Domburg 2009. Familienurlaub, essen & trinken

Teil 1 - Domburg, Zeeland, NL

Mal ehrlich - wer macht schon gerne Familienurlaub? Als Kind ist man diesem irgendwann endlich entwachsen und genießt die wilden Fahrten ins Unbekannte, ungeplante Übernachtungen an diversen Stränden zu fünft im Golf II eingeschlossen. Dann fährt man jahrelang gemütlich im eigenen Rhythmus mit dem Partner, entwickelt dabei im Laufe der Zeit die gleichen Vorlieben für die immer gleichen Ziele.

Aber irgendwann kommt doch wieder die Frage aus der Familie - wollt Ihr nicht mal mitkommen, ist doch so schön, wo wir immer hinfahren, würde Euch auch gefallen und dann hätten wir endlich mal Zeit füreinander...Nach kurzem Überlegen wird spontan zugesagt, der Termin  abgestimmt, das Hotel gebucht - die Vorfreude beginnt. Erste Irritationen kommen bald - macht doch nix, wenn H. ein oder zwei Tage später dazukommt? Nö, schade zwar, aber nicht schlimm. Die zweite Irritation läßt nicht lange auf sich warten - H. kommt erst an Eurem  Abreisetag, ist das schlimm? Ooooch, ja schon, aber ich gebe mir Mühe,  sehe es positiv, so hat der Rest mehr der kostbaren Zeit miteinander...

Aber P. und ich werden nicht geschont, es geht weiter: Ach, wenn H. so sehr nachkommt, kommt halt N. vorher schon mit. N? Kennen wir gar nicht! So hatten wir eine Hotelbuchung in der Tasche, für einen Ort, an den wir eigentlich gar nicht wollten, mit Menschen, die wir zum Teil gar nicht kennen...Was macht man da? Das Beste draus, ist ja klar!

Und so landeten wir ewigen Zandvoort-Urlauber in Hollands ältestem Seebad, in Domburg. Aber Piet Mondrian und Kaiserin Elisabeth konnten schon damals nicht irren...Unser Hotel, das Bommeljé, war wunderschön, der Empfang sehr herzlich und N. unglaublich nett!

Nach einem kleinen Happen zur Ankunft und Stärkung nach der langen Fahrt


ließen wir uns hiermit

bei diesem Ausblick

auf der Terrasse des Restaurants Het Badpaviljoen nieder, Mitglied bei den Jeunes Restaurateur, immer ein Qualtitätsversprechen.

P. war von der Atmosphäre so begeistert, dass wir für abends gleich einen Tisch zum Essen reserviert haben.

Da wenden sie sich ab mit Grausen...


Nein, natürlich nicht! War nur Spaß! ;)

Schnell noch Gläser polieren und das nach 2 Flaschen Wein  sicher nötige Hinweisschild aufstellen...

Und dann das hier für den Abend vorbereiten...

EUROPESCHE KREEFT EN KINGCRAB
Kruidensalade en Citrusvinaigrette

ZEETONGFILET MET GEBAKKEN GAMBA
Risotto, Butternutpompoen en Jus van Bouillabaisse

HERTFILET EN RAVIOLI VAN HERTENBOUT
Spitskoolcanneloni en Portsaus

PEERTJE MET PANNA-COTTA VAN CARAMEL
Caramel Chocoladenmousse en Caramelsaus

Der Empfang im Restaurant war sehr herzlich, als man uns auf das Haus zukommen sah, wurde bereits die Tür aufgehalten, die Jacken abgenommen und gefragt, ob der reservierte Tisch recht wäre.

Bei der Frage, ob es denn wohl einen Sekt gäbe, kam der Kellner ins Schleudern, es gab nur Prosecco und ob dieser nun Frizzante oder Spumante wäre, wusste er nicht. Nun gut, Blubber sollte sein, es kam leider ein Frizzante, der so tot war in der Perlage und am Gaumen, daß wir uns nach der Weinkarte sehnten. Leider war diese  uninspiriert - so als wäre aus jedem Dorf ein Hund dabei, von Allem ein kleines bisschen und das ohne großen Anspruch. So bestellten wir uns eine Flasche

Domaine Raissac
Chardonnay 2008

der überraschte mit exotischer Frucht wie Mango und gelber Melone und war uns ein angenehmer, süffiger Begleiter für Vorspeise und Zwischengang. Dabei hatte er allerdings ein bisschen Mühe mit der Zitrusvinaigrette und den Grapefruitstückchen bei der Königskrabbe.

Ruck zuck und für meinen Begriff zu schnell stand die Vorspeise auf dem Tisch, ein Amuse gab es leider nicht.
Der Hauptgang war sicher das Paradestück im Menü, aber ich weiß nicht so recht, was die Stange grüner Spargel sollte, sie sah nett aus, aber die Saison ist nun selbst in den Niederlanden vorbei. Das Fleisch war sehr rosa, für mich perfekt, für P. einen kleinen Moment zu roh...der Ravioli, gefüllt mit Hirschburst köstlich, Spitzkohlcanneloni ein bisschen zu kalt.

Zum HG wünschte ich mir bei der sympathischen Restaurantleiterin einen Roten und verließ mich auf ihren Rat. Es kam ein Tempranillo aus Medrano, Rioja, der das Hirschfilet perfekt begleitete.

