Arthurs Tochter auf der Vinissima 2011



"Unser Ziel ist es, dass Frauen die Hälfte der Welt erobern!"
Gerda Stuchlik, Freiburger Bürgermeisterin

Das nenne ich klare Worte. Schon lange wundere ich mich darüber, dass in sämtlichen politischen Frauenquoten Anteile von 40 % gefordert werden. Warum nicht mindestens die Hälfte? Warum immer so bescheiden? Meiner Meinung nach völlig unangebrachte Zurückhaltung. Wer hat diese Quotenforderung festgelegt. Warum nur 40 %? Diese Frage habe ich an Julia Klöckner und Ilka Lochner-Borst weitergeleitet, mit denen ich über xing und fb verknüpft bin,  und hoffe sehr, dass sie sich trotz Wahlkampfstresses dazu äußern können. Die Parteizugehörigkeit spielt dabei für mich keine Rolle- wichtig ist mir- sie sind Frauen aus der Politik!

Auf tausend Männer in unserem Land kommen 1040 Frauen. Fast 58 % aller Abiturienten sind Frauen, und 51 % aller Studienabschlüsse werden ebenfalls von Frauen gemacht. Trotzdem sind weniger als 22 % aller Führungspostionen in Deuschland von Frauen besetzt. (Quelle: stat. Bundesamt) In meiner persönlichen Führungsebene stehe ich mit 3 anderen Frauen 14 Männern gegenüber. Was passiert da unterwegs zwischen Schule und Rente? Ist die Tatsache, dass wir Frauen die Kinder gebären (bekommen tun wir sie ja nicht alleine, obwohl das immer suggeriert wird) die einzige Begründung? Sprich mal mit Deinem (in dem Fall vorzugsweise männlichen) Partner drüber. Die Erklärungen können interessant sein, ich habe das Experiment gerade hinter mir! 

Ich glaube nicht mehr daran. Akademikerinnen bekommen eh kaum noch Kinder. Ich glaube an den Erfolg von Netzwerken. Und auch wenn ich allem skeptisch gegenüberstehe, was sich separiert, halte ich reine Frauennetzwerke für eine hervorragende Möglichkeit des Mentoring. 

1991 gründeten 7 Frauen am Kaiserstuhl am Küchentisch die "Vinissima", das WeinFrauenNetzwerk, dessen 14. Forum am 19. und 20 Februar 2011 am 20 Jahrestag in Freiburg stattfand. Mittlerweile würdest Du die Mitgliederinnen dieses Netzwerkes nicht mehr um einen Küchentisch bekommen, jedenfalls nicht  um meinen. Aus diesem Grund war das "Historische Kaufhaus" Austragungsort der Vinissima 2011.
Wenn das eine Männerveranstaltung gewesen wäre, wäre das Transparent um den GANZEN Balkon gegangen, wetten!
Hingefahren bin ich mit meiner Freundin Désirée Eser, Winzerin und Inhaberin vom WG August Eser, die Du noch von der Küchenparty kennst.
Und da - wie sie selbst sagt - ein Oestricher Mädchen niemals ohne Lenchen aus dem Haus geht, hatte sie folgendes im Gepäck:

2009er Oestricher Lenchen 
Riesling
Kabinett, trocken
***
2009er Hattenheim Nussbrunnen Riesling ***
Spätlese trocken
***
2009er Rauenthal Rothenberg 
Riesling 
Steillage
***
2008er Mittelheim St. Nikolaus 
Spätburgunder 
Barrique

Und NATÜRLICH bin ich freundschaftlich voreingenommen! Aber die Weine sind trotzdem Weltklasse, eh klar! Link zum Weingut: Weingut August Eser



Die Zwei schauten mit einer Mischung aus Verzückung und Strenge aus ihren Rahmen.
300 Besucherinnen, darunter 30 Winzerinnen, unzählige Journalistinnen, Händlerinnen und PR-Fachfrauen ließen sich davon nicht beeindrucken und machten die ehrwürdigen Etagen unsicher. Unbeeindruckt von den beiden Herren drehte auch ich meine Runden...

Auffallend für mich war dabei:
Genauso zaghaft, wie das Transparent am Haus waren auch viele der ausstellenden Winzerinnen. Nur wenige waren "Verkäuferinnen" im besten Wortsinn ihres Produktes. Trotzdem ergaben sich weinselige, lustige, interessante und spannende Begegnungen. 

