Von der Perfektion...

Billy Wilders bester Drehbuchschreiber liest ihm die zwölfte Fassung einer Szene vor und fragt ihn dann: "Das ist doch jetzt ganz gut so, oder?" - "Ganz gut?!" ruft Wilder und springt auf, "ganz gut? Es ist perfekt! - Und jetzt wollen wir es besser machen!"

Was ist Perfektion? Und was passiert, sollten wir sie tatsächlich jemals erreichen? Das würde bedeuten, die Entwicklung an uns selbst einzustellen - würden wir das wollen? Möchten wir mit einem perfekten Partner leben? Und wenn wir uns in unseren Beziehungen an anderen Menschen abarbeiten und sie dann endlich soweit haben - so perfekt in der Beziehung zu uns- würden wir die Anderen dann noch wollen?

Wer ist der oberste "Gralshüter" der Definition? Wem erlauben wir, zu entscheiden, wann wir oder andere perfekt sind. Das sind nur wir allein. Und so ist es auch an uns selbst, etwas entspannter durch die Abschnitte unseres Lebens zu gehen, uns locker zu machen, nicht perfekt sein zu wollen, damit wir niemals einen Grund haben, stehen bleiben zu können.

Ausser natürlich - in der Küche! ;)
Der entspannteste Mensch kann tiefe Gräben aufreißen, wenn es um die Perfektion eines bestimmten Gerichtes geht, das unbedingt nach der perfekten Zubereitungsart gekocht werden muss. Wieviele perfekte Gulaschrezepte gibt es? Legion! Wieviele perfekte Wiener Schnitzel? Eben! Gehören Tomatenstücke in eine Bolognese? Darf Sahne in die perfekte Carbonara? Im Prinzip ja, aber...

Meine ganz persönlichen Gräben kann ich aufreissen, wenn es um die Herstellung des perfekten Kartoffelpürees geht. Natürlich kenne ich die Varianten wie aufmixen, damit die Sache klebrig wird wie Kleister und dann im dünnen Strahl Olivenöl hineinlaufen lassen, um es wieder schmackhaft zu bekommen oder auch die Zubereitung als Aligot, ebenfall eine zähe Angelegenheit. In diesem Fall wird Tomes hineingerührt um es schwer und käsig zu machen. Aber das ist auch eine Erfindung von Pilgermönchen auf dem Jakobsweg, die wollten etwas noch Nahrhafteres als Käse mit Brot, um Kraft zu schöpfen für den langen Weg.

Nein, nein! Für mich ist das perfekte Kartoffelpüree eine federleichte Angelegenheit! Da halte ich es mit Joël Robuchon und nehme nur Kartoffeln, Sauerrahmbutter und Milch mit 3,5 % Fettgehalt. An "Sonntagen" auch mal Rahm, aber das macht es schon gleich wieder etwas schwerer. Und ich schwöre auch nicht unbedingt auf mehlige Kartoffeln. Die besten Erfahrungen - also gleichwohl die perfekten - habe ich mit jeweils hälftig "vorwiegend festkochend" und "mehlig kochend" gemacht. Und ich stampfe sie auch nicht, sondern gebe die gekochten Kartoffeln durch eine Kartoffelpresse direkt in einen Topf mit schwerem Boden, in dem bereits ein großes Stück Butter schwimmt. Unter langsamer Zugabe von warmer Milch wird dann mit einem Holzlöffel kräftig durchgerührt und Luft in das Püree geschlagen. Niemals würde ich mein Püree mit einem Kunststofflöffel rühren! Dann bekommt es Salz, weißen Pfeffer und einen Hauch aus der Muskatreibe. Vielleicht noch etwas Butter, noch ein winziges Stück. Cremig muss es sein - leicht, locker und luftig. Und dann gibt es etwas frittierten Salbei dazu oder auch eine Salbeibutter, wenn ich an diesem Tag nicht mehr vorhabe, mich zu bewegen. Oder in Milch und Honig geschmorte Karöttchen. Und morgen früh geht es zum Joggen in die Weinberge, um diese Kohlenhydratbombe wieder wegzurennen. Ehrlich! Am Ende bleibt sonst nämlich die Figur nicht perfekt, da zählt wirklich jedes Gramm, fragt mal meinen Partner! ;))




In eigener Sache - das Magazin Effilee hat in seinem Newsletter 08/2009 als "Rezeptempfehlung des Monats" dieses hier verschickt. Dafür herzlichen Dank an die Verantwortlichen!
Print Friendly Version of this page Print Get a PDF version of this webpage PDF

