An now to something complete different...



Heute soll es hier mal wieder weniger schwermütig zugehen...
Und als ich dann heute morgen im Radio gehört habe, dass John Cleese ein kleines neues Bühnenprogramm hat, mit dem Namen:
"A Ludicrous Evening with John Cleese... or How to Finance Your Divorce", weil seine Frau umgerechnet 13,6 Millionen € von ihm bekommt, dachte ich, da ist der alte feine Monty Python-running gag doch genau die richtige Überleitung.

Wie schon kurz erwähnt war am Wochenende Arthur zu Besuch, samt meiner Lieblingstante im Schlepptau. Und ich weiß ja nicht, wie Väter das immer noch schaffen, dass man als Tochter "spurt". Selbst fast im omafähigen Alter macht man dann immer noch das, was einem gesagt wird. Besser gesagt, man macht es nicht. Nämlich sich Mühe. "Wir kommen nur, wenn Du Dir keine Mühe machst, Kind!" (O-Ton!) Wer Arthur kennt, der weiß, das meint er ernst und wenn man sich widersetzt, kommt er lange nicht wieder. Die folgsame Tochter überlegt also: Was macht keine Mühe? Ziemlich subjektive Geschichte das Ganze... Aber so ein Stück Schmorfleisch,das sich von ganz alleine macht, dagegen kann ja keiner was sagen. Also werden 2 kg Kalbsbrust gekauft, Kräuterseitlinge für die Sauce und Brötchen für die geplanten Semmelknödel. Oder fallen Knödel schon wieder unter "Arbeit machen"? Ich befüchte das Schlimmste und schwenke um auf Kartoffeln.

Freitagabend wird die Kalbsbrust in Stücke geschnitten, angebraten und mit Wurzelgemüse 4 Stunden bei 100°C in Weißwein geschmort.
hhhmmmm, das hat geduftet.
Nebenher saßen wir mit einer lieben Freundin in der Küche und haben einen italienischen Abend veranstaltet mit Trüffelravioli, leckerem Käse, Lardo, Parma, Mortadella etc...
Die Kalbsbrust durfte sich dann über Nacht ausruhen, so gegen 12.00 wollten die Gäste kommen.
Aber dann- ich habe das größte Fett abgefieselt und bekam Angst. Erstens vielleicht doch viel zu durchwachsen (das muss man ja mögen) und außerdem, was ist denn wohl aus den 2 kg geworden, da blieb ja gar nichts über!
Panik! Hätte ich mir doch bloß mal so richtig Arbeit gemacht, sowas passiert, wenn man gegen seinen Willen und so...
Also musste P. ganz schnell etwas Hühnchen besorgen, das geht  kurz und schnell gebraten, leckerer Geflügelfond ist ja immer im Haus, dazu die Kräuterseitlinge fein in Butter gebraten und dann... Was jetzt dazu? Mittlerweile war natürlich Arthur schon eingetroffen und und betonte gleich, dass ich doch bloß einen Eintopf hätte machen sollen. Nee is´ klar, so ein Eintopf macht ja gar keine Arbeit! Wenn ich an die ganze Gemüseschnippelei denke, also wirklich...da hätte ich doch lieber eine schöne Daube oder doch was Kleines in 3 Gängen oder so... Interessanterweise bringt er mir eine wunderbares Stück Damwild mit, damit ich mir dann mal wieder Arbeit machen kann, wenn er nicht da ist. Tssss....

Trotz ist eigentlich nicht eine meiner vorherrschenden Eigenschaften, aber wer es einfach will, bitte: Es wurde ein großer Topf Nudeln dazu gekocht und alles kam in einer Riesenschüssel zusammen auf den Tisch. Klar, die Nudeln waren viel zu lang, die bricht Arthur mindestens einmal, die Tante sogar zweimal vor dem Kochen durch, aber geschmeckt hat es Ihnen und uns dann doch.

Nur ein winzigkleines Dessert, das konnte ich mir nicht verkneifen. Eine kleine Schokoladenmousse mit einem Mandarinen-Campari-Sorbet und ein bisschen Bizzel, das musste sein und am Ende wurde mir dafür auch die Absolution erteilt. Es war zu lecker, um zu schimpfen... ;)
Das beste war aber eigentlich, dass wir am nächsten Tag diese leckere Kalbsbrust ganz für uns alleine hatten - sorry, Paps ;)
Und es war so viel, dass wir dann zu dritt noch 2 Tage davon gegessen haben. Da kann man mal wieder sehen, wie nervös selbst die coolste Köchin wird, wenn Vater und Tante kommen!
Ich freue mich jetzt schon tierisch auf die Zeit, wenn unsere Tochter ausgezogen ist, wir sie besuchen fahren und zum Beben bringen können, indem wir vorher sagen:
"Aber bitte mach Dir keine Mühe! Nur etwas ganz Einfaches!"

Rezept für die Mousse au Chocolat von Wolfram Siebeck:
Für mich die Beste, ich habe noch keine gegessen, die mir besser geschmeckt hätte.
  • 300 g Schokolade (ich nehme immer hälftig 70 und 85 %)
  • 600 g Sahne
  • 2 Eier
  • 6 Eigelb
  • 140 g Zucker
  • 1 EL Espressopuver zum Aufgießen
  • 3 EL Cognac (aktuell durch Osborne ersetzt, war auch lecker)
Die Schokolade in Stücke gebrochen in einem schweren Topf auf schwacher Hitze zum Schmelzen bringen.
Die Sahne steif schlagen und kühl stellen.
Im Wasserbad die Eigelb, die Eier und den Zucker zu einer cremigen, schaumigen Masse rühren.
Ich habe dafür erstmalig die Schlagscheibe des ESGE benutzt und war mit dem Ergebnis sehr zufrieden.
Den Espressokaffe im Cognac auflösen und in die Eicreme geben, die flüssige Schokolade dazugießen und etwas abkühlen lassen. Die Sahne unterziehen und im Kühlschrank fest werden lassen.
Lecker dazu ist, Orangengelee flüssig zu erwärmen und dann kalte Buterstückchen einzuschlagen.
Ich habe ein Sorbet gemacht aus 5 Mandarinen, Läuterzucker aus 40 g Zucker und Wasser und einem guten Schuß Campari. Dazu hatte ich kein Rezept, es war eine Inspiration, ausgelöst durch die leckeren Mandarinen beim Gemüsehändler. Der Campari hat dem Sorbet eine leichte bittere Note gegeben, die perfekt zur Süße der Mousse war. Die Kombi mache ich sicher öfter.

