Mein Baby gehört zu mir!




das ist er, der Spruch, der uns Mädchen offensichtlich und die Jungs nur heimlich zu Tränen rührte. In dem Film, den wir offiziell alle gar nicht gesehen haben. Tanzen und Liebe war ja sowas von... Die Blöße durfte man sich nicht geben. Aber das ist wie mit der Zeitung, die keiner liest - Millionen sahen den Film, der Tanz dazu hielt Einzug bei sämtlichen ADTV-Mitgliedern und das einzig Tröstliche daran, dass wir nie lernten im Wasser zu tanzen war, dass unsere Nasen nicht so krumm waren, wie die von Jennifer Grey. 


Und dann Du, Patrick Swayze...

Ich fand Dich nie besonders attraktiv, aber Du verkörpertest in all Deinen Rollen stets den zwar etwas Widerspenstigen, aber zuverlässigen und liebevollen Mann. Allein als Orry Main standest Du gegen alles, was ich für richtig erachtete. Und trotzdem liebte ich Dich! Du spieltest zwar einen Südstaatler - aber einen von den Guten! Kümmertest Dich um Deine Sklaven, liebtest die falsche Frau mehr als Dein eigenes Leben und bliebst immer der gute Freund von George Hazard. Der stand zwar von Anfang an auf der richtigen Seite, war dadurch aber auch um Längen langweiliger.

Dann kam die Rolle Deines Lebens! Ähnlich wie John Travolta, mit dem Du  1983 in Staying Alive spieltest, wurdest Du Dein  Image als Tänzer nach "Dirty Dancing"  nur schwer wieder los. Der grottige Film "Road House" ließ mich trotz Deines gestählten Kampfsportkörpers an Dir zweifeln, bis Du als Sam Deine geliebte Frau in einem Zustand zwischen Leben und Tod vor demselbigen rettetest. "Dito!" Das kam gleich nach "Mein Baby gehört zu mir". So wie Du es sagtest, hätte mir jeder Mann der Welt nur noch "Dito" sagen müssen, auf das langweilige "Ich liebe Dich" wäre ich glatt bereit gewesen, zu verzichten. Anschließend gefielst Du mir in "Stadt der Freude" bis dann Dein furioser Auftritt in "To Wong Foo - Thanks for everything, Julie Newmar", folgte. Patrick im Fummel - welch ein großer Spaß und Wasser auf die Mühlen aller, die doch schon immer wussten, dass...

Und als ich schon gar nicht mehr an Dich dachte, da hattest Du eine zugegebenermaßen widerliche Rolle in einem meiner Lieblingsfilme,  in "Donnie Darko". An dem was dann folgte, war ich  nicht mehr interessiert. Dirty Dancing 2 habe ich mir trotz Deines Cameo-Auftrittes nicht angesehen, und hatte Dich schon fast vergesses, bis  "11:14" kam. Der Film, der in einem furiosen Finale an einer Straßenkreuzung alle Handlungsfäden zusammenbringt und in dem Du noch einmal gezeigt hast, was für ein großartiger Schauspieler Du sein kannst.

Heute habe ich gedacht, so aus der Entfernung schien Dein Leben in den letzten Jahren wie Deine Filmkarriere. Ein Auf und Ab mit Highlights, dann wieder Kampf, Ermüdung und schließlich Kapitulation. Vor ca. 1,5 Jahren erfuhr die Öffentlichkeit von Deiner Krankheit und Deinem Kampf. Krebs der Bauchspeicheldrüse ist dafür bekannt, schnell und schmerzhaft zum Tode zu führen. Aber Du warst dazu nicht bereit. Mit der Kraft eines Löwens hast Du gegen diese furchtbare Krankheit angekämpft und während wir Farrah Fawcett im Juli dieses Jahres verloren, kämpftest Du immer weiter. Kurzeitig gab es Meldungen, Du wärest fast geheilt (so es eine Fast-Heilung bei Krebs geben kann) und würdest sogar bereits Filmangebote prüfen. In dieser Zeit erinnertest Du mich in Deinem unermüdlichem Kampf an Christopher Reeve, der auch nie bereit war aufzugeben.

Und das wird mir bleiben - die Erinnerung an diesen, Deinen Kampf. Das Nichtaufgebenwollen. Die Kraft, mit der Du der Unausweichlichkeit des Endes dabei stur ins Auge blicktest.
Danke Patrick Swayze für all die schönen Momente, für die Szenen, in denen ich weinen durfte, in denen ich als Mädchen träumte von einem Mann wie Johnny oder Sam. Ich weiß, Du hast Dein Publikum geliebt.

Dito!


