Dieses Essen ist rot-violett (Zitronentyhmian), weiß mit roten Sprenkeln (Basilikum) und weiß mit einem gelben dünnen Strich (Garnelen) Dazu hat es ein Stakkato von hohen spitzen Tönen.
Simmernder, flimmernder Sud für Soleier ist ein dunkelblaues Wort! Hühnerfrikassee ist “sluuuuuuuuushig”. Sauerampfer ist “grizzlwarmschön und flattert im Mund”. Essen kann zackig sein. Scharf wie eine Messerklinge. Dunkel, warm und gemütlich. Schrill. Laut. Grün. Leise.
Vielleicht hattest Du schon einmal das Gefühl, Dich in ein Essen hineinlegen zu wollen? Wir sagen ja fast lapidar, wenn uns etwas besonders schmeckt “da könnte ich mich hineinsetzen”. Ich habe bei Saucen oft das Gefühl, dass sie mich umhüllen können. Saucen streicheln meine Seele. Sie sind sanft, warm, samtig. Manchmal sind sie laut und frisch. Mir ist es immer schwer gefallen, diese Gefühle zu umschreiben. Allerdings geht mir das nur bei Saucen so, was aber muss es für ein Gefühl sein, wenn Dein Essen oder andere Dinge in Deiner Umgebung nicht nur das sind, was alle anderen sehen, sondern auch noch laut oder leise. Bunt oder trüb. Wenn jede Zahl eine Farbe hat, jeder Baum ein eigenes Lied? Wie gehst Du durch die Welt, ohne an Deinen eigenen Sinneseindrücken zu zerbrechen?
Durch facebook – und ganz ehrlich, für solche Begegnungen liebe ich social networks – bekam ich Kontakt zu einer Synästhetikerin. Sie hat auf meiner fb-Seite zum Blog (die Du über den fb-Button in der sidebar erreichen kannst) meine Gerichte beschrieben. Das hat mich fast umgerissen. Alle oben genannten Beschreibungen stammen von ihr, d. h. für sie sieht mein Essen wirklich so aus!
Sarah H. Kirsch ist freischaffende Künstlerin, Rosenliebhaberin, Köchin – und Synästhetikerin. Mit anderen gemeinsam hat sie an einem Buch zu diesem Thema mitgewirkt, in dem sie in unglaublich wunderschönen Worten (für die ich leider keine Farbe habe) ihr Verhältnis und ihr Fühlen zum Essen und Genießen beschreibt. Ein paar Auszüge hat sie mir netterweise zur Verfügung gestellt.
Was für ein unglaubliches Thema, was für ein unglaubliches Leben! Falls Dich das Buch interessiert, es heißt “Synästesien” von Alexandra Dittmar. Auch bei Wikipedia gibt es einen sehr ausführlichen Artikel zu Synästhesie und den verwandten Savants (bekannt geworden durch den Film “rain man”). Sarah selbst hat eine wunderschöne Homepage, die sich Fehngarten nennt. Geh mal vorbei und träume ein bisschen mir ihr, sie wird sich freuen.








Kommentare:
Wunderbar wenn man noch Dinge lesen kann, von denen man noch nicht mal wusste, dass es sie gibt! Meine neugierige Lebenseinstellung hat neues Futter. Ich werde bestimmt einiges zu lesen haben!! Sehr schön. (und deine Fotos wieder mal auch)
Das gefällt mir! Ein super Thema von dem ich noch nie gehört habe.
Allerdings kenne auch ich das Gefühl, dass mich Zutaten, Speisen, ganze Menüs in ungeahnte Gefühlssituationen bringen können.
Ganz extrem hatte ich es im letzten Herbst. Da bekam ich einen riesen Korb mit wunderschönen Steinpilzen. Die Zubereitung hat eine unglaubliche Freude in mir ausgelöst und sie später zu essen hatte etwas von Seelestreicheln. Ich konnte es mir nicht erklären, doch nun habe ich ja eine Erklärung, da lese ich weiter...
Fuer mich haben alle Dinge auch zusaetzliche Eigenschaften. Das Beispiel mit den farbigen Zahlen ist ein ganz typisches.
Netter Nebeneffekt: Zahlenreihen kann ich mir anhand der Farben ganz besonders gut :)
Lang ging ich davon aus, dass es allen Menschen so gehen muss und hatte keinerlei Verstaendnis fuer "die anderen" ...
Interessante Gefühlswelten, die ich auch nur vom Erzählen her kenne. Ich muß gestehen, daß ich diesbezüglich auch ein großer Fan von Daniel Tammet bin. :)
@Hans & Gourmetbüdchen:
ein wirklich spannendes Thema über das ich auch noch viel mehr lesen werde in der nächsten Zeit!
