Monatsrückblick November 2009

Es ist wieder soweit. Zeit zum Rekapitulieren.
Und die Frage zu Beginn: Bin ich girlfried-in-a-coma oder eine strukturierte Person, wie Ellja im Monatsrückblick Oktober vermutete? Erst habe ich angefangen, mir auf vielen kleinen Zettelchen Notizen über Erlebnisse und Kuriositäten zu machen. Diese Zettel aber schieben sich gerne girlfriend-like aus ihren geheimen Geheimplätzen hervor, drängen ins Licht, fliegen durch die Wohnung um dann im Nirwana zu entschwinden. So wird das natürlich nichts. Also richte ich mir strukturiert bei der Tante G. ein Notizbuch ein. Perfekt. Mit eigenen Labels für die Links, die ich abspeichere. Und so brauche ich heute nur das Gespeicherte aufarbeiten. Wie langweilig!
;-)
Kurioses Rezept gefällig? Bitte sehr:
Vor gefühlten 100 Jahren habe ich mich erstmalig mit einem kleinen Frühstückscafé selbständig gemacht. Leider fehlten der Küche dringendst erforderliche 2 cm in der Breite, um sie voll konzessionieren zu können. Das wiederum hatte zur Folge, dass ich dort nicht kochen durfte, was auch die Zubereitung von einfachen Eierspeisen in der Pfanne ausschloß. Dumm gelaufen. Vom zuständigen Aussendienst-Beamten des Gewerbeaufsichtsamtes bekam ich nach 4 cl Kirschwasser in seinem Kaffee einen kuriosen Tip. Ich könne doch die im Frühstücksgeschäft benötigten Rühreier in der Mikrowelle zubereiten,  wäre doch gar kein Problem, niemand könne den Unterschied herausschmecken. Das ging so: Eine Schale mit Butter ausfetten, die verquirlten Eier hineingeben und dann bei 400 Watt auf Start. Nach ca. 2 Minunten hatte man eine Masse erzeugt, die wirklich fast wie ein Rührei aussah. Um aber das Geschmacksproblem zu lösen und meine gerade mühsam aufgebaute Existenz nicht gleich wieder zu vernichten, musste ich zu einem anderen gaststättenrechtlichen  "Schlupfloch" greifen. Hätte ich nur damals schon gelesen, dass es durchaus möglich ist, in 75 Sekunden ein Rührei aus der Espressomaschine zu zaubern! Meinen Gästen wäre in den ersten Tagen viel erspart geblieben!

Natürlich habe ich auch wieder viel gelernt in den vergangenen Tagen. Besonders hervorzuheben sind dabei meine erweiterten Kenntnisse der österreichischen Sprache!
Lieblingswort des Monats Oktober gefällig?
„Der Fotzhobel“. Gelernt bei der Ente. Also meine Mutter hätte mir den Mund mit Seife ausgewaschen bei so einer Ausdrucksweise! Dafür können wir hier in Deutschland uns aber mit dem Wort "Puderzucker" revanchieren! Wobei der Begriff "pudern" auch in Deutschland durchaus doppeldeutig besetzt ist.
Von Eline lernte ich "Profesen". Auch schön, erinnert mich gleich an ersetzte Körperteile. Sind aber, wie sie hier in den Kommentaren erklärt, "Arme Ritter".  Überhaupt Eline - seit Jahren im CK und jetzt mit ihrem Küchentanz der Grundstock der im Rheinhessischen gepflegten deutsch-österreichischen-Freundschaft. Sogar eine ihrer Geflügel-Suppen hat sie mir gewidmet. Die natürlich bereits nachgekocht wurde und hier in den nächsten Tagen eingestellt wird! Bei Ellja lerne ich nun neben österreichisch sogar deutsch! Ihr deutsches Lieblings-Wort "tröge" kannte ich zuvor noch nicht und auch diverse Ausflüge in die deutsche Grammatik brachten mich dem Rätsel nicht näher. Bei der Hedonistin lernte ich "darren" und "talggen kennen und Cherry Blossom erinnerte mich an Männerfreundschaften und Rumakis.

Und was habe ich selber so gemacht im vergangenen Monat? Weniger als im Oktober, stelle ich fest. Zumindest virtuell. Aber alles mit Qualität. Ich habe nachgekocht, an gleich 3 Events teilgenommen, Mamarezepte in Mamatöpfen gekocht, einen Ersatz für Portwein in Saucen gefunden, die Käsegrippe überstanden, Literatur nachgekocht, bin nach Tir Na Nog gereist, habe leider keinen Schatz gefunden und noch vieles mehr.

Meine lustigste Blogentdeckung im Oktober habe ich bei Petra gemacht.
Würste. Nichts als Würste. Hätte man mir gesagt, man könne einen Blog nur mit Wurst bestreiten, ich hätte es sicher nicht geglaubt. Geht aber doch.

