Mary Maloney und die Lammkeule [Literaturkochen]

Nach meinem ersten Literaturkochen mit Tom Ripley bekam ich viele Tipps für weitere Beiträge, über die ich mich  sehr gefreut habe. Aber eine Geschichte kam mir da schon in den Sinn. Gelesen habe ich sie vor einigen Jahren das erste Mal, mein Buchkauf datiert auf den 19.01.1988. Wenige (Kurz-)Geschichten haben sich so eingebrannt wie diese, vom gleichen Autor noch die vom  Feuerzeug, dessen Entzünden (oder nicht) diverse Finger kostet, die vom Jungen, der sich in der Geschichte "Schwein" verwursten lässt und die Story der armen Mary Maloney: schwanger, liebevoll, hausmütterlich und schändlichst  betrogen und verlassen.

Nicht umsonst heißt es, man könne einen Menschen mit Saucen genauso unter die Erde bringen, wie mit Strychnin, nur dauere es mit den Saucen länger. Manchmal hat frau dafür keine Zeit. Vor allem im Affekt gestaltet sich die Sache mit den Saucen kompliziert. Wenn es also mal schneller gehen muss...
"Und er sagte ihr alles. Es dauerte nicht lange, höchstens vier oder fünf Minuten. Sie hörte ihm zu, stumm,  wie betäubt, von ungläubigem Entsetzen erfüllt, während er sich mit jedem Wort weiter von ihr entfernte. ... 'Natürlich werde ich Dir Geld geben und dafür sorgen, dass du alles hast, was du brauchst. Aber ich möchte jedes Aufsehen vermeiden. Ist ja auch nicht nötig. Ich muß schließlich an meine Stellung denken, nicht wahr?'
... 'Ich werde das Essen machen', flüsterte sie und diesmal hielt er sie nicht zurück. Als sie das Zimmer verließ, fühlte sie nicht, dass ihre Füße den Boden berührten. Sie fühlte überhaupt nichts - bis auf ein leichtes Schwindelgefühl und einen Brechreiz. Alles lief jetzt automatisch ab. Die Kellertreppe, der Lichtschalter, die Tiefkühltruhe, die Hand, die in der Truhe den ersten besten Gegenstand ergriff. Sie nahm ihn heraus und betrachtete ihn. Er war in Papier gewickelt... Eine Lammkeule. Nun gut, dann würde es Lamm zum Abendessen geben. ... 
Dass Patrick Maloney an diesem Abend die Lammkeule nicht genießen konnte, läßt sich denken. Ein Schlag auf den Hinterkopf, ausgeführt wie mit einer eisernen Keule beendete jäh sein jämmerliches Fremdgängerleben. Wie  dann Mary Maloney mit Unterstützung der Polizei die Tatwaffe verschwinden lässt - das ist eine feine Geschichte, die hier ab Seite 19 im Kapitel "Lammkeule"  nachgelesen werden kann:
Roald Dahl
...und noch ein Küßchen!
Weitere ungewöhnliche Geschichten
erschienen im Rohwolt-Verlag, 1986.
1988 hat es ganze DM 5,80 gekostet


Als Tatwaffe wäre der ausgelöste Knochen in meinem Falle etwas mickrig gewesen...

Bei Mary Maloney gab es zum Lamm Kartoffeln und Erbsen, bei mir wurde  mit folgenden Zutaten gekocht:
Dazu gab es eine Portion Liebe und ein Kartoffelgratin. Was will Mann mehr?
Am Wochenende war die Keule eine Schulter, die von innen mit feingehacktem Rosmarin, Pfeffer, Salz, Piment d´Espelette und Rheinhessischen Weintrauben gefüllt und dann zusammengebunden wurde. Angebraten in Olivenöl kam sie mit den kleingehackten Knochen, Wurzelgemüse, viel Knoblauch, Weintrauben und einer Flasche Weißwein aufgegossen 3,5 Stunden bei 80° C abgedeckt  in den Ofen. Vorher habe ich auf die angebratene Keule noch einen Esslöffel Waldhonig gegeben. 50 Minuten verbrachte sie im Anschluß  auf winziger Flamme auf dem Herd, da ich den Ofen für das Kartoffelgratin brauchte.
  • 1 kg vorwiegend festkochende Kartoffeln
  •  1/2 l Milch
  • Butter 
  • 200 g Sahne
  • Salz, Pfeffer, Muskat
  • Knoblauch
Die geschälten Kartoffeln in ca. 3 mm dicke Scheiben schneiden. Diese in gesalzener und gepfefferter Milch kurz aufkochen. Eine Form mit Knoblauch ausreiben und buttern, die Kartoffelscheiben dachziegelartig hineinschichten. Jede einzelne Schicht sehr kräftig salzen und pfeffern, etwas Muskat darüber reiben.

