Die Entdeckung der Langsamkeit. Das bedeutet für mich die Fond- und Saucenherstellung.
Interessanterweise dachte ich, dieses Feld wäre zur Gänze erschlossen. Aber schon lange nicht mehr habe ich so viele private Mails bekommen, wie zur Brombeerjus aus dem letzten Post und deren Ursprung im Lammfond.
Also los: Wenig ist so einfach, lass Dir bloss nix anderes weismachen!
Meine Initialzündung war kurz vor Weihnachten 2004. Das FS-Sonderheft "Siebecks Kochschule" lag vor mir. Der Entenbraten mit Essig-Karamell-Sauce galt als gesetzt. Für diese brauchte ich 1 1/2 EL Glace de viande, dieser dunkle, aufs unendliche reduzerte Kalbsfond. Und aller Aufwand hat sich gelohnt. Die Geschmacksknospen flogen uns förmlich um die Ohren.
2001 oder so las ich "Geständnisse eines Küchenchefs" von Anthony Borudain. Einen post-it hatte das Buch seitdem auf Seite 105.
"Fond ist das Rückrat guter Küche... Es ist leicht! (meine Worte!) Rösten Sie einfach ein paar Knochen an, braten Sie ein paar Gemüse an, geben Sie alles in einen großen Topf mit Wasser, und reduzieren, reduzieren, reduzieren Sie. Machen Sie soviel Fond, dass Sie einen Vorrat für ein paar Monate haben, und wenn er genügend reduziert ist, sollten Sie ihn durch ein Sieb lassen und dann in kleinen Behältern einfrieren, damit Sie ihn sich nach Bedarf aus dem Kühlschrank holen können. Ein Leben ohne Fond ist kaum lebenswert, und ohne ihn werden Sie nie ein demi-glace zu Stande bringen.
Demi glace? Ist genauso kikieinfach! Ehrlich. Du brauchst nur NOCH ein bisschen mehr Zeit. Allerdings kannst Du währendessen auch ein Buch lesen, Fonds und demi-glace machen sich so gut wie von alleine.
Das Prinzip ist immer gleich, egal, was für einen Fond Du kochst. Ob von Bourdain, Siebeck, Lafer, oder Arthurs Tochter.
Die diversen Spezialisierungen entwickelst Du nach Deinen eigenen Vorlieben von ganz alleine und sollen daher nicht weiter ausgeführt werden.
Ich beginne immer mit den Knochen.
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| Geflügelkarkassen mit Leber |
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| Für den Lammfond auch gerne mit Rosmarin |
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Beim Rind gerne kräftiger mit mehr Zwiebeln oder Eschalotten. Auch Markknochen kommen mit dazu.
Grundlage für eine wunderbare Rindfleischsuppe. Hier geht´s zum Rezept. |
Diese kommen mit ein wenig Olivenöl begossen bei voller Pulle in den Ofen. Dabei einfach in diesem auf den
Boden schieben. Hast Du eigentlich schonmal gesehen, dass in einer Profiküche mit "Ofen, 2. Schiene von unten" gearbeitet wird? Siehste, ich auch nicht. Also rein. Dann lass es ruhig ein wenig qualmen. Bei mir ist das jedenfalls so, da die Dichtungen an meinem Ofen ausgeleiert sind und ihrer Verpflichtung nicht mehr in vollem Umfang nachkommen.
Wenn alles so richtig schön angebrutzelt ist, gibst Du das Gemüse dazu.
Möhre, Lauch, Sellerie, eine Gemüsezwiebel. Die Zwiebel lasse ich z. B. weg, wenn ich einen reinen Gemüsefond koche. In diesem ist sie mir zu dominant.
Dafür gebe ich bei einem Hühnerfond immer die gesammelten, eingefrorenen Abschnitte vom Champignonputzen dazu. Und ein Stück Leber. Wenn ich habe, Hühnerherzen. Geputzte Mägen.
Bei Kalbs- und Lammfond einen zersägten Kalbsfuß.
