Coq au Kirsch


Manchmal fühle ich mich zuhause wie in dieser alten Kochsendung "Das Kochduell". Wenn ich mich nicht irre, war das die, in der die Kandidaten für DM 10,00 einkaufen durften, was ihnen so in den Sinn kam, dann wurde es im Studio dem jeweiligen im Team befindlichen Profikoch vorgelegt und der hatte dann x Minuten Zeit, daraus etwas Essbares zu machen. Also günstige, spontane Cucina Rapida. Da hätte es sicher viele Anregungen für dieses Event gegeben.

Moderiert wurde die Sendung zu Beginn von Britta von Lojewski, und wenn ich richtig erinnere, hatte man sie als ehemalige Sport-Berichterstatterin dorthin abgeschoben, weil sie in einer ihrer ersten Sendungen "Schalke 05" gesagt hatte. Das war dann ein ganzer Sturzbach auf die Mühlen der Männer, die meinten, eine Frau hätte als Sportreporterin nichts zu suchen und wäre dazu auch gar nicht fähig. Inzwischen haben wir Monika Lierhaus und die DM gibt es auch nicht mehr. So ändern sich die Zeiten.

Einer der lustigsten Köche in dieser Sendung war für mich immer Sante di Santis, der auch gestern in der "Kocharena" wieder viel Spaß gemacht hat. Ich bin sicher nicht die Einzige, die er sofort an den verrückten Smörebröd-Koch aus der Muppet-Show erinnert.

So fühlte ich mich also gestern, als ich in den Kühlschrank schaute und mal wieder mit Unverständnis für mich selber den Kopf schüttelte. Es gibt ja Menschen, die gehen mit Wochenplan einkaufen, die wissen schon sonntags, was donnerstags gekocht wird. Dann gibt es die, die überlegen, was koche ich heute oder morgen, und kaufen danach ein. Das mache ich selbst schon manchmal. Meistens aber - im normalen Alltag, ohne Gäste, die erwartet werden, kaufe ich ein und nehme mit, was mich so anlacht und anmacht. Wobei ich den knackigen Verkäufer im Käsewagen immer stehen lasse! ;)

So, da waren also Hähnchenkeulen und Stangenbohnen im Kühlschrank, die der Verarbeitung harrten. Kirschen gab es auch noch, nur im Glas und ich weiß auch gar nicht warum ich die mal gekauft hatte, so what, das Glas sollte weg, es stand immer nur im Weg. Da war ich ja fast schon wieder bei Koalitionsspielereien, aber alle politischen Bedenken beiseite gewischt kam dann dieses hier auf den Tisch:

Coq au Kirsch


  • Hähnchenkeulen
  • Kartoffeln
  • 500 g grobes Meersalz
  • 500 g Stangenbohnen
  • 1 Glas Bio-Sauerkirschen
  • ein guter Schluck Rotwein
  • etwas Kirsch-Koriander-Likör
  • ca. 150 ml Rotwein
  • 1 Schalotte
  • frisches Bohnenkraut und - in Ermangelung von Rosmarin - frischer Thymian aus dem eigenen Kräutergarten
  • Harissa-Gewürzmischung aus der Mühle
  • eiskalte Butter
Kartoffeln waschen und in einer ofenfesten Form auf das Meersalz betten. Mit Olivenöl begießen, etwas Fleur de Sel aufstreuen, mit Kräutern bestücken und ca. 60 Minunten bei 180°C in den Ofen schieben.

Die Hähnchenkeulen an den Gelenken in 3 Stücke teilen, die Haut "über die Ohren ziehen". Haut an Geflügel ist nur lecker, wenn sie knusprig gebraten ist, in Schmorgerichten ist sie ein labbriger Fettträger. Dann in Butter langsam und sanft anbraten. Das muss vorsichtig geschehen, denn wenn die Butter verbrennt, kann der Bratenansatz weggeschüttet werden, und dauert schonmal locker 15 Minuten. Während des Bratens pfeffern und salzen.

Die Fleischteile aus dem Schmortopf nehmen, kurz unter Alufolie warmhalten, den Bratensatz mit Mehl abstäuben, etwas angehen lassen und dann den Rotwein angießen. Ordentlicher Schluck! Einkochen lassen. Dann ca. die Hälfte des Kirschsaftes dazugeben, Hitze runterschalten und die Hähnchenteile zurück in den Topf legen. Ca. 30 Minuten sanft schmoren lassen, zwischendurch mit der Harissa-Mischung würzen.

Die Bohnen putzen, in Stücke schneiden und blanchieren. Mit der Schalotte und Butter in einer Pfanne knackig angehen lassen. Auf Knoblauch, der für mich sonst an Bohnen ein unverzichtbarer Bestandteil ist, habe ich hier aufgrund der verschiedenen Geschmackskomponenten bewusst verzichtet.

Am Ende der Schmorzeit die Hähnchenstücke aus dem Sud nehmen und diesen um ca. die Hälfte einreduzieren lassen, einen Schluck Kirsch-Koriander-Likör spendieren und mit eiskalter Butter binden. Dann die Kirschen zur Sauce geben und die Hähnchenteile hineinlegen.

Der Wein zum Kochen und zum Essen:

Ursprung
2007, QbA
Markus Schneider, Pfalz
Eine fruchtige Cuvee aus CabSauv., Merlot und Portugieser aus den Lagen des Dürkheimer Feuerberges. Dort befindet sich der Ursprung des Weinanbaus in der Pfalz.

















