Die Pute, das jiddische Schwein [Literaturkochen]

Das ist heute nicht wirklich ein Beitrag für meine neu geschaffene Rubrik "Literaturkochen", denn, um der Wahrheit die Ehre zu geben - das Essen hatte ich schon gekocht, bevor ich dann die Assoziation zum Gelesenen hatte...aber ich will es Euch natürlich nicht vorenthalten...

Als protestantisch getauft, adventistisch geprägt und bis heute buddhistisch interessiert hatte ich schon früh eine besondere Affinität zum jüdischen Glauben. Zwingend, oder? ;) Ich gehöre zu dem Personenkreis, der die Bibel von der ersten bis zur letzten Seite durchgelesen hat und noch heute jedem Millionärskandidaten in dieser Kategorie als Telefonjoker dienen kann. Dann fiel mir irgendwann ein Buch über die Kabbala in die Hände und es war um mich geschehen. Dies in der Kombination mit dem Buch "Der Medicus" von Noah Gordon und seinem weniger bekannten Vorgänger "Der Diamant des Salomon" legten das Fundament für ein Interesse, das bis heute nicht nachlässt und mich von der gemeinen Belletristik über anspruchsvollere Literatur ("Die Romanleserin") in die ernstzunehmende Recherche geführt hat. Natürlich gehören dazu die interessanten Speisevorschriften des jüdischen Volkes und in meinen adventistischen Teenagerjahren habe ich nicht nur den Verzicht auf Schweinefleisch und alles, was keine gespaltenen Hufe sowie nicht mindestens 7 Mägen hat, kennengelernt sondern war samstags (am Sabbat!) auch noch vom Schulunterricht befreit. So macht man sich mit 13 Jahren keine Freunde!

Ganz besonders aber hat es mir der jüdische Humor angetan. Und natürlich liebe ich Kishon und die "beste Ehefrau von allen", sowie seinen allerbesten Freund Jossele, der ihn regelmäßig beim jüdischen Poker abzieht. Übrigens eine viel spannendere Variante als "Texas hold em"!

Meine erste Begegnung mit jiddischem Humor in Schriftform hatte ich mit dem Buch "Der Flüsterwitz im 3. Reich" ("Heil Hitler!" "Heil Du ihn!"), dann kam viel von Kishon. In Filmform "Zug des Lebens", der im Hype um "Das Leben ist schön" leider untergegangen ist. Dabei zeigt er imho mehr subversiven jiddischen Humor und diesen unglaublichen Überlebenswillen, durchgesetzt mit scheinbar stoischem Gleichmut als der Film von Roberto Benigni. Legitimer Vertreter des modernen jüdischen Humors ist für mich Oliver Polak, ein junger Kabarettist, der mit viel Chuzpe und Witz vom Leben als jüdischer junger Mann in Deutschland berichtet. Dabei ist ihm dieser bittere jüdische Humor zu eigen, den man nur als Angehöriger eines Volkes erhält, welches durch die Jahrtausende verfolgt, ermordet, gequält wurde und gleichzeit als von Gott persönlich auserwählt gilt. Damit muss man erst mal fertig werden. Das schafft Oliver Polak mit Bravour und sorgt dafür, dass dem Leser oder Zuhörer das Lachen regelmäßig im Halse steckenbleibt. Wie Bernd Stelter sagte: "Oliver Polak ist saukomisch, kackfrech und trotzdem lesenswert." Oliver Polak meint dazu: "Ich vergesse die Sache mit dem Holocaust - und Sie verzeihen uns Michel Friedman."


In seinem Buch "Ich darf das, ich bin Jude" erklärt er uns das Leben als Jude in einer christlich orientierten Welt. Auf Seite 162 wird geklärt, warum alle jüdischen Männer beschnitten sind. "Weil eine jüdische Frau nichts anfasst, was nicht um mindestens 20 Prozent reduziert wurde." Und eine andere Episode bringt mich zu meinem heutigen Gericht. Oliver Polak beschreibt, wie er vor der Fleischtheke immer auf die Pute zeigt und ihn der Metzger stets darauf hinweist, dies sei aber Schwein, keine Pute: "Christen sind schon ein komisches Völkchen. Mir doch egal, wie er seine Pute nennt."

בתיאבון - bete'awon!


ordentlich flüssige Rosmarinbutter unter die Haut gepinselt, kam sie bei 180°C in den Ofen, bis die Kerntemperatur von knapp 75°C erreicht war. Dabei habe ich sie ein paarmal mit dem Geflügelfond aus den Suppenhühnern von Daniel begossen und sie ansonsten friedlich schmoren lassen.

Das Fleisch war wunderbar zart und saftig, dazu gab es ein paar Rosmarinkartoffeln und ein "lecker Sößchen" aus dem oben erwähnten Geflügelfond.


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Arthurs Tochter

Kommentare :

  1. HiHi, den juedisches Schwein- Witz kenn ich vom Wiener Oberrabbiner Chaim Eisenberg erzaehlt, nur ist bei ihm die Pute ein Fisch ;-))

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  2. was wir essen und was nicht und warum (nicht) finde ich auch ein sehr spannendes Thema. Wenn du mit diversen Speisegesetzen und Vorschriften groß geworden bist - isst du denn heute auch das, was danach verboten wäre?