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| Kalbsknochen mit Fuß |
Für einen Hühnerfond brauchst Du den nicht, der geliert auch von alleine.
Wenn auch das Gemüse angeröstet ist (das dauert alles seine Zeit, nicht ungeduldig werden), löschst Du es mit Wein ab.
Jetzt musst Du Dich entscheiden. Willst Du einen dunklen oder einen hellen Fond machen? Bei Rind ist diese Frage wichtig, beim Huhn stellt sie sich nicht so sehr, ich persönlich habe jedenfalls noch keinen dunklen Hühnerfond benötigt - aber wer weiß... Bei Wildgeflügel oder Lamm kannst Du schon wieder darüber nachdenken.
Demnach suchst Du den Wein aus. Weiß oder rot. Überlege bitte nicht, ob gut oder nur mittlemäßig. Du willst doch gute Saucen zubereiten, oder? Also welch eine Frage.
Du musst keinen für € 10,00/Liter nehmen. Kannst Du aber. Ich schelte deswegen sicher nicht, da meine ganz persönliche Hemmschwelle sehr hoch ist. GUT muss er sein. Überleg Dir immer, ob Du ihn auch zum Essen trinken wollen würdest. Dann hast Du die Antwort.
Meine Fond-Weine kaufe ich gerne bei den Winzern in der Nachbarschaft. Viele haben gute Literqualitäten für kleines Geld ab Hof und das Schwätzchen über Deine Kocherei erfreut Euch beide.
Wenn Du nicht das Glück hast, in einer Weingegend zu wohnen, (ich kann kaum aus dem Haus gehen, ohne über einen Winzer zu stolpern) such Dir einen Weinhändler, der Dich berät. Dort bekommst Du auch gleich den Wein, den Du später zum Essen trinken möchtest.
Wenn Du also diese weitreichende Entscheidung getroffen hast, löschst Du die Knochen und das Gemüse mit dem Wein ab. Ordentlich. Und bitte lege weder Dich noch mich auf 100 ml fest.
Mache die Ofentür wieder zu und lass alles ordentlich einreduzieren.
Ca. 30 Minuten später: Was, Du denkst, Du bist fertig? Nix da! Das gleiche nochmal. Nochmal. Vielleicht auch nochmal. Unter 3 mal Ablöschen und Einkochen geht bei mir gar nichts.
Dann schüttest Du alles um in einen großen Topf.
und füllst mit kaltem Wasser auf. Legst vielleicht noch ein Bouquet garni dazu. Oder Petersilie. Oder auch beides. Oder gar nichts. Ich bin mit dem Würzen vorsichtig, das geschieht in der Regel hinterher, wenn Du die Sauce machst. Kein Salz. Kein Pfeffer. Nur Lorbeer immer.
Ab jetzt kannst Du zuhause mit Deinen Lieben die Energiediskussion fortführen, die Du beim letzten NT-Garen begonnen hast.
Beim Huhn hält sich das alles in Grenzen aber ein Kalbsfond steht bei mir 2 Tage auf dem Herd. Auf Miniflamme. Rind mindestens 12 Stunden.
Nach dem ersten Aufwallen, bevor Du alles auf kleine Flamme runterregelst, schöpfst Du den Schaum ab. Dann wird Dir der Fond nicht trüb.
Wenn die Stunden oder gar Tage verstrichen sind, gießt Du alles ab. Jetzt brauchst Du weitere Stunden, um alles abkühlen zu lassen. Dann kannst Du die entstandende Fettschicht einfach abheben.
Beim Kalbsfond kann diese zentimeterdick sein.
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| ganz schön glibberig |
Dann machst Du alles wieder warm und flüssig und siebst es durch ein Mulltuch.
Entweder, Du machst jetzt weiter, reduzierst und reduziertst, mit Wein, Portwein, Wermuth o. A., dann bekommst Du Deine demi-glace.