Als regelmäßige Leser neu mit dabei sind:
  • Peppinella, deren Familie mindestens genauso verrückt ist, wie meine
  • Kerstin, Olaf und Andreas mit ihrem Olivenöl-Blog (der einzigen Werbung, die ich an dieser Stelle gerne mache)
  • Mareen von kochend-heiß, die ich um ihre lukullische Südhanglage und die Nähe zu Österreich beneide
  •  Barbara, die bei Wind und Wetter draußen essen muss
  • LindaK60, die leider keinen eigenen Blog hat, aber das wird ja vielleicht noch
  • schließlich hat Karin ihre Küchenträume auch wahr werden lassen
  • Rico, der aus Barcelona und Umgebung berichtet
  • Robert mit lamiacucina, der im übrigen auch gerne mal zum babylonischen Sprachgewirr beiträgt ;-) - aber schwitzerdütsch lerne ich später...
Und wieder mein großes Dankeschön an alle, bei denen ich in den letzten 30 Tagen lernen, lachen und genießen durfte. Es war mir ein Fest und ich freue mich auf den Dezember, der lukullische Höhenflüge verspricht. Das Notizbuch ist bereit!
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Arthurs Tochter

Kommentare :

  1. Was du alles in vier Wochen gelesen hast, wow! Freut mich natürlich, dass mein Blog auch darunter ist. Ein kleiner sprachlicher Tipp: Nimm statt "tröge" mal "dröge" und du wirst staunen ... *klugscheiß*

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  2. *kicher* ja, das hatte sich dann geklärt. Genau das hat sie schlußendlich gemeint. Ich hatte mich aber schon gefreut, jetzt in einem österreichischen Blog deutsch zu lernen ;) Das ist fast wie eine technische Betriebsanleitung, die aus dem französischen kommend nach Indien geht, um dort erst ins englische und dann ins deutsche übersetzt zu werden. ;)

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  3. na, das ist ja wieder mal eine lustige zusammenfassung, nicht so DRÖGE, wie bei manch anderen *hihi.

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  4. Pofesen, liebe AT - kommt nicht von Professor ;-)

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  5. Ich habe dich gerade zum nächsten Blogevent verdonnert. Mozzarella-Manifest Damit könntest du die eventüberlasteten Kochblogger in den Wahnsinn treiben. Vielleicht wär das auch etwas für die Ente?

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  6. Hihi..hatte schon wieder so viel vergessen. Jetzt hast du mich doch an einiges erinnert. Dank dir hält sich mein vorzeitiges Alzheimer in Grenzen :-)

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  7. Danke für die Erinnerung, ich habe alles gelesen, wenn auch nicht immer verstanden :-)

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  8. @Ellja, "tröge" Zusammenfassungen haben ja auch etwas, vielleicht schreibe ich mal eine...

    @Eline, *kicher*
    Ach deswegen hatte ich diese seltsame Assoziation zu akademischen Ersatz-Körperteilen. So macht das natürlich mehr Sinn. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil! Vokabeln falsch gelernt, sechs, setzen!

    @Bundköchin, da hab ich doch ganz brav mitgemacht. *bibber* Was willst Du denn noch von mir? Bin für Revolutionen immer zu haben! Mozzarella zu Pflugscharen!
    Und Dein Kommentar ist da, oder fehlt noch einer?

    @Isi, wie schonmal gesagt, dieser Blog ist MEINE Alzheimer-Vorsorge! ;) Selber vor sich hinalzheimern und dann hier einmal im Monat nachlesen gilt nicht!

    @lamiacucina, wieso? Ist doch alles ganz einfach! Aber wenn ich noch mal was erklären soll... ;)

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  9. Hallo liebe Tochter von Arthur,
    Freut uns sehr, dass die Wurstakademie die Blogentdeckung des Monats ist. :-)
    Wenn du wüsstest wie viele Personen sagten, ich sei verrückt nur über Würste zu bloggen, denn "was soll man denn da schreiben?". Aber Tatsache ich, dass ich ernsthaft für die nächsten 3+ Jahre genug Material habe, und das auch, wenn ich jeden Tag was schreiben würde, und fast jeden Tag kommt was dazu. Aber soviel Zeit hab ich leider nicht.

    Abgesehen davon, über was soll ich als Wurst schreiben, wenn nicht über Würste. Da bin ich einfach in meinem Element.

    Also dann, schönen Abend noch und wir sehen uns an der Wurstakademie, ok?!

    Beste Grüße aus Innsbruck,
    Prof. Wurst
    PS: Und schöne Grüße auch von meinem Assistenten Mario

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  10. Würstige Grüße zurück, auch an den Assistenten! Viel Spaß noch beim Verwursten und Lesen!
    lg
    Arthurs Tochter

    p. s. ohje, noch´n Österreicher! ;)

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  11. „Der Fotzhobel“ hi,hi,hi.......

    Sowas können sich nur Österreicher ausdenken!

