27.05.10

Liebe ißt! Von Baukastenkochereien, falschen guten Weinen und Lamm mit grünem Spargel


An diese seltsamen Bildchen von dem Paar, welches stets so verschämt aus der abgelegten Wäsche schaute, erinnern wir uns doch sicher alle noch.
Obendrüber stand  "Liebe ist....", dann kam das Bild und ein Spruch wie: "....der Mann an ihrer Seite sein zu dürfen..." 
Ganze Kleiderschrankwände in Teenagerzimmern waren großflächig damit bepflastert. Noch heute danke ich meinen Eltern auf Knien dafür, dass "so´n Mist" (O-Ton Arthur) niemals bei uns zuhause auch nur auf die Innenseite der Geräteschuppentür geklebt werden durfte. Aber bei meinen Freundinnen fand ich sie natürlich immer "sooooo süüüüüüüß" (O-Ton Arthurs Tochter) und hätte sie ebenfalls so gerne kleben haben wollen dürfen. So wie Barbiepuppen, Comichefte und anderes unfeministisches, frauenfeindliches oder einfach nur unchristliches Zeugs. Aber ich schweife schon wieder ab...

Wir haben hier zuhause eine ganz klare Aufgabenteilung. Jeder macht alles. Mit einer Einschränkung:
Gekocht, also wirklich gekocht, ich spreche hier nicht von Aufwärmereien, wird  nur von mir. 
Es gilt seit nunmehr fast 14 Jahren noch eine weitere klare Regel:
P. hat immer die besten Ideen, ich habe dafür immer Recht. Basta. Auch damit fahren wir gut, aber auch das ist ein anderes Thema...

Du siehst, ich bin eine Frau mit Prinzipien. 
Eines lautete: Ich blogge kein Spargelrezept. Mache ich auch nicht wirklich, ich erzähle Dir einfach nur so ein bisschen, wie ich ihn gerne mag und was daraus wurde...

Gleich hinter den Weinbergen, inmitten derer ich wohne liegt eines der besten Spargelanbaugebiete Deutschlands. Sagen jedenfalls die Finther. Das sind die Bewohner eines Mainzer Stadtteiles mit einer Spargelbauerndichte, die man nur noch mit der Stringtangadichte an der Copacabana vergleichen kann.  In besonderen Böden wächst hier ein Spargel, der kaum Bitterstoffe enthält. Am liebsten ist uns jedoch seit ein paar Jahren der grüne oder auch violette. Mittlerweile ist der violette Spargel zu einer eigenen Züchtung anvanciert, zu behandeln wie der grüne auch. Zumal er beim Zubereiten sowieso dessen Farbe annimmt.
Zwischengang im HIER erwähnten Menü - Risotto mit violettem Spargel und Parmesan-Pinienkernchip:

Dann der grüne Spargel auch nur gebraten, mit etwas braunem Rohrzucker, viel Basilikum, vielleicht ein paar Tomaten, gerne geröstete Pinienkerne und dazu ein Stück Lammlachs. Vielleicht noch ein Faden Thymianhonig. Köstlich!
Dazu als Wein am liebsten Jean Luc Colombos Abeilles Blanc, Côtes Du Rhône. Den gibt es aber leider nicht an jeder Ecke und meine Vorräte sind erschöpft. Und so rase ich wie immer in Eile kurz vor Toresschluß 20 km nach Idstein, parke auf einem der teuren € 60,00 Plätze in der Fußgängerzone, haste in einen meiner Lieblingsweinläden, rufe laut nach einem weißen Côtes du Rhône zum mediterranen Lamm, greife die Flasche, schmeiße das Geld auf den Tresen, düse hinaus und nachhause, stelle schnell die Flasche in den Kühlschrank, atme durch und stelle mich an den Herd. Wird alles ganz wunderbar. P. spielt den Sommelier, nimmt die Flasche aus dem Kühlschrank und schenkt ein. Und wir haben kalten Rotwein im Glas. Seufz...
So kamen wir zu:
Ein wunderbarer Tropfen, aber das ist ja heute kein Wein- sondern ein Liebes- und Spargelbeitrag. Also auch davon ein anderes mal mehr.
Weils so schnell und einfach geht, könnte das glatt ein Beitrag für die Cucina Rapida sein, ich weiß aber nicht, ob sie mir das dort so ohne Rezept durchgehen lassen.
Weils so schnell und einfach geht, wurde es auch ein Beitrag von P., aus der Rubrik: Immer diese Regeln, heute koche ich!
Grüner Spargel. Wunderbar!
Lachsfilet! Wunderbar!
Roter gebratener Paprika! Wunderbar!
Pinienkerne! Wunderbar!
Aber jetzt mal stop, mein Liebster! Das ist Vielkomponentenkochen. Baukastenprinzip. Nicht alles, was man mag, ergibt zusammengenommen ein harmonisches Neues. Das ist wie bei Cher. Man kann die Musik mögen. Scharfe Klamotten. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse des medizinisch Unnötig- aber Machbaren. Autowerkstätten und Ersatzteillager. Oldtimerausstellungen. Alles zusammen? Das wird nix.
Aber Du hast gewußt, auf was Du Dich einlässt. Und sicher war es lecker. Anders eben.
Liebe ißt!
Und ich habe da schon ein paar Ideen...