Und hier gehts zum remake: Coq au Kirsch, Klappe: Die Zweite.
Print Friendly Version of this page Print Get a PDF version of this webpage PDF

Arthurs Tochter

Kommentare :

  1. so rot, so köstlich sieht es auch aus

    AntwortenLöschen
  2. Solange du immer Wein auf Vorrat hast ....
    Hat es geschmeckt?

    AntwortenLöschen
  3. Ich gebe zu, der Kühlschrank ist manchmal leer, aber der Wein geht mir nie aus!!! Und Du weißt ja auch, wo er steht ;), da oben in der kleinen Kammer am Bad...

    Ja klar hat es geschmeckt! Wenn so ein Schnellschuß mal schiefginge, würde ich das feine Mäntelchen des Schweigens drüberhängen. Der einzige Kritikpunkt wäre vielleicht, dass die Bohnen geschmacklich fast untergegangen sind, da hätte der Knoblauch gar nicht geschadet, aber es steht hier ja das Huhn im Mittelpunkt. P. meinte nach dem ersten Löffel Sauce: "Die stellt alles Dagewesene in den Schatten" Das ist natürlich maßlos übertrieben und es sprach wohl die Liebe und unser Jahrestag aus seinen Worten, aber trotzdem... ;))

    AntwortenLöschen
  4. Ja, an die kleine Kammer habe ich gedacht ;-)
    Und Obst mag ich sowieso am liebsten als Beilage oder Saucen-Bestandteil, daher hätte mir dein Huhn sicher geschmeckt.

    AntwortenLöschen
  5. Also das Farb-Ensemble sieht verführerisch aus. Von der Zubereitungstechnik der Kartoffeln habe ich auch noch nie gehört. Lohnt sich das denn, 500 g Meersalz ist ja schon eine Menge. Bohnenkraut mag ich leider nicht, deshalb käme ich wohl um den Knobi nicht herum. Etwas Speck vielleicht noch?

    AntwortenLöschen
  6. @Weinnase
    Das Meersalz war sowieso ´ne angebrochene Packung, die ständig drohte umzufallen und auszulaufen... ;) Speck ist immer gut, der kommt sonst auch an die Bohnen, aber hier war es mir zuviel mit dem Huhn. Kartoffeln machen sich auf die Art und Weise halt wie von alleine und werden sehr schmackhaft. Sonst bin ich nicht so der Fan von "auf dem Salzbett garen", vieles ist mir dabei schon zu salzig geworden.

    AntwortenLöschen
  7. SUPER gekocht, diese Harmonie beim lesen des Rezeptes kann nur ein sehr schönes Geschmackserlebnis ergeben haben. Für mich persönlich passt da alles, wirklich großes Kompliment! Die Einleitung ist sehr erfrischend :-) zu lesen!

    AntwortenLöschen
  8. oaach, mir hätte da auch das fleisch + sosse + viel brot zum ditschen gereicht.
    da kann ich auf beilagen verzichten.
    verrate mir doch mal bitte, was es mit dem kirsch-korianderlikör auf sich hat? klingt sehr interessant, diese mischung.

    AntwortenLöschen
  9. @hannes: Dankeschön, ich finde ja auch, dass oft die wildesten Kombinationen passen, wenn man Nahrungsmittel nimmt, die die ungefähr gleiche Erntezeit haben, das hat die Natur schon ganz gut so eingerichtet. Zum Glück kann man Hühner das ganze Jahr ernten ;) Obwohl, auf "Daniels Hühnerhof", von dem ich meine "Mistkratzer" beziehe, gibt es zwar das ganze Jahr tolle Hähnchen, aber Hühner nur wenig, die müssen rumrennen, glücklich sein und die leckeren Eier legen. Ich glaube, jetzt ist so langsam wieder "Suppenhuhn-Zeit" dort. Das Wetter ist ja sehr einladend für die ersten Eintöpfe und die Fond-Vorräte müssen auch aufgefüllt werden...

    AntwortenLöschen
  10. @hanna
    Dieser Likör ist wirklich klasse, ich koche sehr viel damit. Er schmeckt vordergründig erstmal nach Kirsche und dann kommt so von hinten die leichte Schärfe und Exotik des Korianders über den Gaumen geschlichen. Ich habe mir einige Flaschen gesichert, bevor der Feinkosthändler m. V. leider geschlossen hat. Meines Wissens gibt es ihn aber auch in Geschäften wie "vom Faß" oder "Oil & vinegard". Ich denke auch, dass ich noch in diesem Herbst/Winter eine neue Bezugsquelle brauche, obwohl ich doch immer nur den "wönzigen Schlock".... ;)

    AntwortenLöschen
  11. schöne kombination!

    die idee, huhn & kirsche zusammenzubringen, hatte ich auch schon mal - wenn auch ein wenig anders ... ;-)

    http://www.webkoch.de/forum/viewtopic.php?p=11410#11410

    AntwortenLöschen

Danke für Deinen Kommentar, der schnell freigeschaltet wird, so er höflich und respektvoll ist und nicht anonym abgegeben wurde. Mein Blog ist kein Diskussionsforum für anonyme Netz-Misanthropen, sondern ein Geschenk an meine Leserinnen und Leser.

Instagram