Arthurs Tochter

Kommentare :

  1. Mein Lieblingsthema!
    Perfektion erkennt man beim Kochen sofort - den perfekten Parter erst nach einiger Zeit ;-).
    Es mag unterschiedliche Geschmacksvorlieben geben. so auch beim KaPü. Aber ein perfektes Püree a la Robouchon, mit dieser vielen Butter drin, erkenne ich, wenn ich es koste. Es ist das Handwerk, des man als perfekt erkennt: Produktqualität, perfekte Garzeiten und Verarbeitung. Schmecken tut mir deines, mit viel weniger Butter, sicher besser. Und meines, das ich genaus so wie du mache, nur mit "Sauerdäpfeln". Das sind ganz mehlig kochende, riesige Kartoffel, wie sie früher die glücklichen Schweindln als Futter bekommen haben. Mit diesen Kartoffel souffliert ein Püree, wenn die heisse Milch rein kommt und wird wie frischer, weisser Schnee.

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Astrid ein sehr schönes Thema... Kartoffelbrei war schon als Kind meine Lieblingsbeilage und ein gutes Kartoffelbrei ist eine Kunst!! Damlas mochte ich es auch mit viel Rahm und Butter... Wahnsin. Heute vertrag ich das leider nicht mehr und bereite mein Püree mit Brühe und Olivenöl. Muskat darf nicht fehlen. Manchmal mische ich auch gegrillten pürierten Knoblauch drunter, Kräuter oder gekochten Sellerie oder was immer mir in die Finger kommt.
    Ich verwende eine alte sehr schwere Metallpresse dafür - die habe ich geerbt und da geht nix drüber. Machmal pürier ich den Brei auch nicht und serviere diese Kartoffelspaghetti

    AntwortenLöschen
  3. Wer denkt perfekt zu sein ist von der Wirklichkeit Lichtjahre entfernt. Gut so!
    Wie Du aber den Kartoffelbrei machst, das ist für mich persönlich absolut perfekt. Wahrscheinlich weil ich ihn genau so machen würde :-)

    AntwortenLöschen
  4. due sprichts mir aus dem herzen, mit dem erstreben der perfektion, die man meistens nur manchmal wirklich erreicht.
    bei deinem kartfoffelpüree finde ich interessant, dass du nicht nur mehligkochende verwendest. ich mache es da wie eline, obwohl ich hier in der region sehr schwer an wirklich mehligkochende kartoffeln komme. aber ich werde mal deine version testen.

    AntwortenLöschen
  5. mit nur mehligen Kartoffeln wird es natürlich auch sehr gut, ich habe nur die Erfahrung gemacht, dass sich gerade mehlige Kartoffeln sehr schnell mit dem Kochwasser vollsaugen, und das Püree nicht die Cremigkeit bekommt, die es haben soll. Da ist es oft eine Sache von Minuten, die Kartoffeln rechtzeitig abzugießen. Daher gelingt es mir mit der Mischung meistens besser.

    AntwortenLöschen
  6. das ist eine interessante erfahrung, klingt einleuchtend.

    AntwortenLöschen
  7. I really love german food. In your caso, especially, very food very colorful and tasteful.

    Congratulations.

    Guilherme

    AntwortenLöschen
  8. Ah den Post hatte ich noch nicht gelesen! :-)

    Ich dachte mir schon das du es mit dem Kartoffelpüree genau so ernst nimmst wie ich! Das mit dem frittierten Salbei kann ich mir sehr gut vorstellen! Lecker!

    AntwortenLöschen
  9. Gesier Entenmagen12. März 2013 um 14:49

    Ein wunderschöner Blog!
    Hast Du schon mal versucht, eine herrlich mehlige Bintje mit Schale zu kochen und erst dann (gepellt natürlich ;-))durch die Presse zu jagen? Oder die geschälte Mehlige gleich in Milch/Sahne zu kochen?
    Das Problem mit dem Wasser ziehen hast Du dann jedenfalls nicht mehr.
    Und ich bilde mir ein, besser geht´s nicht, wenn man Deine sonstigen Hinweise beherzigt.

    AntwortenLöschen

Danke für Deinen Kommentar, der schnell freigeschaltet wird, so er höflich und respektvoll ist und nicht anonym abgegeben wurde. Mein Blog ist kein Diskussionsforum für anonyme Netz-Misanthropen, sondern ein Geschenk an meine Leserinnen und Leser.

Instagram