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Arthurs Tochter

Kommentare :

  1. Die Kalbsbrust hätte mir gefallen. Wenn meine Mutter oder meine Schwiegermutter kommen, sagen die auch immer, mach dir nicht so viel Arbeit, Jung. Aber die beiden meinen immer ganau das Gegenteil...

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  2. Hast Du es gut, Claus! Mein Vater meint immer genau, was er sagt! ;)

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  3. Ich lieeeebe Mousse auch Chocolat! Hab mich allerdings noch nie selbst dran gewagt....

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  4. Die Kalbsbrust hätte mir auch geschmeckt und auf das Mousse hätte ich nicht verzichtet. Schade, dass mein Sohn zu klein ist, um mich zum Essen einzuladen. Da gäbe es immer nur Pfannkuchen, das Einzige, was er bisher kochen kann.

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  5. Unglaublich, dass John Cleese heute schon seinen 70. Geburtstag feiert! Als Zoodirektor Rollo in "Wilde Kreaturen" und als Hoteldirektor in der SitCom Fawlty Towers liebe ich ihn besonders. Ich habe manche seiner Originaldrehbücher gelesen, da ist man hin und weg!

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  6. ja Eline, er ist zum Wegschmeißen komisch. Fawlty Towers finde ich zum Brüllen, meine Lieblingsfolge ist natürlich die, in der Brian Ferry zu Gast ist... *schmelz*

    Um die Originaldrehbücher zu lesen, dafür ist mein Englisch sicher nicht gut genug, das ist bestimmt ein Heidenspaß! Ich sehe die Monty Python Sachen eigentlich am liebsten im Original mit UT, dann kann ich zur Not schnell lesen, was ich gerade nicht verstehe...

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  7. Aber Du gibst Dir doch immer Mühe mit Deinem Essen, also ist es gar nichts Besonderes ;) Kennt Dein Vater Dein Internet-Ich?

    Grüße!
    Martin

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  8. als unsere Eltern noch lebten, haben wir einfach immer auf altbewährte Rezepte gegriffen. Nur nichts neues ausprobieren. Das erspart stress.

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  9. Du hast Recht Robert, das nächste mal mache ich vor allem, was ICH will!

    Martin, ja er kennt mein internet-ich, liest jeden Post und ist zur Zeit verstimmt, dass er nicht von der Kalbsbrust abbekommen hat..., seufz...

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  10. *Kicher* erinnert mich an mich, wenn meine Schwiegereltern kommen. Da steh ich auch gerade wie eine Eins! Am allerschönsten ist es, wenn mein Onkel und meine Tante kommen. Die sagen, sie haben keine größere Freude, wenn ich ihnen mal wieder ein schönes Menü koche. Ist das nicht schön?

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  11. Super tolles Rezept, ich bin begeistert und mache das auf jeden Fall nach, werde aber auch keinen Cognac nehmen. Schöner Bericht und John Cleese ist eh klasse! Jetzt warte ich mal darauf, dass es endlich Semmelknödel gibt, das würde mich doch sehr interessen. :)

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  12. Ich hätte zuerst das Hühnchen, dann die Kalbsbrust und anschließend die Mousse gegessen und dann hätte ich einen Schnaps gebraucht.

    Mir hat John Cleese in "Clockwise - Recht so, Mr. Stimpson" gefallen. Er spielt da einen überkorrekten Schulleiter, dessen Leben völlig aus der Bahn gerät, nur weil er in den falschen Zug einsteigt.

    Ich zitiere mal die Stuttgarter Zeitung von gestern: "Nein, es kann nicht sein, dass Cleese heute siebzig Jahre alt wird: er ist erhaben zeitlos, der Chronist des verfallenden Bürgertums, der Thomas Mann der toten Papageien.

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  13. Linda, lustig, dass Du gerade diesen Film erwähnst. Wir haben ihn uns vor 2 Wochen nochmal angesehen, und fanden ihn nicht mehr so komisch wie noch vor Jahren. Die Dämlichkeit steht in diesem Werk schon ein bisschen mehr im Vordergrund, als der subversive Humor. Oder wir hatten nur einen unlustigen Tag, kann ja auch sein. ;)

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  14. Wie schön, wenn Du auf alte Posts verlinkst und mir damit den Weg in Dein Archiv nahelegst. Sowas von schön geschrieben ist das! (Womit ich nichts gegen den Inhalt sagen will. :-))

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  15. Liebe Afra, ich freue mich immer wie Bolle, wenn jemand auf ältere Posts stößt!
    Manchmal freue ich mich sogar über mich selbst. *gg*

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Danke für Deinen Kommentar, der schnell freigeschaltet wird, so er höflich und respektvoll ist und nicht anonym abgegeben wurde. Mein Blog ist kein Diskussionsforum für anonyme Netz-Misanthropen, sondern ein Geschenk an meine Leserinnen und Leser.

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