Kommentare:

Peter hat gesagt…

Spargelbauern in Stringtangas? Da hab ich wohl etwas falsch verstanden. Leckere Bilder! ;-)

Bolli's Kitchen hat gesagt…

keine Spargelengpässe in Paris, es gibt sowohl grünen wie auch weissen, aber das Wetter war auch wirklich sehr gut, warm und sonnig.

Sarrians, den Ort kenne ich, nicht weit von Carpentras, wenn ich mich nicht täusche, machen die auch einen Viognier ( ich trinke ja nur weiss...).Ist nicht weit von unsrem haus im Süden entfernt. Bestell die doch direkt!

ozeki hat gesagt…

Violetter Spargel ist wie grüner, mittlerweile eine eigene Züchtung, solch einen Blödsinn, habe ich schon lange nicht mehr gehört.
Weisswein mit Rotwein zu verwechseln beim Einkauf, vielleicht mal ein bißchen Zeit nehmen und nicht irgendwas greifen.
Alle 'Comichefte als frauenfeindlich und unchristlich bezeichnen.
Nach all diesene Äußerungen sehe ich, dies ist kein Lebensmittel- bzw. Kulinarikblog sondern eher eine Art Bildblog der Unwissenheit.
Wie wäre es mit Augen auf (Weinkauf- kein echter Kulinarist verwechselt dies beim Einkauf) , Nachhilfe '(Spargeltheorie- ein kleines Lexikon über Gemüse wäre eine hilfreiche Anschaffung) und mal keine Verallgemeinerung (Comic)

Arthurs Tochter hat gesagt…

@Milliways:
Danke, das ehrt mich! Ich weiß Dein Vertrauen zu schätzen! :)

@Peter: ;)) Da würden die Finthener Marktfrauen aber Augen machen!

@Bolli: danke für den Tip, aber ich bin ja Lateiner und wage mich mit meinen rudimentären Kenntnissen der französischen Sprache nicht an eine Direktbestellung.

@Ozeki:
Liegt Deine schlechte Laune an der Uhrzeit oder hast Du das immer?
Ich empfehle Dir ein Gespräch mit einem Spargelbauern d. V. und einen etwas höflicheren Tonfall.
Achso, noch etwas: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil, das gilt auch für Wörter "zwischen den Zeilen"!

Kommando Mardermann hat gesagt…

also, ähem, es ist 10.26 uhr und ich hab gute laune und die höflichkeit auf zwei beinen bin ich ohnehin. huch, jetzt hätt ich beinahe den faden verloren, also, ich finde arthur hat einen super job gemacht, ist es doch ein garstig ding, sich mit der menge gemein zu machen, gelle?! waren diese possierlichen bildchen nicht sogar von einem grossen boulevardblatt initiiert?
hochgradig faschistophob, was ich bin, hab ich mich nie gescheut, meiner tochter ähnlichen unfug zu verbieten. und watt is? n prima mädchen isse..

linda hat gesagt…

Ich hoffe, ich werde jetzt nicht gesteinigt, aber ich habe sogar heute noch ein Handtuch mit diesem Pärchen drauf, ist einfach ne super Qualität (das Handtuch).
Ach ja, und ich nehme das Gemüse vom Lachs mit dem Lamm und ob es dazu Rot- oder Weißwein gibt, ist mir piepegal, ich trink alles.

Schnuppschnuess hat gesagt…

Haaaallllooooo? Schnelle Küche ohne Rezept???? Klar geht das. Wir Leser sind doch Foodblogger und sowas von kreativ (sagt die Frau, die immer nach Rezept kocht), wir kriegen das hin :-)

Ein in jeder Hinsicht wieder einmal köstlicher Beitrag!

Kommando Mardermann hat gesagt…

und jetzt hab ich wegen deiner überschrift auch noch n ohrwurm: NENA, liebe will nicht, liebe isst. ja toll!!!

Freundin des guten Geschmacks hat gesagt…

Ich habe auch ganz gute Laune obwohl ich noch arbeiten muss. Gleich gehe ich zum Spargelbauern- hoffentlich ist die Bäuerin nicht anwesend- und frage, nach ob er auch Stringtangas trägt!!
Deinen Bericht habe ich sehr gerne gelesen, weiter so.

Jutta Lorbeerkrone hat gesagt…

Abgesehen von koestlichen Schnellgerichten, die eigentlich immer besonders gut schmecken, moechte ich Dir fuer den Vergleich "Stringtangadichte an der Copacabana" danken - wirklich genial. Muss ich gleich so gut wie moeglich uebersetzen und sobald sich die Gelegenheit ergibt im naechsten Umfeld loswerden :-)

Arthurs Tochter hat gesagt…

@KommandoMardermann:
jawoll! Danke! Meiner Tochter habe ich solchen Blödsinn auch untersagt. Ist auch´n tolles Mädel! Wer hat denn eigentlich diese Bildchen erfunden? Vielleicht kann Petra uns da mal weiterhelfen?