Herzerfrischend und mit aussergewöhnlichen Crémants im Gepäck war zum Beispiel Anne Winterling. Von ihr habe ich gelernt, dass auch ein Pfälzer ein Crémant sein darf, wenn er die Bestimmungen zu seiner Herstellung einhält und keineswegs herkunftsgebunden in seiner Bezeichnung ist. Ich probierte bei ihr mit sehr großem Vergnügen:

Deidesheimer  Paradiesgarten
Riesling Extra Brut
2008
Crémant Pfalz
***
La Coulée d´Or Brut
2007
Crémant Pfalz
***
Sauvignon Blanc *S*
2009
Spätlese
Crémant Pfalz

Vielen Dank, liebe Anne für das viele Lachen und das nette und lehrreiche Gespräch! 
Der Link zum Weingut: Wein- und Sektgut Winterling
Im Hintergrund siehst Du übrigens Stefanie Weegmüller-Scherr vom WG Weegmüller aus Neustadt an der Weinstrasse. Leider hatten wir den ganzen Tag nie Zeit füreinander, das holen wir nach, gell! :)

Weiter zum Weingut Kiefer. Und wen treffe ich da? Einen Mann allein unter vielen Frauen! Alexander Ultes, den ich seit unserem gemeinsamen Auftritt auf der Cebit 2010 kenne, der den Weinblog "Der Ultes" schreibt und seit -ich schätze einem Jahr- Vertriebs- und Marketingleiter des Weingutes ist. 
UND- er war Sponsor der Küchenparty! Am Tag vor dem gesellschaftlichen Großereignis kam per Paketdienst eine Kiste 2009er Grauburgunder "Dreistern", sozusagen als Entschuldigung, dass er selbst der Einladung nicht nachkommen konnte. Nagut, nochmal verziehen! ;)) Der Wein hat unter den Gästen für Begeisterung gesorgt!

Auf der Vinissima stellte das Weingut, repräsentiert durch Helen Schmidt, die Inhaberin, folgendes vor:

2010er "Schmetterlinge im Bauch"
Rosécuvée feinherb
(ehrlich, nix für mich. Eher was für Mädchen *g)
***
2010er Eichstätter Herrenbuck
Weißburgunder
Kabinett trocken
***
2009er Eichstätter Herrenbuck 
Grauburgunder "Dreistern"
trocken
(gib mir mehr!)
***
2007er Eichstätter Herrenbuck 
Spätburgunder "Dreistern"
trocken

Leider sind mir ein paar Bilder abhanden gekommen, so auch eines von Helen Schmidt, aber hier der Link zum Weingut: Weingut Kiefer und der Hinweis, dass dort am 4. Juni Hoffest ist- vielleicht sehen wir uns?

Besucht und mich nett unterhalten habe ich mich auch mit und bei Gabriele Lang vom Weingut Lang in Eltville.
Ihr Mann war ebenfalls dabei, hat sich aber auf diesem Bild versteckt! :)
Dafür hatte sie aber die folgenden Weine dabei - und mal ehrlich, die waren an diesem Tag auch wichtiger! :)

2009er
Charta Riesling
***
2009er Vom Bunten Schiefer
Riesling
***
2007er Hattenheim Wisselbrunnen Riesling
Erstes Gewächs
***
2003er Hattenheim Wisselbrunnen
Riesling
Auslese

Vor lauter Reden sind wir ich kaum zum Trinken gekommen. Probiert habe ich nur die Auslese, die fand ich klasse, mir hat nur ein Stück Haselnusskuchen dazu gefehlt! :)
Der Link zum Weingut: www.weingut-hans-lang.de
Liebe Gabriele, ich habe Dich auf der VDP-Präsentation im Kloster Eberbach vermisst, da sah ich nur Deinen Mann!

Und dann kam die geballte Frauenpower! Diesen Damen stellt sich nichts und niemand in den Weg!

Christine Golter, WG Golter, Andrea Gruber, Weingut Gruber, Christina Hengerer-Müller, Weingut Drautz Hengerer, Angelika Knauer, Weingut Knauer,  Dorothea Braun-Ribbat, Projekt-Konzeption, Margaret Kuhnle, Weingut Kuhnle, Sabrina Roth, Weingut Roth, Heidrun Hohl, Frau des Weinbaupräsidenten und zugehörig zur Winzergenossenschaft Weingärtner Willsbach, Ute Bader, Oenologie und Qualitätsmanagement, Michaela Metzger, Presse und Öffentlichkeitsarbeit.

Der Trollinger!
Charmant, eloquent und humorvoll erklärte mir Dorothea Braun-Ribbat (links im Bild) das Projekt. Unter dem Motto "Frauen nehmen es selbst in die Hand" wird in diesem feinen und gar nicht mehr so kleinem Projekt die eigene Heimatverbundenheit repräsentiert und die wunderbare autochtone Rebsorte "Trollinger vom angestaubten Image befreit. Die "Trollinger-Evas", wie sie sich selbst nennen, haben sich 2007 aufgemacht, der Rebsorte zu neuem Glanz zu verhelfen! 