@Heike:
ich kenne das nicht mit Zahlen, stelle mir das aber auch spannend vor. Saucengefühle sind auch schön! ;)
@Hesting:
Tammet ist spannend, vielleicht ereilt es uns auch noch! ;)
heike, genau so ging es mir auch, als ich langsam mitbekam, dass meine mitmenschen keine farben und töne und strukturen für alles haben...
für mich war das ja normal.
allerdings ein hinweis: synästhesie ist keine krankheit - also nicht zu vergleichen mit dem durch 'rainman' bekannten autismus oder anderen inselbegabungen.
@AT: Verdachtsepi bin ich ja schon; schlimmer, als es jetzt ist, brauche ich es nicht wirklich. ;)
@tzara: ich fühl mich auch nicht krank (wie Du schon schreibst: man kennt es ja nicht anders), aber meine Umwelt macht mich dazu. Die Frage, ob strukturelle Gehirnveränderungen eine Krankheit sein müssen, führt hier eh zu weit. :)
Welche Sinne sind denn bei dieser Frau miteinander verknüpft, die bei "Normalos" nicht auf diese Weise miteinander korrespondieren?
Sie "fühlt" Speisen bei deren Anblick? Ist doch normal, wenn der Anblick oder der Genuss von Speisen körperliche Reaktionen hervorruft. Oder nicht?
P.S.:
Die meisten Deiner Bilder gehören zu den ganz wenigen, die bei mir "Wohl" und nicht "Weh" auslösen.
Insofern hat diese Autorin recht ...
Bei mir geht es sehr oft darum, dass ich Farben essen möchte. Oder das die Farbe schlicht das Thema des Essens ist.
Das kann auch mal sehr rot oder total orange sein.
Eine schöne "Begabung", insbesondere wenn man bedenkt, wie eingeschänkt eines Manchen Wortschatz so ist.
also mich macht meine umwelt schon etwas krank..... ;o)
und zur synästhesie: ich bin ja in diversen syn-foren und meist wird es dort als eine besondere gabe dargestellt, als etwas ganz besonderes, als seien wir 'auserlesene'und syn wäre eine unglaubliche bereicherung.
da muss ich dann widersprechen, oftmals leide ich geradezu deshalb. ich hab farben im kopf, höre immer auch leise musik im kopf, jeder buchstabe in seiner normal gedruckten farbe und dann noch meine farbe dazu, geräusche haben auch farben und strukturen, musik hat auch farben..........so, und stellt euch das im supermarkt vor!so so könnt ich mir die vorhölle vorstellen ;o))) gnadenlos! wie auf einem üblen trip.
ach ja, nur kurz noch zu der bildertafel mit den farbigen buchstaben:jede/r synästhetikerIn hat eigene farben, also kann die tafel nur die farben von einer person dargestellt haben. mein A z.b. ist weiss, meine 5 ist lila usw. und auch unbehagen ist bei mir nicht tropfenförmig.
@tzara:
nein, das sollte weder als Krankheit dargestellt werden noch als Savant. Nur in dem - wie ich finde, sehr ausführlichem wikiartikel werden beide Begabungen bzw. Besonderheiten beschrieben.
@Carmen:
ich finde, das beschreibt sie in ihrem Buchauszug sehr gut, hast Du Dir das mal durchgelesen? Und die wikiverlinkung auch?
@Nata:
ja, das ist schön, aber gemeint ist hier doch etwas anderes. ;)
@Suse:
Den "Zwang" zu einem feinerem Wortschatz finde ich - als "Lesende" der Ausführungen von Sarah auch sehr bereichernd!
@Tzara:
Fast unvorstellbar für jemanden, der das nicht selbst erlebt. Also das bisschen, was ich mir vorstellen kann, ist schon ziemlich anstrengend. :)
@carmen:
Die Synästhesie (von altgriech. συναισϑάνομαι synaisthanomai „mitempfinden“ oder „zugleich wahrnehmen“) bezeichnet hauptsächlich die Kopplung zweier oder mehr physisch getrennter Bereiche der Wahrnehmung, etwa Farbe und Temperatur („warmes Grün“), im engeren Sinne die Wahrnehmung von Sinnesreizen durch Miterregung der Verarbeitungszentren im Gehirn eines Sinnesorgans, wenn ein anderes gereizt wird. Menschen, bei denen derart verknüpfte Wahrnehmungen regelmäßig auftreten, werden als Synästhetiker bezeichnet.
zur sauce: ich fühle die speisen nicht bei derem anblick sonder diese reaktionen werden bei dem wort ausgelöst.
synästhesie ist übrigens nicht assoziativ! also bei dem wort sauce denke ich nicht: "lecker"
ach, auf jeden fall ist das ganze für mich sehr schwer zu beschreibenden, denn suse: ich hab ewig gebraucht, das ganze in worte zu fassen. musste teilweise einfach worte erfinden, weil es ja ein sehr eigenes thema ist. denn es gibt da noch nicht so viel an worten um das zu beschreiben.
