade.

    Und der Grauburgunder ist einfach klasse! Wer muss denn da Zähne putzen :)?!

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  9. Das sieht ja sehr gesellig aus. Da wünsche ich gute Reise.

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  10. OK, ich sehs ein, hab was verpasst - vielleicht sieht man sich dann einfach beim Mett zum Hoffest?!

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Danke für Deinen Kommentar, der schnell freigeschaltet wird, so er höflich und respektvoll ist und nicht anonym abgegeben wurde. Mein Blog ist kein Diskussionsforum für anonyme Netz-Misanthropen, sondern ein Geschenk an meine Leserinnen und Leser.

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