Oder Du hörst hier auf. Auch gut! Glückwunsch! Du bist gerade auf der Ziellinie, die beliebteste Saucenköchin oder Saucenkoch in Deinem Freudeskreis zu werden! Jetzt kannst Du alles in kochend heiß ausgespülte Gläser füllen. Die schraubst Du zu und stellst sie auf den Kopf zum Abkühlen.
So kannst Du sie im Kühlschrank locker ein paar Monate aufheben, in einer Speisekammer ebenfalls.
Du kannst Dir auch das Abheben der Fettschicht sparen, und den Fond gleich in ein großes Einmachglas füllen. Dann nimmst Du Dir Esslöffelweise unter der schützenden Fettschicht immer wieder den Teil der angedickten Masse heraus, den Du brauchst. Das kommt ganz auf Deinen persönlichen Verbrauch an und die Größe Deines Kühlschrankes. Oder Du frierst alles ein. In 500 ml Portionen in alten Joghurtbechern. Oder in Eiswürfelbeuteln. Ganz nach Bedarf. Wenn ich Fond brauche, brauche ich in der Regel mehr, als ein bis 5 Eiswürfel hergeben können. Die demi-glace wiederum friere ich gerne in sehr kleine Joghurtbecher, sie ist so zäh, dass sie oft gar nicht durchgefriert und immer noch Teelöffelweise entnehmbar bleibt. Allerdings bereite ich sie in der Regel dann zu, wenn ich sie brauche.
Zu den Mengen:
Aus den Karkassen zweier Hühner und dem dazugehörigen Gemüse enstehen bei mir ca. 3 L Fond.
Dabei sind aber auch immer noch einige Abschnitte aus dem TK, die sonst noch so angefallen sind. Gestern z. B. habe ich Hähnchenkeulen entbeint, die warten jetzt schon tiefgefroren auf den Fondeinsatz.
Für einen Kalbsfond bestelle ich beim Metzger einen Kalbsfuß, der ist bereits blanchiert. Sag ihm, dass er ihn Dir zersägen soll. Dazu kommen ca. 2 bis 2,5 kg Kalbsknochen, kleingehackt. Der Kalbsfuß kostet so um die € 5,00. Wenn Du keinen Metzger in der Nähe hast, der Dir einen verkauft, dann gehe zu seinem türkischen Kollegen. Ich wette, da liegen gleich mehrere in der Theke.Diese Menge (plus Wurzelgemüse) setze ich aus dem Ofen kommend mit ca. 8 L Wasser auf. Am Ende bleiben ca. 4 übrig, die ich einfriere. Diese werden je nach weiterer Bestimmung reduziert und reduziert und reduziert.
Mach wenig aus viel - das ist das Motto bei der Fondherstellung!
Noch eine Kleinigkeit zum Schluß. Es gibt hunderte Wege, einen guten Fond zu kochen. Die oben beschriebenen sind MEINE. Du wirst Deine eigenen finden. Wenn Du doch unsicher bist (und mir nicht zur Gänze vertraust), empfehle ich Dir von TEUBNER "Das Buch der Saucen". Dort ist vieles gut erklärt und Du bekommst noch tolle Saucenrezepte dazu.
Bei den werten Kollegen habe ich mich mit dem Schlagwort "Fond" durch die Blogs geklickt.
Barbara sagte mir nämlich,
"so´n Post musste nicht machen, Du musst nur verlinken, nix selber schreiben." Aber das stimmt nicht. Ich habe unglaublich viele Rezepte gefunden, für die ein guter Fond von Nöten ist. Aber wie er ihn macht, dass beschreibt eigentlich kaum jemand. Außer natürlich
Claudio von "Anonyme Köche" Seine Leidenschaft zum Fond und zu demi-glace hat ihn ein ganzes Buch schreiben lassen.
Wenn Du doch einen Blog
und ein Fondrezept hast, dann schick mir den Link, ich füge ihn gerne hier ein.
Und Fischfond kommt ein anderes Mal an die Reihe...bis dahin kannst Du nachlesen, wie
Andreas ihn macht.
Einen Krustentierfond gibt es derweil
hier!