Meistens denke ich gar nicht daran, dass ich Dingen andere Formen gebe, wie es offenbar normal scheint. Fuer mich _ist_ es ja normal.
Und weil ich ja auch ein nuechterner Mensch bin, habe ich mir diese "anderen" Beschreibungen von Wahrnehmungen irgendwann fast abgewoehnt.
Beispiel aber vor kurzem:
Ein Hunde-Freund beschwerte sich beim Spaziergang vor einer Weile, dass seine Freundin staendig in Hunde-A-A traete. Ich war voellig verbluefft und sagte nur: "Das sieht man doch aber?".
Mein Versuch, das zu erklaeren, scheiterte klaeglich :)
Ich sehe und spuere Gerueche und zwar auch solche, die unsere Nase gar nicht aufnimmt. Riechen kann ich sie nicht.
Ich glaube, dass Synästhesie eine Fähigkeit ist, die prinzipiell in jedem von uns schlummert (mal mehr, mal weniger) oft aber verkümmert, weil man im Laufe der Zeit für viele feine Signale, die der Körper aussendet, nicht mehr empfangsbereit ist oder einfach abstumpft. Ich wette, dass viele Kinder die absoluten Syn-Helden sind!
Witzig ist, dass viele Kreative Synästhetiker sind. Das scheint auch bei Kochenthusiasten nicht anders zu sein. Ich gehöre auch zu der Fraktion, aber ich kann schlecht beschreiben, worin der Unterschied zwischen meiner und der Wahrnehmung "normaler" Menschen liegt. Ich habe auch Farben für Geschmäcker, die ich blind miteinander kombinieren kann. Das macht mich sicherer, ist sozusagen der doppelte Boden, weil ich eigentlich nie was ausprobieren muss, um zu wissen, wie es schmeckt. - Das Hauptübel ist aber, dass die Wörter und Buchstaben bunt, teilweise gemustert sind. Macht besonders bei Namen viel Spaß. Astrid zB ist ziegelrot mit braunen Tupfern. :-)
(Aber mach Dir nix draus, es gibt wirklich hässlichere Namen, "Paul" ist leider schwarz und hat so komische Striche, die ich nicht so toll finde!!!)
Liebe AT,
wunderschön!!!!!!!
Als NLPlerin kann ich Dir sagen, dass es sich hierbei um Submodalitäten handelt. Mit Farben, Symbolen, Gefühlen, Geräuschen beschreibt unser Unterbewusstsein die Welt, denn es denkt nicht in Worten, sondern in anderen Dimensionen. Als Kinder haben wir einen direkten Zugang zu dieser unbeschreiblich schönen Welt. Als Erwachsene müssen wir es erst wieder lernen. Jedes Gefühl, jeder Bewußtheitszustand hat eine Farbe, eine Symbol. Wenn wir uns diesen vergängenwertigen, einladen aus dem Unterbewusstsein heraus zu treten, können wir ihn verändern. Macht das mal, wenn Du das nächste Mal ein schlechtes Gefühl (wegen irgend etwas)hast. Wo ist es im Körper am stärksten? Wenn es eine Farbe hätte, welche wäre das? Wenn es ein Symbol wäre, welches wäre es? Dann nehme es aus dem Körper vor Dich und verändere die Farbe, Geschwindigkeit, Helligkeit: mache es bunter, langsamer und heller. Frage Dich dann, ist es besser schlechter oder gleich. Wenn es ein besseres Gefühl macht, dann behalte das bei und nehme es wieder zu Dir in den Körper.
Toll! :-)
Liebe Grüßle aus dem Schwabenländle
Tanja
Ich empfehle den Besuch der Unsichtbar in Köln und dort in völliger Dunkelheit zu speisen.
Die Stimmen und Geräusche sowie das Essen erleben dort eine andere Dimension.
Beim autogenen Training gelingt es mir oft, in eine Landschaft oder Stimmung zu gleiten, deren Musik und Farben vom völlig entspannten Gehirn erzeugt werden. Wunderbar - und immer abrufbar, nur nicht beim Autofahren...
Ich glaube auch, daß die Fähigkeit zur Synästhesie ein bißchen in uns allen schlummert.
Ich kann mir vorstellen, daß man die Erfahrung möglicherweise durch transkraniale Magnetstimulation erzeugen kann, aber das ist Spekulation, recherchiert habe ich in dieser Richtung nicht.
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