Für mich- fern von Trollingerkenntnissen- war das eine spannende Entdeckungsreise durch die verschiedenen ausgestellten Weine. Danke an alle Beteiligten! 10 Frauen, 7 Weine, 1 Profil! Entdecke es selbst!

Link zum Projekt: www.der-trollinger.de

Mit der unglaublich netten und sympathischen Marion Probst vom Weingut Reiner Probst habe ich mich dann bei einem Probiergläschen über die anstrengende Seite des Winzerinnendaseins unterhalten. 
Die vorgestellten Weine:

2009er Achkarrer Schlossberg
Muskateller Kabinett trocken
***
2009er Achkarrer Schlossberg
PIUS
Spätburgunder

Spätlese trocken
***
2009er Achkarrer Schloßberg 
Grauer Burgunder
Spätlese trocken
Barrique
***
2008er Achkarrer Schloßberg
RP1
Spätburgunder 
Auslese trocken

Und wir kamen vom Hölzchen auf´s Stöckchen...
Zurück bleiben bei mir einige Fragen und Verwunderungen...
Z. B. die Tatsache, dass einige der hier ausstellenden Weingüter mitnichten in der Hand von Frauen sind. Auf dem Gut bestimmt der Mann die Richtung und sie arbeitet zu. Weingut, Verkauf, Küche, Kinder, Werbung, Ausstellungen, Messen. Aber zur Vinissima ist es "schick" wenn sie dort hingeht. Manchmal hat sie noch nicht einmal eine eigene Visitenkarte, denn auf der Karte am Stand dieses Frauennetzwerkes steht nur sein Name. 

Das hat mich daran erinnert, dass Arthur mal auf das Klingelschild am neuen Haus nur seinen eigenen Namen schrieb. Zu Recht hat meine Mutter ihn gefragt, ob er denn wohl nur allein dort wohnen würde. Das war vor ca. 35 Jahren. Zu der Zeit war der Name der Frau auf der Klingel noch keine Selbstverständlichkeit. Arthur reagierte damals schnell und meine Mutter und er galten fürderhin als Revoluzzer.

Ich finde wirklich, langsam wäre IHR Name auf der Visitenkarte wäre der nächste Schritt!

Und das nächste mal gibts hier wieder was zu essen- versprochen!
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Arthurs Tochter

Kommentare :

  1. Recht hast Du! Aber nicht nur die Visitenkarten. Gleich beim Lesen ist mir der männliche Vorname bei Weingütern aufgefallen, die Frauen betrieben werden. Wer sagt denn, dass man an dem Namen eines Winzers festhalten muss, der vielleicht vor etlichen Generationen als Gründer den Betrieb entscheidend geprägt hat? Eine Judith Beck oder eine Elena Walch schreiben es auch auf ihr Etikett!

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  2. Da wäre ich auch gerne gewesen! Unser schöner Münsterplatz... Aber das ist ja wirklich mal total der Hammer, ehrlich gesagt habe ich mir in Bezug auf Weingüter noch nie so wirklich Gedanken über die Frauenquote gemacht - und dann fällt´s einem wie Schuppen von den Augen.

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  3. Klasse Bericht, Astrid! Und den Satz "ich glaube an den Erfolg von Netzwerken" kann ich nur ganz fett unterstreichen. Das wird schon, auch wenn ich immer wieder erstaunt bin, welche rückständigen Einstellungen auch bei jungen Leuten noch so verbreitet sind.

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  4. @Fritz:
    Genaus über diese Namensgebung habe ich mich mit einer Winzerin unterhalten. Sie sieht sich selbst in einer langen Reihe von Familienangehörigen, die eine Zeitlang das traditionsreiche Weingut leiten. Insofern ändert sie den Namen nicht, der auf ihren Großvater zurückgeht.

    @Christina:
    Am nachdenklichsten macht mich wirklich, dass viele der Frauen von ihren Männern als verkaufsförderndes Alibi dorthingeschickt worden sind.

    @Toni:
    Ich glaube, die Frauen in "unserem Alter" ;) nehmen das noch erster, da wir uns noch viel mehr erkämpfen mussten. Ich sehe es an meiner Tochter und ihren Freundinnen- in dem Alter habe ich mir um Gleichberechtigung und Chancengleichheit viel mehr Gedanken gemacht und dazugehörige progressive Bücher gelesen. Da nehmen es die Mädchen von heute viel leichter. Dabei ist noch so vieles zu tun.

