Ein Leben für ein Leben. Adam Hundesohn



Es gibt Dinge, die fügen sich auf das Wundersamste zusammen. Durch meinen letzten Post vom "jiddischen Schwein"  und den daraus resultierenden Fragen und Kommentaren habe ich in den letzten Tagen eine kleine gedankliche Reise in die Vergangenheit gemacht. In meine eigene - Arthur kam seine Tochter besuchen und brachte die Lieblingstante aus Kindertagen mit - und in die  vieler unbekannter anderer Menschen.
Eine Reise in die Geschichte des jüdischen Volkes. Und der Frage nach der kollektiven Schuld. Und gibt es vielleicht ein kollektives Gedächtnis? Erinnert sich ein ganzes Volk gleich? Wie gehen kollektive Opfer mit ihrer Erinnerung um und wie die Täter mit ihrer kollektiven Schuld? Schwierige Fragen und interessante Antworten erhalte ich, wenn ich dieses Thema mit meiner 18jährigen Tochter bespreche.

Und als würde der Körper sich dem nachdenklichen Bedrücktsein anschließen wollen, macht er schlapp. Der Hals kratzt, Augen brennen, Ohren schmerzen. Ein paar Tage der Ruhe sollte ich mir gönnen - das sagt er mir deutlich. Zum Lesen zu faul fahre ich in die Videothek um mir vorsorgliche Ablenkung an das Krankenlager der nächsten Tage zu holen.Lustig soll es werden oder mörderisch spannend, so dass alles drumherum vergessen werden kann. Aber es kommt anders - wie an einem unsichtbaren Faden gezogen steuere ich auf ein Regal zu.  Dort steht der Film "Ein Leben für ein Leben." "Die Geschichte eines Mannes, der einst ein Hund war und auf einen Hund trifft, der einst ein Junge war", so fasste einmal Barbet Schroder das der Verfilmung zugrunde liegende Buch von Yoram Kaniuk zusammen.

Der Inhalt:
Adam Klein, berühmter und erfolgreicher Zauberer und Varietékünstler im Berlin der 20er Jahre rettet durch seine Komik einen Mann im Publikum, der für diesen Abend seinen Selbstmord beschlossen hatte. Jahre später, Machtergreifung der Nazis, der von Klein gerettete traurige Mann ist mittlerweile Lagerkommandant des Konzentrationslagers, in das Adam Klein mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern interniert wird. Der Kommandant erkennt ihn und bietet ihm ein Leben für ein Leben -  zu einem hohen menschenverachtenden Preis. Er läßt ihn am Leben aber nur, wenn er an der Seite seines Hundes das Leben eines Hundes führt.
Hinaus darf er einmal, um den Zug in die Gaskammern mit seiner Geige zu begleiten. Dort nimmt er verzweifelten Abschied von seiner Frau und einer seiner Töchter.
So überlebt er körperlich den Holocaust. Der Zuschauer lernt Adam Klein in den 60er Jahren kennen als Patient eines Sanatoriums für Traumageschädigte in der israelischen Wüste. Dort unterhält er voller Traurigkeit die  Bewohner, allesamt Überlebende der Konzentrationslager, und pflegt eine animalische Beziehung zu einer der Krankenschwestern, die sich ihm in ritualisierten Beischläfen in der Hundestellung hingibt. Eines Tages wird dort ein Junge eingeliefert, der wie ein Hund gehalten wurde, an der Kette lebt und auf allen vieren läuft. Wie diese zwei Menschen sich buchstäblich aneinander aufrichten und  gegenseitig in das Leben zurückholen ist verzweifelt schön anzusehen, auf eine  selten berührende Art.

Für die verstörend surrealistischen Bilder sorgt der deutsche Kameramann Sebastian Edschmid, die Musik stammt von Gabriel Yared, den viele als Komponisten von "Das Leben der Anderen kennen". Das Besondere: Der Film ist die erste deutsch-israelische Produktion eines Holocaust-Stoffes.Neben den Hollywoodstars Jeff Goldblum als Adam Stein in der Rolle seines Lebens und William Dafoe als Lagerkommandant spielen in kleinen Rollen Joachim Król, Moritz Bleibtreu und Veronica Ferres.