Print Friendly Version of this page Print Get a PDF version of this webpage PDF

Arthurs Tochter

Kommentare :

  1. Gut geschrieben, vor allem zwischen den Zeilen kann man doch sehr viel lesen !?

    AntwortenLöschen
  2. Er war ein Großer
    @Arthurs Tochter
    Danke für diesen schönen Nachruf.
    Er hat viele Filme gemacht.
    Einige waren gut, manche eben nicht.
    Nur wenn man zurückschaut... wieviele Filme vom Kaliber "Dirty Dancing" gibt es wirklich?
    Mir fallen da nur wenige ein die so begeistern konnten.
    Für mich war er ein ganz Großer.
    "Mein Baby gehört zu mir!"
    Ist meine Liebeserklärung an meine Frau...
    viel mehr kann ein Schauspieler nicht erreichen, als einer Figur ein Leben zu verleihen, welches Vorbild für das reale Leben seien sollte.
    Danke Du warst ein richtig geiler Typ.
    darko-mv

    AntwortenLöschen
  3. Absolut möchte ich nicht schreiben, das verbietet mir die Ehre
    dafüt bringt es hier Arthus Tochter,
    perfekt wie ich finde un gut recherchiert auf den Punkt.
    Und die wenigen zu viele Filme die ich vieleicht nicht gesehen hab, habe ich doch einige gesehen die ich zweifelslos klasse fande, seinen Mut bewundere ich jetzt noch.
    Ruhe in Frieden.
    whismerh2

    AntwortenLöschen
  4. @Arthurs Tochter
    Danke für diesen wunderschönen und liebevollen Nachruf.

    er war ein begabter Mensch, der mir viel Freude gemacht hat.
    Mein aufrichtiges Beileid
    nightfriend

    AntwortenLöschen
  5. Vielen Dank für den schönen Nachruf. Ich habe nicht alle Filme mit ihm gesehen, aber wie gerne erinnere ich mich an die "Fackeln im Sturm"-Zeiten zurück. Wir waren noch nicht so übersättigt mit blödsinnigen Serien und das war jedenfalls für mich ein echtes TV-Event. Ich leidete mit Orry mit und genoss jede Folge. Danke Dir für die Erinnerung....

    AntwortenLöschen
  6. Wie damals bei "Dirty Dancing" muss ich mir beim Lesen dieses wunderbaren Nachrufes die Tränen zurückhalten. Ich hätte es ja niemals öffentlich zugegeben, aber nachts habe ich schon manchmal von Johnny geträumt.

    Die Stuttgarter Zeitung schreibt heute in ihrem Schlußsatz:
    "Wir wissen jetzt, dass er jenseits schlechter Drehbücher ein zäher, tapferer, leidensfähiger Kerl war.

    AntwortenLöschen
  7. Danke Linda!
    Wie oft ich mir gestern die 2 runtergeladenen Videos angesehen haben, traue ich mich kaum zuzugeben..., seufz...

    Und die Süddeutsche hat das gut beschrieben!

    AntwortenLöschen
  8. Ist schon seltsam, dass einem der Tod einer wildfremden Person so nah berührt. Ich habe "Gefährliche Brandung" so oft gesehen, dass ich schon fast wirklich selber dabei war.

    AntwortenLöschen
  9. Den EIntrag habe ich eben über den "könnte Ihnen auch gefallen" Link gefunden. Und ja, er gefällt mir, sogar sehr!

    Ohne viele Worte, und ohne viel Geschmalze, liets man doch deine Betroffenheit heraus. Es bewegt mich auch immer sehr, wenn einer der "Weggefährten" geht, ein Gesicht das man Jahrzehnte lang gekannt hat, Menschen die einem viel Vergnügen bereitet haben, und die Erinnerungen die damit zusammenhängen. Leider häufen sich diese Fälle immer mehr, man merkt man wird älter :(

    Zweitens sehe ich viele Parallellen, mein Gott, was war ich früher oft im Kino! Meine Oma sagte immer "ich weiß gar nicht wann ich zuketzt im Kino war...", und ich dachte "Dumme Kuh, dann geh halt ins Kino, ich geh ja auch oft, und das wird sie NIE NIEMALS ändern!" Heute weiß ich kaum noch wann ich zuletzt im Kino war :) Mir taugen aber auhc die meisten FIlme nicht mehr so. Früher war alles besser. Wie gesagt, ich werde alt ;)
    Auch unser Filmgeschmack scheint ähnlich zu sein!

    AntwortenLöschen

Danke für Deinen Kommentar, der schnell freigeschaltet wird, so er höflich und respektvoll ist und nicht anonym abgegeben wurde. Mein Blog ist kein Diskussionsforum für anonyme Netz-Misanthropen, sondern ein Geschenk an meine Leserinnen und Leser.

Instagram