    Interessant finde ich, dass die Lesezahlen und Verweildauer für speziell diesen Post sehr hoch, bzw. lang ist und doch wird kaum kommentiert. Denken alle noch nach? ;)

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  5. Ach wenn es vielleicht nicht modern ist, ich bin gegen jede Art von Separation. Dies bei "Frauennetzwerken" ebenso wie bei "Schwulentreffs". Und so geht es mir auch mit Quoten. Meine (Ex-)Lebensgefährtin hat sich mit Fleiß und Durchsetzungsvermögen in eine leitende Position gekämpft. In der holzverarbeitenden Branche beschäftigt, ist sie nach dem Chef die zweite Person im Betrieb. Mit dreißig Jahren ist sowohl der Verdienst überdurchschnittlich als auch die "Machtfülle" über immerhin fast 80 Angestellte und Arbeiter.

    Quoten hinterlassen in meinen Augen immer den schalen Geschmack von "in den Sessel gehoben". Gerade die Generation Frauen um die dreißig beißt sich durch und wird auch in der leitenden Schicht künftig mehr und mehr zu finden sein. Und das umso eher, als die überalterten Leitwölfe abtreten.

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  6. Ich glaube auch, dass die Angst vor diesem "schalen Geschmack" ein Grund für die Quotenverweigerer ist. Aber anders geht es nicht, dass zeigt sich jeden Tag aufs neue. Und außerdem haben Männer ja auch ihre Quote, die liegt bei 97 % in den Aufsichtsräten und Vorständen der DAX-Unternehmen!

    Ausserdem hat die "Selbstverpflichtung" der Industrieunternehmen gezeigt, wie ernst sie die Sache in den vergangenen Jahren genommen habe. Passiert ist nämlich gar nix. Die "erste Generation" Quotenfrauen hat halt dann diesen "Makel", aber anders wird es nicht gehen. Und ich weiß aus eigener Erfahrung, dass Du als Frau eine Menge mehr leisten musst, um die gleiche Anerkennung zu bekommen wie ein Mann. Von den Kämpfen um das Gehalt ganz zu schweigen. Wenn Du da auf den Tisch haust und zur Not sagst, dass Du halt wieder gehst, sind viele (männliche) Chefs erstmal baff. Irgendwann stößt Du als Frau an diese berühmte gläserne Decke, da geht dann eine lange Zeit nichts mehr, es sei denn, du findest einen Mann, der Dich protegiert. Ich hatte dieses Glück schon ein paar mal, aber das erleben nicht viele.

    Und darum mein bedingungsloses Ja zur Quote, das war vor ein paar Jahren noch anders. Und wenn Quote, dann auch bitte 50 %, alles andere ist völliger Humbug und ich weiß nicht, warum Frauen sich so oft mit den Brotkrumen zufrieden geben!

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  7. Hinweis zum wiederholten mal:
    Anonyme Kommentare ohne Hinweis auf den Absender werden gelöscht. Vor allem wenn sie polemisch sind und nichts mit dem Inhalt dieses Blogs zu tun haben!

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  8. Oh, hattest Du auch den anonymen Kommentator zu Gast, nach dessen Meinung man am besten gar nicht mehr essen sollte? ;)

    Ich glaube, man kann die Einstellung 30jähriger Frauen zum Thema Quote nicht mit der 20jähriger Frauen vergleichen. Ich behaupte nicht, daß wir politischer sind/waren - das ist sicher eine individuelle Sache -, aber im Querschnitt ist die Einstellung zu politischen Themen meines Erachtens bei der jüngeren Generation schon eine andere.

    Danke für den Bericht! Ich hatte schon verdrängt, daß ich einen trockenen Grauburgunder getrunken und gar nicht so schlimm gefunden haben könnte. ;)
    Und ich finde es mal wieder bemerkenswert, daß es jemanden gibt, der soviel Wein an einem Tag probieren kann. (Ich habe es am Freitagabend mit 0,2l halbtrockener Scheurebe aus Rheinhessen versucht. Der Wein hat gegen mich gewonnen. :( )

    Schade, daß auch nach 14 Jahren die Veranstaltung noch so klein ist, daß nur ein kleines Transparent finanziert werden konnte. Wenn schon männliche Weingutbetreiber ihre Frauen hinschicken mußten, dann hätten doch mehr Teilnehmerinnen dabei sein können. Denke ich.

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Danke für Deinen Kommentar, der schnell freigeschaltet wird, so er höflich und respektvoll ist und nicht anonym abgegeben wurde. Mein Blog ist kein Diskussionsforum für anonyme Netz-Misanthropen, sondern ein Geschenk an meine Leserinnen und Leser.

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