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  3. toll sieht er aus, dein Schweineschinken :-)

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  4. Einfach wundervoll gebraten, was will Jude mehr? :-)

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  5. OT: "Zug des Lebens" ist wirklich ein toller Film.

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  6. HiHi, bei dir AT lernt man nie aus :-) Uuunnnd... es schau wie immer lecker aus.

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  7. Das Putenschwein sieht lecker aus. Ist vielleicht sogar auch verboten? Könnte man als Sünde auslegen. Habe die Bibel und ähnliches aber nicht in meinem Repertoire. Damit bin ich schonmal frei von Sünde, logischer Theorie entsprechend.

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  8. wundervoller Beitrag! Über das jüdische Leben, ihre Religion, ihre Kultur habe ich viel von unserem NewYorker Freund gelernt, der Führungen durch das jüdische Brooklyn gibt.Ich fand das damals ungemein fesselnd. Und ich finde, genau wie Du, dass es dieser Humor ist, den sich ein Volk behalten (oder schaffen?)konnte, obwohl die Geschichte ihnen so viel abverlangte. Zug des Lebens ist ein herrlicher Film, er drückt sehr viel davon aus, wie stark dieses Volk war/ist und hoffentlich immer sein wird.

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  9. @Eline - ich liebe Witze von und über Rabbiner! ;)

    @Petra - ja das Thema ist spannend bis heute und aufgrund unserer multikulturellen Gesellschaft aktueller denn je. Von den Speisevorschriften, mit denen ich groß geworden bin habe ich mir eines behalten - ich essen keinen Aal (kein Fisch ohne Schuppen!), ich esse FAST kein Schweinefleisch, nach vielen Jahren der Enthaltsamkeit in dieser Richtung mache ich manchmal dieses Rezpept und im Sommer esse ich manchmal auf Grillparties diese eingelegten Schwenksteaks, aber das rächt sich - aufgrund einer schlimmen Gelenkerkrankung bekomme ich dann schnell Probleme nach dem (übermäßigen) Genuß von Schweinefleisch. Also behalte ich mir das für 1 - maximal 2 x im Jahr vor. Hase mag ich bis heute nicht, schon vom Geruch wird mir übel, Kaninchen "kann" ich nicht essen, seit ich als 5jährige meinen ersten "Schnuffi" bekam. Meine Eltern haben früher, als es kaum Alternativen zu Wurst vom Rind gab, einmal im Monat bei adventistischen Freunden, die eine Wurstfabrik hatten, bestellt. Da kamen dann eingeschweißte Pakete mit Köstlichkeiten, die ein Vermögen gekostet haben.
    "Gesetz" waren folgende Speisevorschriften:
    "Dies aber sind die Tiere, die ihr essen dürft: Rind, Schaf, Ziege, Hirsch, Reh, Damhirsch, Steinbock, Gemse, Auerochs und Antilope" 5. Mose, 14.4 - 5

    "Diese Tiere aber sollt ihr nicht essen unter denen, die nur wiederkäuen oder nur gespaltene Klauen haben: DAs Kamel, den Hasen und den Klippdachs... Das Schwein, das zwar durchgespaltehne Klauen hat, aber nicht wiederkäut, soll euch darum unrein sein.Ihr Fleisch sollt ihr nicht essen, und ihr Aas sollt ihr nicht anrühren." 5. Mose, 14.7 - 8.
    Die Adventisten richten sich in ihren Speisevorschriften an der Bibel aus, diese decken sich sehr mit den jüdischen Vorschriften. Ich widersetze mich bei der Jakobsmuschel, das Verbot für die anderen nehme ich gerne in Kauf und ich erleide ewige Verdammnis, da ich nicht von Krabben und Hummer lassen kann. Aber das ist wirklich ein so weites Feld, dass es einen eigenen Post verdient.

    @Alle - ich muss nochmal unterstreichen - was ich geschmort habe, war natürlich keine Schweinshaxl, sondern wirklich eine Putenkeule! :))
    Einen wunderbar bewegenden Film habe ich gestern gesehen - "Ein Leben für ein Leben - Adam Hundesohn" Der läßt mich schon den ganzen Tag nicht los, davon berichte ich ausführlicher.

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  10. Vielen Dank für den prima Buchtipp!!

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  11. Hallo,
    ein sehr gut gemachter Blog, mit viel Information und tollen Rezepten. Von den guten Fotos gar nicht erst zu reden.
    Werde gerne oft hier stöbern und mich Inspirieren lassen.

    So einen Blog sollen viele lesen, daher verlinke ich dich gerne bei mir.

    Mit vielen Grüßen aus Barcelona

    Rico

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  12. Danke Rico, das Kompliment gebe ich gerne zurück!

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  13. Hihi, dieser sehr alte Wiener Jiddische Witz hat schon einen soooooo langen Bart, wie Oliver Polak vermutlich gar nicht alt ist. Hat er also in alten jiddischen Witzen gekramt und verkauft sie als seine eigenen, tzzzzz.... er darf das,... :-D

    Aber das PutenSchwein schaut gut und saftig aus! :-)

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Danke für Deinen Kommentar, der schnell freigeschaltet wird, so er höflich und respektvoll ist und nicht anonym abgegeben wurde. Mein Blog ist kein Diskussionsforum für anonyme Netz-Misanthropen, sondern ein Geschenk an meine Leserinnen und Leser.

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