Mein Blog ist halt eine Fortsetzungsgeschichte, da versteht man als Gelegenheitsleser viele Andeutungen nicht, gerade wenn ich mich nebenbei mit meiner adventistischen Erziehung auseinandersetze.

und das mit Nena, ehrlich, das habe ich nicht gewollt! Könntest Du nicht vielleicht `ne Runde "the godfathers", new songs about love and hate, dagegen auflegen, die läuft gerade bei mir, bevor die Gäste zum Kapaun in Rhabarber kommen, die immer nach der Angie Stone Weichspülermusik verlangen.

@Linda: *kicher! Du bist klasse! Und Dein Handtuch sei Dir gegönnt!

@Schnuppschnüss: Dann reiche ich es mal ein und schaue, was passiert. *grins*
Werde mich gegebenenfalls auf Dich berufen!

@FdgG: mal schauen, wer da zuerst rot wird. Du oder er?

@Jutta: Büüüüddddddeeeeeee! Die Übersetzung möchte ich haben!

Kommando Mardermann hat gesagt…

na dann wünsch ich gutes gelingen und dir und allen, denen du in liebe verbunden bist, ein phantastisches wochenende. bei mir gibt's lämmchen mit schmorgurken...

Suse hat gesagt…

Keine Comics? keine Barbies? Na dann bestimmt auch keine Monchichis und schon gar nicht Sarah Kay -Aufkleber, geschweige denn einen Bravo-Starschnitt?
Ich glaub ich muss meine Selbstrefektion gehörig überdenken...aus mir kann gar nix geworden sein :o)

Zumindest gibts heute auch bei mir grünen Spargel, das rehabilitert hoffentlich ein wenig...

Arthurs Tochter hat gesagt…

Die Comics, die es bei uns gab,hießen "Bibel im Bild". :)
Doch, doch, einen Monchichi habe ich mir mühsam erkämpft.
Sarah Kay hatte ich als "Buntbilder", kennst Du die noch?
Aber einen Bravo-Starschnitt gab es natürlich nicht, BRAVO war nun wirklich Teufelszeug. Barbie durfte nicht sein, weil sie nach meinung meiner Eltern ein komplett falsches, unterdrücktes Frauenbild verkörperte. Eine Frau, die nicht auf ihren eigenen Füßen stehen konnte, das sollte ich mir gar nicht angewöhnen. ;)
Die Einstellung gefällt mir noch heute!

George hat gesagt…

eine Güte, so ein netter Eintrag, und alles was mir momentan einfällt ist "Was hat sich denn da für ein Griesgram hierher verirrt?"


(Regeln und Teilungen sind in einer langjährigen Beziehung lebenswichtig, sag ich jetzt mal so nach 13 lang empfundenen jahren ;) )

Mestolo hat gesagt…

Die Erinnerung an diese scheußlichen Comics verdrießen mir ein bißchen das schöne Rezept ;)

Arthurs Tochter hat gesagt…

@George: Er kommt ja wohl nicht wieder... :)

@Mestolo: Musstest Du etwa auch "Bibel im Bild" lesen? ;)

Arthurs Tochter hat gesagt…

@Kommando Mardermann:
hmmmm, Schmorgurken! Ich habe noch gar keine auf dem hiesigen Markt gesehen, eines meiner Lieblingssommergemüse! Gibts das Rezept?
Büüüddddde!

Kommando Mardermann hat gesagt…

is in arbeit, total einfach, lecker und obszön preisgünstig, du weisst, wegen der neuen handtaschen usw.

entegutallesgut hat gesagt…

Schon wieder der ganze Kommentar futsch.
Weißt du eigentlich, mit welcher Beharrlichkeit ich hier versuche ein paar Zeilen zu hinterlassen?

Also nochmals:
Unsere Spargelbauern im Stringtanga sitzen im Marchfeld.
Der violette Spargel bleibt bei mir nach dem Kochen Violett, ob das das Wiener Wasser ist? Nur das unterste Drittel, das ich sicherheitshalber schäle, zeigt sein grünes Unterhemd und bleibt auch nach dem Kochen so.

Und dann wollte ich noch sagen, ich habe die besten Ideen und auch immer Recht. Manchmal, immer wieder. ;-)

Arthurs Tochter hat gesagt…

Ente, ich danke Dir für die Beharrlichkeit!!!

Bekommst Du denn eigentlich Nachricht, wenn ich hier auf die Kommentare antworte?
Und warum ist das wohl so überhaupt?
Und wieso bleibt Dein Spargel violett? Wenn das der Ozeki liest, der reißt Dir den Kopf ab! Meiner wird grün, so hats mir der Spargelbauer auch prophezeit. Und dabei verschämt an seinem Tanga gezupft.

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