Zum Schluß die Sahne angießen, mit Butterflöckchen bestreuen und für ca. 50 Minuten bei 180° C in den Ofen schieben. Dieses Gratin gelingt auch mit 120° C, wenn die Garzeit entsprechend verlängert wird. Für die gehaltvollere Variante kann man geriebenen Gruyère zwischen die einzelnen Schichten geben, das schmeckt himmlisch, war mir für dieses Gericht aber zu mächtig. Dann empfielt es sich, nicht mehr als 3 Schichten zu machen. 
Die Sauce zum Lamm:
 Den Bratenfond durch ein feines Sieb geben und mit Küchenkrepp entfetten. Sämig einreduzieren lassen.
200 g Weintrauben halbieren und in einem Schmortopf in Olivenöl leicht angehen lassen, mit Mehl abstäuben, mit einem Schuß Waldbeeren-Balsamico ablöschen und mit dem reduzierten Fond aufgießen.

Die Bohnen habe ich wie zu meinem Coq au Kirsch
zubereitet, nur dass diesmal natürlich Knoblauch daran durfte.

P. hat das letzte Wochenende an meiner Seite überlebt, aber ich bekomme von ihm ja auch nur Nettes zu hören ;) Vielleicht sollte er auf der Hut sein, wenn ich Wildschweinkeule einfriere.

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Arthurs Tochter

Kommentare :

  1. HiHi, britische Lammkeulen sind von anderem Kaliber als unsere, oft sogar als Mutton fast erwachsene Schafe, und als Mordwaffen durchaus geeignet. Danke, dass du diese Geschichte wieder in Erinnerung gebracht hast.

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  2. Mit einer großen Portion "LIEBE" klappt es eben immer :-)

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  3. Lustig... Das Buch hatte ich schon völlig vergessen... Da braucht es wohl einen rechten Hammel um eine Tat auszuführen -lach...

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  4. Das Buch fand ich auch genial. Habe ich aus dem Regal meiner Mama damals geklaut. Ich habe jetzt doch ganz schön Hunger bekommen. Das liegt hauptsächlich am Kartoffelgratin, dafür könnte ich im Moment morden.

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  5. Die Geschichte ist wirklich toll. Sie hat sogar ihren Platz in ein paar Schulbüchern gefunden... Ein bisschen schmökern und dazu dieses Lammgericht, was will man mehr?

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  6. Wie witzig. Die Küsschen-Geschichten von Dahl gehören zu denen, die ich schon immer mal lesen wollte,aber irgendwie kam immer erst ein anderes Buch :-) Hätte ich es mal besser getan... Lammkeule könnte ich auch mal wieder machen. A. würde es mir danken, er liebt das nämlich.

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  7. Ich liebe solche "Mordsgeschichten". Ich hatte unlängst eine Lammkeule von der schwäbischen Alb. Gottseidank hat sich der Herr des Hauses anständig verhalten, wer weiß, was sonst passiert wäre ;)
    In das Kartoffelgratin könnte ich mich glatt hineinlegen und Lamm mag ich sowieso!!!

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  8. makabre Geschichten, das mag ich :-), und Lamm und Gratin..mhhhh..sowieso

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  9. @Eline, für P.s Dickschädel bräuchte ich eh ´ne ordentliche Hammelkeule ;)

    @Hannes, mit Liebe geht immer alles!

    Cherry Blossom, ja Hammel braucht man im Rheinhessischen wohl ;), Dieses Buch steht wohl in fast jedem Regal unter "V" wie Vergessene Bücher.

    @Buntköchin, ja so ein Gratin, da bekommt man eine Mordslust ;)

    A. C. , das mit den Schulbüchern wusste ich gar nicht. Lustig. Schon in der Grundschule? ;)

    @Isi, lies es mal, es lohnt sich wirklich und es sind ja immer nur kleine portionsweise Geschichtchen.

    @Linda, in Zukunft müssen unsere Männer gut aufpassen, glaube ich. Nicht dass ich hier noch jemanden auf dumme Gedanken bringe!

    @Ellja, makaber mag ich auch! Es gibt in dem Buch auch eine schöne mörderische Geschichte über verschiedene Weine und Chateâus, da könnte ich ja glatt mal die Rubrik "Literaturtrinken" einführen. Naja, wenn ich mal sonst nix mehr zu tun habe... *gg*

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  10. Was für ein Fest! Da verzeiht man auch die Flurschäden, die die Lammkeule angerichtet hat ;)
    Gab es da nicht auch mal eine ganz makabre Geschichte über ein Feinschmeckerrestaurant von Roald Dahl? Die ist mal mit Klaus Schwarzkopf verfilmt worden, glaube ich. Da ging es um ein Gourmetlokal, wo man erst nach Jahren als Stammgast auch mal in die Küche durfte und dann auch prompt nicht mehr von dort zurückkehrte...

    Grüße!
    Martin

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  11. @Martin, hihi! Die Geschichte kenne ich glaub´ ich. Irgendwo klingelt da was bei mir im Kopf. Die Verfilmung habe ich nicht gesehen. Klingt alles sehr schaurig!

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Danke für Deinen Kommentar, der schnell freigeschaltet wird, so er höflich und respektvoll ist und nicht anonym abgegeben wurde. Mein Blog ist kein Diskussionsforum für anonyme Netz-Misanthropen, sondern ein Geschenk an meine Leserinnen und Leser.

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