    Martin "BerlinKitchen"

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  12. Hallo Arthur Tochter

    Oh ja, die Sprachen und den dazugehörigen Dialekte, das ist schon manchmal sehr schön, aber manchmal auch ganz schön verwirrend. Als ich vor vielen, vielen Jahren nach Köln umzog, habe ich auch so ein komisches Erlebnis mit einem Begriff gehabt.
    Ich bin mit Freunden aus Köln in eine Brauereischänke gegangen um etwas zu essen.

    In der Speisekarte gab es so einiges was ich nicht verstand. Und um mich vor den Freunden nicht zu blamieren habe ich etwas bestellt, wo ich mir sicher war, das kenne ich und kann nichts falsch machen. So bestellte ich mir einen „halven Hahn“.

    Als der Kellner dann mit dem Essen kam, stellte er mir einen Teller mit einem halben Rogenbrötchen mit Butter bestrichen hin. Darauf lagen zwei dicke Scheiben Gauda mit Senf, Gurke und Zwiebelringe.
    Ich sagte zum Kellner das dies wohl ein Fehler sei, ich hätte doch ein halbes Hähnchen bestellt. Das Gelächter war sehr groß und lang anhaltend. Wer soll denn auch wissen, dass es sich bei einem „halven Hahn“ um ein Käsebrötchen ging.

    Nun ja man lernt nie aus!

    Vielen Dank für die deinen Monatsrückblick und das du mich als Leser erwähnst.

    Viel Spaß noch und viele Grüße aus Barcelona

    Der Gastromacher
    Rico

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  13. @Martin, ja die Österreicher haben mich schon manches mal in ihren Blogs schmunzeln lassen.

    @Rico, der halve Hahn in Köln, das ist DER Klassiker zum Reinfallen. Ich weiß aber auch noch als ich das erstemal, gastronomisch noch völlig unbeschlagen, in den "Alten Wartesaal" zum "Blue Monday" gefahren bin. Da habe ich an der Theke ein Altbier bestellt.
    Ich hatte Glück, dass mein Rock an diesem Abend so kurz war und man mir verzieh ;) sonst wäre ich wohl geteert und gefedert aus der Stadt getragen worden.

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  14. @ Arthurs Tochter
    Was heißt denn da "p. s. ohje, noch´n Österreicher! ;)"? Abgesehen davon stimmt das ja gar nicht. Bin nämlich nur zur Hälfte Österreicher/Tiroler. Die andere Hälfte ist Deutscher/Berliner. Habe also von beiden die Vorteile in mir und fühl mich auch in Deutschland zu Hause. Das kann nicht jeder sagen!

    Und was heißt denn nun "Fotzhobel"? - ich hab echt keine Ahnung, ist nicht im meinem Wortschatz. Im Gegensatz zu "Puderzucker", aber auch da denke ich erst seit gestern, als ich das bei las, dass man das wirklich 2deutig sehen/verstehen/sich vorstellen kann... Ich glaube, meine Gedanken sind einfach zu brav. Ist vielleicht gut, dass ich nur Würstchen im Kopf habe. Aber auch da sagten mir schon einige, dass man das 2deutig sehen kann. Ich weiß echt nicht, wie sie das meinen. Naja, egal. :-D

    @Rico
    Bin ich froh, dass ich nicht der Einzige bin, dem das passiert ist. Mir sogar ganz offiziell online. Ich schrieb einen Artikel über Imbissbuden-Deutsch (hier nachzulesen: http://bit.ly/64QPCM ) und schrieb auch "Hähnchen". Bis mich nach einiger Zeit der Wurststudent Sven darauf aufmerksam machte, dass es sich bei "Hahn" um Käsebrötchen handelt. Tja, ist meine österreichische Hälfte voll drauf rein gefallen. :-)

    Beste Grüße,
    Prof. Wurst

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  15. sorry, falsch verlinkt. Eigentlich sollte die "Ente" auch direkt zum entsprechenden Post führen. Jetzt also hier. Und ich empfehle, die Kommentare auch zu lesen.
    lg
    vom Fotzhobel


    http://entegutallesgut.wordpress.com/2009/11/06/mistelbacher-blede-pleampln-de/

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  16. Danke für den Link. Ich habe mich köstlich amüsiert! :-)))

    Beste Grüße,
    Prof. Wurst

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  17. gell! Sag ich ja. Bei der Ente ist es immer köstlich. In jedem Sinne! Bei Eline lerne ich gepflegte Konversation, bei der Ente halt mehr die ... nee, das kann ich jetzt nicht so schreiben, ich hoffe ja, sie liest mit... ;))

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Danke für Deinen Kommentar, der schnell freigeschaltet wird, so er höflich und respektvoll ist und nicht anonym abgegeben wurde. Mein Blog ist kein Diskussionsforum für anonyme Netz-Misanthropen, sondern ein Geschenk an meine Leserinnen und Leser.

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