Unbedingt ansehen!

Rezension von Spiegel-Online

SKIP-Das Kinomagazin



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Arthurs Tochter

Kommentare :

  1. In Österreich bin ich aufgewachsen und dort zur Schule gegangen. Ich ärgere mich unheimlich das dieser Teil der Geschichte bei uns im Unterricht total verdrängt wurde. So habe ich erst in Deutschland richtig erkannt was alles, vor allem auch in Österreich passierte. In dieser Sache schäme ich mich für mein Heimatland! Schrecklich erniedrigend und grausam was vorgefallen ist. Nur Aufklärung und das NICHT VERGESSEN verhindert solche Wiederholung meine ich!
    Für meine Person gesprochen schätze ich die jüdische Bevölkerung sehr!

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  2. Danke für den Filmtip, werde ich mir ansehen!
    Jeff Goldblum mag ich sehr, man sieht ihn leider zu selten ....

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  3. Was für ein verstörender Film. Vielen Dank, dass du darüber erzählst, ich kannte ihn nicht. Geht es dir wieder besser?

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  4. @Hannes,im Unterricht wird bis heute eigentlich zu wenig darüber gesprochen, dass habe ich aktuell bei unserer Tochter erlebt. Aber die Kiddies von heute wollen das auch oft gar nicht, auch das erlebe ich immer wieder. Für diese Generation ist es einfach zu weit weg und es gibt kaum noch "Täterfamilien", was ja gut ist. Schwieriges Thema...

    @Eline, ja, Jeff Goldblum sieht man viiiiel zu selten. Ich finde ihn ganz großartig als Seth Brundle in "Die Fliege" und als schmieriger Typ in "Silverado", einer meiner Lieblingswestern. Aber in diesem Film spielt er beeindruckend tragisch die Rolle seines Lebens. (imho, wohlgemerkt)

    Und er singt und spielt Klavier! Schaut mal Hier
    oder Hier
    und Und hier auch

    @Isi, dankeschön, ja es muss besser gehen, habe heute einen wichtigen Termin...
    Ich fand es auch komisch, den Film nicht zu kennen, die Berichterstattung ist irgendwie völlig an mir vorbeigegangen. Ich werde wohl demnächst auch mal das Buch dazu lesen.

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  5. Ja, Jeff Goldblum finde ich auch toll. Ich sehe ihn auch sehr gerne. Ich weiß nicht, ob ich den Film schaffe, da mir Filme sehr oft sehr lange nachgehen und ich manchmal sogar Probleme habe, sie zu verarbeiten. Kennst du zufällig "21 Gramm" von Inárritu? Der Film beschäftigt mich heute noch, nach Jahren... Ich kann manche Szenen einfach nicht vergessen.

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  6. ja Isi, das kenne ich sehr gut. Ist wie mit schlechten Träumen, die den ganzen Tag noch nachhängen können. 21 Gramm habe ich als DVD zuhause, habe ihn vor Jahren einmal gesehen und dann hat er mich auch mit einer solchen Wucht erfasst, dass ich ihn mir bisher nicht noch einmal angeschaut habe.
    Die letzten Filme, die mich sehr beeindruckt haben waren "Gran Torino" und "Das Leben der Anderen".
    Vielleicht sollten wir mal einen Film-Blog-Event starten...

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  7. Ich könnte ihn mir nicht nochmal ansehen. "Das Leben der Anderen" fand ich auch sehr gut und auch bedrückend, aber zum Glück bei weitem nicht so "schlimm" wie "21 Gramm". Film Blog-Event wäre eine gute Idee, da könnten wir mal weiter überlegen. Ich kann Dir ja mal ne KM im CK schicken.

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  8. Gerne Isi, ich freu mich. Entweder über den CK oder an die mailadresse im Profil.

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Danke für Deinen Kommentar, der schnell freigeschaltet wird, so er höflich und respektvoll ist und nicht anonym abgegeben wurde. Mein Blog ist kein Diskussionsforum für anonyme Netz-Misanthropen, sondern ein Geschenk an meine Leserinnen und Leser.

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