Zum Dessert, bei dem die Birne sehr schmackhaft war, aber unglaublich verloren wirkte und sich auch der Cracker aus der Vorspeise wiederholte,  bestellten wir uns Port, es gab nur Ruby, schade, welcher es war habe ich dann gar nicht mehr gefragt.

Mittlerweile haben wir erfahren, dass dieses ruhmreiche Haus, das in den 50er Jahren alles beherbergte, was Rang und Namen hatte, viele viele Jahre vor sich hindämmerte und zerfiel.
Vor einigen Jahren begann das große Renovieren, für die Appartements gab es über 400 Bewerber bei einem der höchsten Quadratmeterpreise in ganz Zeeland. Unten ist das Restaurant untergebracht und oben sind die Wohnungen, deren neue Besitzer kaum da sind. Sicher braucht man viel Zeit, um das Geld für ein solches Schmuckstück zu verdienen.

Zusammenfassend ein gelungener Auftakt für einen Urlaub der so irritierend begann.
 
To be continued...



Print Friendly Version of this page Print Get a PDF version of this webpage PDF

Arthurs Tochter

Kommentare :

  1. War noch nie in Holland, dein Bericht reizt mich aber sehr, das mal zu ändern. Schönes Hotel in wunderbarer Lage! Nur von Familienurlaub konntest du mich trotz Happy End nicht überzeugen
    ;-)

    AntwortenLöschen
  2. Mit Holland geht es mir wie Eline, war noch nie da. Wie es den Anschein macht lohnt es sich aber sehr wohl. Essen sieht sehr sehr lecker aus....mal gespannt bin auf Fortsetung.

    AntwortenLöschen
  3. Als 16jährige habe ich zusammen mit einer Freundin eine Busreise nach Holland gemacht, an der normalerweise nur Rentner teilnehmen. Ich war trotzdem tief beeindruckt, vielleicht auch deshalb, weil ich mich heftig in einen Jungen verliebt hatte - der hatte allerdings ein Auge auf meine Freundin geworfen. An die erste gebratene Scholle, die ich damals gegessen habe, erinnere ich mich noch heute. Die war sooo lecker.

    AntwortenLöschen
  4. Wir machen auch ab und zu gerne in Holland Urlaub, deshalb vielen Dank für Deinen Bericht, denn in Domburg waren wir noch nie. Zandvoort kenne ich auch und v.a. Den Haag / Scheveningen. Ich gehe in Holland auch sehr gerne asiatisch essen, da gibt es sehr gute Restaurants. Familienurlaub steht uns ca. in 2 Jahren bevor. Die Eltern möchten mal die Kinder nebst Anhang in den Urlaub einladen ...Da bin ich schon sehr gespannt, wie das endet :-)

    AntwortenLöschen
  5. Oh ich liebe Holland habe sehr viele schöne Wochenenden dort verbracht..die Holländer können gut feiern... super schöner Bericht .... bin auf die Fortsetzunge gespannt

    AntwortenLöschen
  6. @Eline und Hannes, schön , wenn Euch meine Schwärmereien zu einem Besuch in diesem kleinen Land hinterm Deich inspirieren können...Es lohnt sich!

    @linda,
    wie gemein von dem Kerl ;)! Wie gut, dass die Scholle so lecker war, so dass Deine Erinnerungen nicht so ganz negativ ausfallen...

    @isi
    wir fahren schon seit vielen Jahren ständig nach Domburg, leider ist es da so sehr verbaut mit Sünden aus den 70er Jahren. Da ist Domburg, das wir jetzt für uns entdeckt haben, sehr viel schöner, ursprünglicher und gemütlicher. Zandvoort - adé ;(

    @cherry blossom,
    ja, feiern können die Holländer - mit und ohne Genever! Wirklich ein fröhliches Volk, vielleicht liegt das an der Weite des Landes, das ist auch schon lange meine Theorie für die netten Menschen in Dänemark. Die Weite im Blick erhöht die Weite im Herzen und im Verstand... denk ich mal so...

    AntwortenLöschen
  7. KORREKTUR!!!

    Nochmal an Isi,
    ich meine natürlich, wir fahren seit Jahren nach Zandvoort - aber jetzt ja nicht mehr...

    AntwortenLöschen
  8. @Arthurs Tochter
    habs schon verstanden ;-) Ja, die Bausünden sind in Scheveningen auch das große Problem... Also schauen wir uns bei nächster Gelegenheit auch mal Domburg an :-)

    AntwortenLöschen
  9. Hallo AT an Deiner Theorie bezüglich der Weite ist was dran auf jeden Fall- deshalb sind die Kanadier auch so nett ;-). In Holland kann man prima Leute kennenlernen und einen trinken gehen... Die Belgier mag ich auch - die sind zwar wieder anders als die Holländer aber da kann man sehr gut leben und essen.. Leider haben die es geschafft Ihre Küste so ziemlich komplett zu verschandeln... schade.. aber dafür haben sie kulinarisch einiges drauf...

    AntwortenLöschen

Danke für Deinen Kommentar, der schnell freigeschaltet wird, so er höflich und respektvoll ist und nicht anonym abgegeben wurde. Mein Blog ist kein Diskussionsforum für anonyme Netz-Misanthropen, sondern ein Geschenk an meine Leserinnen und Leser.

Instagram